e-Democracy

  • : Verfassungsrichter: Wahlcomputer unsicher
    Verfassungsrichter: Wahlcomputer unsicher

    Das Bundesverfassungsgericht hat noch keine offizielle Pressemitteilung online, aber die Futurezone titelt schon mit Verweis auf Reuters: Verfassungsrichter: Wahlcomputer unsicher.

    Mehrere Richter kritisierten am Dienstag in der mündlichen Verhandlung des Gerichts in Karlsruhe, dass mit den derzeitigen Systemen weder die korrekte Speicherung der abgegebenen Stimmen noch deren Auszählung kontrolliert werden könne. Das Wahlergebnis könne später bei Bedarf jedoch überprüft werden, wenn die Stimmen als Wahlzettel ausgedruckt und aufbewahrt würden, sagte Richter Rudolf Mellinghof.

    Interessant ist auch der Artikel in der Frankfurter Rundschau: Zweifelhafte Wahlcomputer.

    Die Vertreter des Deutschen Bundestages und der hessische Landeswahlleiter Wolfgang Hannappel verteidigten die Wahlcomputer: Auch Menschen machten Fehler. Gerade bei mehreren Wahlen an einem Tag gebe es Zählfehler, die bei der Maschine ausgeschlossen seien. Während bei der manuellen Wahl Stimmberechtigte häufig ungewollt ungültig wählen, könnte eine Wahlmaschine eine ungültige Stimme sofort erkennen und nachfragen. Deshalb gebe es bei Wahlmaschinen nur halb so viel ungültige Stimmen.

    Und lesenswert ist der Kommentar bei Zeit-Online: Verfassungsrichter trauen Rechnern nicht.

    Den Befürworten genügt jedoch diese grundsätzliche Gefahr als Argument nicht. Bundestag und Landeswahlleiter halten die Wahlcomputer für praktisch und sicher, das scheint ihnen zu reichen. Die Vorteile liegen aus ihrer Sicht auf der Hand: Kosten und vor allem Zeit lassen sich sparen, denn die Auszählung per Computer geht ungleich schneller als per Hand, die Kommunen müssen nicht mühsam nach Wahlhelfern und Auszählern suchen, die sich immer schwerer finden lassen; die Ergebnisse könne zügig an die Landes- und den Bundeswahlleiter übermittelt werden. Die Öffentlichkeit und die Wähler, nicht zuletzt die Medien, haben rasch endgültige Ergebnisse. Wie immer, wenn es um technischen Fortschritt geht, stellt sich allerdings die Frage: Was sind wir bereit, für die Beschleunigung und die Vereinfachung zu opfern?

    Heise war vor Ort: Verfassungsgericht bereitet Grundsatzentscheidung zu Wahlcomputern vor.

    Mellinghoff ließ auch durchblicken, dass der Zweite Senat eine Grundsatzentscheidung vorbereitet. Der Maßstab, „den wir in diesem Fall ganz neu bilden müssen“, werde Auswirkungen auf eine ganze Reihe von Wahlsystemen haben. Ob er sich grundsätzlich gegen eine Mediatisierung der Stimmabgabe wende, wollte Verfassungsrichter Prof. Udo Di Fabio von dem zweiten Vertreter der Beschwerdeführer, Prof. Wolfgang Löwe, wissen und brachte provokativ das Wort „Technikfeindlichkeit“ ins Spiel. „Mit Technikfeindlichkeit hat das gar nichts zu tun“, entgegnete Löwe. Die gegenständliche Verkörperung der Wählerstimmen sei aber ein wesentliches Element für die Sicherheit durch Kontrolle. Während wir in der Bundeswahlordnung den Umgang mit Stimmzetteln „liebevoll im Detail regeln“, klaffe bei den Wahlcomputern hingegen „ein normatives schwarzes Loch“. Es ginge nur darum, das blinde Vertrauen in die Technik auszuschließen. Dem schloss sich der dritte Vertreter der Beschwerdeführer, der Hamburger Staatsrechtler Prof. Ulrich Karpen, ausdrücklich an. „Wir sind keine Technikfeinde“, erklärte er. „Was wir sagen ist, dass der Stand der Technik noch nicht ausgereift ist.“ Und Wahlen seien nun einmal „kein geeignetes Spielfeld für technische Innovationen“.

