Jugendschutz
-
: Grüne gegen Verbot von Killerspielen
: Grüne gegen Verbot von Killerspielen Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen haben sich gegen ein Verbot von sogenannten Killerspielen ausgesprochen, wie es die Grosse Koalition im Koalitionsvertrag beschlossen hat. Dazu hat die Fraktion ein Positionspapier veröffentlicht. Darin wird der Förderung von Medienkompetenz ein grösserer Stellenwert zugeordnet und darauf hingewiesen, dass „Killerspiele“ nicht der Auslöser von Problemen bei Jugendlichen sind. Mehr gibts bei Heise: Grüne gegen Verbot von „Killerspielen“.
-
: US-Regierung will Zugriff auf Google-Anfragen
: US-Regierung will Zugriff auf Google-Anfragen Die US-Regierung verlangt von Google und anderen Suchmaschinenbetreibern Zugriff auf die Suchanfragen der Nutzer. Der Anlass ist ein Gerichtsverfahren wegen – na klar – Online-Pornografie. DIe Regierung will Kinder vor dem Zugriff darauf schützen und fordert dazu die Herausgabe der kompletten Suchanbegriffe einer ganzen Woche, darüber hinaus eine Million zufällig ausgewählte URLs. Ich weiss ja nicht, was die sich bei solcher Beweisführung denken, aber Googles Anwälte weigern sich noch. Yahoo, MSN und AOL sollen bereits nachgegeben haben.
Hintergrund: Der Child Online Protection Act [COPA] von 1998, der 2004 vom obersten Gericht wegen eines übermäßig breiten Ansatzes per einstweiliger Verfügung ausgesetzt worden war. Die Regierung will nun anhand der Statistiken der Suchmaschinen genauer wissen, wonach die Leute suchen und wie oft Pornografie dabei vorkommt.
Mehr dazu bei Futurezone und Heise. -
: Günther Beckstein zum Thema Killerspiele-Verbot
: Günther Beckstein zum Thema Killerspiele-Verbot Günther Beckstein wurde vom ZEIT-Zünder u.a. zum Thema „Killerspiele“ interviewed: „Auch im Netz gibt es Grenzen“.
Der Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union sieht vor, die sogenannten „Killerspiele“ unter ein Totalverbot zu stellen…
Das war mir ein ganz persönliches Anliegen. Ich habe mir von meinen Mitarbeitern Spiele zeigen lassen, bei denen Menschen geschlachtet werden wie Tiere. Bei denen man mit Handgranaten auf Leute wirft und dann beobachten kann, wie diese Menschen in scheußlichster Weise verletzt werden. Dass solche Killerspiele die Hemmschwelle gegen Gewalt herabsetzen, ist für mich eindeutig, auch wenn wissenschaftliche Belege hierfür noch umstritten sind. Es reicht nicht, solche Spiele nur mit Verleihverboten zu belegen. Die lassen sich ja billig reproduzieren und unter der Hand weitergeben. Dann kauft es der 22-jährige und gibt es seinem 16-jährigen Bruder. Ich kenne die rechtlichen Probleme, aber wir wollen das verbieten, weil es eine abstumpfende und gewaltfördernde Wirkung hat. Wir können nicht werktags so etwas zulassen und uns dann sonntags über die zunehmende Gewalt beklagen.
Ein Großteil junger Menschen bezieht sich die Spiele ohnehin aus dem Netz.
Das ist richtig, aber schauen Sie sich das Thema Kinderpornographie an. Auch hier ist heute das vorwiegende Medium das Internet und trotzdem greift das Verbot. Kinderpornographische Angebote werden wegen ihrer Strafbarkeit viel weniger genutzt, als wenn sie frei auf dem Markt verfügbar wären.
Abgesehen davon, dass ich die Idee aus verschiedenen Gründen schwachsinnig und unnötig finde, frage ich mich gerade, was der Vergleich mit Kinderpornographie soll. Soll das Verbot ähnlich wie bei Kinderpornographie durchgesetzt werden? Also polizeiliche Ermittlungen, Razzien in Kinderzimmern (und nicht nur dort), Knast für den Besitz von Counterstrike & Co?
Morgen diskutiere ich u.a. über das Thema mit Malte Behrmann vom Computerspiele-Entwicklerverband „G.A.M.E. Bundesverband“ im Rahmen der monatlichen Digital Game Archiv Veranstaltungsreihe: Politikum Computerspiel.
-
: Netzblockade: Don Quichotte und die Phisher
: Netzblockade: Don Quichotte und die Phisher Gerade habe ich bei Heise Online gelesen, dass der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow seinen Kampf gegen rechtextreme Webseiten für erfolgreich hält. Bisher habe man alle Klagen gewonnen. Das ist soweit durchaus richtig.
Allerdings ignoriert Büssow geflissentlich, dass es bisher erst zwei erstinstanzliche Entscheidungen in den Hauptsacheverfahren gab (4 stehen noch aus) und die betroffenen Providern noch Rechtsmittel einlegen können.
