Jugendschutz
-
: Endlich: Jugendamt Dortmund stoppt Killerspieler
: Endlich: Jugendamt Dortmund stoppt Killerspieler Ganz ehrlich, liebe Killerspielefreunde, im Grunde habt ihr es doch schon immer gewusst. Nicht das Abschlachten menschenähnlicher Pixelanhäufungen führt letztendlich zur sozialethischen Desorientierung, sondern die realweltliche Gewalt im Alltag.
Das Jugendamt in Dortmund ist da offenbar ganz eurer Meinung … und hat ein mittelalterliches Rollenspiel (LARP) mit Schaumstoffwaffen im Jugendfreizeitzentrum Homburch abgesagt. Nach dem Amoklauf von Winnenden”, so Fachbereichsleiterin Elisabeth Hoppe, „müsse das Konzept noch einmal auf den Prüfstand”! Doch, ernsthaft.
(via)
-
: Deep Packet Inspection in der Diskussion
: Deep Packet Inspection in der Diskussion Die relativ neue DPI-Technologie , mit der die ISPs in Echtzeit in unseren Internet-Traffic reinschauen und die Paktete anhand des Inhalts zensieren, bremsen, an die NSA weiterleiten oder andere Sachen damit machen können, gerät langsam aber sicher in die öffentliche Debatte. Im Kern geht es hier um eine potenziell disruptive Technologie, die die Grundlage für viele Debatten über Internet-Filter, Netzneutralität, Peer-to-Peer-Traffic, Echtzeit-Überwachung, verhaltensbasierte Werbung und vieles mehr ist. Auf breiter Fläche installiert würde sie das Grundmodell des Internet – dass die Protokoll-Schichten klar getrennt sind und auf TCP/IP-Ebene nur die Endpunkte entscheiden, was sie mit den Daten anfangen („End-to-End-Principle“ ), untergraben. Allerdings gibt es auch legitime DPI-Anwendungen, etwa im Bereich der Firewalls, und das Problem, dass bisherige Ansätze wie Congestion Management an den TCP-Endpunkten oder Active Queue Management auf Router-Ebene mit „unfair“ Bandbreite verschlingenden Anwendungen nicht umgehen können, wird auch schon in der IETF diskutiert .
Soweit, so technisch. Langsam werden aber auch die politischen Implikationen von DPI stärker in der Öffentlichkeit thematisiert. Beim Deutschlandfunk gibt es dazu gerade ein kurzes Feature , zu dem ich auch interviewt worden bin (hier die mp3 ), Ars Technica hat aktuell einen schönen Artikel zur DPI-Debatte in den USA , der bereits kräftig die Runde macht , und bereits letztes Jahr wurden z.B. in der Washington Post die wichtigen Fragen dazu gestellt . Für die SIGINT in Köln Ende Mai scheint das Interesse an dem Thema auf Veranstalterseite auch groß zu sein. Ich habe daher dort einen Vortrag eingereicht, der auf meinen kürzlich vorgestellten ersten Forschungsergebnissen basiert.
Leider gibt es zu DPI bisher kaum politikwissenschaftliche, juristische oder ähnliche sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung. Ich habe daher mal eine kleine Leseliste zusammengestellt und einige Forschungsperspektiven angerissen . Wenn sich ein paar Leute melden, die dazu aus akademischer Sicht etwas beitragen können, würde ich zusammen mit zwei Kollegen, die auch an dem Thema dran sind, gern einen Workshop oder eine Konferenz organisieren. Meldungen bitte in die Kommentare hier oder unter der Leseliste, oder per Mail direkt an mich (r punkt bendrath at tudelft punkt nl).
-
: Studien zu Medien-Gewalt von politischem Opportunismus bestimmt
: Studien zu Medien-Gewalt von politischem Opportunismus bestimmt Überraschung: Studien zu Medien-Gewalt von politischem Opportunismus bestimmt.