    28. Oktober 2008 6
  • : Wahlcomputer sind sicher! Äh, Wahlgeräte!
    Wahlcomputer sind sicher! Äh, Wahlgeräte!

    Heute verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit von Wahlcomputern. Zumindest liegt darin unser Kritikpunkt: Es handelt sich um Geräte, die elektronisch arbeiten ‑nicht mechanisch. Bislang erlaubt das Gesetz den Einsatz von „Wahlgeräten“. Ein Wahlgerät kann beides sein; mechanisch wie elektronisch.

    Aber darin besteht ein großer Unterschied; habe ich beim „Sezieren“ eines mechanischen Wahlgerätes noch die Möglichkeit physisch nachzuvollziehen, was welcher Hebel bewirkt, so muss ich bei einem Wahlcomputer auf die Analyse virtueller Software vertrauen. Und ob beim Übertragen der Software (vielleicht auch nur wegen des kosmischen Rauschens) ein Bit kippt, ist für mich schlichtweg nicht überprüfbar.

    Nun hat gestern der Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses des Deutschen Bundestages, Carl-Christian Dressel (SPD), über den Parlaments-eigenen Pressedienst HiB seine Stellungnahme verbreiten lassen. Ihre Überschrift lautet: Abstimmung mit Wahlgeräten ist sicher

    Nur wer die HiB-Melden via E‑Mail abonniert hat, kann nachvollziehen, dass 20 Minuten vorher der Titel noch lautete: Abstimmung mit Wahlcomputern ist sicher.

    Tja, kein einfaches Thema, oder Herr Dressel? Solang Sie noch wissen, worum’s geht.

    Ebenfalls wurde gestern ein ausführlicher Bericht des Chaos Computer Clubs zu Wahlcomputern (PDF) veröffentlicht.

    ps.: Inhaltlich will ich da garnicht groß drauf eingehen, beim Überfliegen les ich aber grad: „Von der einfachen Handhabung der elektronischen Wahlgeräte sind besonders ältere Wähler positiv überrascht.“ – vermutlich darüber positiv überrascht, dass man daran denkt ihnen eine Lupe für die viel zu kleine Beschriftung der Felder an den Computer zu hängen *scnr*.

    Als Hintergrund-Informationen passt der mittlerweile zwei Jahre alte Netzpolitik-Podcast mit Andreas Bogk vom Chaos Computer Club ganz gut: Wahlmaschinen hacken.

    28. Oktober 2008 8
  • : Wahlbeobachterbericht zur Kommunalwahl in Brandenburg
    Wahlbeobachterbericht zur Kommunalwahl in Brandenburg

    Der Chaos Computer Club hat einen ausführlichen Wahlbeobachterbericht zur Kommunalwahl in Brandenburg vorgelegt, wo am 28. September 2008 in zehn Kommunen mit Wahlcomputern gewählt wurde: Computerwahl in Brandenburg: Jüngste Beobachtungen übertrafen schlimmste Befürchtungen. Ziel der Wahlbeobachter-Aktion war es, den tatsächlichen Einsatz von Wahlcomputern bei den Kommunalwahlen zu dokumentieren und die Behauptungen des Wahlcomputer-Herstellers sowie der zuständigen Bundes- und Landeswahlbehörden zur Sicherheit, Akzeptanz und Bedienerfreundlichkeit zu überprüfen.

    Nach den Beobachtungen in den Wahllokalen ist klar, dass wichtige Regeln beim Einsatz der manipulationsanfälligen Wahlcomputer weiterhin missachtet wurden. Im Detail wurden die schon bei früheren Wahlbeobachtungen festgestellten Sicherheitsprobleme sowie Schwierigkeiten bei Aufbau, Betrieb, Auszählung und der eigentlichen Wahlhandlung bestätigt. Auch die Versprechen der Hersteller und Verkäufer der Wahlcomputer, dass Personal und damit Kosten gespart würden, wurden eindeutig widerlegt.