Ob eine – juristisch nach wie vor nicht abgesicherte – Zugangsblockade von 2 rechtsextremen Webseite durch ein paar (längst nicht mehr alle) Provider in NRW überhaupt als Erfolg gewertet werden kann, kann man wohl auch diskutieren.
Gefahrenabwehr mit 2 Promille
Der Bundesverfassungsschutz listet schließlich regelmäßig über 1000 ähnlich ausgerichtete Angebote auf, mit ein wenig Hintergrundwissen sind auch in NRW die beiden „gesperrten“ Naziseiten leicht zu erreichen.
-
: Event: Digital Games Archive – Politikum Computerspiel
: Event: Digital Games Archive – Politikum Computerspiel Am letzten Dienstag im Monat trifft sich bei uns im newthinking store immer das „Digital Games Archive“ und diskutiert verschiedenste Aspekte rund um Game-Culture. Für den kommenden Dienstag, den 29. November um 20:00 Uhr, war schon länger eine Diskussion zum Thema „Politikum Computerspiel“ geplant, die durch den Koalitionsvertrag auf einmal brandaktuell ist. Ursprünglich wollten Malte Behrmann, Geschäftsführer des G.A.M.E. Bundesverbandes und ich nur über Computerspiel-Förderung und die gesellschaftliche Akzeptanz von Computerspielen als Kulturgut diskutieren. Durch die aktuelle Diskussion wird es aber auch um „Killerspiele“, einen aus den Fugen geratenen Jugendschutz und das potentielle Herstellungsverbot von Ego-Shootern in Deutschland gehen.
Computerspiele sind kein reines Kinderspielzeug mehr. So könnte man wohl den augenblicklichen Stand der drei Jahrzenhnte dauernden Auseinandersetzung mit Games in Kürze zusammenfassen. Doch was sind sie dann?
Und: welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Denn wenn es sich bei Computerspielen um ein Medium oder auch ein Kulturgut handelt, schliessen sich daran selbstverständlich Fragen der kulturellen Idendität und deren Förderung und Bewahrung an. Kurz, es kommt auch die Politik ins Spiel, und zwar nicht nur als Jugendschützer.
-
: TV-Spot: Das Internet ist ein gefährlicher Ort
: TV-Spot: Das Internet ist ein gefährlicher Ort Über Klicksafe hatte ich schonmal berichtet. Das ist eine Jugendschutz-Aufklärungsplattform, die massiv EU- und Landesgelder bekommen hat und dafür relativ wenig Output liefert. Jetzt gibt es einen TV-Spot, der reisserisch „Bewusstsein“ für die „Gefahren“ im Internet liefern möchte: „Wo ist Klaus?“ Zusammengefasst kann man sagen, dass ängstliche Eltern nach dem Spot denken, im Netz gibt es nur Nazis, Kinderschänder, Gewalt und Frauen (Hier sinnbildlich für Pornographie, aber das merkt man nicht wirklich, ich dachte, die wollen vor Parties warnen).
Die Zeitschrift Werben&Verkaufen preist das Ganze als „Spot des Tages“:
Nazis und Huren sind herzlich willkommen im Spot des Tages
Besonders gastfreundlich ist die Mutter, die im Film der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz für das Internet-Portal Klicksafe.de wirbt. Egal ob Neonazis, Huren oder ein Killer – allen zeigt sie den Weg ins Obergeschoss zu ihrem Sohn. Was im wirklichen Leben nicht passieren würde, lassen Eltern im Internet oft zu: Dass ihre Kinder sich in Gefahr begeben.Die Pressemitteilung zu dem Spot ist auch interessant, da dort Filtertechnologien bei den Anbietern gefordert werden:
Der Spot richtet sich primär an Eltern und Pädagogen und führt zur website klicksafe.,de, die über Chancen, aber auch Gefahren im Netz informiert. „Ich möchte aber auch deutlich machen,“ betonte Helmes weiter, „dass für die sichere Gestaltung des Internets in erster Linie die Anbieter verantwortlich sind. Sie müssen noch deutlich mehr für den Schutz von Kindern und Jugendlichen tun und Eltern bessere Filtermöglichkeiten zur Verfügung stellen.“
Kommentar im IRC gerade:
„wirklich, wenn das keine werbung _fuer_ das internet war und den spasz den man da haben kann“
-
: EU-Event in Strassburg zu Menschenrechte in der Informationsgesellschaft
: EU-Event in Strassburg zu Menschenrechte in der Informationsgesellschaft Am Montag und Dienstag veranstaltet das „Council of Europe“ in Strassburg eine Veranstaltung zum Thema „Human Rights in the Information Society: Responsible Behaviour by Key Actors“. Zu der Veranstaltung wird es noch einen Web-Cast geben.
Building an inclusive Information Society, based on respect for human rights, requires new forms of solidarity, partnership and cooperation among governments, civil society, the private sector and international organisations. Through open discussions and exchanges of information worldwide, a multi-stakeholder governance approach will help shape agendas and devise new regulatory and non-regulatory models which will account for challenges and problems arising from the rapid development of the Information Society.
