Campaigning
-
: Wahlbeobachterbericht zur Kommunalwahl in Brandenburg
: Wahlbeobachterbericht zur Kommunalwahl in Brandenburg Der Chaos Computer Club hat einen ausführlichen Wahlbeobachterbericht zur Kommunalwahl in Brandenburg vorgelegt, wo am 28. September 2008 in zehn Kommunen mit Wahlcomputern gewählt wurde: Computerwahl in Brandenburg: Jüngste Beobachtungen übertrafen schlimmste Befürchtungen. Ziel der Wahlbeobachter-Aktion war es, den tatsächlichen Einsatz von Wahlcomputern bei den Kommunalwahlen zu dokumentieren und die Behauptungen des Wahlcomputer-Herstellers sowie der zuständigen Bundes- und Landeswahlbehörden zur Sicherheit, Akzeptanz und Bedienerfreundlichkeit zu überprüfen.
Nach den Beobachtungen in den Wahllokalen ist klar, dass wichtige Regeln beim Einsatz der manipulationsanfälligen Wahlcomputer weiterhin missachtet wurden. Im Detail wurden die schon bei früheren Wahlbeobachtungen festgestellten Sicherheitsprobleme sowie Schwierigkeiten bei Aufbau, Betrieb, Auszählung und der eigentlichen Wahlhandlung bestätigt. Auch die Versprechen der Hersteller und Verkäufer der Wahlcomputer, dass Personal und damit Kosten gespart würden, wurden eindeutig widerlegt.
-
: Big Brother Awards Österreich
: Big Brother Awards Österreich Gestern Abend fand in Wien die Verleihung der Big Brother Awards für Österreich statt. Hier die Gewinner:
Business und Finanzen: Bruno Wallnöfer, TIWAG Vorstandsvorsitzender: Mit Detektiven gegen Kritiker. Der Tiroler Energieversorger hat bei seinem beinahe vier Jahre währenden Versuch, einen Kritiker mundtot zu machen, wirklich überhaupt nichts ausgelassen. (…) Nun kam heraus, dass der Energieversorger – Eigentümer ist das Bundesland Tirol – den Kritiker Wilhelm auch ein Detektivbüro auf den Hals gehetzt hat. Über 1000 Stunden ließ die TIWAG gegen Wilhelm ermitteln, Kostenpunkt: 152.000 Euro.
Politik: Günter Kößl [ÖVP] und Rudolf Parnigoni [SPÖ]: Sicherheitspolizeigesetz – Mir wern kan Richter brauchen. (…) Vorbei an Innenausschuss und Datenschutzrat machten Kößl und Parnigoni das Sicherheitspolizeigesetz in einer Version beschlussreif, die zu den Handystandortdaten auch noch den Zugriff auf die IP-Adresse erlaubte. Endgültig ausgehebelt war der parlamentarische Workflow, als das Sicherheitspolizeigesetz als letzter Punkt der letzten Parlamentssitzung des Jahres kurz vor Mitternacht durch den Nationalrat ging. Seit dem 1. Jänner 2008 definiert die Polizei allein, was „Gefahr im Verzug“ bedeutet. In der Praxis heißt es jedenfalls: Ein Richter wird bei dieser Zugriffsgenehmigung nicht gebraucht. Seitdem sind die Abfragen der Behörden bei Internet-Providern und Telekoms nach Standortdaten und IP-Adressen exponentiell gestiegen.
Behörden und Verwaltung: Daniela Strassl, Direktorin von Wiener Wohnen: 220.000 Fragebögen mit versteckter Kundennummer: Rechtzeitig vor der Wahl fiel der Geschäftsführung von „Wiener Wohnen“ ein, dass sie eigentlich schon immer wissen wollte, was die Gemeindebaumieter so über ihre Wohnung, Hausanlage, Nachbarn, Umgebung, Sicherheitssituation, Hausverwaltung und die Stadt Wien denken. (…) Der seitlich angebrachte Strichcode enthält nämlich die volle „Wiener Wohnen“ Kundennummer des Mieters. Damit ist jeder Fragebogen direkt mit dem vollen Datensatz des Gemeindebaumieters verknüpfbar.
Kommunikation und Marketing: UPC – Aus österreichischen Tippfehlern werden US-Werbeprofile: In welcher Situation ist eine Person wenn sie eigentlich „schwangerschaftsberatung.at“ ansehen wollte? Welche Rückschlüsse lassen sich auf das persönliche Umfeld eines Menschen ziehen, der versehentlich „gebrauchtwagn.at“ oder „jobbörse..at“ eintippt? Und was ist, wenn die aus all diesen Fehlern generierte Information automatisiert in den USA zur Anlage von Werbeprofilen verknüpft wird, ohne dass der User davon eine Ahnung hat? (…) Das passiert ungefragt für alle, ausser man meldet sich aktiv davon ab oder betreibt einen eigenen Nameserver. Alle anderen werden von Infospace mit kommerziellen Werbebannern und einem eindeutigen Cookie beglückt, Ablaufdatum: das Jahr 2108 [sic!].
Lebenslanges Ärgernis: Post AG – Notorischer Datenhändler: Es gibt Ersttäter, Rückfällige und Gewohnheitsstäter – und es gibt die österreichische Post AG, die unbeirrt ein und dasselbe Ziel verfolgt. Die persönlichen Daten ihrer Kunden weiterzuverkaufen.
