Zensurforscher: Wir mögen’s gern geregelt

Bei Stern.de gab es gestern ein spannendes Interview mit dem Zensurforscher Roland Seim: „Wir mögen’s gern geregelt“.

Deutschland hat unter den demokratischen Staaten jetzt schon das strengste Jugendschutzgesetz, und Rufe nach einer Verschärfung werden dennoch immer wieder laut. Warum sind wir Deutschen so viel besorgter als unsere europäischen Nachbarn?

Ich vermute, in Deutschland ist die Neigung ausgeprägter, den Staat für alles Mögliche verantwortlich zu machen, als in anderen Ländern. Wir mögen es gerne geregelt. Gesetze, die einem die Grenzen des Erlaubten zeigen und Behörden, die sie überwachen. Im Zweifel beschwert man sich und delegiert ansonsten die Verantwortung, um selbst möglichst wenige Entscheidungen treffen zu müssen. Verbotsforderungen sind ein üblicher Reflex bei Überforderung mit komplexen Situationen. Nach einem Amoklauf ist es einfacher, rasch ein „Killerspiel-Verbot“ zu verlangen, als nachhaltig die Krisenverursachung zu beheben.

Und das ist im Ausland anders?

Traditionell liberalere und tolerantere Gegenden wie die Benelux-Länder oder Skandinavien haben ein entspannteres Verhältnis zur Obrigkeit. Dort käme man kaum auf die Idee, wegen eines mutmaßlich schädlichen Einflusses von Medien die Bürgerrechte einzuschränken. In den USA hingegen meinen viele allen Ernstes, ein Amoklauf wäre schnell vorbei, wenn auch die Lehrer bewaffnet wären.

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