The Council of Europe is inviting interested representatives of states, industry (e.g. internet service providers, mobile phone operators, gaming industry, software manufacturers, etc), civil society and the media, as well as other organisations, institutions and experts, to take part in the Pan-European Forum on “Human Rights in the Information Society: Responsible Behaviour by Key Actors” which will take place at the Council of Europe, Strasbourg, on 12 and 13 September 2005.
In the light of a recent Declaration of the Committee of Ministers on Human Rights and the Rule of Law in the Information Society and Council of Europe priorities regarding the protection of children and internet content, the Forum will identify and discuss responsible and irresponsible behaviour by key actors in the Information Society and how states, industry and civil society can work together (inter alia through partnerships, policy making, greater awareness and education) to ensure the promotion and protection of human rights in the Information Society.
-
: Berlin will mehr Computer für Schüler
: Berlin will mehr Computer für Schüler Das Land Berlin will mit einem „Masterplan eEducation“ mehr Computer an Berlins Schulen bringen. Ds Ziel sei, dass „Berlins Schüler künftig jederzeit und an jedem Ort lernen können sollen.“ Eine löbliche Initiative, denn noch immer kommen durchschnittlich zwölf Schüler auf einen Computer, wobei ich nicht weiss, wie alt diese Rechner seien. Sicher nicht die neuesten. Jetzt sollen Pilotprojekte an 100 Schulen starten, wie dpa schreibt, und Heise veröffentlicht hat.
Nach Bögers Plan sollen Lerneinheiten künftig häufiger im Internet verfügbar sein, sodass Schüler von überall aus darauf zugreifen und so ihren Lernrhythmus selbst bestimmen können. Dadurch würden auch die Lehrer entlastet, weil das Netz den Austausch unter den Kollegen erleichtere.
Eines der fünf Teilprojekte ist:
„Intel – Lehren für die Zukunft – online trainieren und gemeinsam lernen“: Lehrerinnen und Lehrer aus 80 Schulen können „Lernpfade“ für sämtliche Unterrichtsfächer bearbeiten, Arbeitsmaterialien nutzen und sich in einem Forum austauschen. Drei Landesmoderatoren und das LISUM/Berlin unterstützen die Durchführung des Projekts.
Auf die einseitige Microsoft-Produktschulungen durch das Intel Lehrer-Fortbildungsprogramm hatte ich hier schonmal hingewiesen.
Eine gute Initiative wäre es ja, jeder Klasse ein Wiki einzurichten. Auch die Lehrer sollten dahin fortgebildet werden, dass diese ihre Lehrstoffe kollaborativ in Wikis ablegen. Das wäre richtig innovativ und sehr nachhaltig.
Kritik kommt mal wieder von der CDU, weil die Schüler nicht genug vor jugendgefährdenden Seiten im Internet geschützt würden.
Der jugendpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, nannte die Initiative „gut und richtig“. Er forderte aber umfassende Filter für die Schulcomputer, damit die Schüler beim Surfen im Internet nicht auf pornografische oder extremistische Angebote stoßen.
Das erinnert mich mal wieder an eine Anhörung im Berliner Parlament zum Thema „Jugendschutz im Internet“, wo ich vor einem Jahr als Sachverständiger geladen wurde. Die CDU hatte als Sachverständigen den Vertreter einer Filterfirma eingeladen, der dort im Parlament eine reine Produktpräsentation ablieferte – natürlich nur für sein Produkt. Meine Erlebnisse habe ich hier kurz beschrieben. Das Protokoll der Anhörung findet sich hier.
Die Webseite des Landes Berlin bräuchte übrigens auch mal einen Masterplan – hin zu mehr Usability. Bitte!
-
: Schüler mit Notebooks ausstatten?
: Schüler mit Notebooks ausstatten? Was passiert, wenn man Schüler mit Notebooks ausstattet und komplett hirnrissige Gesetze gegen Computerspionage erlässt, zeigt sich gerade in Philadelphia. Dort waren einige Schüler etwas kreativ, zeigten Medienkompetenz und werden jetzt eines Verbrechens angeklagt. Wieso? Sie haben das Admin-Passwort, welches auf der Rückseite des Notebooks angebracht war, genutzt um sich eigene Software zu installieren. Damit chatteten sie dann miteinander im Unterricht und surften. Was Schüler halt so tun, wenn der Unterreicht langweilig ist und sie nicht gefordert werden. Mit solchen Massnahmen kann man prima Jugendliche nachhaltig von einem funktionierenden „Rechtssystem“ überzeugen. Total plemplem!
The Register brachte die Story vor zwei Tagen mit der reisserischen Überschrift „US schoolkids run amok on internet“. Und heute ist der Spiegel dran: „Verhafte mich – ich kenne das Passwort!“
-
: Wie macht man Eltern Angst vorm Internet?
