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Die Bundeswehr ist auf Flickr

Die Bundeswehr ist auf Flickr, wie sie bereits am 2. August per Pressemitteilung der interessierten Öffentlichkeit mitteilte. Spannend ist die Erklärung, wo genau die Fotos zu finden sind:

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Ab sofort sind aktuelle Fotos aus der Bundeswehr offiziell auf dem Online Bildportal flickr (www.flickr.com) für eine breite Öffentlichkeit frei verfügbar. Die Fotos können auf der Internetseite „www.flickr.com“ durch Eingabe des Wortes „Bundeswehrfotos“ im Eingabefeld SUCHEN aufgerufen werden und werden laufend aktualisiert.

Statt den Flickr-Nutzer „augustinfotos“ (Kein Scherz! Name kommt sicherlich zustande, weil in Sankt Augustin die Öffentlichkeitsabteilung der Bundeswehr sitzt) mit Link anzugeben, wird der interessierte Nutzer in das Suchfeld gelockt, wo man aktuell noch die „richtigen“ Bundeswehrfotos finden kann.
Aber das wird sicherlich geändert, sobald die ersten Nutzer anfangen, ebenfalls den Tag „bundeswehrfotos“ für andere Sachen wie Anti-Kriegs-Propaganda zu verwenden. Probierts einfach mal aus…

Löblich ist die Verwendung einer Creative Commons – Lizenz. Allerdings hat man sich für die CC-BY-NC-ND entschieden, die lediglich eine Verwendung der PR-Bilder für Nicht-Kommerzielle Zwecke explizit gestattet. Da fragt man sich, warum in der Pressemitteilung dies steht:

Darüber hinaus bietet das Portal aber auch Presse- und Medienvertretern Gelegenheit, auf aktuelles und autorisiertes Bildmaterial der Bundeswehr zuzugreifen.

Die Nicht-Kommerzielle CC-Lizenz irritiert da erstmal, als Presse- und Medienvertreter kann man damit zwar auf das Bildmaterial zugreifen, aber sicherlich fragen sich viele, ob man das dann auch für eine Presse- und Medienberichterstattung nutzen kann. Vermutlich hat man das mit den CC-Lizenzen aber auch falsch verstanden, da die Verwendung der Bilder im Absatz 2 im Paragraph 5 des Urheberrechts geregelt sein dürfte:

(1) Gesetze, Verordnungen, amtliche Erlasse und Bekanntmachungen sowie Entscheidungen und amtlich verfaßte Leitsätze zu Entscheidungen genießen keinen urheberrechtlichen Schutz.
(2) Das gleiche gilt für andere amtliche Werke, die im amtlichen Interesse zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht worden sind, mit der Einschränkung, daß die Bestimmungen über Änderungsverbot und Quellenangabe in § 62 Abs. 1 bis 3 und § 63 Abs. 1 und 2 entsprechend anzuwenden sind.

(Danke an augengeradeaus für den Hinweis)

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20 Kommentare
  1. Ach ja, das lässt ja tief blicken in die Medienkompetenz der zuständigen PR-Abteilung. Ein Wunder, dass sich da überhaupt zu Themen wie Wikileaks geäußert werden darf.

    [x] ja, ich habe schon (zivil) gedient. Bitte keine Repressionen auf Grundlage dieses Kommentars.

  2. An diesem Beispiel sieht man, wie man Engagement im Social Media falsch verstehen kann oder besser gesagt – überhaupt nicht.

    Die Bundeswehr sieht youtube und flickr als reinen Sende-Kanal. Es wurden keine (offiziellen) Bundeswehr-Vertreter abgestellt, die auf eventuelle Fragen, Vorwürfe oder Anregungen bezugnehmen.

    Dass die Kommentare offen geschaltet sind ist entweder reines Unwissen darüber, dass man diese auch abschalten kann oder Absicht, damit sich die Für- und Gegensprecher der Bundeswehr in üblicher youtube-Manier anpöpeln können und sich hier die Hörner wundstossen anstatt „real“ zu agieren.

