Jugendschutz

  • : Schweiz: Provider sollen Internetseiten sperren
    Schweiz: Provider sollen Internetseiten sperren

    Die Sonntagszeitung berichtet, dass Provider in der Schweiz sich freiwillig verpflichtet haben 1200 Seiten zu sperren:

    Die Schweizer Internetanbieter sperren den Zugriff auf 1200 Kinderporno-Seiten. Die Swisscom-Tochter Bluewin beginnt schon in den nächsten zwei Wochen mit dem Anti-Schmutz-Projekt – mehr als 50 andere Provider folgen im Frühjahr.

    Blogg.ch hat die Entwicklung schon seit einigen Monaten verfolgt und kommentiert sie als Provider folgendermassen:

    Wir ISPs erwarten keine Schnellschüsse, sondern Rechtssicherheit. Und dies ist in der Verantwortung des Parlaments! Deshalb, liebe Ruth-Gaby, (sic Nationalrätin SP Schweiz) wo ist die Motion für eine entsprechende Gesetzesvorlage? Wir Provider sind gerne kooperativ (vernünftige technische Implementationen lassen sich mit dem KOBIK schon finden), aber wir wollen nicht immer den Kopf hinhalten für gesellschaftliche und ethische Probleme.

    29. Januar 2007
  • : EU: Empfehlungsliste für coole Killerspiele
    EU: Empfehlungsliste für coole Killerspiele

    Die „Killerspiel-Debatte“ erreicht schon längst die europäische Ebene: EU will Netz-Pranger für Spiele und Filme.

    Europas Innen- und Justizminister wollen gegen extrem gewalttätige Spiele und Filme symbolisch vorgehen. Im Internet will man eine Liste mit verbotenen Inhalten anlegen.

    Eine solche Liste ist äusserst praktisch. Da wissen die Schüler immer sofort, was cool und angesagt ist.

    Mehr dazu gibt es auch in der Futurezone: Kein EU-Verbot von „Killerspielen“.

    Nach Art einer „schwarzen Liste“ könnte das Verbote in anderen Mitgliedsstaaten nach sich ziehen, erklärte Frattini. „Wir müssen darauf hinarbeiten, den Schutz von Kindern auf einem möglichst hohen Niveau zu harmonisieren.“ Zypries unterstützte diesen Plan: „Ich denke, dass Herr Frattini mit diesem Ansatz Recht hat.“

    16. Januar 2007 6
  • : Es pfeift in der Süddeutschen Zeitung
    Es pfeift in der Süddeutschen Zeitung

    Der vermutlich geistige Vater des „Killerspiel-Verbotes“, Christian Pfeiffer, durfte in der Süddeutschen Zeitung seine „Aussenansicht“ schildern: Sechs Punkte gegen Killerspiele.

    Einen guten Kommentar gibt es schon beim deutschen Inquirer: Killerspiele-Pfeiffer pfeift nach noch mehr Verboten.

    Eben dieser Christian Pfeiffer erklärt es nun in der Süddeutschen für zweifelhaft, dass ein Verbot der „Killerspiele“ ausreicht, den Jugendmedienschutz nachhaltig zu verbessern. Auch die Sprüche von Beckstein und Stoiber sind ihm noch nicht drastisch genug. Deshalb müssten weitere und vielleicht effektivere Maßnahmen her.

    12. Januar 2007 5
  • : Myspace: (Some of) the kids are alright?
    Myspace: (Some of) the kids are alright?

    Justin Patchin von der the University of Wisconsin-Eau Claire und Sameer Hinduja von der Florida Atlantic University haben mal genauer untersucht, wie viel die MySpace-User wirklich über sich preisgeben. Leider ist unklar, wer die Studie finanziert hat und was genau drin steht. Ausser der Pressemitteilung, einem Audio-Interview und ein paar Medienberichten habe ich nichts finden können. Die US-Presse schreibt jedenfalls irgendwie erleichtert, „Teens are safe on MySpace“.