    28. Oktober 2008
  • : Blogs sind tot in der e‑Demokratie
    Blogs sind tot in der e‑Demokratie

    Die Sendung „Breitband“ auf Deutschlandradio Kultur brachte am Samstag zwei interessante Beiträge.In „Blogs Are Dead“ ist Christoph Dowe, stellvertretender Chefredakteur bei Zeit-Online zu Besuch und redet über Politik und Blogs. Eine seiner These ist, dass es uns zu gut geht und die deutschen Politiker sich das Luxusproblem leisten können, nicht direkt mit den Bürgern über digitale Medien kommunizieren zu müssen.

    Elvis is dead. Punk is dead. The Revolution is dead. Blogs are dead. Über das Verschwinden der kleinen und großen Utopien. Gestern hieß es noch, Blogs würden zum Leitmedium im 21. Jahrhundert. Zeitungen sollten im Handumdrehen verschwinden. Schließlich sind Blogger ja unabhängiger, direkter, schneller, war an jeder Ecke zu hören. Heute kennt kaum ein Passant auf der Straße den Namen auch nur eines einzigen deutschen Bloggers. Woran liegt’s? Darüber werden wir in der nächsten Sendung mit Christoph Dove sprechen. Er ist aktuell Vizekapitän bei Zeit-Online und war lange 1. Offizier bei www.politik-digital.de. Vor allem wollen wir über die Abwesenheit politisch relevanter Blogs in Deutschland sprechen. Letzte Woche war die Bedeutung der Blogs im US-Wahlkampf Thema. Diese Woche wollen wir den Blick Richtung Deutschland wenden. Warum Blogs hier keine Rollen spielen, sollen uns Christoph Dove in aller gebotenen Ausführlichkeit erklären. Wenn er uns vom Gegenteil überzeugt, um so besser.

    Hier ist die MP3.

    In dem Beitrag „Die elektrische Demokratie“ geht es um eben diese:

    Die Wahlbeteiligung sinkt. Die Zahl der Bürger, die auch User sind, steigt. Die logische Konsequenz: E‑Democracy. Viele Hoffnungen auf eine aktivere Zivilgesellschaft richten sich auf die digitalen Neuerungen der Bürgerbeteiligung. Ein dreitägiger Kongress namens „Forum für die Zukunft der Demokratie“ in Madrid diskutierte neue Wege der Beteiligung. Unsere Kollegen der Ortszeit sprachen mit Michael Remmert, dem Beauftragten des Europarats für E‑Democracy.

    Hier ist die MP3.

    20. Oktober 2008 2
  • : Maktbasen- Die norwegische Macht-Datenbank
    Maktbasen- Die norwegische Macht-Datenbank

    Worltfeld-Blog verweist auf die norwegische Transparenz-Plattform Maktbasen (Maktbasen bedeutet im Norwegischen Machtbasis — oder Macht-Datenbank.)

    Maktbasen ist ein Projekt des norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK, das für mehr Transparenz in der Politik sorgen soll. Es enthält Daten zu mehr als 11.100 Politikern — Abgeordnete im Landesparlament Storting, im Provinzparlament Fylkesting, Mitglieder von Stadt- und Gemeinderäten. Für jeden zeichnet Maktbasen ein Netzwerk: Zu welchen Organisationen und Firmen gehört der Politiker, wer sitzt mit ihm in Vorständen?

    Auf der Plattform kann man nachschauen, in welchen Aufsichtsräten einzelne Politiker sitzen und mit wem sie verflochten sind. Wir hatten die Idee schon öfters, sowas für Deutschland mal zu machen. Aber der Aufwand ist zu gross, um sowas mal nebenbei als Non-Profit-Projekt machen zu können.

    1. Oktober 2008 8
  • : Digitale Gesellschaft – Grenzenlose Möglichkeiten für die Europäische Union?
    Digitale Gesellschaft – Grenzenlose Möglichkeiten für die Europäische Union?

