HIV-positiv, na und?

Obwohl ich hier den ganzen Tag nichts anderes mache, als mich hier vor Ort mit Betroffenen zu unterhalten, habe ich noch nicht ganz erfassen können, was HIV für die Menschen in Lesotho, Afrika nun wirklich bedeutet. Ich habe Menschen gesehen, die der Erlösung sehr nahe sind – die mit anderen Worten gerade jämmerlich verrecken. Viel häufiger habe ich aber dank medikamentöser Behandlung halbwegs hoffnungsvolle Familien erlebt.


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Gegenüber HIV herrscht hier einfach eine andere Einstellung vor – wie sollte es auch anders sein in einem Land, in dem ein gutes Viertel der Einwohner positiv ist. Diese Einstellung ist es, die ich trotz meiner Bemühungen kaum erfassen kann, die ich nicht verstehe.

Nachdem ich HIV-positive Waisen und verzweifelte Mütter gesehen habe, hat mich heute das Interview mit einer 20jährigen zum Nachdenken gebracht. Sie ging im sechsten Monat schwanger ins Krankenhaus und machte den Pflicht-HIV-Test. Positiv. Ob sie das Ergebnis schockiert hat?

Nein wieso? Sie kennt doch genug Menschen, die positiv sind, leben, es geht ihnen doch gut. Ja natürlich wird sie alles tun, damit ihr Kind nicht auch positiv ist. Aber, hey.
Ja, meistens hat sie Kondome benutzt. Aber nicht immer. Ein Lachen. Es wirkt spitzbübisch. Das scheint aber nur die Verlegenheit zu sein. Was soll sie aber auch anderes sagen?

Aber was soll ich darüber denken?

Nicht schockiert? Mit 20? Positiv schwanger? Sie spielt mit ihrem und dem Leben anderer, und mit dem ihres Kindes. Und mit dem des Vaters, zu dem sie keinen Kontakt mehr hat. Aber kein Problem, die Medizin gibt es doch für Umme!

Oder soll ich mich über die Fortschritte der Medizin freuen, die die Krankheit, die jahrzehntelang Leid über uns gebracht hat, nun erträglich macht? Die Medizin, die dazu geführt hat, dass Positive nicht mehr zum Außenseiterdasein verdammt sind, sich frei bewegen können, immer mehr akzeptierter Teil der Gesellschaft bleiben können? Die Medizin, die uns das kleine bisschen Anstand ermöglicht und lehrt, kranke und hilfsbedürftige Menschen nicht zu verstoßen? Die Medizin, die einfach wirkt. HIV wird nicht heilbar, aber erträglich.

Die Medizin, die einer 20jährigen positiven Schwangeren die Zuversicht gibt zu sagen „Hey, Leben geht weiter.“

21 Kommentare
  1. Man könnte auch unterstellen, dass sie (die 20jährige) einfach den Ernst der Lage nicht erkennt. Oder einfach gleichgültig ist.
    Scheint da ja völlig normal zu sein HIV-positive zur Welt zu bringen. Finde ich unverantwortlich.

  2. Ich weiß nicht, was ich von diesem Artikel halten soll und kann es auch nicht beurteilen, da ich noch nie in Afrika war.

    Klar macht mich eine solche unverantwortliche Einstellung fassungslos. Aber ich bin Mitteleuropäer, im Wohlstand aufgewachsen und HIV ist zumindest für mich, 30, noch gut als etwas in Erinnerung vor dem man sich schützen muss.

    Durch neue Medizin und einem Rückgang der AIDS-Kampagnen scheint diese Einstellung auch in D weiter verbreitet, zumindest eine gewisse Sorglosigkeit bei Teilen von Unterdreißigjährigen.

    Dennoch finde ich den unkommentierten Artikel so nicht gut. Es entsteht der Eindruck, dass die Leute selbst schuld sind – sind sie wohl auch oft. Andererseits wachsen sie ganz anders auf, was aus einem ethnozentristischen Blickwinkel nicht so leicht zu verstehen ist.

    Bevor hier Vorurteile geschürt werden, wäre eine Auseinandersetzung mit den Menschen wichtig. Nicht was soll ich denken, sondern wie denken die? Also Enkulturation, Alltagspraxis und so was.
    Und dass dann auch dazusagen und nicht so einen Text bringen der im Endeffekt nur Vorurteile schürt.

  3. Na das halte ich auch für unverantwortungsvoll. Klar sind da 1/4 aller Menschen HIV-positiv aber gerade dann sollte man doch sensibel darauf reagieren und dies versuchen einzudämmen. Das ist doch nicht normal. Die Leute haben die Chance Kondome zu benutzen und machen es nicht – dann noch zu lachen ist wirklich krass.

