Öffentlichkeit

Keine Angst vor Google

Der Taz-Redakteur Tarik Ahmia argumentiert, dass Google nicht „der neue Feind“ sei: Keine Angst vor Google.


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In diesem Geben und Nehmen ist Google geradewegs zu einem seriösen Umgang mit den Kundendaten verdammt. Der Verlust des Vertrauens seiner Kunden wäre der Google-GAU: Würden Fälle bekannt, in denen Google Schindluder mit den Daten seiner Kunden betreibt, ist der nächste, vertrauensvollere Google-Konkurrent nur einen Mausklick entfernt. Googles Firmenmaxime „Dont be evil“ ist deshalb nicht nur ein Marketingspruch, sondern ist überlebenswichtig für das gesamte Geschäftsmodell des Konzerns. Die Welt der Internet-Ökonomie in althergebrachte Kategorien der Datenschützer einzuteilen – hier die rechtschaffenen Datenbewahrer, dort die skrupellosen Datensauger – greift deshalb auch zu kurz. Diese Welt ist komplexer geworden, und sie braucht ein neues Verständnis von Datenschutz, das dem Prinzip von Geben und Nehmen Rechnung trägt. Allein das Sammeln von Nutzerdaten lässt sich heute nicht mehr automatisch mit unlauteren Zielen eines Unternehmens gleichsetzen.

Er beschreibt anschaulich, dass die Nutzer selber darauf achten müssen, was sie wie und wo im Netz publizieren. Einen wichtigen Punkt übersieht er aber leider in seiner Argumentation: Google ist ein Unternehmen, was staatlichen Regulierungen unterliegt. Durch die Datenanhäufung werden bei Sicherheitsbehörden Begehrlichkeiten geweckt, auf die Datenberge zugreifen zu können.

7 Kommentare
  1. Ich sehe das Google-„Problem“ genauso! Es ist doch überwiegend meine Entscheidung welche Daten ich Google zur Verfügung stelle und bei dem regen Mitarbeiterwechsel bei Google wäre es nur eine Frage der Zeit bis irgendwelche internen Papiere oder Informationen an die Öffentlichkeit geraten.

  2. Das ist doch wieder so ein Fall von der Kunde soll entscheiden, aber wir geben dem Kunden nicht die nötigen Informationen. Eine Datenschutzampel[1] oder Datenschutzvergleiche existieren nun mal nicht.

    Außerdem wenn Google „Schinluder mit den Daten der Kunden betreibt“ (z.B. nach Aufkauf oder Insolvenzvermeidung) kann ich diese nicht „zurückrufen“. Es ist auch fraglich, ob ich etwas davon mitbekomme, wenn Google diese Daten intern verwendet (z.B. Wirtschaftsspionage) oder gezielt weiter gibt (z.B. Auftragsmörder oder betrogene Ehefrau des Steuerfahnders). Woher soll ich wissen wo die Daten herkommen oder dass diese überhaupt verwendet werden?

    [1] http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/artikel/531/170036/

  3. Ich glaube nicht, dass Google gleich seinen ganzen Kundenstamm oder auch nur einen großen Teil davon verliert, wenn „Datenschlampereien“ an die Öffentlichkeit kämen. Wenn die Bürger wirklich so sensibel wären, dann hätte StudiVZ schon lange keine Mitglieder mehr. Erst neulich hatte ich ein Gespräch mit jemandem, der mir hoch und heilig versicherte, dass es ihm völlig egal wäre, wenn intimste Details seiner Privatsphäre öffentlich einsehbar wären. Er hätte mich auch gern vom Gebrauch sämtlicher Google-Features überzeugt, einfach weil die so komfortabel sind. Das ist alles was zählt! Bei manchen Leuten zumindest.

  4. Das Google die Daten für einen guten Zweck sammelt ist unglaubwürdig. Und selbst wenn sie das machen, dann landen die Daten ja – wie zuletzt geschehen – in beliebigen anderen Händen. Wenn ihnen Datenschutz was bedeutet, dann sollen sie die Daten die sie sammeln öffentlich zugänglich machen.

    Habt ihr übrigens gewusst, dass NoScript für Firefox google.ca, google.de, und google.com auf der Whitelist hat (das heißt die Scripts werden in der Liste nicht angezeigt). Nach dem letzten Update war googleanalytics.com wieder aktiviert, obwohl ich mir 100% sicher bin, dass ich es ausgeschaltet habe.

    Don’t be google!

  5. Natürlich soll (und muss!) jeder im Netz darauf achten, was er an Daten rausgibt. Und das sehr genau. Der Fall Google ist aber wohl ein besonders komplexer: Google hat – da unterstütze ich die zitierte TAZ-Position voll – sehr starkes Eigeninteresse daran, die Daten nicht zu missbrauchen. Deshalb setzen sie ja auch den Handel mit Aufmerksamkeit (Adwords und Adsense), indem einfach aggregierte Daten genutzt werden, also nicht personalisierte. Dass Google hinter verschlossenen Türen sich in Sachen Industriespionage betätigt macht aus meiner Sicht wenig Sinn, vor allem wenn man bedenkt, aus welcher Ecke Google sich entwickelt hat (Stanford-Tüftler, nicht Wirtschafts- oder Marketingleute). Die Begehrlichkeiten der Politik, die Markus anspricht, sind da schon eher das Thema, da hat sich Google bislang recht sauber verhalten und nicht einfach Daten rausgegeben, aber das ist natürlich keine Garantie, dass sich das nicht ändern könnte. Aber wenn man manchmal hört, dass Leute aus Datenschutzgründen nicht ihre Mails über Google laufen lassen, sondern statt dessen zu web.de oder GMX gehen, dann wird’s schon unfreiwillig komisch.

    Deshalb – so handhabe ich das zumindest für mich und empfehle es im Freundeskreis – Vorsicht ja, Paranoia nicht. Dann lieber einfach die Mails verschlüsseln.

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