Die meisten Studien zum Thema Videospiele und Aggression werden von Ideologie und Politik bestimmt – nicht aber von methodischer Qualität und Signifikanz ihrer Ergebnisse. Das ergab eine Meta-Analyse amerikanischer Psychologen
-
: Kulturrat veröffentlicht Spielebuch im Netz
: Kulturrat veröffentlicht Spielebuch im Netz Der Deutsche Kulturrat bemüht sich um eine Versachlichung der Computerspiele-Debatte und hat sein Buch „Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz“ kostenlos im Internet veröffentlicht.
Die 46 Autoren beschäftigen sich unter anderem damit, ob Computerspiele „Kulturgüter“ oder „Schund“ sind, ob die Spiele strenger kontrolliert werden müssen, oder ob qualitativ hochwertige Computerspiele von der öffentlichen Hand gefördert werden sollen. Unter den Autoren befinden sich Spielegegner und ‑freunde vor allem aus Wissenschaft und Politik. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein ist mit einem Aufsatz zum Thema „Amokläufer, Nachahmer und Männlichkeitsnormen“ vertreten
[via]
-
: Netz-Zensur in Deutschland nicht nur für Kinderpornografie
: Netz-Zensur in Deutschland nicht nur für Kinderpornografie Heise hat ein paar Insider-Informationen über die Gespräche zwischen den Prividern und der Bundesregierung zu den Webseiten-Sperren erhalten. Vor allem die Deutsche Telekom und Vodaphone sind offenbar sehr für eine Einigung zur Zensurinfrastruktur, während der Verband der freien ISPs, eco, sich weiterhin dagegen stemmt. Dass es dabei nicht nur um Kinderpornografie geht, war ja in der Bundestagsdebatte schon deutlich geworden . Nun ist es aber auch in die schriftlichen Entwürfe eingeflossen :
In den abschließenden Verhandlungen mit dem Familienministerium in großer Runde ist laut Ansicht von eco-Vertretern ferner klar geworden, dass es den bislang beteiligten Ressorts einschließlich des Wirtschafts- und Innenministeriums nicht nur um die von Experten als wirkungslos erachteten Sperrungen im Bereich Kinderpornographie gehe. Von einer entsprechenden Beschränkung sei nicht mehr die Rede gewesen. Somit stünde die Tür offen für Blockadeforderungen etwa auch von Rechteinhabern im Kampf gegen Copyright-Verstößen im Netz oder von den Betreibern staatlich genehmigter Glücksspieleanbieter gegen die illegale Online-Konkurrenz.
In Australien ist derweil ein Forum-Betreiber von der Regulierungsbehörde ACMA mit Bußgeld in Höhe von 11.000 AUS$ pro Tag (!) bedroht worden, weil dort auf eine Seite gelinkt worden war, die in der Zensurliste enthalten ist. Es handelte sich allerdings nicht um Kinderpornografie oder anderes illegales Material, sondern um eine Anti-Abtreibungs-Seite. Jetzt werden also schon diejenigen verfolgt, die auf die Fehler in den Zensurlisten hinweisen. Die ACMA geht damit erstaunlich dreist um: Sie sagen einfach, der Inhalt der Webseite könnte „möglicherweise verboten“ sein , was ein grelles Licht auf die Rechtsstaatlichkeit dieser Zensurverfahren wirft. Das Gesetz in Australien, das eine Zensur aufgrund der ACMA-Liste erzwingen würde, bekommt aber, wie berichtet , wohl keine Mehrheit.
Dafür haben wir in Deutschland jetzt auch noch eine Zensurdebatte auf Länderebene, nämlich in Nordrhein-Westfalen . Damit sind jetzt drei verschiedene Ansätze parallel im Gespräch: Auf Bundesebene die „freiwilligen“ Verträge zwischen ISPs und BKA, sowie eine gesetzliche Regelung (die auch die SPD NRW fordert), und auf Landesebene eine Lösung über die Sperrverfügungen der Kommission für Jugendmedienschutz (von CDU und FDP in NRW gefordert).