    Tatsache ist, dass es Soldaten weiterhin untersagt ist, sich während der Einsatzzeit über Blogs, Twitter oder Social Networks zu äußern.

    Siehe dazu auch den Talk von Philip Banse neulich im Deutschlandradio. Podcast: http://wissen.dradio.de/index.98.de.html?dram:article_id=3754&sid=&random=9e0646

    „Image bei Zielgruppe aufbessern“ ist halt kein Social Media Use, sondern Propaganda, ähm, sorry, Public Relation. „Image“ ist Schein, bei ernst gemeintem Social Media Engagement geht es ums „Sein“.

    Die Kommentare unter den Videos und auf der Kanal-Hauptseite sind stark moderiert. Links (und damit ausführliche Gegenpositionen) werden nicht zugelassen, die Video-Response-Funktion habe ich noch nicht ausprobiert, aber die ist sicher auch moderiert.

    Erschreckend ist IMHO die, ich will es mal vorsichtig formulieren, Einfältigkeit der meisten Pro-Kommentare.

    Solange es Soldaten verboten ist sich in Blog, Twitter oder Social Networks während ihrer Dienstzeit zu äußern, ist es nicht mal ansatzweise zu begrüssen, das die Bundeswehr Social Media Tools mit ihrer Propaganda verseucht.

    Sinnvoll wäre es eine konzertierte Aktion zu fahren. Z.B. einen gutformulierten Kommentar über die Lügen des Afghanistan-Einsatzes unter allen Videos zu positionieren und dann in einer crowd-Aktion mit dem „thumbs up“-Button permanent als „most like“ nach oben, direkt unter das video zu pushen.
    Die Reaktion darauf würde das wahre Social Media Gesicht der Bundeswehr ans Tageslicht befördern. ;)

    Fazit: Social Media nicht verstanden, youtube wird als neuer Propaganda-Kanal benutzt. Die aufgespielten Filmchen zeigen worum es geht: Verschleierung statt Dialog.

    Argumentesammlung fals jemand einen kurzen, knackigen und „zielgruppen-wirksamen“ Videokommentar zusammenbasteln will ;)
    http://www.fr-online.de/politik/doku—debatte/jenseits-des-rechts/-/1472608/2798492/-/index.html

  3. §5 UHrG betrifft AFAIK leider nicht die Urheberrechte an Bundeswehr-Bildern. Als Amtliches Werk gelten Veröffentlichungen wie etwa Gesetzestexte, Gerichtsurteile, Erlasse, etc. Die meisten anderen Werke und auch Fotos von Behörden und deren Angestellten sind – im Gegensatz zu den USA z. B. – davon nicht betroffen und urheberr. geschützt.

  4. erschreckend finde ich die große anzahl an bildern wie „spitzensport … „, dass war mir so gar nicht bewußt. macht mir nur deutlich, dass man heute auf arme als auch hochgezüchtete sportler nen großen bogen machen sollte :/

  5. Allein dieser ist Kommentar zum Schiessen: Der bayrische Minister „im Gespräch“ mit Soldaten
    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/4842746969/

    Ich finde es schade, dass die Bundeswehr auch nach der Wende weiter auf steife Art die Amerikaner nachmacht, und als Instrument für deren Interessen in Konflikgebiete geschickt wird ohne erkennbare Gegenleistung, eben keine Verteidigerin von Recht und Freiheit sondern Drohne der Westintegration. Die Bundeswehr macht international einen unwürdigen Eindruck, Flickr wird daran nichts ändern. Allein ihre Uniformen auf dem Bild sind schon die Härte, selbst bei der NVA-Stalinisten hat man das würdevoller hingekriegt, nur zu Adenauers Zeiten waren die Uniformen noch schlimmer. Chile und Schweden sind heute preussischer als die Deutschen, kein Wunder wenn man die Lederhosenseppel ans Ruder lässt.