  4. Oder soll ich mich über die Fortschritte der Medizin freuen, die die Krankheit, die jahrzehntelang Leid über uns gebracht hat, nun erträglich macht? Die Medizin, die dazu geführt hat, dass Positive nicht mehr zum Außenseiterdasein verdammt sind, sich frei bewegen können, immer mehr akzeptierter Teil der Gesellschaft bleiben können? Die Medizin, die uns das kleine bisschen Anstand ermöglicht und lehrt, kranke und hilfsbedürftige Menschen nicht zu verstoßen? Die Medizin, die einfach wirkt. HIV wird nicht heilbar, aber erträglich.

    Die Medizin, die einer 20jährigen positiven Schwangeren die Zuversicht gibt zu sagen “Hey, Leben geht weiter.”

    <- Diese Gedanken werden eventuell nocheinmal zu einem großem Problem für die Menschheit.
    Meiner Meinung nach ist jegliche Forschung für eine "Therapie" von HIV ein großer Fehler.
    Selbstverständlich wünsche ich dem Menschen ansich ein langes und gesundes Leben.

    Allerdings ist durch die Medizinische weiterentwicklung in sachen HIV auch eine große Gefahr entstanden. HIV ist nunmal eine Erkrankung die nicht beseitigt werden kann wenn sie einen Wirt hat. Man kann die Auswirkungen hinauszögern, in naher Zukunft wahrscheinlich solange das der Körper irgendwann an einer Mischung aus Altersversagen und Krankheit in den 60-70-80er Lebensjahren schlussendlich versagt.
    Dies bedeutet allerdings auch das man einen Wirt hat der unter Umständen viele Jahrzente weitere Menschen mit der Krankheit anstecken kann.
    Man ist eventuell 80 Jahre in der Lage mehrere Tausende von Menschen ebenfalls damit anzustecken.
    Nicht weiter schlimm da sie ja trotzdem ein "erträgliches langes Leben" führen können?
    Falsch.

    Während wir in der heutigen Zeit für jeden kleinen Grippe Virus maßnahmen ergreifen um ganze Kontinente praktisch in Quarantäne versetzen zu können (Panikmache beim Schweinegrippehype letztes Jahr anyone?), wird bei dem deutlich schlimmeren HIV Virus nichts dergleichen getan.
    Würde heute z.B. ein Virus wie bei der Spanischen Grippe ausbrechen, liegen laut der Weltgesundheitsorganisation Pläne vor den gesamten Luftverkehr in allen Regionen sofort einzuschränken. Das bedeutet für einen Virus, der eine Letalität von etwa 3-4% hatte, macht man die Welt dicht um eine Ausbreitung mit allen Mitteln zu verhindern.
    Bei einem Virus der eine 100% Letalität verursacht und niemals vom Immunsystem unschädlich gemacht werden kann wird nichts dergleichen Unternommen.
    Man lässt Weltweit zu das er sich ungehindert ausbreiten kann. Gerade auch weil man niemandem ansehen kann ob er mit dem Virus infiziert ist (anders als bei der Grippe wo man äußerlich z.B. die laufende Nase, den Husten usw erkennen kann) birgt er eine weitere höhere Gefahr.
    Die Grippe ist nach wenigen wochen meistens auf die eine oder andere Art überstanden. Entweder ist der Infizierte unter der Erde oder aber sein Immunsystem hat den Virus getilgt und er ist bis zu einer eventuell erneuten Infektion kein aktiver Träger mehr.
    Der HIV Virus hingegen schlummert zum Teil mehrere Jahre in denen er äußerlich nicht erkannt werden kann. Selbst mit gezielter Suche nach Antikörpern kann bei Infizierten unter umständen nichts nachgewiesen werden da der Virus während der Inkubationszeit geschickt verschleiert wird innerhalb des Körpers.
    Aber die lange Inkubationszeit in der er dennoch schon ansteckend ist, ist eine Gefahr.
    Auch die tatsache das der HIV Virus über eine unglaubliche Evolutionsrate verfügt stellt eine weitere Tatsache da warum wir diesen Kampf auf absehbarer Zeit niemals gewinnen können.
    Der vergleich auch hier wieder mit dem Grippe Virus: Alle Unterarten der Grippe Viren die in einem Jahr weltweit entstehen, kommen nicht an die Anzahl der Unterarten heran die EIN einziger HIV Wirt innerhalb des ersten Jahres in sich hat. Sprich: Ein einziger HIV Wirt bringt im Jahr mehr verschiedene Arten des Virus heraus als die Welt an Grippe Viren.
    Alleine dies macht schon einen wirksamen Schutz mit den aktuellen Techniken aussichtslos. Bei den heutigen Grippe Impfungen gibt es gegen die "wahrscheinlichsten" Viren (~der Top10-Top20 weltweit) eine Impfung. Diese liefert weder eine 100%ige Sicherheit gegen die paar Viren die in der Impfung enthalten sind noch einen Schutz gegen die Tausend anderen "unwahrscheinlichen" Viren. Wie soll man in der Hinsicht z.B. gegen HIV eine Impfung ermöglichen?

