HIV-positiv, na und? Teil II

Ich habe ja schon einmal über die Einstellung zu HIV hier in Lesotho geschrieben, und wie schwer es fällt, dafür ein Gefühl zu bekommen, sie zu verstehen. Heute fiel mir in einer Shopping-Mall amerikanischen Vorbilds, wie sie in Europa schon überall stehen, in Lesotho aber noch eine Attraktion sind, folgendes Schild auf:

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Die 3-Monatskur gegen HIV/Aids für nur 150€ aus dem Kosmetik-Salon. Nach 3 Monaten ist alles vorbei, und man kann aufhören die Pillen zu nehmen. Es sei denn man infiziert sich erneut.

Mir fehlen die Worte – und doch wird so einiges klar.

Unklar bleibt nur, welche Strafe ich für einen so bösartigen Betrug, eine so zynische, verantwortungslose, ekelhafte Geschäftspraxis für angemessen hielte.

Wie bereits erwähnt, gibt es die ‚besten‘ Mittel, die wirklich so weit helfen, wie es möglich ist, hier kostenlos. In der Klinik.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
12 Kommentare
  1. Im Endeffekt ist das nicht anders als die Leute bei uns, die angeblich durch Handauflegen Krebs heilen.

    Mal ganz davon abgesehen, dass ich bestimmt die Beherrschung verloren und das Ding zusammengetreten hätte, würde mich interessieren, ob die Menschen darauf auch hereinfallen.

  2. Die Seite vom Hersteller ist harter Tobak:
    http://www.ev.co.ls/products.htm

    Zitat1:

    By using EV Aloe Jelly, EV Aloe Cream, and the entire EV product range, you have the opportunity to become financially independent. Purchasing one product automatically puts you in position to win the following prizes: >> free business startup stock >> cash money you can spend as you wish >> Holiday packages to predetermined destinations etc. Therefore, the more you buy, the higher your chances of winning prizes.

    Zitat2:


    Caution : DO NOT stop using EV products after you believe your skin has reached the status you are proud of. This is because your skin will lack essential minerals that will have stimulated the ‘makeover‘. Continuous daily use of the products will make the skin more beautiful and keep it protected all day long throughout different weather conditions.

    AlterVerwalter.

  3. Dann ist es ja kein Wunder, dass sie es dort nicht ernst zu nehmen scheinen. Leute die das Zeug kaufen, glauben wohl tatsächlich, dass AIDS nur eine stärkere Erkältung ist? Erschreckend. Da gilt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

  4. Ich mag ja blind sein, aber die anti-HIV Produkte werden zumindest nicht auf deren Webseite angepriesen. Das scheint mir da alles eher Beauty-Zeugs zu sein.

    Generell aber ist die Einstellung zu HIV in Südafrika (und damit wohl auch in den Satellitenstaaten) ein von oben diktierte. Die alte Regierung unter Mbeki tat bisher alles, um das Problem zu bagatellisieren (siehe z.B. http://www.zeit.de/2005/21/Glosse_21), wie es unter Zuma aussieht ist mir gerade nicht geläufig. So ists kein Wunder, dass die arme und ungebildete Bevölkerung da auf lauter Scharlatane reinfällt. Echt traurig.

  5. Gerade im Gesundheitsbereich passieren weltweit schreckliche Dinge und ich frage mich schon lange, warum niemand diesen Scharlatanen Einhalt gebietet. Ein auch in Deutschland noch immer sich „Doktor“ nennendes Subjekt hat in Afrika seine völlig unwirksamen Vitaminpillen als Therapie gegen HIV/Aids verhöckert und dabei mehrere Menschenleben riskiert. Siehe auch: http://forum.oekotest.de/cgi-bin/YaBB.pl?num=1152828505/all
    Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, gibt es auch noch diverse Mitläufer, welche solche „Praktiken“ auch noch unterstützen!

  6. Ach was, die helfen bestimmt ganz doll. Und für all die Leute, die auch meiner Meinung sind, hier noch ein weiterer Tipp:

    http://www.hochbuerder.org/

    Damit kriegt ihr eure Website erdstrahlenfrei – echt!!!

