Kultur

Was „Die Zeit“ unter Urheberrecht versteht

In der neuen „Zeit“ von heute ist ein kleiner, ärgerlicher Artikel (Wie wichtig sind die Urheberrecht im Netz?) über die Weitergabe der Nutzerdaten von YouTube an den Viacom-Konzern. Autor Marcus Rohwetter ist der Meinung, das geschehe den Nutzern ganz recht: Wer sich Material online angesehen hat, das ohne Zustimmung der Urheber veröffentlicht wurde, der dürfe danach nicht auf den Datenschutz pochen:

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Viele YouTubeler haben sich einen Dreck um Urheberrechte geschert. Nun aber pochen sie ihrerseits auf den Datenschutz und machen große Augen, weil sich jemand wehrt. Der Medienkonzern Viacom wirft YouTube systematische Rechtsverletzung vor und errang vergangene Woche einen Sieg vor Gericht. Die Google-Tochter YouTube muss Nutzungsdaten herausrücken. Damit soll geklärt werden, was die Nutzer öfter anschauen – Privatvideos wie das des bauchstreichelnden Briten oder urheberrechtlich geschützte Filmchen.

Rohwetter vertritt den Standpunkt, dass Videos auf YouTube entweder „geklautes“ geistiges Eigentum darstellen oder von den Usern selbstgemachter Schrott sind, den eh keiner sehen will. Was er dabei vergißt, sind die vielen Menschen, die YouTube als kreativen Output nutzen und dadurch eine demokratischere Medienlandschaft ermöglichen, indem sie sie selber erschaffen. Kein Wort von den modernen Kreativen, die auf eine klassische Medienlandschaft nicht angewiesen sind; kein Wort von den Indielabels, die MTV zurecht aufgegeben haben, weil YouTube das neue MTV ist. Natürlich ist auf den Online-Videoseiten viel Schrott zu sehen. Genau wie im klassischen Fernsehen. Daran ein Medium als ganzes zu bewerten, ist unsinnig.

In der zugegebenermaßen kurzen Kolumne kommt der Begriff des „Urhebers“ oft vor – damit meint Marcus Rohwetter aber nie alle Kreativen, sondern benutzt den Begriff, ähnlich wie die Musikindustrie, nur im Sinne von Erzeugern oder Verwertern professionell hergestellter Werke. Wenn ich das kritisiere, mag das pedantisch klingen, aber wenn man seit einem Jahrzehnt dem Lamento der Verwerter zuhört, weiß man inzwischen, dass gern der arme Urheber beschworen wird, wenn es doch eigentlich um das Scheitern des Geschäftsmodells geht. Journalisten sollten hier aber zu differenzieren wissen.

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31 Kommentare
  1. Ich frage mich, warum hier so auf Viacom rumgehackt wird. Wo Daten sind, sind Begehrlichkeiten. Der wahre böse ist Google: was soll diese maßlose Datensammelei. Die Online-Demos und Boykottaufrufe sollten sich gegen Google richten, nicht gegen Viacom.

    Nagut, gegen beide. Aber Google hat’s verursacht.

  2. Da kann ich schon nach dem ersten Absatz nicht mehr weiterlesen. Dieser Mensch hat Youtube augenscheinlich nicht länger als 2×5 Minuten benutzt – sonst _müssten_ ihm einfach die ganzen gut gemachten, legal eingestellten Videos aufgefallen sein.

  3. Zumindest gibt es bei der ZEIT eine Kommentarfunktion. So kann dem Schreiber wenigstens etwas entgegengesetzt und er korrigiert werden.

    Die schlimmen Artikel in der WELT, sind da noch ärgerlicher, da sie ‚unkommentiert‘ rumstehen können und die kritische Auseinandersetzung weit entfernt (in Blogs etc.) stattfindet.

  4. Mir geht das einfach alles nur ncoh auf die nerven.

    Jeder ist ein verbrecher bis er selbst seine unschuld bewiesen kann,
    und p2p wird nur illegal benutz.

    Was soll der mist?
    Irgendwelche mobilkfunkunternehmen wollen einem ne internet flatrate verkaufen,aber gleichzeitig wollen sie die nutzung des internets verbieten.

