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SZ: Die falsche Rede vom Diebstahl

Michael Hutter (Professor an der Technischen Universität Berlin und Direktor der Abteilung “Kulturelle Quellen von Neuheit” am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) erklärt in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, was an der Diebstahl-Rhetorik der Rechteverwerter falsch ist: Fremdzündung.

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Das gestohlene Fahrrad fehlt dem Besitzer, geistige Inhalte sind nicht weg, wenn sie erschlichen wurden. Geistige Inhalte sind öffentlich, die falsche Rede vom Diebstahl muss aufhören.

Überraschenderweise mal eine andere Meinung in der Süddeutschen Zeitung.

[via]

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9 Kommentare
  1. Es ist noch nicht sehr lange her, da behauptete eine bayrische Justizministerin, eine Juristin offenbar, Daten könne man nicht stehlen. Natürlich besteht da ein wesentlicher Unterschied zum Diebstahl eines Fahrrads. Dennoch kann mich diese Juristin (CSU) nicht überzeugen. Was würde sie sagen, wenn an ihrer Person ein Identitätsdiebstahl vorgenommen werden würde (der nicht nur im Deutschen so heißt)? Ihre Reaktion würde mich da interessieren.

  2. Ich weiß ja nicht, das ist doch auch nur Streit über die Semantik. Die „es kann ja nichts gestohlen werden“ Ausrede fand ich immer etwas befremdlich. Obwohl ich technisch natürlich nachvollziehen kann, wie man darauf kommt, ändert es doch nichts daran, dass „geistiges Eigentum“ auch erschaffen wird, teils unter hohem Aufwand. Wenn man das dann der Öffentlichkeit unter der Auflage zur Verfügung stellt dafür eine Vergütung zu erhalten, könnte das eigentlich respektiert werden.

    Man kann sowas natürlich schlecht beim gesprochenen Wort machen, da man Menschen dann das Reden verbieten müsste, aber meiner Meinung nach lässt sich „geistiges Eigentum“ genau genug eingrenzen um das für bestimmte Fälle zu regeln. Ein Computerspiel wird auch offensichtlicherweise selten aus Nächstenliebe entwickelt und da man wohl bis heute scheinbar nicht auf die Ehrlichkeit der Nutzer vertrauen kann, sehen die Entwickler keine andere Wahl als sich mit DRM zu behelfen. Alternative Geschäftsmodelle zielen ja im Grunde auch nur darauf ab, die Nutzer so zu „manipulieren“, dass sie wieder bereit sind den Hersteller des Werkes zu entschädigen.

    Irgendwie gibt mir dieser Artikel so nicht viel. Dass „Diebstahl“ als Bezeichnung nicht angebracht ist, mag zwar richtig sein, aber eine große Erkenntnis ist das nicht. Das Problem bleibt aber weiterhin bestehen.

  3. Wenn ich eine Bahnfahrkarte in den Kopierer stecke, mache fünfzig Kopien und setze mich mit einer davon in den Zug, dann nennen die das Schwarzfahren. Da laufe ich rot an und stampfe mit den Füßchen auf, denn die Fahrkarte ist ja nicht weg, bloß weil ich sie kopiert habe. Und voll sind die Züge ja eh selten. Darum finde ich, man sollte diesen Tatbestand als Weißfahren bezeichnen. Das paßt auch viel besser zu meiner Weste.

  4. kann den nachsatz „überraschenderweise mal eine andere meinung bei der sz“ nicht nachvollziehen. dass wir unterschiedliche meinungen im blatt haben, auch mal solche, die nicht auf Eurer linie sind, kann jawohl kein problem sein?

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