Publikumspreis: Telekom-Austria: Kundendaten für die Porno-Industrie: Auf Begehren einer Vorarlberger Anwaltskanzlei, die im Auftrag von Pornofirmen tätig wurde, gab die Telekom Austria die persönlichen Daten der Kunden von hunderten Breitbandanschlüssen weiter. In hart an der Drohung formulierten Mahnschreiben forderte man eine Pauschalgebühr von rund 800 Euro für den Download „urheberrechtsgeschützter Werke“ die Rechteinhabern wie „Cazzo Film“ oder „Muschi Movie“ gehören. Die Telekom Austria berief sich erst auf die Rechtslage: Laut OGH-Entscheid sei man verpflichtet, bei Urheberrechtsverletzungen Stammdaten und IP-Adressen der Kunden herauszugeben. Weder der Verband der Internet-Provider [ISPA], noch die Mitbewerber der TA – also alle anderen – teilen diese Rechtsansicht, Bedingung für die Datenweitergabe ist für sie immer noch der Beschluss eines ordentlichen Gerichts.
Positivpreis „Defensor Libertatis“: Meryem Marzouki, Kosmopolitin und Doyenne der Bürgerrechte im Informationszeitalter: Seit sich die digitale Bürgerrechtsbewegung Europas Mitte der Neunziger Jahre zu konstituieren begann, ist der Name Meryem Marzouki nicht mehr wegzudenken. Meryem war Gründungsmitglied der ersten weltweiten Dachorganisation Global Internet Liberty Campaign 1996 und wirkte seitdem bei jeder großen Aufklärungskampagne gegen Zensur und Verschlüsselungsverbote, gegen Überwachung, Gängelung und Kontrolle federführend mit. Parallel dazu baute sie in Frankreich mit IRIS eine der schlagkräftigsten Truppen im Kampf gegen die Überwachungslawine in Europa auf. Dass Meryem Marzouki nach der Jahrtausendwende zur Vorsitzenden des Dachverbandes European Digital Rights [EDRi] gewählt wurde, war nur konsequent und – wenn auch im Nachhinein betrachtet – eigentlich voraussehbar. Als Vorsitzende eines Dachverbands von Cyber-Habenichtsen, die durch ihr Engagement fehlende Budgets mehr als kompensieren, hat es die Doyenne der digitalen Bürgerrechtsbewegung in Europa souverän verstanden, die Energien zu bündeln und über alle nationalen Grenzen hinweg der Forderung nach Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter lautstarken Ausdruck zu verleihen.
Ich war bei der Gala dabei und kann nur sagen: Hut ab! Ein grandioses Fest, tolle Moderatoren, Musiker und andere Beteiligte, wohlverdiente Preise, und eine super Stimmung. Das Rabenhoftheater war komplett ausverkauft, es mussten sogar Leute wieder nach Hause gehen. Nächstes Mal also in der Wiener Staatsoper?
-
: AK Vorrat: Netzanbieter sollen Vorratsdatenspeicherung boykottieren
: AK Vorrat: Netzanbieter sollen Vorratsdatenspeicherung boykottieren Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat heute den Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin veröffentlicht, mit dem letzte Woche der erste Telekommunikationsanbieter (BT) von der Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung befreit wurde. Das Gericht Berlin hatte bemängelte, dass die Bundesregierung die hohen Investitions- und Betriebskosten selbst dann nicht erstatten würde, wenn das Bundesverfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung für grundgesetzwidrig erklärt. Dies sei unzumutbar. (Beschluss vom 17. Oktober 2008, Az. VG 27 A 232.08)
Der AK Vorrat ruft daher jetzt
alle Anbieter von Telefon‑, Handy‑, Internet‑, E‑Mail- und Anonymisierungsdiensten auf, dem Beispiel der British Telecom zu folgen, die Vorratsdatenspeicherung zu boykottieren und erforderlichenfalls gerichtlichen Rechtsschutz zu suchen.
Als Nutzer kann man sich auch gleich informieren, welche Anbieter die Daten speichern und welche nicht. Bereits zum internationalen Aktionstag ‚Freedom not Fear’ am 11. Oktober hatten 36 kleine Internet-Provider aus ganz Europa ihren Boykott der Vorratsdatenspeicherung erklärt.
Update: Der Verband der Anbieter reagiert bereits:
Deutsche Telekommunikationsunternehmen werden womöglich ihre Zusammenarbeit mit der Polizei bei der umstrittenen Speicherung von Kommunikationsdaten einstellen. Damit droht der Branchenverband VATM.
Aber:
Beim Marktführer Deutsche Telekom denkt man indes derzeit nicht an juristische Schritte. „Wir haben eine gesetzliche Verpflichtung. An diese halten wir uns auch“, sagte Telekom-Festnetzvorstand Timotheus Höttges der FTD in München. Die Investitionen in die Technik für die Vorratsdatenspeicherung seien überdies schon längst abgeschlossen, ergänzte er.
-
: Free Culture Conference 2008
: Free Culture Conference 2008 Unweit der Sproul Hall, wo der Anführer des Berkeley Free Speech Movements Mario Savio 1964 eine berühmt gewordene Rede gehalten hatte, gab sich am Freitag Juraprofessor und Creative Commons Gründer Lawrence Lessig ebenfalls kämpferisch.