    Aus den zufällig ausgewählten 2423 Teenager-Seiten ergab sich, dass fast 40 Prozent als „privat“ geschaltet und damit nur für „Freunde“ sichtbar waren. Soweit ich das sehe, können damit Leute wie Madonna, Lonelygirl15 oder die Arctic Monkeys sehr viel über die Jugend von heute herausbekommen. MySpace verlangt von den Nutzern, dass sie mindestens 14 sein müssen, und bei allen bis 16 Jahren ist die Voreinstellung für die Profile ohnehin „privat“. Die beiden Forscher haben sich dann die 1500 Profile, die für alle einsehbar waren, mal genauer angesehen:

    • Almost 57 percent of the profiles included at least one photo of the teen, often of themselves with family, friends or people they met at a social gathering. Many others provided detailed descriptions of their personal appearance.
    • About 5 percent of the teens included photos of themselves in a swimsuit or underwear, and 15 percent included photos of friends in a swimsuit or underwear.
    • Almost 40 percent of the profiles included the youth’s first name, and about 9 percent included their full name.
    • About 81 percent of the youth included the name of the city in which they live, and another 28 percent named the school they attend.
    • About 4 percent included their instant messaging name, and 1 percent included their e‑mail address.
    • Less than 1 percent included their telephone number. But when extrapolated to all teens on MySpace, nearly 75,000 youth may be including this private information.
    • About 18 percent of the sites included evidence of alcohol use, 7 percent included evidence of tobacco use and 2 percent included evidence of marijuana use.
    • Nearly 20 percent of the profiles included profanity, and almost 33 percent of the sites included swear words in the posted comments.
    • „The results indicate that youth are posting personal and identifying information, but not to the extent that many believe,“ Patchin said.

    Sie empfehlen den Eltern, MySpace mit den Kindern gemeinsam zu nutzen, zum gegenseitigen Vorteil:

    „Teens can teach their parents about the technology and parents can talk to their kids about making responsible choices online. MySpace can be a way for parents to get closer to their kids.“

    Da die Kids allerdings ihre Eltern überwiegend hassen, wenn die ihnen beim Chatten und anderen Online-Aktivitäten über die Schulter schauen, versuchen manche Eltern, sich ihren Kindern eben online zu nähern, indem sie selber auf chattige Teenager machen. Das ist allerdings ethisch sehr fragwürdig und kann auch böse schief gehen. Irgendwo wurde kürzlich berichtet, dass sich auf dem Weg ein Teenager in seine eigene Mutter verliebt hatte. Weiss noch wer den Link?

    Update: Gerade ist auch eine Studie von Amanda Lenhart und Mary Madden vom PEW-Projekt „Internet & American Life“ erschienen: „Social Networking Websites and Teens: An Overview“

    6. Januar 2007 3
  • : Neues von der Killerspiele-Front
    Neues von der Killerspiele-Front

    Bei Heise gibt es mal weider eine Zusammenfasung der aktuellen Ereignisse rund um die „Killerspiele-Verbotsdiskussion“: „Killerspiele“: Selbstkontrolleinrichtung wehrt sich gegen Verleumdung.

    Sehr interessant ist der Verweis auf ein Streitgespräch zwischen Bayerns Innenminister Günther Beckstein und dem Chef von Electronic Arts, Thomas Zeitner in der Frankfurter Rundschau: „Killerspiele verbieten“ – „Das ist der falsche Reflex“.

    Und in der Welt beschwert sich Brigitte Zypries über das Gegenseitige Überbieten von radikalen Forderungen in dieser Debatte: „Killerspiele sind längst verboten“

    21. Dezember 2006 2
  • : Lobby-Initiative „Deutschland sicher im Netz“ ist jetzt ein Verein
    Lobby-Initiative „Deutschland sicher im Netz“ ist jetzt ein Verein

    Die Lobby-Initiative „Deutschland sicher im Netz“ hat jetzt einen Verein gegründet. Das klingt dann doch gleich etwas mehr als „gesellschaftliche Initiative“ und verdeckt etwas die beteiligten Unternehmen. Zu den Partnern gehören neben Unternehmen wie Microsoft, MSN (auch Microsoft) und SAP auch noch das Deutsche Kinderhilfswerk. Letzteres vermutlich als Feigenblatt.

