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Überwachung: Man passt sich an und merkt es nicht

Die TAZ hat ein sehr interessantes Interview mit dem Technikforscher Sandro Gaycken: „Man passt sich an und merkt es nicht

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Was ist dagegen einzuwenden, dass Leute ihren Müll nicht mehr auf die Straße schmeißen, weil sie wissen, dass sie von einer Kamera beobachtet werden?

Die Veränderungen werden sehr viel tiefgreifender sein. Es gibt einen Versuch, bei dem in einem Raum ein Foto aufgehängt wurde. Die Person darauf wurde den Versuchsteilnehmern als Beobachter vorgestellt. Während des Experiments war im Verhalten der Teilnehmer etwas Interessantes zu beobachten: Sie versuchten so zu handeln, wie sie glaubten, dass es der Beobachter für richtig hielt. Wenn Menschen überwacht werden, wollen sie konform mit den Werten der überwachenden Autorität agieren. Überwachung fördert die innere Zensur. Sie unterdrückt Widerspruchsgeist. Die große Gefahr ist, dass dies unterbewusst geschieht. Man passt sich an und merkt es gar nicht.

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5 Kommentare
  1. Quark, das Forschungsergebnis.

    Da gibts doch diese Anekdote, die aus der Kolonialzeit Afrikas immer wieder berichtet wird:

    In der Gold|Diamantenmine legte der weiße Besitzer sein Glasauge auf einen Pfahl, so dass es den Arbeitern immer zuschauen würde (so die Idee). Dann würde niemand unehrlich sein und etwas stehlen.

    Einige Zeit wirkt das, aber einer der mutigen Arbeiter nähert sich dem Auge von hinten und wirft einen Hut über es. Der Bann ist gebrochen, und der Besitzer weiß, dass er es nicht mit dummen Untergebenen zu tun hat.

    Will das etwas heißen? Ja, und zwar dass jede Verhaltensänderung, wenn überhaupt, nur zeitweilig ist – und man sich entweder daran gewöhnt und dann doch unbefangen wird, oder das worauf auch immer die Überwachung abzielt sich verlagert in unüberwachte Räume.

    Soweit so gut. Nur rechtlich ist das bedenklich: mehr Kompetenzen für verschiedene Behörden und Private (Bahnhöfe…), immer mehr Daten, mehr Data Mining und Profilierung. Irgendwann gibts keine faktischen Freiräume mehr..

  2. Moin!

    Und selber quark: deine Argumentation ist tatsächlich richtig, es tritt ein Gewöhnungseffekt ein – dies allerdings führt zu diesem Effekt: erst RFID im WM-Ticket, dann im Pass. Erst eine Kamera hier, morgen 1000 überall.

    Heute Vorratsdatenspeicherung von Verkehrsdaten, morgen werden die Inhalte mitgespeichert.

    Und die Menschen gewöhnen sich daran, das ist menschlich.

    Aber hin und wieder wird diese Kette unterbrochen – und du hast eine Chance daran mitzuwirken:

    Komm am 6.11. zu einer unserer bundesweit und zeitgleich stattfindenden Kundgebungen für die Freiheit und gegen die Vorratsdatenspeicherung!

    Welche Städte teilnehmen, erfährst du hier:
    http://www.freiheitstattangst.de

    Viele Grüße,
    Cristof
    Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung

  3. Mein Beitrag hierzu:

    Das EINE prägt das ANDERE, welches sich widerum prägt, durch des EINEN Prägung des ANDEREN wegen.

    Schneider, Andre (Juli 1989; Auszug aus „ODYSEELE“)

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