Es gibt ja noch eine vierte Option, nämlich den ganzen Quatsch einfach sein zu lassen, weil es nicht funktioniert, weil es missbraucht werden wird für politische Zensur und die Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen, und weil es in die Grundrechte eingreifen würde. Leider ist hier kaum noch eine der Oppositionsparteien bereit, das offen so zu sagen. Die FDP ist zumindest in NRW auf CDU-Linie eingeschwenkt, und auch die Grünen dort haben bereits im Oktober 2008 in einer Landtagsdebatte gesagt :
Positiv zu vermerken ist, dass sehr viele Länder diese Diskussion führen und auch schon Access-Blocking eingeführt haben.
Welche Wahl habe ich jetzt im Wahljahr 2009? Die Linkspartei ist auch keine glaubwürdige Option, denn die gehen zwar auf Datenschutz-Demos, beschließen aber gleichzeitig als Regierungspartei im Land Berlin einen Ausbau der Kameraüberwachung . Die Piratenpartei ist hier zwar glaubwürdig, aber noch zu klein, um eine ernsthafte Alternative zu sein; außerdem fehlt denen noch ganz viel Substanz in anderen Politikfeldern. Bleibt wohl nur wieder der Gang auf die Straße…
-
: Niedersächsische Wissenschaftler haben herausgefunden?
: Niedersächsische Wissenschaftler haben herausgefunden? Eine Journalistenweisheit besagt: traue keinem Artikel, der den Satz „amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden“ enthält. Auftragstudien und Gefälligkeitsstudien sind in den USA mit ihrem weitgehend privatisierten Forschungssektor verbreitet. Jede Institution kämpft um Forschungsgelder und wie weit sie sich dafür verbiegt oder verbiegen lässt ist unterschiedlich.
-
: Nach dem Amoklauf – Wie gefährlich sind Killerspiele?
: Nach dem Amoklauf – Wie gefährlich sind Killerspiele? Morgen Abend läuft auf Phoenix um 22:15 Uhr die Diskussionsrunde „Nach dem Amoklauf – Wie gefährlich sind Killerspiele?“
Nach dem Amoklauf von Winnenden stehen Killerspiele wieder in der Kritik. Deutschlands größte Jugendstudie belegt jetzt: Neuntklässler verbringen täglich im Durchschnitt 140 Minuten mit Computerspielen. Dabei besonders beliebt: „Ego-Shooter“ wie „Counter-Strike“. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer spricht sich für ein Verbot aus. Warum verliert die Gesellschaft Jugendliche an eine Phantasiewelt aus Blut und Gewalt? Wie sinnvoll ist ein Verbot? Nach Erfurt, Emsdetten und Winnenden – drohen nun auch in Deutschland amerikanische Verhältnisse?
Anke Plättner diskutiert in der PHOENIX Runde mit Armin Laschet (NRW-Landesminister für Generationen, Familien, Frauen und Integration), Prof. Christian Pfeiffer (Kriminologe), Michael Wallies (Medizinstudent, war süchtig nach Computerspielen) und Dr. Malte Behrmann (GAME e.V. – Bundesverband der Entwickler von Computerspielen).
Das klingt ja nach einer ausgewogenen Runde…
Sendetermine:
Di, 17.03.09, 22.15 Uhr
Mi, 18.03.09, 00.00 Uhr
Mi, 18.03.09, 09.15 Uhr[Danke an Marian]
-
: Kann man nicht doch etwas tun?
: Kann man nicht doch etwas tun? Angela Merkel im Deutschlandfunk-Interview:
[…] Zweitens: Was den Zugang zu Gewaltvideos anbelangt, so ist es ja immer wieder eine permanente Diskussion. Die Jugendministerin hat ja vieles auch versucht – jetzt gerade in letzter Zeit in Blick auf Kinderpornografie, auf Sperrung von Seiten. Ich gehöre, ehrlich gesagt, zu denen – ich hab das auch mit dem französischen Staatspräsidenten besprochen, die immer wieder überlegen: Kann man nicht doch etwas tun? Einfach nur mit der Freiheit des Internets zu argumentieren, wird uns letztlich auch nicht weiterhelfen. Was Psychologen anbelangt: Sicherlich.