    „Der Verein versteht sich als zentraler Partner für die Politik, gesellschaftliche Gruppen und die Wissenschaft im Bereich Sicherheit in der Informationstechnik. In diesem Rahmen wird der Verein auch bei der Umsetzung von Initiativen der Bundesregierung im Bereich Sicherheit in der Informationstechnik unterstützend tätig, so insbesondere bei der Umsetzung des Nationalen Plans zum Schutz der Informationsinfrastrukturen im Bereich der Zielgruppen Bürgerinnen und Bürger sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen.“

    Zu den Zielen zählt komischerweise nicht eine Produkthaftung für unsichere Software, wie sie eigentlich logisch wäre um die Ziele zu erreichen. Sondern eher die Vermittlung von mehr Rechnerkompatenz, um die Windows-PCs etwas sicherer zu bekommen, was der Hersteller nicht schafft. Bezeichnenderweise spammt mich die Microsoft Presseabteilung seit Gründung der Initiative mit dem Offline-Newsletter „Deutschland sicher im Netz“ regelmässig zu.

    Als künftige Lobbythemen werden die folgenden genannt:

    Der Verein wird seine Arbeit im nächsten Jahr vor allem folgenden Tätigkeitsfeldern widmen: Identitätsschutz, Datensicherheit und Jugendmedienschutz.

    Das Impressum der Vereins-Webseite weist übrigens Microsoft als Herausgeber aus. Die Redaktion hat allerdings noch nicht mitbekommen, dass Jürgen Gallmann seit Oktober nicht mehr Geschäftsführer der Microsoft Deutschland GmbH ist.

    Update: Bei Heise Security findet sich auch ein guter Kommentar: PR statt Sicherheit.

    Mit seiner Unterstützung von Deutschland sicher im Netz (DSIN) lässt sich Innenminister Schäuble vor den PR-Karren von Microsoft & Co spannen. Denn um Sicherheit ging es dieser PR-Initiative immer erst in zweiter Linie. Sie wurde aus den PR-Budgets der beteiligten Firmen finanziert und das merkt man dem Ergebnis auch an.
    […]
    Wenn Innenminister Wolfgang Schäuble dann erklärt: „Der Verein ‚Deutschland sicher im Netz’ bündelt die wichtigsten Akteure zum Thema IT-Sicherheit und wird zukünftig ein bedeutsamer Partner für Politik und alle gesellschaftlichen Gruppen sein“, wird mir angst und bange. Er verleiht damit nicht nur der unverblümten Produktwerbung einen quasi offiziellen Charakter – ungefähr so, als würde uns die ARD anstelle der Tagesschau künftig eine Dauerwerbesendung vorsetzen. Schäuble verkauft uns darüber hinaus eine Marketing-Show als wichtigen Schritt zu mehr Sicherheit. Und das bringt den IT-Standort Deutschland mit Sicherheit nicht voran.

    Dazwischen gibt es noch ein paar Beispiele, wie (rein zufällig) Produkte der Initiativen-Partner auf der Webseite als Lösungen für mehr Sicherheit empfohlen werden. Natürlich in einer Form, die journalistisch und unabhängig erscheint. Und wer schaut schon ins Impressum, wenn der Innenminister die Initiative empfiehlt?

    20. Dezember 2006 2
  • : Podcast: Günther Beckstein und die Killerspiele
    Podcast: Günther Beckstein und die Killerspiele

    Grossartig: Die Roland Koch-Nachwuchsschmiede „Junge Union Hessen“ hat einen „JU – Podcast“ und heute aktuell ein Telefon-Interview mit „Herrn Dr. Günther Beckstein“. Zum aktuellen Thema Killerspiele. Er versucht zu erklären, was eins ist. Lustigerweise fängt der Podcast damit an, dass in allen politischen Jugendorganistaionen die Debatte toben würde, ob man „Killerspiele“ jetzt verbieten sollte oder nicht. Das dürfte eher Wunschdenken sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer anderen Jugendorganisation als der Jungen Union überhaupt der Ansatz einer Debatte stattfindet. In dem Podcast sind noch weitere Meinungen angekündigt, die finden sich aber nicht in der Datei. Beckstein pur also.

    Hier ist die 8 MB grosse MP3-Datei. Das kann man übrigens prima remixen, auch wenn die Qualität etwas zu wünschen lässt. Kennt noch jemand Audio-Mitschnitte von Uwe Schünemann zur Debatte?