Vor dem Hintergrund seines Buches „Remix“ (das Piraterie nicht verteidigt) forderte er die über 230 Vertreter der Students for Free Culture auf, dafür zu kämpfen, nicht gegen das Gesetz leben zu müssen. Eine ganze Generation verliert Lessig zufolge ihr Vertrauen in das Recht, wenn bestimmte Formen sozialer Produktion kriminalisiert und verfolgt werden.
Mit großer Zustimmung wurden seine Einlassungen zu „zivilem Ungehorsam“ aufgenommen. So betonte er, Widerstand beinhalte die Bereitschaft Strafen zu zahlen oder ins Gefängnis zu gehen. Es gehe darum dem Druck der Großkonzerne nicht zu weichen, sondern einer größeren Öffentlichkeit die eigene Haltung plausibel zu machen.
Allerdings sollte man berücksichtigen (eigene Anm.), dass es in Deutschland (anders als in den USA) keine sog. Law Clinics gibt, die es erlauben Rechtsstreitigkeiten, die sich im Bereich Technologie & öffentliches Interesse bewegen, ohne Anwaltskosten zu führen (Bsp. Samuelson LawClinic Berkeley).
Nur mit Hilfe der EFF sowie der Stanford Cyberlaw Clinic war es aber den Studenten Nelson Pavlosky und Luke Smith gelungen, den Wahlmaschinenhersteller Diebold (nun Premier) erfolgreich wegen Missbrauch des Urheberrechts zu verklagen, was man heute mustergültig bei Google nachlesen kann:
Tatsächlich gab es kürzlich einen Fall (weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.onlinepolicy.org/action/legpolicy/opg_v_diebold/), bei dem ein Unternehmen, das eine Benachrichtigung über eine Urheberrechtsverletzung eingereicht hatte und die Entfernung solcher urheberrechtlich geschützter Online-Materialien erwirken wollte, dazu verurteilt wurde, diese Kosten und Anwaltshonorare zu übernehmen. Diese beliefen sich auf insgesamt 100.000 US-Dollar.
In der Folge entstand die Bewegung Students for Free Culture, die seitdem regen Zuspruch findet und mittlerweile auch Hochschulgruppen in Indonesien, Ägypten und Puerto Rico zählt.
Open University Kampagne
Nach zahlreichen Aktionen in der Vergangenheit (v.a. zum Thema DRM) einigten sich die Studenten im Rahmen der diesjährigen Konferenz auf eine Hochschulkampagne, die sowohl Open Access als auch OpenCourseWare nach dem Vorbild des MIT vorantreiben will:
Students for Free Culture’s Open University
Also known as „The Wheeler Declaration“
- Open Access
- The research a University produces is open access
- OpenCourseWare
- The course materials are open educational resources
- Free Software
- The University favors free software and open formats (wording)
- Patents
- University patents are used for the public interest
- Software
- Medicine
- University patents are used for the public interest
- Internet
- The University embraces the open nature of the Internet
–
Sehr gut gefallen hat mir die Idee eines Rankings, das Universitäten nach ihren Bemühungen und bisherigen Errungenschaften auflisten will. Zumindest was OpenCourseWare anbelangt, dürfte im deutschsprachigen Raum Klagenfurt sprichwörtlich einsame Spitze sein.
Nach meinem Gefühl wird die Unterstützung von freier Software vielerorts forciert, aber noch nicht in die Tat umgesetzt. Hier gibt es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, wobei die Studierenden selbst bisweilen skeptischer scheinen, als die Verantwortlichen.
Der in der Konferenz heftig diskutierte Punkt 4 kann kaum angegangen werden, wenn wir nicht engangierte Mediziner und Informatiker finden.
Deshalb kann sich jeder, der helfen möchte oder eine eigene Gruppe gründen will, an uns wenden. Wir geben Tipps und helfen bei der Registrierung mit dem Vorstand in den USA (In Deutschland gibt es bislang Gruppen in Bamberg und Bremen).
Die Mailadresse versteht sich hinter einem kleinen Spamschutz (mindestens 1 Wort eingeben), da wir nicht von Spam überflutet werden wollen.
- Open Access
-
: Deine Daten gehören Dir! Hol sie Dir zurück!
: Deine Daten gehören Dir! Hol sie Dir zurück! Die Grünen haben im Rahmen der „Datenschutz ist Bürgerrecht“-Kampagne die Aktion „Deine Daten gehören Dir! Hol sie Dir zurück!“ gestartet. Mit vordefinierten Musterbriefen kann man die größten privaten Datenkraken in Deutschland anfragen, welche Daten diese über einen gespeichert haben. Nach §34 BDSG steht dieses Auskunftsrecht allen Bürgern zu. Die passenden Adressen gibt es auch dazu.
Mach mit bei unserer Aktion, denn Deine Daten gehören Dir!
Fordere Deine gespeicherten Daten von Payback an!
Erkundige Dich, was amazon.de über Dich gespeichert hat!
Bestehe auf Dein Recht zu erfahren, ob Arvato Daten über Dich speichert und weitergibt!
Finde heraus, ob auch Du unter den 50 Millionen Adressen der Schober Information Group bist!