    Am Samstag, den 25. Oktober 2008, findet in Frankfurt/Main die Konferenz „Digitale Gesellschaft – Grenzenlose Möglichkeiten für die Europäische Union?“ statt. Hier gibts noch ein PDF. Veranstaltet wird sie von der Grünen Jugend in Kooperation mit der EU-Abgeordneten Hiltrud Breyer und der Eintritt ist frei. Ich bin als Moderator gebucht und gebe eine Einführung in den Themenkomplex „Politik in der digitalen Gesellschaft“ und mach noch einen Workshop zu „Politik 2.0“

    E‑mailen, surfen, recherchieren, chatten, online-banking, einkaufen: das Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Seit vor 14 Jahren der erste Webbrowser das Licht des Cyberspace erblickte, wirft dieser neue Kommunikationsraum für uns Grüne, für die Politik in der Europäischen Union, die EU-Mitgliedsstaaten und die lokale Ebene ständig neue Fragestellungen auf: Wie gehen wir mit den internationalen virtuellen Räumen um? Wie verändert die immaterielle Verfügbarkeit von Informationen Kultur und Wirtschaft? Ist die Privatsphäre am Ende oder werden wir ihre Renaissance wiedererleben? […] Diskutieren, streiten und Forderungen erstellen werden wir in den parallel stattfindenden Workshops zu den Themen „Politik im Internet“, „Open Source Software“, „Legal, Illegal, Scheiss Egal? Urheberrechte im Digitalen Zeitalter“, „Bürgerrechte im Internet“ und „Open Source in den Kommunen“.

    Anmeldungen zur Konferenz (mit Name, Post- und e‑mail- Adresse sowie Telefonnummer und Angabe der Workshop-Teilnahme-Präferenz) bitte an: hiltrud.breyer@berlin.de. Anmeldefrist: Mittwoch, 15. Oktober 2008

    1. Oktober 2008 1
  • : Social Web – Towards networked protest politics?
    Social Web – Towards networked protest politics?

    Der Sonderforschungsbereich „Protest und Medinekulturen im Umbruch“ der Universität Siegen veranstaltet am 7. und 8. November die Konferenz „Social Web – Towards Networked Protest Politics?“ (PDF). Das Programm klingt spannend und wäre es nicht in Siegen und an diesem Wochenende, würde ich die Konferenz auch besuchen. Wenn alle sgut geht, haben wir trotzdem einen Korrespondenten vor Ort.

    30. September 2008 1
  • : Buch: Rebooting America
    Buch: Rebooting America

    Das Buch „Rebooting America – Ideas for redesigning american democracy for the internet age“ enthält 44 Essays zur Zukunft der Demokratie im Internetzeitalter und ist als PDF verfügbar:

    It’s Time to Reboot America. The Personal Democracy Forum presents an anthology of forty-four essays brimming with the hopes of reenergizing, reorganizing, and reorienting our government for the Internet Age. How would completely reorganizing our system of representation work? Is it possible to redesign our government with open doors and see-through walls? How can we leverage the exponential power of many-to-many deliberation for the common good?

    Interessante Lektüre.

    29. September 2008 1
  • : Wahlcomputerpannen in Brandenburg
    Wahlcomputerpannen in Brandenburg

    Nicht nur in Bayern und in Österreich wurde heute gewählt, sondern auch in den brandenburgischen Kommunen. Der CCC war mal wieder mit Wahlcomputerbeobachtern dabei. Frank Rieger hat sehr schön lakonisch begründet, warum die Leute da mitgemacht haben:

    Da ja in den ländlichen Gegenden die Nachrichten immer etwas länger brauchen, haben 10 Gemeinden noch nicht mitbekommen, daß Wahlcomputer mitlerweile out sind. Vielleicht die letzte Gelegenheit, sich NEDAPs nochmal in der freien Wildbahn anzusehen. Die Wahlbeobachtung läuft und dieses mal volle Kanne 2.0: kurze Updates gibt es auf Twitter und ausführlichere Berichte als Suppe .

    Ein paar kurze Eindrücke aus den Berichten:

    Die Siegel an der Elektronikeinheit sind die alten Papierfetzchen, angebracht 2004. Es gibt kein PTB-Siegel.