    [Danke an Peg für den Kommentar]

    Der JU-Podcast ist übrigens absolut grossartig. Die haben da Videos und Slideshows vom Deutschlandtag der Jungen Union – die muss man sich einfach anschauen. Besser als Fernsehen.

    14. Dezember 2006 16
  • : Mit Killerspielen in den Kreuzzug
    Mit Killerspielen in den Kreuzzug

    Die radikalen US-Christen rüsten multimedial mit Killerspielen auf: Glaub oder stirb!

    Rechte Christen in den USA haben ein Killerspiel entwickeln lassen, in dem „Schergen des Satans“ niedergemetzelt werden. Mord an Ungläubigen ist dort in Ordnung – solange man anschließend betet. Kritiker protestieren: Das Spiel sei pure religiöse Agitation gegen Andersgläubige.

    Passend zum selben Thema ist die eher erschreckende BBC-Dokumentation „Jesus Camps“ über junge US-Amerikaner, die in christlichen Camps auf einen kommenden Kreuzzug vorbereitet werden. Kann man bei Google Video auch herunterladen.

    14. Dezember 2006 4
  • : Killerspiel-Debatte: Zwei Jahre Haft für „Die Siedler“?
    Killerspiel-Debatte: Zwei Jahre Haft für „Die Siedler“?

    Killerspiel-Experte Uwe Schünemann hat heute konkretisierungen seiner Pläne zur Ergänzung des § 131 im Strafgesetzbuch (StGB) vorgestellt: Niedersachsens Innenminister will bis zu zwei Jahre Haft für Verbreitung von „Killerspielen“.

    In dem Entwurf Schünemanns heißt es, vom Paragrafen 131 würden nicht alle als schädlich anerkannten Spiele erfasst. Ein Verbot für die Herstellung und Verbreitung von Killerspielen könnte vor allem darauf abgestellt werden, dass ein wesentlicher Bestandteil der Spielehandlung „die aktive Teilnahme“ der Spieler an der Tötung von Menschen oder menschenähnlichen Wesen sei. Danach müssten künftig sämtliche Shooter und selbst Aufbau- und Strategiespiele, die Kampfhandlungen etwa zur Eroberung oder Verteidigung von Territorien enthalten, unter Strafe gestellt werden. Hatte der Spiegel vor kurzem noch getitelt, die Deutschen müssten das Töten lernen, will Sportschütze Schünemann mit seiner Initiative ein politisches Signal setzen, dass Deutschland „Killerspiele“ ächtet.

    Mal schauen, was als nächstes kommt. Bisher wird es ja immer skuriller, wenn jetzt schon die Siedler oder Age of Empires unter das Verbot fallen würden.

    Gänzlich unbetroffen bleibt vermutlich der virtuelle Keiler, den der Innenminister gerne virtuell für die Presse erschiesst:

    GARLSTORF – Es war nicht nur eine Einweihungsfeier. Eher Volksfeststimmung herrschte in Garlstorf, als die Jägerschaft Landkreis Harburg am vergangenen Freitag ihre neue, eine Million Euro teure Kugelschießanlage vorstellte. Hunderte von Mitgliedern und viele Ehrengäste wie Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und Polizeichef Friedrich Niehörster waren dabei. Und natürlich fielen Schüsse. Innenminister Schünemann war einer der ersten, der das Gewehr im sogenannten Schießkino anlegte und mit dem Lazerstrahl den Keiler auf der Großweinland „erlegte“. Die Treffer wurden mit Hilfe der Elektronik sofort registriert.

    [letzteres via]

    12. Dezember 2006 11
  • : Killerspiel-Experte Uwe Schünemann im Interview
    Killerspiel-Experte Uwe Schünemann im Interview

    Aus der Reihe „Politiker aus Deutschland im verbalen Amoklauf“: Uwe Schünemann, 42, CDU-Innenminister von Niedersachsen und populistischer Hardliner in der „Killer-Spiel“-Debatte wurde vom Stern genau dazu befragt . In dem Interview gibt der Computerspiel-Experte Schünemann wieder, was ihm mal kurz zur Begutachtung und Meinungsbildung zum Thema vorgelegt wurde:

