Gestern Abend lief die aktualisierte Fassung der NDR-Dokumentation „Sexobjekt Kind“ von Sebastian Bellwinkel im Ersten (Wdh. am 25.04 um 3.05 Uhr auf EinsExtra):
Unsere Gesellschaft hält den Schutz von Kindern im Prinzip für sehr wichtig. Wie kann es dann sein, dass in Deutschland jedes Jahr nach Expertenschätzung Zehntausende Kinder, Opferverbände sprechen von bis zu 200.000 Kindern, Opfer sexueller Gewalt werden? Mit dieser Kern-Frage hat sich NDR Autor Sebastian Bellwinkel für seine Dokumentation „Sexobjekt Kind“ auf Spurensuche begeben.
Wer die Sendung verpasst hat, kann sie sich derzeit auch in der Mediathek des Ersten ansehen. Allerdings nur, wie Matthias Schwenk bei Carta schreibt, zwischen 22 und 6 Uhr (Der JMStV lässt abermals grüßen). Die knapp 45 Minuten zu investieren, lohnt aber durchaus. Schwenk resümiert:
Es fehlt den Staatsanwaltschaften, der Polizei aber auch in der Medizin das Personal, um einerseits schneller und konsequenter gegen Straftäter vorzugehen und andererseits Pädophile präventiv therapeutisch zu begleiten. Die Stopp-Schild-Initiave Ursula von der Leyens wird als reine Symbolpolitik ohne praktische Wirkung entlarvt.
Endlich eine Doku, die aufrüttelt und bei der nicht einmal die Sperrgegner etwas zu meckern haben? In der Tat, es gibt nur wenige Punkte, die man kritisieren könnte. Da wäre zum Beispiel die Behauptung, laut UNICEF gäbe es 4 Millionen Webseiten mit Kinderpornographie im begleitenden Off-Kommentar. Die hätte man durchaus hinterfragen können.
Ebenso wie die Rolle der „privaten Kinderschutzorganisation“ ECPAT für die Gesamtdebatte, die ein klein wenig mehr tut, als von Kosmetikketten gesponsorte Aufklärungsveranstaltungen für Polizisten und Staatsanwälte zu organisieren. ECPAT war z.B. in Schweden(!) nach eigenen Angaben maßgeblich an der Einführung der Websperren verantwortlich.
Wie die in Bellwinkels Doku vorgestellte Mechthild Maurer, Geschäftsführerin ECPAT Deutschland, argumentiert, kann man sich übrigens in diesem Streitgespräch mit Frank Rieger vom CCC anhören (Markus schrieb damals: „Argumentativer Totalverlust für die Gegenseite“). Aber das sind Kleinigkeiten.
Problematischer scheinen mir da schon eher 2 längere Zitate zu Beginn der Sendung, die laut Kommentar aus einschlägigen Webforen stammen sollen. Im Heise-Forum sollen inzwischen die zugehörigen Links gepostet worden sein. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sowas sein muss – auch, wenn die konkreten Inhalte evtl. nicht strafbewehrt sein sollten.