    Der Klassiker: Waehler kurz vor der Stimmabgabe mit Blick auf die Bedieneinheit des Wahlcomputers: „Koennen Sie da sehen, was ich waehle?“

    Seriennummernabweichung auf der Baugleichheitserklärung ist ein schwerer Wahlfehler.

    Die beiden Schlüssel für den Wahlcomputer waren mind. einmal in der Hand nur einer Person.

    Und so weiter.

    Für die Wahl in Hessen Anfang des Jahres hat der CCC wegen diverser schwerer Mängel mit den Wahlcomputern vor ein paar Tagen eine Wahlprüfungsbeschwerde eingereicht. Als Lesetipp sei hier auch nochmal das Gutachten des CCC für das Bundesverfassungsgericht erwähnt.

    28. September 2008
  • : Bundestags-Abstimmungen visualisieren mit dem Parlameter
    Bundestags-Abstimmungen visualisieren mit dem Parlameter

    Das ZDF hat in seiner Mediathek eine interessante Flash-Animation, das Parlameter. Die Anwendung visualisiert das Abstimmungsverhalten im Deutschen Bundestag. Zur Auswahl stehen verschiedene Abstimmungen, wie z.B. die diversen Bundeswehreinsätze. Es wird angezeigt, welche Abgeordneten wie abgestimmt haben, oder gar nicht anwesend waren. Weitere Funktionen sind die Visualisierung des Abstimmungsverhaltens nach Bundesland, Geschlecht, Familienstand, Nebentätigkeiten und Alter. Dies kann auch beliebig kombiniert werden: Welche weiblichen hessischen Abgeordnete über 40 mit Kindern haben wie bei einem bestimmten Auslandseinsatz abgestimmt.

    Insgesamt eine sehr schöne und nützliche Transparenz-Anwendung. Leider hab ich keine Internet-relevante Abstimmung gefunden. Danke für den Hinweis, die Stimmung über die Vorratsdatenspeicherung ist dort auch zu finden. Toll wäre es jetzt noch, wenn das ZDF auch sein Datenmaterial als XML-Dateien zur Verfügung stellen würde.

    [Danke an Björn]

    23. September 2008 16
  • : Cicero.de über Politik und Bürgerjournalismus
    Cicero.de über Politik und Bürgerjournalismus

    Cicero.de hat mich zu „Die Zukunft des Bürgerjournalismus ist glänzend“ interviewt. Ich finde den Begriff ja immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Auch muss ich mich auch noch daran gewöhnen, dass bei 45 Minuten langen Interviews zum Schluss nur ein Teil übrig bleibt. Während man in der freien Rede während des Interviews verschiedene Aspekte beleuchten kann, sind dann im veröffentlichten Interview aus Platzgründen nur einzelne Aspekte zu lesen.

    Bürgerjournalismus ist…

    …so ein Kunstwort, das versucht, all das zu definieren, wo Nicht-Journalisten im Internet publizieren. Das kann die unterschiedlichsten Ausformungen haben: Man kann in einem eigenen Weblog berichten, man kann mit seinem Handy in Audio- und Videoform live auf Sendung gehen, und es gibt „Open-Source Communities“ wie Wikipedia, bei denen mehrere Autoren zusammen an einem Text schreiben können.
    Außerdem gibt es Hybridformen: Bürgerjournalisten berichten vor Ort über Themen, die sie bewegen, es gibt aber immer noch eine Redaktion aus professionellen Journalisten, die eine „Gatekeeper-Funktion“ übernimmt.
    Diese drei Modelle haben einen Vorteil gemeinsam: Durch den niedrigschwelligen Zugang zu den medialen Produktionsmitteln gibt es eine viel größere Meinungsvielfalt als vorher und der Leser kann selber entscheiden, welchen Informationen er vertraut oder ob er diese Entscheidung anderen überlassen möchte, die darin ausgebildet sind: den professionellen Journalisten.[…]

    Die Zukunft des Bürgerjournalismus…

    …ist glänzend. Es werden immer mehr Projekte entstehen, mehr Menschen medienkompetent mit den Werkzeugen im Internet umgehen können, und es werden immer mehr Menschen in ihrer Freizeit die Möglichkeit nutzen, selbst aktiv Medien zu produzieren, anstatt sich passiv vom Fernseher berieseln zu lassen.