    „Offenbar haben Sie sich noch kein „Killerspiel“ angeschaut, sonst würden Sie nicht eine solch naive Gleichstellung mit einem James Bond herstellen. Das ist eine ganz andere Qualität. Bei den „Killerspielen“ geht es darum, dass die Spieler selbst zum Töten animiert werden. Sie müssen auf einen Knopf drücken. Dadurch wird etwa ein Arm mit einer Kettensäge abgetrennt. Diese Handlung wird zudem positiv bewertet, wenn man sein Opfer zuvor quält. Fürs Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte. Das ist pervers und gehört sofort verboten.“
    […]
    Dann wird im „Killerspiel“ sozusagen nur nebenbei gefoltert und getötet? Das ist pervers. Wenn Sie sich ansehen, was in den Spielen tatsächlich verlangt wird und wie man dort agieren muss, kann ich diese Position nicht nachvollziehen.

    Dumm nur, dass meines Wissens nach auf dem deutschen Markt ein solches Spiel nach der jetzigen Jugendschutz-Gesetzgebung gar nicht gibt. Foltern verletzt übrigens die Menschenwürde, was man als Innenminister eigentlich wissen sollte, und solche Spiele dürfen gar nicht vertrieben werden. Aber man kann ja trotzdem mal ein Verbot fordern, kriegt ja eh keiner mit… Der Killer-Experte ist übrigens Mitglied im „Sportschützen-Club Holzminden“. Da weiss man sofort, wieso er populistisch hinter den „Killerspielen“ her ist. Die Debatte lenkt prima davon ab, dass (potentielle) Amokläufer in Schützenvereinen an richtigen Waffen ausgebildet und trainiert werden.

    Demnächst soll es sogar Razzien geben. Natürlich nicht bei Mitgliedern von Schützenvereinen. Ein tolle Gelegenheit für Schüler, ungebliebte Mitschüler anzuschwärzen:

    Frage: Demnächst müssen also alle Spieler mit Razzien zu Hause rechnen?
    Antwort:Natürlich. Diejenigen, die die brutalen, verbotenen Spiele spielen, müssen damit rechnen, dass sie dingfest gemacht werden. Das halte ich auch für richtig.

    Das ist doch alles nur noch surreal, oder? Falls jemand doch ein solches Spiel kennt, wo gefoltert wird und was auf dem deutschen Markt legal erhältlich ist, lass ich mich gerne korrigieren.

    (Seine Webseite ist übrigens alles andere als behindertenfreundlich und technisch/designmässig grauenhaft umgesetzt.)

    9. Dezember 2006 34
  • : Theorien und Thesen zu Medien und Gewalt
    Theorien und Thesen zu Medien und Gewalt

    Anja Habermehl hat drüben bei Medienrauschen eine schöne Liste verschiedener Theorien und Thesen zu Medien und Gewalt zusammengestellt.

    Aber die Frage von besorgten Eltern und Wissenschaft gleichermaßen bleibt: Haben PC- und Videospiele einen Effekt auf unsere Bereitschaft zu gewalttätigem Verhalten? Ich kann und will diese Frage hier nicht beantworten, daran sind schon klügere Köpfe gescheitert, als ich es bin, aber ich möchte einen kleinen Einblick zum Forschungstand geben. Oder besser gesagt zum Forschungskonflikt. In der Medienpsychologie gibt es nämlich eine Unmenge von Theorien zum Zusammenhang von Medien und Gewalt, von denen ich exemplarisch einige herausgreifen werde.

    6. Dezember 2006
  • : Beckstein legt Gesetzentwurf zum Killerspiele-Verbot vor
    Beckstein legt Gesetzentwurf zum Killerspiele-Verbot vor

    Killerspiele und kein Ende: Beckstein schlägt Formulierung für ein Verbot von „Killerspielen“ vor. Spiegel-Online hat den Gesetzesentwurf und beschreibt die Änderungen: Beckstein prescht mit Killerspiel-Gesetzesplan vor.

    Bisher wird „mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“, wer Inhalte verbreitet oder herstellt, die „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen“ in einer Art schildert, die „eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt“. Was aber heißt „verherrlichen“ und „verharmlosen“?

    In diesem Punkt sieht Beckstein zu viel Spielraum. Deshalb heißt es im Entwurf des Bayern: „Wer Computerspiele, die es den Spielern als Haupt- oder Nebenzweck ermöglichen, eine grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auszuüben, verbreitet, […] herstellt, bezieht, liefert […], wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft.“ Der Schwerpunkt liege bei dieser Formulierung auf dem „aktiven Handeln des Spielers“, sagte Beckstein zu SPIEGEL ONLINE.