    Das ist einfach alles nur noch krank.
    Man sollte mal ne sammelklage gegen unternehmen wie viacom starten,wegen übler nachrede.
    Ich hab echt keinen bock mehr mich von der indsutrie als verbrecher bezechnen zu lassen,weil ich mit meinem bit torrent client bits und so runterlade(was vom Urheber angeboten wird).

  5. Alles richtig beobachtet. Der Autor des Artikels wird hoffentlich hier klüger; wir nehmen mal an, dass er keinen guten legalen Cotent auf Youtube kennt.

    Dumm aber auch, dass die Urheber != Verwertungsindustrie keine richtige Lobby haben, und entsprechend nicht für sich versammelt in Anspruch nehmen können, verunglimpft zu werden, indem sie mit dem Großkommerz gleichgesetzt werden. So ganz ohne fremde Waffen bleibt dieses Mißverständnis nicht aus.

  6. wirklich toll geschrieben der Zeit-Artikel mit einer beeindruckenen Erkenntnis am Schluss:

    „Gute Inhalte gibt es nicht umsonst, und mit fremdem geistigen Eigentum darf man nicht verfahren, als wäre es das eigene. Das ist die Erkenntnis, die man aus der Causa YouTube gewinnen kann.“

    Nur wer wenige Informationen hat, besteht auf seine Meinungen als wäre es die Wahrheit. Der Auto sollte sich noch mehr mir freien Inhalten, Urheber_innenrecht und Copyright beschäfftigen, bevor er sein lizensiertes Windows-Notebook ausschaltet und zu Dussmann geht, um sich die CD seiner Lieblingskünstler_in zu kaufen. Na klar!

  7. gut, was will man von einer zeitung erwarten, die seit jahrzehnten dafür sorgt, dass bilderberg-meetings in den medien nie erwähnt werden und bei denen der chefredakteur so ziemlich immer dabei ist?

    und dann noch der kommentar von m$-ballmer, dass die zeitung in zehn jahren ausgestorben sein wird.

    die haben schiss, wollen es nicht wahr haben und keine innovativen ideen. da wundert es nicht, auf welcher seite die tatsächlich stehen.

    mfg

  8. Mich stört an solchen Diskussionen immer, dass beide Seiten stets in eine gewisse Radikalität verfallen. Die Rechteinhaber wollen die Kopierer am liebsten gleich köpfen. Die andere Seite weist immer darauf hin, dass man mit P2P auch Legales anstellen kann. Klar, kann man. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass die Zahl der P2P-Anwender, die damit ausschließlich legale Inhalte tauschen, eher klein sein dürfte. Dass sich auf YouTube viel urheberrechtlich geschütztes Material befindet, kann man auch nicht weg diskutieren. Mich würde es stören, wenn ich das Material für teures Geld produziert hätte und nachher verdient ein Internetkonzern an der Werbung.

    1. Lieber Enrique Torta,
      …dann dürfte man auch kein Buch oder Film verleihen. Die leute die etwas „hochladen“ haben doch nichts davon. Internetkonzerne sagst Du (sic) die Leute wollen doch nur ihren Spaß, ihre Kreativität testen. Muß denn alles in dieser Welt immer „bezahlt“ werden? Ist das nicht armselig?
      YouTube ist eine neue Art der Demokratisierung, für „das einfache Volk“. Es schafft Verbindeungen. Es kann unter Umständen „verbrüdern“. Außerdem gibt es viele „Urheber“, die ihre Sachen selbst bei YouTube hochladen, wegen der neuen, Öffentlichkeit. Sie wissen um den Werbeeffekt. Ich kann meine Ansichten über das „Leben und Sterben“ als Leserbrief an eine Zeitung schreiben. Und nichts geschieht. „Lade ich mich hoch“ bei YouTube – PENG, da bin ich… Schau mal rein bei YouTube unter: „DIE ZEIT auf YouTube“ – die neue Art „Leserbriefe“ zu „schreiben“
      Es grüßt Dich
      Peter
      Venceremos

  9. Wird YouTube das gleiche Schicksal wie Napster zuteil? Im Gegensatz zu denen werden die raubkopierte Videos sogar noch gehostet. Sicher geht vielen „kriminellen“ Uploadern jetzt der Stift, wegen hoher Abmahngebühren und Schadenersatzforderungen.