Ein Ausblick darauf, dass die gewünschten Zensur-Infrastrukturen gegen Kinderpornographie nach Etablierung schnell ausgeweitet werden. Der Verweis auf Frankreich klingt nach dem „zivilisierten Internet“, was Sarcozy haben will.
Die MP3 liefert wieder Remix-Material.
Wurden die Sendezeiten fürs Internet eigentlich in den letzten Tagen wieder gefordert?
-
: Marihuana schlecht für Computerspieler
: Marihuana schlecht für Computerspieler Die US – National Youth Anti-Drug Media Campaign warnt: Marihuana schlecht für Computerspieler .
„Das Rauchen von Haschisch beeinflusst die Aufmerksamkeit, Konzentration, Wahrnehmung, Koordination und Reaktionszeit – viele Eigenschaften, die nötig sind, um auf einem Computerspiele-Schlachtfeld zu gewinnen und den Gegner zu besiegen.“
Hier gibt es sicherlich auch ganz andere Meinungen zu.
-
: Bundestag: Von Kinderpornografie zum Urheberrecht in 12 Minuten
: Bundestag: Von Kinderpornografie zum Urheberrecht in 12 Minuten Matthias Schindler berichtet gerade per Twitter von der Bundestags-Anhörung zu den Kinderpornografie-Sperren, für die Familienministerin Ursula von der Leyen „an allen Fronten“ kämpfen will. Wie gefährlich es ist, einmal mit so einer Zensur-Infrastruktur anzufangen, weil dann alle möglichen Begehrlichkeiten entstehen, wurde dabei erstaunlich schnell klar:
„Nur 12 Minuten nach dem Beginn der Kinderpornoblockdebatte fällt das Wort Urheberrecht.“
Update: Fefe hat noch ein nettes Detail. Der CCC hat Andreas Bogk hingeschickt, und der
„hat da öffentlich das Detail angesprochen, dass ein Großteil der von den Skandinaviern gefilterten Domains in Deutschland liegen. Da war die von der Leyen plötzlich ganz klein mit Hut.“
-
: Provider und Datenschützer weiterhin skeptisch bei Internet-Zensurlisten
: Provider und Datenschützer weiterhin skeptisch bei Internet-Zensurlisten Oliver J. Süme, Vorstand Recht und Regulierung im Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco), hat in der neuen Ausgabe von Multimedia und Recht (MMR) einen lesenswerten Kommentar zu den von der Bundesregierung und vor allem von Familienministerin von der Leyen geforderten Zensurmaßnahmen gegen Kinderpornografie geschrieben:
Gerade im Bereich der Kinderpornografie ist die politische Versuchung groß, nichts unversucht zu lassen und alles, was auf den ersten Blick möglich erscheint, zu fordern, um Lösungen anzubieten. Eine breite öffentliche Zustimmung ist dabei in der Regel garantiert. Wenig bekannt ist in der Öffentlichkeit jedoch z.B. der Umstand, dass sich nur ein Bruchteil dieser kriminellen Aktivitäten auf Websites abspielt und die Inhalte hauptsächlich in Peer-to-Peer-Netzen und Chat-Protokollen getauscht werden.
Neben der Berücksichtigung solcher Erkenntnisse der Strafverfolger und der Einrichtungen der Internetwirtschaft ist jedoch eine technische, rechtliche und gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit der Forderung nach einer gesetzlichen Verpflichtung zu netzseitigen Sperrungen dringend geboten. Obwohl zahlreiche Fakten dazu auf dem Tisch liegen, haben diese bisher kaum Einzug in die politische Debatte gehalten.