: Wie macht man Eltern Angst vorm Internet? Wie macht man Eltern Angst vorm Internet? Entweder schickt man sie zu einem Aufklärungsseminar des Bildungswerk der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung oder sie lesen Chiemgau-Online. Noch besser ist beides: Tacherting: Drogen, Okkultismus und Pornografie
Einen Informationsabend, der vielen Eltern die Augen öffnete, veranstalteten die Volksschulen Tacherting und Engelsberg, indem sie über das Bildungswerk der Hanns-Seidel-Stiftung den Internet-Fahnder Rainer Richard aus München in den Gasthof „Pertlwirt“ einluden. Er zeigte den Zuhörern auf sehr anschauliche und teilweise schockierende Art und Weise auf, welche enormen Gefahren das Internet für Kinder und Jugendliche birgt. Das kriminelle Online-Spektrum reicht von Pornografie über Gewaltverherrlichung, Rassismus und Drogenmissbrauch bis hin zu pädophilen Chatroom-Nutzern.
Wenn das Thema nicht so Ernst wäre, könnte man den Artikel glatt als gute Real-Satire durchgehen lassen. Der letzte Absatz zu Medienkompetenz ist wenigstens noch vertretbar.
-
: Computer sind besser für Kinder als Fernsehen
: Computer sind besser für Kinder als Fernsehen Florian Rötzer schreibt auf Telepolis über die Auswirkungen von TV- und Computer-Konsum auf die Chancen von Kindern und Jugendlichen. Klarer Gewinner ist der Computer: Fernsehen: Angriff auf das Gehirn?
Gleichzeitig kamen die Wissenschaftler auch zu einem anderen Ergebnis: Wenn Kinder einen Zugang zu einem Computer haben, schnitten sie besser vor allem besser im Rechnen, aber auch in Lesetests ab. Kinder mit TV im Zimmer, aber ohne Computer, zeigten die schlechtesten Leistungen, während diejenigen, die keinen Fernseher im Zimmer, aber Zugang zu einem Computer haben, am besten waren. Die Höhe des Fernsehkonsums hat bei dieser Studie keine Unterschiede ergeben. Allerdings wurden die Schüler schlechter, die während des Beobachtungsjahres einen Fernseher erhielten, während diejenigen besser wurden, denen der Fernseher weggenommen wurde. Die Wissenschaftler sagen zwar, dass man aus der Studie nicht folgern könne, dass ein Fernseher im Kinderzimmer schlechtere Schulleistungen verursachen müsse, aber dass es zumindest keine gute Idee sei.
-
: Buch und Veranstaltung: Die Google-Gesellschaft
: Buch und Veranstaltung: Die Google-Gesellschaft Am kommenden Donnerstag organisiert das Netzwerk Neue Medien in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung eine spannende Diskussionsrunde zum Thema „Suchmaschinen“. Einer der Gründe ist die Veröffentlichung des Buches „Die Google-Gesellschaft“, welches diese Tage endlich mal in den Handel kommen sollte. In dem Buch geht es natürlich nicht nur um Suchmaschinen, sondern um den Weg in die Wissensgesellschaft.
Aus dem Ankündigungstext des Buches:
Diskussionen zur Wissensgesellschaft gibt es viele, konkrete Bilanzen nur wenige. Dabei ist klar: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ändert sich der Umgang mit Wissen radikal. Wie wir Wissen heute entwickeln, verändern und verbreiten, unterscheidet sich in vielfältiger Weise von früheren Formen. Der umfangreiche Band liefert eine aktuelle Bestandaufnahme der verschiedenen Dimensionen der internetbasierten Wissensgesellschaft. In mehr als 50 Beiträgen ziehen Praktiker, Journalisten und Wissenschaftler Bilanz für Politik und Ökonomie, für Bildung, Medien und Kunst und gleichen dabei Diskussion und Wirklichkeit miteinander ab.
Ich habe den Beitrag zum Thema „Online-Kampagnen. Das Netz als Forum politischer Öffentlichkeit“ beigesteuert und beschreibe darin verschiedene Herangehensweisen, wie das Netz für politischen Aktivismus genutzt wird.
Den Ankündigungstext für die Veranstaltung am Donnerstag habe ich etwas gekürzt:
[…] Doch wie das Milliardengeschäft mit der Suche im Internet funktioniert, wissen nur die Wenigsten. Ein tieferer Blick in Funktionsweise und Geschäftsmodelle der Suchmaschinen lässt mehrere Fragekomplexe erkennen, denen sich die Betreiber, aber auch die Nutzer von Suchmaschinen stellen müssen: Die Zensur und das Filtern von Suchergebnissen, der Schutz der Verbraucherdaten und die Qualität der Suchertreffer.
Weil diese Fragen sowohl die Wissensaneignung als auch die Bürgerrechte (informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz) betreffen und eng mit den Fragen der Regulierung des Netzes verbunden sind, verdienen sie stärker als bisher öffentlich debattiert zu werden. Auch weil wichtige Entscheidungen über die Regulierung des Internet (Internet Governance) auf dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) der UNO im November in Tunis auf der Tagesordnung stehen.
Die Diskussion mit VertreterInnen der Branche, der NutzerInnen und der Politik wird erörtern, wie und welches Wissen über die Suchmaschinen zugänglich ist. Es soll dabei erfragt werden, welche Probleme mit der marktbeherrschenden Stellung von Google verbunden sind und wie das Unternehmen mit dieser Verantwortung umgeht. Auch die Alternativen sollen dabei diskutiert werden, um schließlich zu schauen, ob die »Google-Gesellschaft«, in der private Anbieter den Zugang zum Wissen organisieren, eher Erfüllung oder Abgesang auf eine demokratische Wissensgesellschaft ist.