    Gegen kommerzielle Urheber wird schnell gewettert. Wenn ich jetzt aber ein YouBlog baue, was zum Großteil aus „entliehenen“ Blogbeiträgen nebst Kommentaren bestünde, dann wird der Aufschrei sicher gross.

    Zudem ist es ja nicht gerade so, dass YouTube keinen Cent dran verdienen würde. Mal sehen wann die ersten Handlanger, die das Zeug hochladen, verklagt werden …

  10. Ja, ja, RH,Geld brauchen wir alle und klagen und verklagen tun die Menschen am liebsten. Kann man nicht einfach mal etwas bestehen lassen? God gracious, wie viele Krämerseelen gibts doch. Die ZEIT wirbt doch selber auf YouTube. Und wenn man den letzten Artikel von Marcus Rohwetter in der ZEIT liest, merkt man wohin die Reise gehen soll. Den kleinen Mann unter Kontrolle halten ist das Ziel. Am besten mit Gebühren und Ausspähen und verklagen. Wie sang noch Willy Brandt: „Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ne kleine Wanze“! Das geht mir am Ar… vorbei. Schöne neue Welt. Da sind mir doch so sperrige Leute von attac lieber.
    Schwamm drüber und venceremos – denn immer, immer wieder geht die Sonne auf…
    Peter

  11. Ich war bis vor kurzem noch Abonnent der ZEIT. Seitdem sie 1996 der Verlagsgruppe Holtzbrinck einverleibt wurde, habe ich ihren schleichenden Schwenk nach rechts verfolgt. Aus meiner Sicht wurden „Linke“ Autoren durch „Rechte“ Autoren sukzessive ersetzt. Und nachdem ich auch noch auf der Titelseite der Wochenzeitung DIE ZEIT lesen mußte, daß sie Auslandseinsätze der Bundeswehr in völkerrechtswidrige Kriege wie im Irak und Afghanistan befürwortet, war Schicht im Schacht.
    Nach der Gleichschaltung der Presse soll nun das ach so gefährliche Internet folgen. Deshalb auch das ganze Gedöns von wegen Terroristenbekämpfung durch Bundestrojaner etc., hahahahaha, sehr gelacht. Das Internet bedroht die Mächtigen, weil es Informationen aller Art in Windeseile weltweit verbreiten kann. Aber das soll es nicht! Es soll ausschließlich als Marktplatz der Contentverwertungsindustrie dienen; und dabei sollen selbstverständlich auch die Regierungen kräftig mithelfen.
    Wer bitte schön liest denn heutzutage noch DIE ZEIT? Auf diese Elite kann das Land getrost verzichten, wo es doch bereits ElitInnen gibt.
    Meine eigenen bitteren Erfahrung mit der deutschen Justiz lassen mich eher glauben, daß u.a. das Urheberrecht ausschließlich kapitalkräftigen Unternehmen und Verwertern dient und sonst niemandem. Ne kleine Klitsche oder ein Einzelner hat vor Gericht null Chancen sein Urheberrecht durchzuboxen. Im Gegenteil, er muß am Ende auch noch die Zeche zahlen, weil er sein Recht einklagen wollte.

  12. Du hast Recht, David. Was tun gegen Goliath? Lauter kleine „Stolpersteine“? Aber Dein Name bürgt vielleicht schon für „Freiheit und Qualität“? Es sollte sich eine neue Partei gründen in Europa. Sie könnte den schlichten Namen tragen: „Die Gerechten“! (ohne Anführungszeichen…) Ihr Programm könnte vielleicht dem Grundgesetz folgen, u.a. etwa: Eigentum verpflichtet. Das (noch!) freie Internet böte doch eine famose Gelegenheit dafür. Nur so eine Idee. Findest Du David sie gut und umsetzbar? Oder Irgendjemand sonst? Nach Pink Floyd: „Is There Anybody Out There?“

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