Maßgeblich sind hier insbesondere die Ergebnisse der von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in Auftrag gegebenen Gutachten (…), die sich mit den technischen und rechtlichen Anforderungen an Sperrungsverfügungen auseinandersetzen. Darin wird unter anderem mit Blick auf die gern als Musterbeispiel zitierten Blockingmaßnahmen des größten Providers in Großbritannien klargestellt, dass es dort trotz aufwändigster technischer Administrierung immer wieder zu Fehlern und Einbrüchen kommt, aus denen sich ein erhebliches Risiko ergibt. Sperrungsmaßnahmen generell werden technisch hohe Hürden und Nebenwirkungen bei wenig Effizienz attestiert.
Rechtlich müssen insbesondere der daraus resultierende Eingriff in das Fernmeldegeheimnis sowie die Eingriffe in Art.12 und 14 GG problematisiert werden. Der Gesetzgeber müsste bei einer gesetzlichen Neuregelung das einfachgesetzliche wie auch das verfassungsrechtliche Zitiergebot einhalten und klarstellen, dass das Fernmeldegeheimnis eingeschränkt werden und hinter die Eingriffsmöglichkeit des Staates zurücktreten soll. Darüber hinaus wird das Verbot von Überwachungspflichten zu berücksichtigen sein, das einen Eckpfeiler der E‑Commerce-Richtlinie und des TMG darstellt.
Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat kürzlich darauf hingewiesen, dass eine solche Zensur-Infrastruktur eine Überwachung des Internet-Verkehrs der Nutzer bedeuten könnte:
„Wenn etwa die Telekom auswertet, welche Internetadresse jemand aufruft, wäre das eine komplett neue Technologie. Damit müsste im Grund das gesamte Surfverhalten eines Nutzers durch solch einen Filter hindurch“, verwies Schaar auf mögliche tiefe Eingriffe in die Privatsphäre der Surfer. Damit würde eine Überwachungsstruktur geschaffen, die sich mühelos auf andere Inhalte ausweiten ließe.
Oliver Süme diskutiert in seinem MMR-Beitrag weiterhin die Rechtmäßigkeit solcher Zensurlisten, die im Gegensatz zu den bisherigen vereinzelten Sperrverfügungen kaum noch eine intensive Einzelfallprüfung erlauben werden. Das Problem solcher großen Listen ist nämlich, dass dort auch alles mögliche andere drauf landen kann. In Tschechien kam zum Beispiel gerade heraus, dass auf einer opt-in-Filterliste von Vodaphone, die sich offiziell nur gegen Kinderpornografie und rassistische Inhalte richtete, auch Tech-Blogs, Firmenverzeichnisse und Spartipps für Vodaphone-Kunden standen.
Sümes Fazit:
Kein Opfer wird dadurch geschützt, keine Website entfernt, kein Täter gefasst. Ob dennoch die gesetzliche Einführung und Verankerung einer derartigen technischen Filter-Infrastruktur gewollt ist, muss Gegenstand einer breiten politischen Grundsatzdiskussion sein, die i.R.d. zu erwartenden Gesetzgebungsverfahrens sicher geführt werden wird.
Dabei wird auch zu berücksichtigen sein, dass es durchaus Alternativen gibt. Neben bereits vorhandenen technischen Lösungen auf der „Client“-Seite kann sicher auch der diplomatische Druck auf sog. „Schurkenstaaten“ deutlich erhöht und die internationale Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden weiter verbessert werden. Es wäre wünschenswert, dass die Politik auch in diese Richtung einfach einmal vorprescht.
Ein bisher kaum diskutiertes Problem solcher Listen ist übrigens auch, dass sie immer an die Öffentlichkeit geraten können und dann eine wunderbare Bookmark-Liste für alle Perversen darstellen. Das ist zum Beispiel gerade in Dänemark, Thailand und Finnland passiert.
(Hinweis: Die Artikel werden bei MMR nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz genommen. Ich kann also nicht sagen, wie lange der Link auf den Original-Beitrag von Oliver Süme funktioniert.)