Frage bei der Telekom an, ob auch Du von den Datenpannen betroffen warst!Arvato hat sich wohl schon nach 600 eingegangenen Schreiben bei den Grünen beschwert.
Disclosure: newthinking communications hat im Auftrag der Grünen die Plattform „Datenschutz ist Bürgerrecht“ entwickelt.
-
: Werben für eine Grundrechte-Demonstration? Aber nicht am Tag der deutschen Einheit
: Werben für eine Grundrechte-Demonstration? Aber nicht am Tag der deutschen Einheit Der folgende Bericht erreichte uns von Andy vom AK Vorratsdatenspeicherung Hamburg. Sehr aufschlussreich, weil das ein Schlaglicht auf den Zustand unserer Republik wirft.
Um zu begreifen, welches Denken in den Köpfen von einigen Innenministern, BKA-Chefs und Polizeipräsidenten vorherrscht, muss man gar nicht solche extremen Fälle wie den von Anne Roth anschauen, auch kleine Beispiele, die fast jeden Tag passieren, können aufschlussreich sein, so auch ein Erlebnis, welches ich am 3.10.2008 hatte.
Am besagten Tag wollten einige Aktive des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung Hamburg in der Stadt und vor allem in der HafenCity, wo das „Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert wurde, Flyer für die Demo vom letzten Samstag verteilen. Zusammen mit einem Mitstreiter, den ich jetzt einfach mal Markus nenne, habe ich zuerst bei der Auftaktkundgebung zu der an diesem Tage stattfindenden Demonstration gegen die Einheitsfeierlichkeiten und dann am Rande dieser an Passanten Flyer verteilt.
Wegen dieser Demonstration hatte die Stadt Hamburg große Panik – 4000 Polizisten und mehrere Wasserwerfer und Räumpanzer kamen an diesem Tag zum Einsatz, da man wohl fürchtete, Autonome könnten die Feierlichkeiten stören.
Um das zu verhindern, wurde einiges an präventiven Abwehrmaßnahmen aus dem Hut gezaubert: Nach der Demonstration war es unmöglich, den Platz der Abschlusskundgebung in Richtung HafenCity zu verlassen (zumindest wenn man aussah, als ob man bei der Demonstration gewesen sein könnte). Straßen wurden gesperrt, U- und S‑Bahn-Stationen ebenfalls. Erst bei der U‑Bahn-Station St. Pauli war es uns möglich, den Weg zu unserem Hauptziel anzutreten: Das große Bürgerfest, wo man Einigkeit und Recht und Freiheit feiern wollte. Flyer für eine Demonstration, die den Erhalt der Grundrechte fordert, sollten da doch eigentlich sehr passend sein, könnte man denken.
Aber falsch gedacht: Zum Eingang der HafenCity gab es Polizeikontrollen, und Markus und ich wurden sofort aus der Menge herausgerufen und durchsucht. Schon nach kurzem Blick in meinen Rucksack, bei dem eine schwarze Regenjacke, einige Flyer und Markus’ Handschuhe (ganz normale, nicht gerade dazu geeignet, Steine auszubuddeln und zu werfen) zu sehen waren, erklärte der Polizist: „Ok, das reicht mir schon.“ Aufgrund unserer Kleidung (ich trug eine schwarze Kapuzenjacke) und der Flugblätter könne er darauf schließen, dass wir dem „linken Spektrum“ angehören würden und deshalb wohl auch an der Demonstration teilgenommen hätten.
Das hatten wir zwar nicht wirklich – aber selbst wenn, dann wäre das ja auch nichts Verbotenes gewesen, schließlich war es eine angemeldete Demonstration, die vollkommen friedlich verlaufen war.
Aber dem Polizisten war das alles vollkommen egal: Er erteilte uns einen Platzverweis für das gesamte Gelände der HafenCity für den gesamten Tag.
Bei Zuwiderhandlung würden wir in Polizeigewahrsam genommen.
Sprich: Wer schwarze Kapuzenpullover, schwarze Regenjacken, Handschuhe (es war kalt und regnerisch an diesem Tag) und einige Flyer dabei hat, deren Inhalt von dem Polizisten nicht einmal überprüft wurde, ist links. Wer links ist, hat an der an dem Tag stattgefundenen Demonstration teilgenommen. Wer an dieser Demo teilnimmt, ist ein Störer.
Ein Einzelfall? Höchstwahrscheinlich nicht, wie uns ein Spiegel TV-Reporter, der den Vorfall filmte, erzählte: Ähnliches sei an diesem Tag schon häufig passiert.
Und auch der Polizist meinte, wir seien nicht die Ersten, die an diesem Tag seine Dienstnummer haben wollten. Die Letzten waren wir mit Sicherheit auch nicht.
Diese Maßnahmen waren eindeutig von oben gedeckt, ansonsten wäre die Polizei nicht so systematisch rechtswidrig vorgegangen. Aus diesem Grund habe ich auch keine Dienstaufsichtsbeschwerde geschrieben, die nur mit einem Standardtext abgeblockt worden wäre, sondern habe mich an den Eingabenausschuss der Stadt Hamburg gewendet. Wer diese Eingabe durch seine Unterschrift unterstützen möchte muss nur einen Brief an den Eingabenaussschuss schicken und unter Angabe des Geschäftzeichens (634/08) und des Datums (07.10.2008) seine Unterstützung äußern, da reicht ein Satz. Handschriftlich unterschrieben dann an:
Eingabendienst
Geschäftsstelle des Eingabenausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft
Poststraße 11
20354 HamburgMein Fazit aus der Geschichte ist, dass sich staatliche Institutionen immer weniger um rechtsstaatliche Prinzipien scheren und nur noch nach dem Motto denken: Was können wir tun, damit ja nichts passiert? Bei einer solchen Linie wird man ganz schnell wegen Kleinigkeiten verdächtig.