Und hier ist das Programm:
19.00 Uhr Begrüßung:
Olga Drossou, Heinrich-Böll-Stiftung
Kai Lehmann, Herausgeber »Die Google-Gesellschaft«Einführung: Michael Schetsche, Herausgeber »Die Google-Gesellschaft«
Podiumsdiskussion:
»Willkommen in der Google-Gesellschaft. Unternehmen, Politik und VerbraucherInnen in der Verantwortung«, mitStefan Keuchel, Google Deutschland
Sabine Frank, Geschäftsführerin Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter
Wolfgang Sander-Beuermann, Vorsitzender SuMa e.V.
Katja Husen, Bundesvorstand B’90/ Die Grünen
Günter Krings, MdB, CDU-Fraktion
Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-HolsteinModeration: Jochen Wegner, Focus
21.00 Uhr Get together
Die Veranstaltung scheint leider schon überbucht zu sein, so dass Anmeldungen nicht mehr möglich sind. Aber wir werden die Diskussion zumindest mitschneiden und danach via Podcast und/oder Bittorrent online stellen. Eventuell gibts auch noch eine Video-Doku, aber das ist immer so ein Aufwand im Gegensatz zum Audiomitschnitt…
-
: Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien anrufen?
: Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien anrufen? Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat jetzt ein Servicetelefon. Heute kann man noch bis 15h unter der Nummer 0228–376631 anrufen und deren Wissen testen! Probiert es mal aus, mich würde ja schon interessieren, wie kompetent die Herren und Frauen am Telefon die neuen Medien und ihre Risiken und Chancen erklären wollen.
Die Aufgabe der Bundesprüfstelle bestand bislang vorrangig darin, Medien auf ihre Jugendgefährdung zu prüfen und ggf. zu indizieren. Seit Anfang 2005 stehen dort zusätzliche Mitarbeiter zu Verfügung, die Kindern und Eltern durch entsprechende Informationen dabei helfen wollen, Risiken und Chancen im Umgang mit den neuen Medien bewusst wahrzunehmen und eine verantwortungsvolle Mediennutzung zu erlernen.
Die Orientierung im Medienalltag will die BPjM mit Fachkräften aus Jugendschutz und Medienpädagogik geben, die unter der Service-Nummer 0228–376631 montags, dienstags und donnerstags in der Zeit von 11:00 bis 15:00 Uhr und mittwochs in der Zeit von 17:00 bis 19:30 Uhr (außer an Feiertagen) Anrufe entgegennimmt.
-
: Golem zur Frontal21-Debatte
: Golem zur Frontal21-Debatte Golem hat einen sehr ausführlichen Artikel zur Frontal21-Debatte: Killerspiele? Frontal21-Bericht macht Spieler aggressiv.
Nach vier Seiten zur Debatte folgt der Kommentar:
Auch der neue Frontal21-Bericht zeigt ein altes Dilemma von Computerspielen: Berichte in Massenmedien nehmen sich dem Thema vornehmlich dann an, wenn es entsprechend reißerisch präsentiert werden kann. Eine möglichst nüchterne und unvoreingenommene Berichterstattung liegt wohl nicht im Interesse der großen Publikumsmedien, denn das verspricht weder hohe Auflage noch Quote. Leider gewinnt man Zuschauer in der Prime-Time wohl eher durch Angst einflößende und Verunsicherung schürende Beiträge als durch aufklärende Dokumentationen.
Solch einseitige Berichterstattung wie bei Frontal21 erzürnt dann nicht nur die Spiele-Branche, sondern natürlich auch ihre Kunden, die sich nicht grundlos kriminalisieren lassen wollen. Derweil können sich solche Berichte der Zustimmung einer großen Zielgruppe sicher sein, die sich nur selten mit diesem Thema befasst und sich über einfache Lösungen freut, wie sie dort präsentiert werden. Nach Lesart des Frontal21-Berichts verschwinden Gewaltprobleme unter Jugendlichen schlagartig, wenn nur keine Gewalt mehr in Computerspielen gezeigt wird. Das Thema Gewalt in der Gesellschaft ist allerdings zu komplex, als dass man dafür nur jeweils einen Verursacher verantwortlich machen kann.
-
: Petition an Frontal21 wegen „Killerspielen“
: Petition an Frontal21 wegen „Killerspielen“ Die Zeitschrift Gamestar hat eine Online-Petition gestartet, die sich an Frontal21 richtet. Auf der Webseite kann die Petition unterzeichnet werden.
Offener Brief an Nikolaus Brender, Chefredakteur des ZDF
Sehr geehrter Herr Brender,
ihr Magazin Frontal 21 hat in bisher zwei Beiträgen (am 9.11.2004: »Gemetzel im Kinderzimmer« sowie am 26.4.2005: »Gewalt ohne Grenzen«) über Gewalt in Computerspielen berichtet. In beiden Sendungen wurden Spiele als Gewalt erzeugend dargestellt; Gegenpositionen kamen kaum vor oder wurden durch Verkürzung der Redebeiträge oder die gezielte Auswahl von medienunerfahrenen Repräsentanten abgeschwächt.
