Ich hab ja lange nicht mehr einen so schlechten Artikel wie „Die Gratis-Kultur“ gelesen. Ich spar mir jetzt eine Textexegese, ein kleiner Abschnitt reicht um zu zeigen, dass der Autor das Thema wohl nicht wirklich verstehen wollte:
Das Recht muss dem Fortschritt weichen: Dies ist die griffige Formel einer online und offline um sich greifenden Rebellion. Software-Entwickler und Hacker, Musik-Fans und Künstler, Juristen und Wissenschaftler machen mobil gegen das Urheberrecht.
Ob der Autor auch mal daran gedacht hat, dass man Recht auch an den Fortschritt und veränderte Rahmenbedingungen anpassen sollte? Ist meiner Meinung nach sinnvoller, als umgekehrt wie es im Moment mit dem Urheberrecht passiert.
Alles andersrum. Stallman stattete die von ihm entwickelte Software mit einer „General Public License“ aus, einer Lizenz zum freien Gebrauch. Wesentliche Bedingung, die der Urheber Stallman seinem geistigen Eigentum mit auf die Reise gab: dass jeder, der es benutzt oder verändert, es frei weitergibt. Raffiniert – damit war eine kommerzielle Nutzung seiner Erfindung uninteressant.
Raffiniert ist hier auch, dass der Autor weiter im Text seine eigene These widerlegt: Dort schreibt er über Unternehmen, die Dienstleistungen für Freie Software anbieten. Das kann man auch kommerzielle Nutzung der GPL nennen.
Der Artikel stammt übrigens aus dem Spiegel-Special „Wir sind das Netz – Wie das neue Internet die Gesellschaft verändert“. Ein Kauf scheint sich bei der gezeigten Qualität nicht zu lohnen.