    Für die Grünen ist ein „Killerspiel-Verbot «kurzsichtig und zwecklos»“. In dem Netzeitungs-Artikel kommentiert der Kölner Medienpädagoge Professor Wolfgang Kaminski die Forderung:

    «Wir können in einer demokratischen Gesellschaft nicht, wenn Dinge einer Gruppe von Menschen nicht passen, alles verbieten», sagte Kaminski im ZDF. Auch sei das viel diskutierte Computerspiel «Counterstrike» nicht mehr als «Räuber und Gendarm auf dem Bildschirm». Dass da virtuell geschossen werde «ist nicht viel anders als das, was uns «Casino Royal» und James Bond aktuell auf der Leinwand zeigen», meinte der Wissenschaftler.

    Zur Feier des Tages sollte man eigentlich gleich mal eine Runde virtuelles Räuber und Gendarm spielen.

    5. Dezember 2006 14
  • : Wir brauchen mehr Medienkompetenz in der Gesellschaft
    Wir brauchen mehr Medienkompetenz in der Gesellschaft

    Wir brauchen dringend mehr Medienkompetenz in der (älteren) Bevölkerung: Umfrage: Bürger geben „Killerspielen“ Mitschuld.

    Man muss nur eindimensionalen Unsinn möglichst oft gebetsmühlenartig wiederholen, dann glauben es auch genug Menschen:

    In der Umfrage teilten 72 Prozent der Befragten die Ansicht, „Killerspiele, wie sie auch der Amokläufer von Emsdetten nutzte“, so der Stern, tragen Mitschuld an der Gewalt in Schulen. 26 Prozent sehen keinen Zusammenhang zwischen diesen Computerspielen und der Gewaltspirale an den Schulen.

    29. November 2006 4
  • : J!Cast 21 – Verbot von Killerspielen?
    J!Cast 21 – Verbot von Killerspielen?

    Der J!Cast 21 befasst sich diesmal mit dem „Verbot von Killerspielen?

    Kaum hat sich der Schock über den Amoklauf in Emsdetten halbwegs gelegt, ist erneut die Diskussion über ein Verbot so genannter „Killerspiele“ entbrannt. Doch was bedeutet ein solches Verbot aus juristischer Sicht, was ist bereits verboten und welche Rolle spielen im Kontrollreigen die Bundesprüfstelle jugendgefährdender Medien und die UKS?

    Dass ein Verbot nicht die einzig wahre politische Lösung des Problems sein kann, ist wohl jedem klar. Doch wie sehen die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen Ego-Shooter-Spielen und gewalttätigen Jugendlichen aus? Wie sind die derzeit kursierenden Zahlen zu bewerten? Und was könnte ein Verbot letztlich bewirken? Diese Fragen beantwortet Christina Kanz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof Boers am Institut für Kriminalwissenschaften in Münster, die zum Thema Gewaltmedien und Jugendkriminalität ihre Doktorarbeit schreibt.

    Die 13,5 MB grosse Datei gibt es hier zum Download.

    28. November 2006
  • : Fachgespräch zu Computerspiele: Was wird hier gespielt?
    Fachgespräch zu Computerspiele: Was wird hier gespielt?

    Heute fand im Bundestag ein Fachgespräch der grünen Fraktion zum Thema „Computerspiele: Was wird hier gespielt?“ statt. Der Zeitpunkt war gut gewählt, vor allem, wo der Termin wohl schon seit dem Frühjahr feststand. Auf jeden Fall passte das Fachgespräch vom Timing her optimal in die aktuelle „Killerspiele“-Debatte. Ich wollte eigentlich die Statements der Sachverständigen auf Video aufnehmen, hatte dafür auch die Genehmigung bekommen, aber die Architektur wollte nicht so wirklich mitspielen. Der Ausschussraum bestand leider aus einem Tischkreis und es gab keinen beweglichen Tisch, um meine kleine Kamera aufzubauen.So hab ich nur das Interessante mitgeschrieben. Und ich fand einiges interessant, vor allem hörte man mal andere Töne als Verbote und die üblichen Pfeiffer-Argumentationen, wie gefährlich Computerspiele seien.