Update, 26.1.2009: Auch der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen, äußerte sich skeptisch zu den Sperrlisten. Er sagte, diese
würden lediglich eine trügerische Sicherheit vorgaukeln. Wer im Internet Kinderpornos finden wolle, werde dies auch weiterhin schaffen.
Statt dessen fordert er die Einstellung von spezialisierten „Cyber-Cops“, also Polizisten für die Online-Fahndung, die spezielle IT-Kenntnisse haben müssten.
-
: Internet Safety Technical Task Force
: Internet Safety Technical Task Force Die „Internet Safety Technical Task Force“ beim Berkman-Center hat nach einem Jahr Arbeit den Bericht „Enhancing Child Safety and Online Technologies“ veröffentlicht. Darin geht es um die Frage, mit welchen Technologien und welcher Netzpolitik das Netz sicherer für Kinder gemacht werden kann, bzw. welche Technologien riskant sind.
Hier ist das Executive Summary und hier der ganze Report.
Bei RadioBerkman gibt es auch einen Podcast mit John Palfrey dazu: A safer Web.
An exhaustively researched report on the safety of the web is the result of a year of work for the Internet Safety Technical Task Force. The report reveals some surprises about just how safe the web and social networks really are for minors, and some recommendations for dealing with sexual predators, cyberbullying, and access to explicit content.
Gibts jetzt auch bei Spiegel.de: Fachleute halten Risiken für überschätzt
Das Internet soll ein für Kinder gefährlicher Sündenpfuhl sein: An allen virtuellen Ecken lauern angeblich die Verführer. Ein Problem, sagt nun eine hochkarätige US-Studie zum Thema, sei das zwar durchaus – aber nur ein relativ kleines. Schlimm sei dagegen, was die Kids sich gegenseitig antun.
-
: Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung
: Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung Unser Kultur-Staatsminister Bernd Neumann hat den „Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung“ (PDF / 2,7MB) veröffentlicht, nachdem dieser heute vom Bundeskabinett beschlossen worden ist. Der Kommunikations- und Medienbericht hat eine Tradition seit 1976. Damals forderte der Bundestag die Bundesregierung auf, fortlaufend einen Medienbericht zu erstellen. Nachdem in den 90er Jahren die Digitalisierung in die Medienwelt kam, wurde es ein „Medien- und Kommunikationsbericht“.
Diesmal gibt es auch ein Gutachten des Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg (HBI) dazu. Dieses wurde von der Bundesregierung beauftragt, „die wesentlichen Linien der Medienentwicklung zwischen 1998 und 2007 in einem ausführlichen Gutachten wissenschaftlich aufzubereiten“.
In der Pressemitteilung wird auch auf zwei zentrale Schlüsselfelder verwiesen. Dies sind wenig überraschend Urheberrecht und Jugendschutz:
Der Bericht stellt die Ergebnisse und Pläne der Bundesregierung einschließlich der Handlungsfelder, auf denen Bund und Länder inzwischen erfolgreich kooperieren dar, Staatsminister Bernd Neumann betonte: „Eine zentrale Rolle kommt der Gestaltung des Mediensektors in den Bereichen Urheberrecht und Jugendschutz zu. Hier liegen Schlüsselaufgaben für eine gesellschaftsverträgliche und zugleich erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Medien.
Aber auch das Lieblings-Projekt unseres Kulturstaatsminister wurde nicht vergessen, die „Nationale Initiative Printmedien“, damit die jungen Leute endlich wieder was lesen und die Demokratie gerettet wird:
„Angesichts der wachsenden Bedeutung von elektronischen Medien weist der Bericht darauf hin, dass gedruckte Medien auch künftig für die Bildung und Meinungsvielfalt unverzichtbar bleiben werden. Dazu beitragen soll die „Nationale Initiative Printmedien“ unter der Schirmherrschaft des Staatsministers für Kultur und Medien: Ihr Ziel ist es, Jugendlichen die regelmäßige Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften nahe zu bringen.“
-
: Netzpolitik-Interview: Alvar Freude über Netzsperrungen
: Netzpolitik-Interview: Alvar Freude über Netzsperrungen Alvar Freude engagiert sich seit einigen Jahren gegen Netzzensur in Deutschland. Anlässlich der Forderung von Familienministerin von der Leyen nach Netzsperrungen gegen Kinderpornographie hat er heute einen offenen Brief an sie geschrieben: Über den falschen Weg im Kampf gegen Kinderpornographie. Ich hab ihn zu dem Thema etwas ausführlicher interviewt.