    P.S.: Der südafrikanische Präsident Mbeki und seine Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang empfehlen gegen Aids übrigens Knoblauch, Rote Bete, Olivenöl und Duschen. Ich weiß jetzt nicht genau, ob in dieser Reihenfolge, aber die müssens ja wissen.

  7. Nun, technisch betrachtet behaupten sie nicht, daß diese Pillen tatsächlich AIDS heilen könnten. Die spezifischsten Behauptungen stehen auf der abgebildeten Packung, und selbst das bewegt sich nicht all zu weit jenseits dessen, was mit Placebo-Effekt möglich ist. Und daß man nach drei Wochen gefahrlos aufhören kann, die Zuckerpillen zu nehmen, ist wohl auch korrekt. Insbesondere behaupten sie ja nicht, daß das Zeug die üblichen Medikamente ersetzen soll.
    Natürlich wird es genug Leute geben, die dieses Plakat falsch verstehen (darauf zielt es ja auch ab) und ich fühle mich geneigt, einfache körperliche Gewalt gegen die für das Plakat verantwortlichen Personen anzuwenden. Aber rein juristisch betrachtet ist es, fürchte ich, nicht strafbar (uU ist es nichtmal unlauterer Wettbewerb).

    P.S.: Werden diese Captchas immer schwieriger, oder sehe ich immer schlechter?

  8. Dieser Betrug funktioniert doch überall auf der Welt. Als meine Tante an Krebs erkrankt war, hat ihr irgendso ein schmieriger Scharlatan (bei dem es wohl nichtmal zum Medizin-Diplom gereicht hat) „Pilz-Kapseln“ angedreht, mit speziellen Pilzextrakten, die angeblich Krebs heilen. Und manche an Krebs Erkrankte nehmen dann einfach jeden Strohhalm, der Ihnen hingehalten wird und glauben fest daran.

    So kann man den Todkranken noch das letzte bisschen Geld aus der Tasche ziehen. Insofern schockiert mich das jetzt nicht so stark. Was die ganze Sache natürlich nicht weniger widerwärtig macht.

  9. Ich habe selbst in meiner Zeit als Fahrer für UN-Hilfstransporte ähnliches in vielen afrikanischen Ländern erlebt. Dabei sind solche Beispiele wie das hier angeführte nur die Spitze des Eisbergs.
    Ich habe selbst miterlebt, wie beispielsweise Appetitzügler namhafter Pharmaunternehmen in Flüchtlingslagern bürgerkriegsgeschüttelter Gebiete als Heilmittel (sic!) gegen Hunger gehandelt wurden.
    Ursache dafür ist schlicht die größtenteils ungenügende Möglichkeit der Bevölkerung, sich zu informieren und die Skrupellosigkeit diverser Geschäftemacher, die das ausnutzen.
    Für entsprechende Aufklärungskampagnen fehlt dagegen das Geld.

  10. Eben, mangelnde Aufklärung ist das Problem.
    Wenn selbst Jacob Zuma, der jetztige südafrikanische Präsident, allen Ernstes meint, er habe zwar ungeschützten Sex mit einer HIV-positiven Frau gehabt, habe aber danach geduscht und könne sich daher gar nicht angesteckt haben, sagt das doch schon alles.
    Es wird zwar schon seit Jahren (jedenfalls in Südafrika) viel Aufklärung betrieben – so werden an der Schule Kondome verteilt, und überall hängen riesige Plakate – aber mit solcher Desinformation hochrangiger Politiker,
    zusammen mit einer z.T. sehr konservativen Sexualmoral ist das eben sehr schwierig, so eine Seuche einzudämmen.
    Ich kann jetzt nicht für alle südafrikanischen Familien sprechen, aber das was ich (als Austauschschülerin) mitbekommen habe, war vor allem, dass man voreheliche Beziehungen verbietet, dass Aufklärung nicht oder nur bedingt stattfindet und dass Religionslehrer Oralsex als Sünde bezeichnen, für die man in die Hölle kommt.

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