Oder um Kai-Uwe Steffens vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zu zitieren:
Ich nehme von dieser Veranstaltung mit, dass man als Bürger, der am Tag der Deutschen Einheit auf dem Deutschlandfest für den Schutz der Grundrechte wirbt, damit rechnen muss, dafür eingesperrt zu werden.
-
: Größte Demonstration für Datenschutz in Deutschland
: Größte Demonstration für Datenschutz in Deutschland Der Samstag war grandios. Letztes Jahr waren wir vollkommen geflasht, als 15.000 Menschen unserem Aufruf nach Berlin folgten, um unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ gegen die Vorratsdatenspeicherung, die ausuferende Überwachung und für Datenschutz und unsere Bürgerrechte zu demonstrieren. Einen größeren Erfolg hatten wir uns zwar erhofft, aber nicht wirklich erwartet. Aber Petrus ist ein Datenschützer und hat uns trotz des Herbsttermines ein grandioses Wetter präsentiert.
Und so kommen Menschenmassen zur diesjährigen „Freiheit statt Angst“-Demonstration in Berlin. Wieviele genau kann ich nicht abschätzen. In den Medien werden unterschiedliche Zahlen genannt. 15.000 nennt die Pressestelle der Polizei, welche allerdings nach einem pauschalem Schlüssel zählt. Unser Verbindungsbeamte bei der Polizei berichte wiederholt von 50.000 Teilnehmern. Üblicherweise nimmt man bei Demonstrationen die von der Polizei genannte Zahl und multipliziert diese mal zwei. Wir haben zum Ende der Demonstration und vor Beginn der Abschlusskundgebung 50.000 nach draussen kommuniziert. Als diese Zahl vom Verbindungsbeamten mehrfach uns gegenüber kommuniziert wurde, wurde auf der Bühne nach dem bei Demonstrationen üblichen Verfahren verdoppelt. Die Pressetelle der Polizei bleibt leider bei 15.000 Menschen. Die eigenen Beamten vor Ort sagen mehr.
Ob es 100.000 Menschen waren, ist daher unklar. 50.000 Menschen werden aber von den meisten Teilnehmenden als sehr realistisch eingeschätzt. Der Demo-Zug war auf der Straße Unter den Linden etwa 1,5 Kilometer lang. Die Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor war voller Menschenmassen, die die Straße des 17. Junis weit in Richtung Siegessäule füllten. Und die Demonstration war friedlich, entspannt und wunderbar.
Medien berichten von zehntausenden Demonstranten. Das ist alles ist riesiger Erfolg, den niemand so für möglich gehalten hat. Und dieser hat alle Beteiligten noch mehr motiviert, weiterzumachen und Widerstand gegen die ausufernde Überwachung zu organisieren. Das Zeichen dieser Demonstration ist überwältigend. Es gibt eine neue Datenschutz-Bewegung, das haben wir Samstag wiederholt unter Beweis gestellt! Es gibt eine junge Generation, die für digitale Bürgerrechte auf die Strasse geht und Massen mobilisieren kann.
Das wird weltweit ausstrahlen und ist ein neuer Exportschlager aus Deutschland. Über 20 Länder haben sich unseren Protesten angeschlossen und mit uns Aktionen und Demonstrationen organisiert. Das ist toll und erst der Anfang. wir sind ein Vorbild für Aktivisten in aller Welt. Innerhalb von drei Jahren haben sich die Zahlen der Demonstranten von 200 Menschen auf zehntausende multipliziert.
Ab jetzt geht es darum, (digitalen) Bürgerrechten zurück zu erobern. Wir haben heute den Wahlkampf für Bürgerrechte eröffnet. Wir werden weiterkämpfen und uns unsere Freiheiten zurück erobern! Und das macht ungemein Spass, wie unzählige Menschen heute in Berlin erlebt haben.
-
: Warm-Up für „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober
: Warm-Up für „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober Die große Demonstration in Berlin gegen den Überwachungswahn ist nur noch eine Woche hin. Bisher rufen schon mehr als 100 verschiedene Organisationen dazu auf, es sieht also alles nach einem großen Erfolg aus. Hoffen wir mal, dass diesmal auch wieder das Wetter mitspielt.
Hier mal ein kleiner Überblick, was es alles schon so an Vorbereitung, Aufwärm-Aktionen und Planung für nach der Demo gibt.
In den Berliner U‑Bahnen läuft seit gestern ein Videoclip des AK Vorratsdatenspeicherung.