netzpolitik.org: Familienministerin von der Leyen hat heute angekündigt, die „Datenautobahn der Kinderpornografie“ zu schließen. Sind diese Pläne neu?
Alvar Freude: Nein, schon vor einigen Jahren gab es diese Pläne, die allerdings kläglich gescheitert sind. 2002 wollte Düsseldorfs Regierungspräsident Jürgen Büssow in einem Feldversuch vier angeblich rechtsextreme Webseiten sperren. Eine existierte nicht mehr und eine andere (rotten.com) ist zwar äußerst geschmacklos, aber hat mit Rechtsextremismus nichts zu tun. Daher wurde die Sperrverfügung auf zwei plakative rechtsextremistische Webseiten reduziert, die aber auch keine besondere Bedeutung in der Szene hatten, wie selbst der Verfassungsschutz schrieb. Durch Büssows Aktionen wurden sie erst richtig bekannt.
-
: Nationale Initiative Printmedien – perfekte Demokratieförderung?
: Nationale Initiative Printmedien – perfekte Demokratieförderung? Unserem Kulturstaatsminister Neumann fällt zum Thema Internet nichts anderes als die „Nationale Initiative Printmedien“ ein. Das Thema gab es ja schonmal vor einige Monaten. Etwas verwundert bin ich gerade über eine aktuelle Pressemitteilung der CDU-/CSU-Fraktion zu der Initaitive. Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen (Bönstrup) MdB, erklärt: Nationale Initiative Printmedien – perfekte Demokratieförderung.
Auch und gerade im Zeitalter des Internet bleiben Zeitungen und Zeitschriften für unsere Demokratie unverzichtbar. Sie sind und bleiben der Garant für Meinungsvielfalt in Deutschland. Die Nationale Initiative Printmedien ist die angemessene Antwort auf die zunehmende Verdrängung der Printmedien durch elektronische Angebote.[…] Ziel dieses Gemeinschaftsprojekts ist es, Kindern und Jugendlichen die Rolle und Funktion der Medien bewusst zu machen und ihnen den Stellenwert und die Bedeutung auch der Printmedien für unsere Medien- und Meinungsvielfalt näherzubringen. Auf diese Weise werden der kritische und bewusste Umgang mit den Medien, wird die „Medienkompetenz“ der jungen Menschen gestärkt werden. […] Die „Nationale Initiative Printmedien“ ist ein beispielhaftes Projekt, das den Trend der Zeit nicht ändern kann, aber für die richtige Balance in unserer Medienlandschaft sorgen will. Die Weichen sind gestellt. Nun gilt es, sie zu nutzen und auszubauen.
Liebe CDU/CSU. Die Zukunft der Medien liegt nicht im Printbereich, sondern im Netz. Auch die „Nationale Initiative Printmedien“ wird mit unseren Steuergeldern das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Wie wäre es stattdessen mal mit etwas mehr Medienkompetenzförderung im Internet? Das können nicht nur die jungen Menschen gebrauchen. Oftmals hat es den Anschein, dass gerade die älteren Generationen hier noch etwas Nachholbedarf haben.