    Einige Zitate von mir sind auch in dem Artikel „Obama ist die Benchmark – Deutschlands Politiker proben den Onlinewahlkampf“ bei Cicero.de:

    Der Wahlkampf im Internet wird – siehe USA – immer wichtiger. In Deutschland sind die Parteien alles andere als gut im Netz aufgestellt. Auch der virtuelle Wahlkampf steckt noch in den Kinderschuhen. Ob sich das bis 2009 ändert?

    25. Juli 2008 1
  • : Netzpolitik-Podcast 062: The Sunlight Foundation
    Netzpolitik-Podcast 062: The Sunlight Foundation

    Netzpolitik-Podcast 062 ist ein Interview mit James Turk von der „Sunlight Foundation“. Die US-Organisation engagiert sich für mehr Transparenz im politischen Geschehen und ist aktuell eines der coolsten e‑Demokratie-Projekte weltweit. Gefördert von bekannten Internetgrössen wie Google, Craigslist und dem ebay-Gründer Pierre Omidyar beschäftigt die NGO derzeit 40 Mitarbeiter. Tendenz stark steigend.

    Das Ziel wird auf der Webseite umrissen:

    Our goal through our grant-making, blogging, projects,and technical leadership, is to use the power of the Internet to shine a light on the interplay of money, lobbying, influence and government in Washington in ways never before possible.

    In den Sunlight-Labs entstehen viele coole Projekte, die meist ähnlich funktionieren: Öffentlich-zugängliche Daten werden mit anderen Daten gemixt und anschliessend visualisiert. Dabei haben die USA gegenüber Deutschland einen riesigen Vorteil: Alle öffentlichen Informationen aus Kongress & Co stehen unter der Public Domain, d.h. sie sind gemeinfrei und können weiterverarbeitet werden. In Deutschland unterliegen alle Informationen dem Urheberrecht und das verbietet erstmal die meiste Nutzung. Gibt es bei den Sunlight-Projekten rechtliche Probleme, helfen die eigenen Anwälte aus und klagen auf das Recht auf Informationsfreiheit.

    James Turk ist Entwickler bei der Sunlight-Foundation und dort u.a. verantwortlich für das Projekt Earmark, was anschaulich analysiert und visualiert, wo die Ausgaben von einzelnen Haushaltspunkten hinfliessen. In dem Netzpolitik-Interview erzählt er die Geschichte der Sunlight-Foundation und beschreibt, wie man mit Technologie politische Prozesse offener und transparenter gestalten und damit auch verändern kann.

    Das Interview ist ca. zehn Minuten lang und liegt als MP3 und OGG vor.

    21. Juli 2008 2
  • : berlin in july – eDemocracy summit 2008
    berlin in july – eDemocracy summit 2008

    Gestern und heute bin ich weitgehend auf dem „berlin in july – eDemocracy summit 2008″. Das ist eine eDemocracy unconference, die von mySociety.org, politik-digital.de und e‑demokratie.org organisiert wird. Durch einige Sponsoren konnten hier in Berlin rund 35 eDemokratie-Projekte und Experten aus der ganzen Welt zusammengebracht werden. Und das ist spannend. Vor allem bekommt man hier einen guten Überblick, was in anderen Ländern für Projekte gemacht wird und welche Erfahrungen damit gesammelt werden. Im Wiki findet man einige weitergehende Informationen dazu.