Durch die Frontal-21-Reportagen wird billigend in Kauf genommen, dass bei Außenstehenden der Eindruck entsteht, sämtliche Käufer von PC- und Video-Spielen »ab 18« wären in der Regel gewaltbereite, potenzielle Amokläufer. So sinnvoll es ist, Erziehungsberechtigte über den Medienumgang von Kindern und Jugendlichen aufzuklären, so verletzend sind solche pauschal verurteilenden Beiträge für den einzelnen Spieler. Viele Spieler berichten bereits von Rechtfertigungszwang und sozialer Ausgrenzung in Schule und Familie, verursacht auch durch Ihre Berichterstattung.
Wir, die Unterzeichnenden, sind der Meinung, dass die Frontal-21-Berichterstattung eine bewusste, mit Absicht zugespitzte Kampagne gegen das Hobby »Elektronische Unterhaltung« ist. In dieser Form erwarten wir Berichterstattung allenfalls von der Yellow Press, keinesfalls aber von einem öffentlich-rechtlichen Medium. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender – immerhin unterhalten auch von unseren Gebühren – erwarten wir ausgewogene Darstellung der Sachverhalte.
Wir fordern Sie auf, in Zukunft das Themenfeld PC- und Videospiele mit Fairness zu behandeln. Eine Unterhaltungsform, die von Millionen Deutschen friedlich genutzt wird, verdient eine differenzierte Betrachtung, keine Stammtisch-Polemik.
-
: Frontal21 auf dem Kreuzzug gegen „Killerspiele“
: Frontal21 auf dem Kreuzzug gegen „Killerspiele“ Frontal21 kann es nicht lassen. Nachdem die ZDF-Sendung im vergangenen November schonmal über „Killerspiele“ berichtet hatte, setzen sie nun nach. In den Tagen nach der November-Sendung gab es eine grosse mediale Aufmerksamkeit, in der sich Innenminister wie Beckstein und Schönbohm verbal in der Öffentlichkeit überboten, dass man jetzt radikal handeln müsste, um die Jugend vor dem Bösen zu bewahren. Auch von Herstellungsverboten war die Rede.
Tausende von Zuschauern beschwerten sich im Internet und in E‑Mails und Briefen an die Redaktion über den Ton und die Art des Berichtes. Diese Kritik wurde nun von der Redaktion aufgenommen und dient ihr jetzt als „Beweis“, dass Spiele Gewalt und Aggression auslösen…:
Gewalt ohne Grenzen – Brutale Computerspiele im Kinderzimmer
Eine riesige Fangemeinde Jugendlicher verbringt ihre Freizeit mit Prügeln und Töten am PC. Über eine Million Kinder und Jugendliche nutzen Killerspiele regelmäßig. Das Problem: Die meisten Brutalspiele sind nicht indiziert und dürfen frei verkauft werden.
Viel objektiver schafft es hingegen „Die Welt“, sich dem komplexen Thema „Jugendschutz, Computerspiele, Kultur“ zu nähern: Wenn „Killer-Spiele“ die Massen verzaubern
Dabei sind sich die meisten Forscher einig, daß Computerspiele nicht die Ursache für Gewalt sind. „Setze einen Jugendlichen drei Tage vor einen Ego-Shooter und er wird gewalttätig – das ist Quatsch“, sagt Andreas Kirchhoff, medienpädagogischer Referent beim Münchner Medienpädagogikinstitut JFF. Wissenschaftlich sei ein Zusammenhang zwischen Gewalt und Computerspielen unhaltbar. Er stuft die politische Diskussion seit dem Erfurt-Massaker als polemisch und von Aktionismus geprägt ein.
-
: Schlechte Erfahrungen in Chaträumen
: Schlechte Erfahrungen in Chaträumen Mal wieder Jugendschutz. Eine neue Studie ist aufgetaucht. Und Chat-Räume kommen da laut Heise sehr schlecht weg:
„Die Hälfte der Jugendlichen, die sich regelmäßig in Chat-Räumen aufhalten, hätten dabei schon schlechte Erfahrungen gemacht und seien auf unangenehme Menschen getroffen.“
Allerdings finde ich diese Aussage sehr nichtssagend. Ebenso gut hätte man schreiben können:
„Die Hälfte der Jugendlichen, die sich regelmäßig in der in der Schule aufhalten, hätten dabei schon schlechte Erfahrungen gemacht und seien auf unangenehme Menschen getroffen.“?
Wahrscheinlich läge bei letzterem die Quote noch höher, wer erinnert sich nicht an unangenehme Menschen aus der Schulzeit?
Erfreulich ist, dass laut der Studie 85 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen das Internet benutzen, die Hälfte von ihnen sogar täglich oder mehrmals pro Woche. Na, wird doch was mit Deutschlands Zukunft.