Die Aktion war im AK selber nicht ganz unumstritten, weil einige Leute Schwierigkeiten mit bezahlten Werbeformen haben. Andererseits kosten Flyer auch Geld, und das Berliner Fenster, das diese Bildschirmwerbung betreibt, hat uns einen extra-günstigen Rabatt gegeben. Hier der ganze Clip.Seit gestern sind zwei Aktivisten aus Bergisch Gladbach mit dem Fahrrad nach Berlin unterwegs, um entlang der Strecke noch ein wenig Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wer an einer der Etappen wohnt, sollte mal mit denen Kontakt aufnehmen und die Lokalpresse darauf ansetzen. Das macht sich immer gut für schöne Foto-Berichte. Hier die Route und weitere Infos zum „Marsch für die Freiheit“.
Wer etwas bequemer und trotzdem gemeinsam mit anderen freiheitsliebenden Menschen nach Berlin anreisen will: Es gibt noch Fahrkarten für die Busse aus 100 Städten in ganz Deutschland. Wer nicht auf einer der Strecken wohnt oder noch bis Sonntag in Berlin bleiben will, sollte sich an der Mitfahrbörse beteiligen. Auch Übernachtungsplätze sind gern gesehen.
Das Demo-Büro ist bereits seit einer Weile in Betrieb in der Hessischen Straße 10 in Berlin-Mitte. Dort stehen ständig Ansprechpartner für die Presse zur Verfügung. Außerdem wird vom FoeBuD dort eine noch größere Datenkrake gebaut. Weitere Mithelfer sind immer willkommen, da es noch einiges zu tun gibt.
Es wird von der Demo den ganzen Tag Webradio von Radio1984 geben mit aktuellen Berichten, Interviews und Hintergrundinformationen. Geplant ist auch eine Aggregierung der Video- und Audio-Streams aus anderen Ländern.
International sind derzeit mehr als 20 Länder dabei am Aktionstag „Freedom not Fear“. Die Sache umspannt dann fast die ganze Welt – viele aus Europa, dann Nordamerika (USA), Südamerika (Argentinien und Equador, und Aktionen auf dem lateinamerikanischen Sozialforum in Guatemala) und evtl. Asien (Südkorea). An Aktionsformen ist es extrem bunt. Es gibt z.B. Demonstrationen (Berlin, Paris, Stockholm, London, Sofia, Luxemburg), Parties (Kopenhagen, Berlin, Stockholm, Prag), Street-Events (Zürich, Leute springen nackt in den See), Diskussionsveranstaltungen (Washington, Rom) oder sogar alles zusammen: Den Haag plant „street protest, speeches, music, arts, privacy market“, alles unter dem Titel “Volksopstand 2008”.
Es werden weiterhin Spenden benötigt, da die Bühne mit Technik, die tausende von Flyern und Plakaten, Funkgeräte für die Ordner und viele andere Sachen echtes Geld kosten. Spenden kann man hier. Weil es auch zu den Kosten einige Nachfragen gab: Die auf dem Spendenbanner angegebenen 69.000 Euro sind eine grobe Schätzung zu Beginn der Demo-Planung gewesen, unter der Maßgabe, dass man sehr sehr sehr viele Menschen erwartet und der Sound sowie alles andere optimal sein sollen. Mittlerweile ist wohl klar, dass es deutlich billiger wird, unter anderem, weil auf Live-Musik verzichtet wird. Dennoch werden immer noch einige Tausend Euro benötigt, um die derzeit geplante Technik anzumieten. Und es wäre auch schade, wenn der AK Vorrat nach der Demo seine Aktivitäten einstellen müsste, weil er komplett pleite ist.
Nach der Demo ist zwar vor der Demo, aber zunächst muss man sich auch ausruhen, kennenlernen und feiern. Eine Reihe Berliner Clubs haben sich daher zusammengetan und veranstalten eine „lange Nacht der Überwachung“ mit DJs, Infos, Keysigning-Parties, Filmabend und und und. Ein Teil des Eintrittes geht als Spende an den AK Vorrat.
Zuletzt: Macht diese Woche bitte noch Werbung, Werbung, Werbung! Verteilt Material (kostenlos im FoeBuD-Shop zu bestellen), klebt Plakate (vor allem in Berlin, gibt es im Demo-Büro), schaltet Banner auf euren Webseiten, bloggt und twittert darüber, setzt einen Hinweis in eure Mail-Signatur, sprecht mit Freunden, Verwandten und Kollegen, und setzt die Presse darauf an. Weitere gute Ideen könnt ihr hier finden und ergänzen.
Wir sehen uns in Berlin! (Jedenfalls werdet ihr mich sehen, ich soll nämlich dieses Jahr die Rede für Netzpolitik und das Netzwerk Neue Medien halten, nachdem Markus das letztes Jahr schon grandios gemacht hat.)
-
: Social Web – Towards networked protest politics?
: Social Web – Towards networked protest politics? Der Sonderforschungsbereich „Protest und Medinekulturen im Umbruch“ der Universität Siegen veranstaltet am 7. und 8. November die Konferenz „Social Web – Towards Networked Protest Politics?“ (PDF). Das Programm klingt spannend und wäre es nicht in Siegen und an diesem Wochenende, würde ich die Konferenz auch besuchen. Wenn alle sgut geht, haben wir trotzdem einen Korrespondenten vor Ort.