    18. Juli 2008
  • : Netzpolitik-Podcast 061: Abgeordnetenwatch.de
    Netzpolitik-Podcast 061: Abgeordnetenwatch.de

    Der Netzpolitik-Podcast Folge 061 ist ein Interview mit Gregor Hackmack, einem der beiden Gründer von Abgeordnetenwatch.de. Die Plattform ist mit das beste, was es bisher rund um das Thema e‑Demokratie in Deutschland gibt. Die Idee ist einfach: Bürger finden auf der Plattform ihre Abgeordneten und können Fragen stellen. Im Gegensatz zu eMails und Briefen, sind diese Fragen offen zugänglich und die Kommunikation ist damit transparent für alle nachvollziehbar. In der Regel antworten die Abgeordneten mittlerweile auch. Zumindest 93% der Bundestagsabgeordneten nutzen mehr oder weniger freiwillig die Plattform zum Bürgerdialog.

    In dem Interview geht es um die Geschichte der Plattform, wie sie funktioniert und wie sie von den Politikern angenommen wird. Gleichzeitig sprechen wir über die Schwierigkeiten, eine solche unabhängige Plattform nachhaltig zu finanzieren. Dazu wurde ein Förderverein gegründet und dort kann man Fördermitglied werden. Aber auch Einzelspenden sind möglich. Ein kleinen Ausblick in die Zukunft gibt es auch noch. Ich hätte ja gerne noch einige Features, wie z.B. ein Widget, was ich unter bestimmte Artikel setzen kann, und wo man direkt unter dem Artikel dann seine Abgeordneten über die Plattform kontaktieren kann. Für solche Ideen werden auch noch Programmierer gesucht, die Lust und Zeit haben, kleine Features zu entwickeln.

    Kurz gesagt geht es in diesem Podcast um (fast) alles, was man immer schon über Abgeordnetenwatch.de wissen wollte. Das Interview ist ca. 25 Minuten lang und liegt als MP3 und OGG vor.

    18. Juli 2008 10
  • : Mail von Obama
    Mail von Obama

    Zeit-Online berichtet über die Netz-Kampagne von Barack Obama: Mail von Obama.

    Diese Netzwerke sind das reale Gegenstück zu Obamas Rhetorik, insbesondere zu seinem oft deklarierten Ziel, massenhaft politikferne Wähler zu aktivieren und so eine Gegenmacht zu den Lobbybastionen in Washington aufzubauen. Seine gigantische E‑Mail-Liste ist ein echter Machtfaktor. Wenn es so weitergeht, wird Obama dank seiner Onlinepräsenz auch anders regieren können. Seine Fans und seine Berater hoffen jedenfalls, dass er im Weißen Haus weniger Zeit mit Lobbyisten und anderen Geldgebern verbringen muss. Und dass er über Plattformen wie MySpace, Facebook, Twitter und iTunes (wo seine Reden kostenlos zu hören und zu sehen sind) dem Kongress Druck machen kann.

    13. Juli 2008 3
  • : UK: Öffentliche Daten remixen
    UK: Öffentliche Daten remixen

    Während hierzulande öffentlich finanzierte Daten unter Verschluss gehalten werden, geht die britische Regierung neue Wege: Mit der Plattform „Show Us a Better Way“ werden die Bürger aufgefordert, Ideen einzureichen, wie die gesammelten Informationen besser genutzt werden können. Dabei gibt es insgesamt 20.000 Pfund zu gewinnen.

    Das iRights-Blog berichtet über das Projekt: Britische Regierung lässt um die Wette mashen.

    Der Staat sammelt Daten – immer schneller, immer mehr. Das gilt in Großbritannien ebenso wie in anderen Ländern. Bei der Verwertung der Datenberge will die britische Regierung nun neue Wege gehen. Größere Datenbestände der Landvermessungsämter, aus dem Gesundheitswesen, den lokalen Statistikämtern und dem Umweltministerium stehen ab sofort den Bürgern kostenlos zur Verfügung.

    Als positive Beispiele in diese Richtung weist die Webseite auf Projekte wie fixmystreet oder ratemyprison hin.

    Eine tolle Idee und ich würde mich freuen, wenn unsere Regierung ähnliche Projekte starten würde. Im Gegensatz zu fefe sehe ich darin auch keinen „Gipfel des Zynismus“, dass eine „Junta“ ihr Volk fragen würde, „wie sie die ganzen Daten denn jetzt am besten mißbrauchen kann.“ Hier geht es gerade nicht um personenbezogene Daten, die dann verarbeitet werden sollen.

