Demokratie

Politiker-Blogs in Deutschland und Malaysia

Die Welt hat sich die bloggenden Politker, ihr Verhalten bei Abgeordnetenwatch und die Social-Networking-Plattformen der Parteien in Deutschland mal etwas genauer angesehen und auch Markus dazu befragt:

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Alle Parteien haben erkannt, dass der Auftritt im Internet sie ins Bewusstsein von Wählern zurückholt, die mit traditionellem Wahlkampf nicht erreicht werden. Die meisten Politiker experimentieren aber noch. Die Blogs von Ulrich Kelber (SPD), Dirk Niebel oder Hans-Joachim Otto (beide FDP) kranken daran, dass die Politiker sie nicht aktuell halten. „Wie ein Politikerblog funktionieren muss, das beweist nur Julia Seeliger aus dem Parteirat der Grünen“, sagt Markus Beckedahl. Auf julia-seeliger.de verbreitet die 28-Jährige grüne Ideologie, grünen Klatsch, aber auch Kritik an den Grünen – täglich. „Nur so kann ein Blog funktionieren“, sagt Beckedahl. Der Tonfall ist salopp bis schroff. Genau an diesem typischen Blogger-Ton stoßen sich viele. „Eine Anfrage ohne Anrede finde ich nicht akzeptabel“, sagt Dieter Wiefelspütz.

Was oft auf den Generationenunterschied geschoben wird, hat also offenbar auch kulturelle Ursachen: Wenn Blogger ein wenig höflicher wären, hätten sie unter Umständen auch ein besseres Image bei Politikern und auch Journalisten, wäre hier die Message.

Wie man davon unabhängig die Vorbehalte gegenüber Bloggern bei Politikern sehr schnell abbauen kann, hat auf der anderen Seite Malaysia bewiesen, wie Techdirt berichtet:

Almost exactly one year ago, some Malaysian politicians got into a bit of an argument with some bloggers and started trashing the entire concept of blogging — leading to some politicians there declaring that all bloggers needed to register themselves with the government if they wanted to keep blogging. That resulted in an uproar, and the politicians backed down on the registration requirement. In fact, they started to check out blogs a little more carefully, and even liked what they saw. By the end of that same month, the government agreed to set up a special government agency to follow blogs and interact with bloggers to respond to any concerns they might have. Fast forward a year and not only do some of the original leading critics of blogging have their own blogs, but the ruling political party is now requiring many of its political candidates to blog. Anyone who wants a „youth post“ needs to have a blog. The guy in charge of the party’s youth wing explained: „All candidates must have blogs. If not, they are not qualified to be leaders.“ So they’ve gone from hating blogs to requiring them in about a year.

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10 Kommentare
  1. @erlehmann: Ich halte my.fdp (als aktives Mitglied dieser Partei) in dieser Form auch für übertrieben. Teile des Konzepts sind aber durchaus brauchbar. Das System wird ganz gut dazu genutzt, den Mitgliedern und Untergliederungen auf einer vereinheitlichten Plattform (statt 10 verschiedenen redundanten) Materialien (Vorlagen, Presseinfos, Mitgliederinfos, Grundsatzprogramm, aktuelle Grundsatzdiskussion und Programmdiskussionen) zur Verfügung zu stellen. Und my.fdp ist ja nicht das einzige, was die FDP hierbei seit einigen Jahren versucht. Es gibt da noch Initiativen der Partei wie das den Youtubekanal TV-Liberal. Das ich persönlich ehrlich gesagt, manchmal für nicht ganz so gelungen halte.

    Ganz großes Problem in der Politik: Wenn ich mir das so ansehe, auch was für Reaktionen aus der Bevölkerung regelmäßig kommen, dann ist selbst ver Prozentsatz an politisch interessierten Bürgern, die noch nicht mal einen Internetzugang nutzen oder eine E-Mail-Adresse haben sehr hoch! Da ist es nur repräsentativ, dass Aushängeschilder wie unsere Bundesjustizministerin im Interview nicht wissen, was ein Webbrowser ist…

  2. In dem Artikel bin ich etwas unglücklich zitiert:

    „Wichtig sei, so Beckedahl, dass ein Wahlkampf auf ein Schlagwort reduzierbar sei. „Obama hat alle auf ,change‘ (Wandel) eingeschworen. Eingängige Slogans lassen sich im Internet leicht millionenfach verbreiten.““

    Das hab ich so nicht gesagt. Hab in dem Gespräch erstmal Howard Dean erklären müssen und die Kampagne mit Obamas-Kampagne verglichen, die halt von der Kampagnenart ähnlich sind. Ebenso wie Dean setzt Obama auf eine Projektionsfläche, die von den Anhängern gut gefüllt werden kann. Ist etwas komplexer, als das, was dann im Endeffekt als Zitat daraus gebaut wurde.

  3. Es ist kein Generationenunterschied – es ist meine Art. Wer mich kennt, weiß, dass ich, wenn man mir blöd kommt, auch so antworte.

    Mir sind Argumente wichtig, und wenn mich jemand verarschen will, steige ich da nicht drauf ein.

    Zu anderen bin ich ja auch freundlich!

    ;)

  4. Jede Generation hat ihre spezifischen Kommunikationsformen, das hat nichts mit (mangelnder) Höflichkeit zu tun. Wenn ein Politiker wissen will, was seine Wähler denken, muss er sich auch auf deren Kommunikationsformen einlassen. Wobei Herr Wiefelspütz ja da eher ein Vorbild ist, als zu kritisieren.

  5. Also ich finds bloß nur mal wieder eine rein billige Parteianhängersuche… Peinlich ist kein Ausdruck!
    Wobei man der FDP schon lassen muss, dass sie web 2.0 konform geht. Macht nicht jede Partei. Trotzdem billig!

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