-
: rottenneighbor.com: Unbefriedigende Erklärung vom CEO
: rottenneighbor.com: Unbefriedigende Erklärung vom CEO Bei „Der Westen“, dem Online-Portal der WAZ-Gruppe, gibt es ein Update zur schlechten Erreichbarkeit von rottenneighbor.com. Nach Angaben von Brant Walker, dem 27-jährigen CEO der Seite, wurde das Portal in den letzten Wochen von deutschen Usern förmlich überrannt, man habe „am Server“ geschraubt:
-
: Sperrung von rottenneigbor.com: Jugendschutz.net unbeteiligt
: Sperrung von rottenneigbor.com: Jugendschutz.net unbeteiligt Nur ein kleines Update, ich möchte es aber nicht unter den Tisch fallen lassen. Als sich herauskristallisierte, dass der Zugriff auf rottenneighbor.com für Nutzer deutscher Einwahlzugänge offenbar von den Betreibern und/oder dem Hoster des Angebotes selbst blockiert wird, vermutete ich, dass dies möglicherweise auf Veranlassung einer deutschen Behörde oder Jugendschutzeinrichtung geschieht.
Zumindest Teile des Angebotes sind nach deutschem Recht problematisch, andere unstreitig strafbewehrt. Hatte vielleicht ein entsprechend scharf formuliertes Schreiben einer german authority Rackspace.com oder die Betreiber zur Einrichtung einer Sperre veranlasst?
-
: rottenneighbor.com gesperrt? (Update II)
: rottenneighbor.com gesperrt? (Update II) Gleich vorweg: Ich mag rottenneighbor.com nicht.
Mir wäre ein Netz lieber, wo es keine Angebote wie rottenneighbor.com gäbe. Angebote, auf denen sich Menschen im Schutz einer vermeintlichen Anonymität Beleidigungen und Unterstellungen an den Kopf werfen, deren Niedertracht und Erbärmlichkeit mich als Beobachter regelmäßig sprachlos werden lassen.
Wie auch immer, zur Zeit scheint rottenneighbor.com für etliche deutsche User nicht erreichbar.
-
: UK: Sendezeiten fürs Internet?
: UK: Sendezeiten fürs Internet? Spiegel-Online berichtet darüber, dass britische Abgeordnete vor einer „dark side“ des Internets warnen und sich Sendezeiten für jugendgefährdende Inhalte wünschen: Britische Politiker fordern Sendezeiten fürs Internet.
In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Politiker vor der „dunklen Seite“ des Web. Ein Regulierungsvorschlag der Vordenker: Gewalt und Sex sollen im Internet mit einer „television-style watershed“ versehen werden, also einer wie im Fernsehen üblichen zeitlichen Grenze, nach der diese Inhalte erst ab 22 Uhr (bei einer Jugendfreigabe ab 16 Jahren) und 24 Uhr (bei Filmen für volljährige Zuschauer).
Als Vordenker würde ich sie aber nicht bezeichnen. Die Diskussion hatten wir vor ein paar Jahren auch in Deutschland, wo sich die Bayrische Staatskanzlei diese Idee ausgedacht hatte. (Finde gerade die Quelle nicht, hat die wer?)
Mehr dazu auch im The New Zealand Herald: Hide the YouTube porn, say luddite MPs .
-
: Dienstag: ARTE-Themenabend zu Computerspielen
: Dienstag: ARTE-Themenabend zu Computerspielen Am Dienstag, den 3. Juni 2008 gibt es ab 21.00 Uhr einen ARTE-Themenabend über „Verspielte Kindheit – Im Sog virtueller Welten“
Dass Kinder und Jugendliche den Umgang mit Computern und neuen Medien für ihre Zukunft erlernen müssen, ist inzwischen unbestritten. Doch dass das Eintauchen in virtuelle Welten zu Problemen führen kann, steht ebenso außer Frage. Der Themenabend klärt, was die Faszination von Computerspielen ausmacht, warum immer mehr Kinder die Welt dieser Spiele der Realität vorziehen und welche Folgen ein exzessiver Gebrauch der neuen Medien für Körper und Psyche von Kindern und Jugendlichen hat.[…] So besteht ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass es zu kurz greift, Computerspiele einfach zu verteufeln. Viel wichtiger scheint es, öffentlich darüber nachzudenken, warum virtuelle Welten für immer mehr Jugendliche attraktiver sind als die sie umgebende Realität.