    und @5
    Auch ein wichtiger Punkt ist der praktisch gezielte Genozid in Afrika wie er ja von der Katholischen Kirche gewünscht zu sein scheint.
    Anders jedenfalls kann man sich nicht erklären wie jemand wie der Papst auf den Trichter kommt das man HIV nicht mit Kondomen besiegen kann bzw das diese im Gegenteil sogar der Grund dafür wären. Und den Katholiken gleich mal die Nutzung der Kondome verbietet wie er es 2009 ja getan hat.
    Der eigentlich wichtigste Punkt um präventiv in Afrika bzw eigentlich Weltweit was erreichen zu können wird also von einer der größten Einrichtung der Welt gezielt ausgeschaltet.
    Nicht schlecht..
    Aber genug davon.
    Mir persönlich zeigt dieser lockere Umgang allerdings nur eins. Sollte gerade in den HIV Herden in Afrika weiterhin nichts getan werden um die Erkrankung wirksam eindämmen zu können, wird die Menschheit als ganze früher oder später ein Problem bekommen.
    Gerade weil der Virus über eine so unglaublich hohe Evolutionsrate verfügt wird, steigt mit jedem weiteren Infizierten nebenbei auch das Risiko das er irgendwann die Wege der Neuinfektion verändert. Es wäre nicht der erste Virus der dies tut und später schon durch eine einfache Tröpfcheninfektion übertragbar wäre…

  5. @Tom (der falsche): Mal den Text genau lesen, es ging darum, dass die Mutter positiv ist, nicht das Baby. Oftmals bleiben die Babys negativ.

    Was ihr Lachen angeht, was manche stört, könnte es ja Verlegenheit sein, wie Linus angemerkt hat.

    Noch ein Aspekt: In kaum einem Land ist die Zahl der Vergewaltigungen so hoch wie in Südafrika, das wird sicher in Lesotho nicht grundlegend anders sein. Viele junge infizierte Mädchen wurden von ihren Vergewaltigern angesteckt, die natürlich keine Kondome benutzen.

  6. @Tom der echte (wobei der auch noch zu klären wäre ;)):
    Mir ist schon klar, dass aktuell nur die Mutter positiv ist. Das Kind ist ja noch nicht geboren und der Test erst gestartet.
    Was mich stört, wenn ich es richtig verstanden habe „ich hab nicht immer Kondome benutzt, hihihi“. Diese Dummheit stört mich.
    Trotzdem wünsche ich ihr ein möglichst angenehmes Leben und Zeit zum Nachdenken.

  7. @Tom: Wahrscheinlich weniger Dummheit, mehr mangelnde Aufklärung. Selbst in D war der Anteil derjenigen, die sich beim ersten Mal nicht schützen, lange recht hoch (1980 noch bei ca. 25%, jetzt nur noch bei 8%, Quelle: forschung.sexualaufklaerung.de).

  8. Unbedarft. Dieser Dame mangelt es an Bildung und ihrem Umfeld mangelt es an Geld um Mißstände zu bekämpfen.

    Da ist diese Artikelserie (Ach schau mal wie locker die alle sind, ach schau mal wie gern die sich fotografieren lassen) nichts anderes als arrogant.

    Wieso gibt es denn da kein Geld? Wieso gibt es da keine Gesundheitsvorsorge? Das hängt nicht damit zusammen, dass wir nicht spenden für die fröhlich lächelnden Leute auf den amnesty international Plakaten.

    Das hängt damit zusammen, dass deutlich mehr Geld aus Afrika abließt als dahin. Und zwar für Zinsen die die Kolonialherrscher und deren Installationen aufgenommen haben.

    Redet bittet wieder über Netzpolitik und nicht so pseudo-menschelnd über Probleme, die euch letztlich nur oberflächlich interessieren.