    Jedenfalls dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan noch Bier trinken und Babies sitten:
    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/4884868575/
    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/4856037989/

    Sehr schön auch der institutionelle Jargon:
    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/4842614197/
    „Mit Beginn des Wochenendes begeben sich die nicht heimatnah verwendeten Soldaten mit Bahn oder anderen Transportmitteln auf die Heimfahrt zu ihren Familien.“

    Wie wäre es, wenn die Bundewehr mal die ZDV wikifizieren würde und den Angehörigen dieser Truppe einen Stilkurs in deutscher Sprache verpassen. Von diesem zemententierten Bürokratenjargon kriegt man Krätze. Deutsch im Grundgesetz wäre da schon mal ein guter Schritt. Dann hätten die Bürokraten eine Rechtsgrundlage, um unsere Sprache zu lernen. Wie gut, dass die Bundeswehr noch nicht in Sachen Cyberwarfare am Rad dreht. Dann gäbe es Merkbefreiungen en masse, übrigens mal was sinnvolles, was nur bei der BW erfunden werden konnte:
    http://kris.koehntopp.de/inkomploehntopp/00000.html

  6. Und die Hälfte der Fotos auf der ersten Seite ist über ihre Musikabteilung. Toll, wenn dafür Steuergelder verschwendet werden (also für die Musik)…

  7. Was hast Du denn gegen Militärmusik? Eine Armee, die sich auf das Wesentliche konzentriert, nämlich den Mumpitz und das Unzeitgemäße ist mir am liebsten.

    Wenn wir in Afghanistan „Preussens Gloria“ spielen, gibt das mehr Respekt als wenn wir ihnen die Panzerhaubitze 2000 auf einem Anhänger zeigen oder in Unkenntnis nationaler Befindlichkeiten sogar Frauen in den Kampfeinsatz schicken.

    Heute gibt es nicht mal einen ordentlichen Wachtwechsel, den die Touris fotographieren können, während in London damit Millionen öffentlich verdient werden.

    Wesentlich ist auch, dass deutsche Soldaten so auftreten wie die Welt sie sich vorstellt und nicht die Gurkentruppe spielen. Was zählt ist, was international Respekt verschafft und glaubhaft ist.

    Die Bundeswehr „Landesverteidigung“ am Hindukusch ist derzeit nur Ausweis davon, dass wir nicht Herren im eigenen Lande sind, und jeden militärischen Unsinn verbündeter Staaten mitmachen müssen. Hier sind die Wikileaks Papiere ein guter Ausweis wie wir uns für dumm verkaufen lassen:

    „Some German opposition to ISAF might be muted by proof of progress on the ground, warnings about the potential consequences for Germany of a defeat, and reassurances that Germany is a
    valued partner in a necessary NATO-led mission.“

    Da sind mir doch Militärmusik lieber als solche Partnerschaft mit Knute.

  8. Übrigens ist jetzt genau der gewünschte(?) Effekt eingetreten: http://www.flickr.com/search/?q=bundeswehrfotos
    Überwiegend Anti-Kriegs-Material. Diese Sache kann noch lange Zeit als Beispiel dienen, für einen Social-Media-GAU der durch Inkompetenz verursacht wurde.
    Noch unglaublicher als der eigentliche Fehler und die auftretende Reaktion ist die Tatsache, dass das von der PR-Abteilung der Bundeswehr bisher nicht bemerkt oder ignoriert wird. Man könnte ja zumindest den Text der Pressemitteilung ändern, was meiner Meinung nach völlig legitim wäre.

  9. @Jens Best

    Ach so, Meinungsfreiheit gilt nur für Bundeswehr-Gegner, nicht für die Bundeswehr oder für Soldaten. Oder? Die Bundeswehr „verseucht“ Deiner Meinung nach die Social Media. Also dürfen nur Bundeswehr-Gegner die Social Media nutzen.

    Und dann ist noch von „Berufsmördern“ hier die Rede. Das ist natürlich jeder Soldat, oder? Wenn in Afghanistan mal wieder Leute evakuiert werden müssen, können wir sie ja demnächst aus dem Land herausdiskutieren.

    Eure Meinung gilt und ist natürlich richtig, und die anderen dürfen sich Eurer Meinung nach nicht äußern. Wie spießig seid Ihr eigentlich?

    Und Euch wundert es angesichts solcher

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