-
: Transparente gegen die Vorratsdatenspeicherung
: Transparente gegen die Vorratsdatenspeicherung Die Ortsgruppe Rhein-Main des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat am Wochenende im Rahmen eines Workshops viele Transparente für die „Freiheit statt Angst“ Demonstration am 11. Oktober gemalt. Einen Überblick bietet dieses Foto:
Mehr Fotos gibts hier. Schöne Aktion! Vielleicht nehmen sich ja andere die Aktion zum Vorbild und basteln eigene Transparente.
-
: Lesetipp: „The Privacy Advocates“
: Lesetipp: „The Privacy Advocates“ „In Germany, there have been high levels of activism against new laws mandating the retention of communications data by telecommunications companies and Internet service providers, including a rally in Berlin in September 2007 in which fifteen thousand people participated.“
Das schreibt der Politikwissenschaftler Colin Bennett von der University of Victoria in Kanada in der Einleitung zu seinem neuen Buch „The Privacy Advocates“, das gerade bei MIT Press erschienen ist.
Das Buch ist die erste Studie, die sich mit der entstehenden weltweiten vernetzten Datenschutz-Bewegung befasst. Colin hat dazu viele Interviews geführt (in Deutschland unter anderem mit mir und ein paar anderen von AK Vorrat, FIfF und CCC in Berlin sowie mit den Leuten vom FoeBuD in Bielefeld). Die ganzen Aktionen des AK Vorrat im letzten Jahr haben ihn auch ziemlich beeindruckt. Immer, wenn ich ihn in den letzten Monaten gesprochen habe, war seine scherzhafte Reaktion etwa so: „Can’t you guys just pause your activities in Germany for a moment? Every time you do another big action, I have to re-write this chapter of my book again!“ Nach seiner Einschätzung hat das internationale Netzwerk der Datenschutz-Aktivisten das Potenzial, zu einer breiten sozialen Bewegung zu werden, so wie es die Umweltbewegung vorgemacht hat. Dafür ist eine solche Studie sicherlich hilfreich, denn sie hält einem den Spiegel vor und regt zum nachdenken über die eigene Arbeit an.
Colin und ich haben im Februar bei der Privacy&Security-Konferenz in Victoria gemeinsam einen Vortrag gehalten unter dem Titel „Surveillance Societies and the emerging Anti-Surveillance Movement“. Die Folien gibt es hier, im zweiten Teil sind einige Ergebnisse des Buches zusammengefasst.
-
: Telekom-Paket: Unsere Wahlempfehlungen!
: Telekom-Paket: Unsere Wahlempfehlungen! Für die Abstimmungen zum Telekom-Paket am kommenden Mittwoch sind jetzt unsere Wahlempfehlungen online zu finden. In einer europäischen Kooperation haben wir im La Quadrature du Net – Wiki alle zur Wahl stehenden Änderungsanträge analysiert und bewertet. Bisher sind die Bewertungen für den Trautmann-Report (Rahmenrichtlinie) und dem Harbour-Report (Universaldiensterichtlinie) online. (Die Analyse und Empfehlungen für die Datenschutzrichtlinie / Alvaro-Report kommen noch, sobald online zu finden)
In unsere Bewertung der Änderungsanträge (Ammendments) haben wir den Einfluss der einzelnen Passagen auf ein freies und offenes Internet, und damit auf Bürger- Und Verbraucherrechte bewertet. Mit Hilfe dieser Wahlempfehlungen kann man nun optimaler die eigenen Europa-Abgeordneten kontaktieren und sich von ihnen wünschen, im Sinne von Freiheit im digitalen Raum abzustimmen.
Die Wahlempfehlungsliste im Wiki ist folgendermassen aufgebaut:
„Amendig“ und „Amended“ definiert den jeweiligen Report (Richtlinie) und die Passage.
„Topic“ sagt, worum es dabei geht und welche Themen die Änderung betrifft. (Themenbereiche sind: Netzneutralität / 3‑Strikes / Richtervorbehalt / Internet-Filtering / DRM / Datenschutz)
„Am. #’ “ ist die jeweilige Nummer des Änderungsantrages.
„Source“ ist der Antragsteller, dies können Fraktionen (z.B. Verts/ALE = Grüne) oder Ausschüsse (z.B. ITRE = Industrieausschuss) oder Abgeordnete (z.B. Bono, Cohn-Bendit, Roithová and al.) sein.
„Advice“ ist unsere Empfehlung. Das reicht von „–“ (für ganz schlechte Idee und schädlich) bis hin zu „+++“ (Unbedingt empfehlenswert).
„Comment“ beschreibt meist kurz, worum es geht.Mit Hilfe dieser Wahlempfehlungen kann man nun optimaler bis kommenden Mittwoch EU-Abgeordnete kontaktieren und diese bitten, sich einzelnen Änderungsanträgen anzuschliessen. Und wir können nach Mittwoch überprüfen, welche EU-Abgeordneten Internet-feindlich abstimmen.
Spread the word und werdet aktiv!
Im La Quadrature Wiki haben wir auch eine aktuelle Mobilisierungsseite. Die englische ist immer die aktuellste und es wird regelmässige Hiilfe bei der Übersetzung der Änderungen nach deutsch benötigt. Hierbei hilft der RSS-Feed.
Aktueller Stand von Samstag, 18:30h ist: Telekom-Paket Abstimmung (1. Lesung) am 24. September.