-
: „Internet lernen“ mit den Landesmedienanstalten
: „Internet lernen“ mit den Landesmedienanstalten Klicksafe.de ist heute online gegangen. Eine Initiative u.a. von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation aus Rhineland-Pfalz. Letzte Woche hatte ich dazu schon eine Pressemitteilung gelesen und hätte das Thema am liebsten wieder verdrängt. Die Auflistung der anwesenden Politiker liess mal wieder das schlimmste vermuten. Und ja, Heise zitiert unsere Kulturstaatsministeriun Christina Weis, die mir schon so manchesmal wegen mangelnder Kompetenz rund um das Thema Internet aufgefallen ist: „Wir brauchen endlich eine taugliche Filtersoftware“ und lobte anschliessend den Büssow mit seiner Sperrungsinitaitive im Rheinland. Das erinnert mich an ein vergangenes Erlebnis als Sachverständiger im Berliner Abgeordnetenhaus zum Thema Jugendschutz im Internet.
Also mal die Seite angesehen, wie man jungen Menschen nun einen sicheren Umgang mit dem Internet zeigen möchte. Da gibt es also verschiedene Rubriken. „Schutz vor Schmutz“ als erstes mit ein paar Infos über Viren. Aber leider wird vergessen darüber aufzuklären, dass man mit Linuxsystem (und auch mit dem Mac) kaum oder keine Viren bekommt. Auch würde ich mir wünschen, dass bei den Browsern-Seiten nicht nur Tipps gegeben werden, was denn der Browser so über einen verrät, sondern dass man klar die sichere Alternative verlinkt. Von Firefox keine Spur. Hab dann mal die „Schuldenfalle Handy“ übersprungen, um zu lernen, wie ich sicher e‑Mails verschicke. Aber auch hier falsche Assoziationen, Verschlüsselung kommt nicht vor. Dafür sollen Kinder keine e‑Mails benutzen, die ihren eigenen Namen tragen. Um dies zu verhindern gibt es aber nur Anbieter, die für Kinder zugeschnitten sind. GMX & Co gehen wahrscheinlich nicht, weil da ja doch immer mehr „schmuddelige“ Bilder beim einloggen zu sehen sein sollen.
Pädagigisch hochwertig fand ich dann nur folgende Seite: „Was tun bei problematischen Suchergebnissen?“
Das Internet ist wie eine riesige Bibliothek, die jeder nach Lust und Laune bestücken kann. Das heißt, hier gibt es brauchbare und unbrauchbare Informationen und es gibt auch Illegales und Jugendgefährdendes. Es bleibt also nicht aus, dass man irgendwann auf Seiten mit fragwürdigen Inhalten stößt. Schnell wieder weg klicken ist eine mögliche Reaktion. Man kann aber diese Seiten auch melden, damit derlei Angebote überprüft und gegebenenfalls etwas dagegen unternommen werden kann. Viele Suchmaschinen haben einen Service eingerichtet, bei dem man diese zweifelhaften Seiten angeben kann
Wie wäre es mit dem Tip, sofort den Stromstecker zu ziehen? Würde mich ja interessieren, wieviele Kinder bild.de an die passenden Stellen melden. Kinderfrei ist die Seite, ebenso wie die Zeitung jedenfalls nicht.
Die Seite verliert aber schnell ihren Reiz, soviel zu lesen gibt es nicht. Aber ich bin eh die falsche Zielgruppe. Für Kinder ist es sicher nicht schlecht. Aber einige Punkte sind noch stark ergänzungswürdig. Wie bekomme ich jetzt nur wieder Christina Weis aus dem Kopf?
-
: Jugendschutz und Freie Software
: Jugendschutz und Freie Software In einem Schnellschuss wurde im Jahre 2003 das Jugendschutzgesetz geändert und die Unterhaltungsspiele Selbstkontrolle (USK) eingeführt. Diese zertifiziert Spiele und vergibt eine Altersfreigabe. Schon bei der Verabschiedung war der Protest gross, weil der Gesetzgeber glatt Freie Software übersehen hatte, die ein anderes Entwicklungsmodell hat als herkömmliche Software. Die Grundidee der USK ist nachvollziehbar: Spieleentwickler oder Publisher bringen ein Spiel heraus, dass eine längere Entwicklungszeit hinter sich hat. Das Spiel wird vor Veröffentlichung an die USK geschickt, und diese zertifiziert das Spiel mit Kosten von „250 bis 1000“ Euro, wie mir gerade am Telefon erklärt wurde. Dann kommt das Spiel mit einem Stempel „Ab 18“ oder „Ab 6“ in den Handel. Bei Freier Software ist dies allerdings anders. Sehr oft werden Spiele in der Freizeit programmiert und blutige Ballerorgien wie Quake3 sind eher die Seltenheit. Und wenn, dann steht hinter Quqke3 & Co ein grosser Publisher, der mal eben die Kosten aus der Portotasche bezahlt. Wer allerdings einen Tetris-Clone als Freie Software programmiert und auf einem Datenträger verbreiten will, darf dies ohne Zertifizierung nicht an unter 18-jährige machen. Und Probleme gibt es, wenn die Version 0.7 zertifiziert wird, und einen Monat später gibts die Version 0.8. Denn dann braucht man erneut eine Zertifizierung!