    Apropos: Wer sich für das interessiert, was ich nicht so interessant fand, findet bei Spiegel-Online auch noch einen Artikel zu dem Fachgespräch: „Media Markt“ im Kinderzimmer. Übereinstimmung gleich Null. Naja, der Titel des Fachgesprächs ist gleich.

    Im ersten Teil ging es um „Kompetenter Umgang mit Computerspielen“

    Sehr gut fand ich das Einstiegsstatement von Prof. Dr. Winfred Kaminski, der Leiter des Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik an der Fachhochschule Köln ist.

    Die aktuelle Verbots-Debatten wären kurzsichtige, ja reflexartige Feststellungen, und würde keine Antwort auf drängende Fragen bringen. Betroffenheit würde als Ratgeber fungieren, diese sei aber kein guter Ratgeber und führe zu kurzschlüssigen Formeln, mit denen man nicht gewinnen könne. Die Debatte komme ihm vor, als „ob Blinde von den Farben reden wollen“. Dies in Bezug auf Politiker wie Beckstein, die gar nicht wissen, wovon sie reden. Als Beispiel brachte er eine Ministerin aus NRW, die letzte Woche in der Sendung „Hart, aber Fair“ im WDR erstmal erwähnte, dass sie nichts über Computerspielen wüsste, um dann zwei Minuten später ein Verbot zu fordern. O‑Ton Kaminiski: „Da fällt mir nichts mehr ein.“ Die Sendung scheint eh Christiansen von gestern beinahe getoppt zu haben, der Moderator hätte ständig Fragen gestellt, in denen er die Antworten schon vorweggenommen hätte. Killerspiele würde es auf dem deutschen Markt sowieso nicht geben, „auch wenn der Pfeiffer immer etwa anderes behauptet“.

    27. November 2006 14
  • : „Killerspiele“ nicht Ursache für Amokläufe
    „Killerspiele“ nicht Ursache für Amokläufe

    Der ultimative Kommentar zur aktuellen Debatte über Killerspiele, die von einem Großteil der politischen Klasse mal wieder reflexhaft und interessengeleitet geführt wird, und zum Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität:

    Auf „Zeit online“ hat ein Kollege recherchiert, dass kein einziger jugendlicher Amokläufer jemals eine Freundin hatte. Auch da gibt es also einen klaren statistischen Zusammenhang. Statt „Verbietet die Killerspiele!“ könnte man also, mit der gleichen Berechtigung, fordern: „Verschafft den Jungs Freundinnen!“ Und dies tue ich hiermit.

    Danke an Jan Schmidt (der gerade auf einer Tagung zur Digitalisierung vor mir sitzt, und mit dem ich das einzige verfügbare Netzwerk-Kabel teile) für den Hinweis.

    24. November 2006 13
  • : Die Taz über Killerspiele
    Die Taz über Killerspiele

    Für solche Beiträge liebe ich die Taz: „Ich knall euch alle ab!

    Nichts ist nach dem Amoklauf von Emsdetten so vorhersehbar wie die „Christiansen“-Sendung vom kommenden Sonntag. Vorschau auf eine gesamtgesellschaftlich hochbrisante Expertendebatte.

    Auch interessant ist dieses Interview in derselben Taz: „Ich bin wirklich friedliebend“.

    Der Amokläufer von Emsdetten soll von dem Killerspiel „Counterstrike“ beeinflusst gewesen sein. Ein Interview mit Rami Alloumi, dem Trainer der deutschen Counterstrike-Nationalmannschaft, der in der Nähe von Bremen lebt.

    Weitere Artikel in der Taz:

    Mehr zum Amoklauf in Emstetten an sich

    Über den Abschiedsbrief

    Interview mit Joachim Kersten (als „Gewaltforscher“ bezeichnet), auch über die Frage, ob ein Verbot von „Killerspielen“ sinnvoll ist

    „Ballern als Pflichtfach“

    22. November 2006 6
  • : Killerspiele-Debatte
    Killerspiele-Debatte

    Da ist man mal eine Woche aus Deutschland weg und erlebt nach der Rückkehr wieder eine entbrannte „Killerspiel-Debatte“. Hier mal ein paar Links.