  9. „Man könnte auch unterstellen, dass sie (die 20jährige) einfach den Ernst der Lage nicht erkennt. Oder einfach gleichgültig ist.
    Scheint da ja völlig normal zu sein HIV-positive zur Welt zu bringen. Finde ich unverantwortlich.“

    @Tom
    Peinlich, wenn man andern Unwissen unterstellt und selbst die Fakten nicht klar kriegt.

    Das Risiko der Infektion eines Kindes durch eine HIV-infizierte Mutter während der Schwangerschaft oder während der Geburt wird ohne Behandlung auf 15 bis 30 Prozent geschätzt. Eine Übertragung des Virus beim Stillen ist ebenfalls möglich. Bei bekannter HIV-Infektion der Mutter kann das Risiko einer Übertragung auf das Kind durch die Gabe antiretroviraler Medikamente, durch eine Geburt mittels Kaiserschnitt und durch Abstillen auf ein bis zwei Prozent vermindert werden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Humanes_Immundefizienz-Virus

  10. @rofl: hab nie behauptet, dass das Kind HIV-positiv sein muss. 15-30%? Gottseidank, dann erwischt es ja nur jedes vierte Kind. Können sich die anderen 3 ja freuen. Stell dir vor du wärst das vierte Kind und deine Mama sagt „shit happens“. Diese Einstellung stört mich. Da hilft nur Aufklärung.

  11. @ Tom
    „hab nie behauptet, dass das Kind HIV-positiv sein muss.“
    vs
    „Scheint da ja völlig normal zu sein HIV-positive zur Welt zu bringen.“
    Eine Differenzierung deinerseits kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen.

    „Stell dir vor du wärst das vierte Kind und deine Mama sagt “shit happens”.“
    Wo sagt das denn jemand in diesem Zusammenhang? Dein Stil, der Frau Aussagen in den Mund zu legen, über die Du dich anschliessend echauffierst, ist jedenfalls ein ganz schlechter.

  12. Ach rofl, willst du mich mit Absicht falsch verstehen? Ich lese im Artikel nirgends, dass es der Frau leid tut, ihr Kind dieser Gefahr ausgesetzt zu haben. Es kann Glück haben und bei richtigen Verhalten der Mutter gesund bleiben. Genauso kann es bereits infiziert sein oder noch werden. In dieser Situation wünsche ich mir einfach nur, dass die Frau und alle anderen Betroffenen den Ernst der Lage erkennen. Dass sie die Medis erhält die sie braucht und sich an die Tipps hält um das Risiko gering zu halten. Unterstellen tue ich ihr nichts. Möglich ist alles.

  13. Ach Tom, willst du mich mit Absicht falsch verstehen?

    „Ich lese im Artikel nirgends, dass es der Frau leid tut, ihr Kind dieser Gefahr ausgesetzt zu haben.“

    Also fängst Du an übers Gegenteil zu spekulieren. Hmm.
    (Mal ganz davon abgesehn, dass Du hier einfach mal unterstellst, dass das Kind vor dem Virus …)

    „Es kann Glück haben und bei richtigen Verhalten der Mutter gesund bleiben. Genauso kann es bereits infiziert sein oder noch werden.“

    Unsachliche unbelegte Behauptungen. Entscheidend ist hier wohl eher die richtige ärtzliche Behandlung.

    „In dieser Situation wünsche ich mir einfach nur, dass die Frau und alle anderen Betroffenen den Ernst der Lage erkennen. Dass sie die Medis erhält die sie braucht und sich an die Tipps hält um das Risiko gering zu halten.“

    Da sind wir ja mal einer Meinung. Aber Moralpredigten, die die Frau auch gar nicht liest, werden da wohl nicht weiter helfen. Statt dich als Richter aufzuspielen und die Unaufgeklärtheit anzuprangern, kannst Du ja mal konkret was von deiner Kohle abdrücken, um dafür zu sorgen, dass diese Frau eine Chance hat, die nötigen Medikamente für sich und ihr Kind zu bekommen, wenn dir das alles so nahe geht.

    „Unterstellen tue ich ihr nichts. Möglich ist alles.“
    Blabla

  14. „Also fängst Du an übers Gegenteil zu spekulieren.“
    Hab gesagt was mir zuerst in den Sinn kam. Noch darf man das ja.
    „Entscheidend ist hier wohl eher die richtige ärztliche Behandlung.“
    Nicht nur, denn die Medis der Mutter wirken nur wenn sie ausschließlich stillt. Und nur solange sie Medis nimmt, da das Kind ansonsten noch über die Muttermilch infiziert werden kann. So hab ich zumindest den von mir weiter oben verlinkten Spreeblickartikel verstanden.
    Darauf bezog ich mich.

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