Konkret ging es mir gerade bei einem Anruf bei der USK um die Linux Kinder-Distribution „Jux“. Diese wird von einem nicht-kommerziellen Österreichischen Verein zusammengestellt und enthält jede Menge Lernprogramme und ‑spiele auf einer selbstbootenden Linux-CD. Das Projekt wird von der Bundesinitiative „Jugend ans Netz“ und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Wenn ich die Distribution (zum Selbstkostenpreis) in einem Geschäft wie dem LinuxTrendStore in Berlin weitergeben möchte, mache ich mich zwar nicht strafbar, riskiere aber, von Konkurrenten wegen Marktverzerrung angeklagt zu werden, da die Zertifizierung nicht gemacht wurde. Sehr bizarre Logik.
Ich versuchte das gerade der passenden USK-Referntin am Telefon zu erklären, die sehr unfreundlich war. Auch der Begriff „Freie Software“ sagte ihr nix und ich tastete mich über „Open Source Software“ an „Linux Software“ heran, was sie dann irgendwie verstand. Downloaden darf man die Software, aber das Brennen auf einen Datenträger und die Weitergabe von diesem ist durch das Jugendschutzgesetz streng reguliert. Games Knoppix steht vor demselben Problem und darf nur zum Download angeboten werden. Die unfreundliche Referentin hatte dann auch keine Lust, mir weiter am Telefon die Logik zu erklären und verwies immer nur auf deren Webseite, die ich selbstverständlich vor dem Anruf ausgiebig gelesen habe, um meine Fragen einzugrenzen. Und die natürlich nicht auf meine Fragen eingeht.
Nächster Schritt ist also der Gesetzgeber in Form des Bundestages, bzw. des Familienministeriums, die ich mal in nächster Zeit angehe. Vielleicht wird daraus auch mal eine kleine Kampagne, denn das Problem betrifft Freie Software insgesamt. Was ist beispielsweise mit einer Knoppix, die ja auch viele Spiele enthält? Und was ist der Unterschied zwischen einer Knoppix und einer Games Knoppix? Muss ich für meine eigene kleine (virtuelle) Distribution auch diese Zertifizierung machen, um sie an Jugendliche zu vertreiben, nur weil da ein paar Solitär- und Tetris-Clone drauf sein könnten?
-
: Anhörung zu Jugendschutz im Internet
: Anhörung zu Jugendschutz im Internet Heute war ich als Sachverständiger bei einer Anhörung zum Thema „Jugendschutz im Internet“ im Berliner Abgeordnetenhaus geladen. Vorausgegangen ist ein Antrag der CDU-Fraktion, die Filter in allen Schulen und Jugendeinrichtungen installiert haben wollen. Meine Aufgabe war es, dem etwas Kritik entgegen zu setzen.
Die Anhörung war schon etwas bizarr, einer der anderen Sachverständiger, eingeladen von der CDU, schien ein Marketing-Mensch der Firma „Time for Kids“ zu sein, der das ganze als Unternehmenspräsentation nutzte, so richtig mit Beamer, Preisen („Alles ganz billig und im Cent-Bereich für jeden einzelnen Schüler…“)… Eigentlich hatte ich von einer Anhörung was anderes erwartet, aber scheint nunmal die Regel zu sein. Zum Glück hat die CDU aber keine Mehrheit in Berlin. Das gleiche gilt für die FDP, hier sass ein ziemlich alt aussehender Abgeordnete da, faselte meiner Meinung nach leicht wirres Zeug über „Medienkompetenz fördern“ und sein einziges Interesse bestand darin, dass Schüler auch im Umgang und Respekt mit Geistigem Eigentum geschult werden müssen. Ausserdem sei das ja alles kriminell mit dem Musik herunterladen und man könne froh sein, dass in den Schulen keine Razzien geben würde, bei all dem geklauten Material auf den Festplatten. Der Mann war auch recht verwirrt, als ich ihm die Frage stellte, was er mit „Geistigem Eigentum“ und Gefahren für Schüler meinen würde, ob darunter auch mögliche Softwarepatentvergehen von 16 Jährigen Programmierern fallen würden. Ausserdem musste ich ständig erklären, dass man für das nichtkommerzielle herunterladen von MP3s in Deutschland noch nicht in den Knast kommt. Das glaubte mir dort aber keiner.
Am bizzarsten war allerdings die Diskussion, worüber man eigentlich redet, da jeder einfach so mit dem Wort Medienkompetenz rumwarf. Meine These war ja, dass alle wohl Informationskompetenz meinen würden und dass Medienkompetenz eher das kreative Auseinandersetzen mit Technik meint, was durch Programmieren, Webseitenerstellen oder Filter umgehen ausgedrückt wird.
Mein vorbereitetes Papier gibts übrigens hier. Da ich aber dann doch die freie Rede genutzt habe, gibts hier jetzt mit einem Monat Verspätung das Redeprotokoll der Sitzung.