    Öffentlich-finanzierte Daten sollten der Öffentlichkeit auch zur Verfügung stehen. Wir brauchen mehr offene Schnittstellen für unsere Verwaltungen und Demokratie.

    8. Juli 2008 1
  • : Interview zu Politik im Internet
    Interview zu Politik im Internet

    Jetzt.de hat mich zu unserer „Politik im Web 2.0″-Studie interviewt: „Kurt Beck hat keine Freunde“.

    2. Juli 2008 2
  • : Parteispenden – Datenbank
    Parteispenden – Datenbank

    Eine Datenbank mit den rechenschaftspflichtigen Parteispenden über 20.000 Euro gibt es hier zu sehen. Ich hätte gerne diese Dienstleistung vom Staat, mit offenen Schnittstellen und RSS.

    [via]

    23. Juni 2008 6
  • : Habermas vs. Benkler
    Habermas vs. Benkler

    Eine schöne Replik auf Habermas, Kulturminister Neumann & Co. zum demokratischen Potential des Internets findet sich beim Perlentaucher: Habermas, die Medien, das Internet.

    Dem Internet misstraut der 79-jährige Habermas noch immer, wie seinem im Frühjahr erschienen Essay-Band „Ach, Europa“ zu entnehmen ist. Das Internet befördere die Fragmentierung des „gleichzeitig auf gleiche Fragestellung zentrierten Massenpublikums“. Es „unterminiere“ die nationalen politischen Öffentlichkeiten. Habermas meint, das Netz zerfalle in desorganisierte Teilöffentlichkeiten: „Vorerst fehlen im virtuellen Raum die funktionalen Äquivalente für die Öffentlichkeitsstrukturen, die die dezentralisierten Botschaften wieder auffangen, selegieren und in redigierter Form synthetisieren.“
    […]
    Die positive Einlassung auf das Internet, die Habermas geschrieben hätte, wenn er dreißig Jahre jünger wäre, hat wenig überraschend, ein US-Amerikaner für ihn geschrieben: Yochai Benkler. In seinem Buch „The Wealth of Networks“ beschreibt Benkler, dass eine deliberative Öffentlichkeit auf fünf Prinzipien beruhen müsse: allgemeiner Zugang, Filter für politische Relevanz, Filter für die Zulassung von Akteuren, Synthesemechanismen für eine „öffentliche Meinung“ und Unabhängigkeit von Regierung. Die vernetzte Diskursökonomie des Internets könne dies in hohem Maße bieten, ohne – wie von Habermas vermutet – in Fragmentierung, Desintegration und Informationsüberlastung abzugleiten. Es würden sich im Netz vielmehr „zunehmend Praktiken abzeichnen, die zu einer kohärenten Informationssphäre führen, ohne die Modelle der Massenmedien zu replizieren.“

    Hier gibt es ein Netzpolitik-Podcast mit Yochai Benkler aus dem Jahre 2006, wo er auf die Frage einer Demokratisierung des Internets eingeht. Sein Buch “The Wealth of Networks” ist eines der interessantesten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Sehr empfehlenswert. Und live auch grossartig.

    4. Juni 2008 3
  • : OECD-Youtube-Channel zur Zukunft des Internets
    OECD-Youtube-Channel zur Zukunft des Internets

    Die OECD hat jetzt auch einen eigenen Youtube-Channel, wo man im Vorfeld eines Ministertreffens im Juni in Süd-Korea seine Gedanken zur Zukunft des Internets hochladen kann. Wie immer bei solchen offiziellen Youtube-Channels ist es unklar, ob sich das dann jemand anschaut und vor allem wer.

    The OECD is a global forum for new ideas to create prosperity in developed and developing countries. In Seoul, Korea, on 17–18 June, government ministers from more than 40 countries, global business leaders, technical experts and academics are meeting to work out how the Internet can improve the world. They want to know what you think. You tell the leaders and opinion shapers in Seoul what you think and they will upload responses to your ideas. Join in. Take part in making a difference.

    [Danke an Benedikt]

    3. Juni 2008 2