    Treffend hat Holger Klein die Sache kommentiert:

    Wie in Erfurt werden sie sagen, die Computerspiele sind schuld. Sie werden sagen, es sei ein bedauerlicher Einzelfall. Sie werden so tun, als sei das Böse plötzlich vom Himmel gefallen. Sie werden sich nicht um die Hintergründe kümmern, denn dann müssten sie zugeben, dass ihre Idee von Gesellschaft eine schlechte Idee ist. Kerner wird wieder Schwachsinn reden. Pfeiffer wird wieder Schwachsinn reden. Die Schützenvereine werden ihre Hände wieder in Unschuld waschen, weil es ja schliesslich ein Sport ist, Projektile abzufeuern und keine Krankheit. Die Innenminister werden wieder Schwachsinn reden. Wolfgang Bossbach wird erst recht Schwachsinn reden. Dann werden sie vielleicht die Schule renovieren. Seelsorger werden ihr bestes tun, Seelen zu versorgen. Therapeuten werden wieder Sachverstand simulieren. Staatsanwälte werden sich zurücklehnen, weil ja alles klar ist. Die Medien werden in einer Woche eine neue Sau durchs Dorf treiben, Kerner wird wieder dabei sein und die Opfer und deren Angehörige werden sprachlos zurückbleiben. Warum sowas passiert, wird solange niemanden interessieren, wie der Täter einen Namen hat und alle mit dem Finger auf ihn zeigen können. Wie in Erfurt.

    Und es wird wieder passieren. Wie in Emsdetten.

    Telepolis: „Ich hasse es, überflüssig zu sein“

    Ein Verbot der Killerspiele? Seit langen ist bekannt, dass nicht Computerspiele, sondern das überquellende Vorhandensein von Handfeuerwaffen die meisten Todesopfer und Verletzten fordern. Gewehre sind weit vor dem Sprengstoff die wirkliche Massenvernichtungswaffe. Auch der Emsdetter Schüler konnte sich offenbar über das Internet mit mehreren Waffen und der entsprechenden Munition, aber auch mit Sprengstoff versorgen und hat mit Bomben, Waffen und Kampfanzügen schon lange vor der Tat trainiert und experimentiert. „ResistantX“ zog einen Tag, bevor er vor Gericht wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz erscheinen sollte, in den Tod.

    Tagesschau: Debatte um Verbot von „Killer-Spielen“.

    Heise: Niedersachsens Innenminister startet Bundesratsinitiative gegen „Killerspiele“.

    Spiegel: Rohrkrepierer gegen Ballerspiele.

    Was Schönbohm und Stoiber da behaupten, ist schlicht falsch. Es gibt keinen einzigen stichhaltigen Beleg dafür, dass gewalttätige Computer- und Videospiele gewalttätiges Verhalten fördern. Die Behauptung wird durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer. Die Rufe nach Verboten dokumentieren vielmehr die Hilflosigkeit einer Politik, deren Einfluss das private Umfeld nicht erreichen kann. Sie führen dazu, dass eine Betrachtung der wahren Ursachen kaum stattfindet: die Isolation einzelner Jugendlicher, die soziale Verwahrlosung an den Schulen, die mangelnde Betreuung auffälliger Minderjähriger.

    Der Ruf nach Medienverboten steht schon im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung. Nur war sie sich damals selbst nicht ganz sicher, was „Killerspiele“ sind. Die einen meinten damit Spielzeugwaffen-Manöver wie „Gotcha“ und „Airsoft“, die anderen Video- und Computerspiele, in denen virtuell getötet wird. Die Kompetenz der Politik bei diesem Thema ist in Deutschland sehr schwach ausgeprägt.
    […]
    Ohne wissenschaftlich fundierte Argumente Medienverbote auszusprechen: Das wäre Zensur, sonst nichts. Und es sind nicht verwirrte Teenager, die einen solchen Schritt ablehnen, sondern erwachsene, hochgebildete Menschen – wenngleich aus einer Altersgruppe, die in den Parlamenten bislang in der Minderheit ist, nämlich Menschen um die 30.

    21. November 2006 6
  • : Zone 30
    Zone 30

    Wir gratulieren: Markus ist endlich erwachsen geworden.
    Allet Jute, deine Mitblogger!

    Zone 30

    7. November 2006 12