Wir mobilisieren gegen mehr Überwachung im europäischen Internet
Executive Summary der aktuellen Situation
* Das „Telekom-Paket“ wird am 24. September in der Plenarsitzung des Europaparlaments um 11:30 abgestimmt.
* Einige Änderungsanträge enthalten gefährliche Inhalte für ein offenes Internet.
o Einige Änderungsanträge können Nationalstaaten erlauben, eine sogenannte „Graduate Response“ Regelung gegen unautorisiertes Filesharing durchzusetzen (Internetsperrungen), was massiv Bürgerrechte beeinträchtigt.
o Die Verwendung des Wortes „lawful content /rechtmässiger Inhalt“ ist eine Gefahr für Bürgerrechte und einer nachhaltigen sowie offenen Entwicklung des Internets.
* Fortschritte wurden bei der Neubearbeitung der LIBE-Änderungsanträge (LIBE = Ausschuss für bürgerliche Freiheiten) auf Basis der Analyse des Europäischen Datenschutzbeauftragten gemacht.
* Einige sehr sinnvolle und gute Ändeurngsanträge wurden eingebracht, z.B. das „Bono amendment“ beim Trautmann-Report, sowie verschiedene andere.
* Es ist nur noch wenig Zeit, um EU-Abgeordnete über diese Fragen und Konflikte aufzuklären, und ihnen Lesehilfe bei den umfangreichen Änderungsanträgen zu geben. Die wenigsten Abgeordneten hatten bisher mit den Diskussionen zu tun und wissen weitgehend nicht, worüber sie am Mittwoch abstimmen. Hier ist Hilfe notwendig, ihnen die Änderungsanträge zu erklären, und ihre Bedeutung für Bürger- und Verbraucherrechte herauszustellen.Detailliertere Argumentation:
„Graduated Response“
Einige Änderungsanträge können Nationalstaaten erlauben, eine sogenannte „Graduate Response“ Regelung gegen unautorisiertes Filesharing durchzusetzen (Internetsperrungen), was massiv Bürgerrechte beeinträchtigt.
* Die Erwähnung von „cooperation“ zwischen Internet-Servcie-Providern und der Kulturindustrie über die „Promotion of lawful content“ ist sehr vage und unzureichend.
o Generelle Information der ISP-Kunden über bestehende Gesetze (z.B. in Form von Newsletters) ist akzeptabel
o Zielgerichtete Mitteilungen an einzelne Kunden und auf Basis der Überwachung des Nutzerverhaltens ist inakzeptabel.
o Es gibt keine klare Definition, dass individuelle Benachrichtigungen ausgeschlossen werden bei dieser „cooperation“* LIBE-Änderungsanträge sind neue bearbeitet worden nach der Kritik des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EPDS)
o Der Europäische Datenschutzbeauftragte hatte vorgeschlagen, problematische Änderungsanträge neu zu schriben. Diesen Hinweisen wurde nachgegangen und die Sprache ist wneiger gefährlich. Aber es ist immer noch eine Gefahr.„Lawful content“
Die Verwendung des Wortes „lawful content /rechtmässiger Inhalt“ ist eine Gefahr für Bürgerrechte und einer nachhaltigen sowie offenen Entwicklung des Internets.
* Wer soll entscheiden, ob Inhalt rechtmässig ist und ob nicht. Wo ist die richterliche Kontrolle darüber?
* Dürfen Behörden ohne Gewaltenkontrolle darüber entscheiden, was rechtmässiger Content ist und was nicht?
* Was ist mit Regelungen wie der Privatkopie oder das Zitatrecht, bzw. freien Inhalten wie die Creative Commons lizenzierten Inhalten, bzw. Bottum-Up Innovationen, die die Basis für die Entwicklung einer digitalen Umwelt darstellen?Bono amendment
* Today, the judicial judge is the guardian of civil liberties and freedom of citizens. This amendment guarantees that this will continue, that no administrative authority can order justice rulings impacting on internet users’ ability to access and distribute content.
* The exceptions for „force majeure“ and „national provisions of criminal law imposed for reasons of public policy, public security, or public morality“ are already in Member State’s criminal laws. Nothing will be changed here.
* The exceptions for „preserving network integrity and security“ are legitimate, technically demonstrable, and described in ( some other part of the texts )
* The reference to the Charter of Fundamental Rights of the European Union … (?)Alle sollten ihre EU-Abgeordneten kontaktieren!
* Bittet sie, für den Bono-Ändeurngsantrag 138 zu stimmen, der Bürgerrechte wie die Meinungsfreiheit schützt, indem ein Richtervorbehalt zwingend notwendig wird.
o Wenn es Zweifel gibt, ob die „Graduate Response“-Regelungen immer noch im Telekom-Paket zu finden sind oder nicht ist es besser zu garantieren, dass sie nicht drin sind. Das ermöglicht Änderungsantrag 138.
o Eine richterliche Ontrolle ist absolut notwendig und zwingend. Dieser Änderunganstrag ändert nichts daran, dass Nationalstaaten Gesetze haben.* Bittet Eure Abgeordneten, den Änderungsantrag 34 abzulehnen, der den Datenschutz abbaut im Namen der Urheberrechtsbekämpfung.
* Empfiehlt Euren Abgeordneten, den Wahlempfehlungen von La Quadrature zu folgen. -
: Bericht vom Telekom-Paket Lobbying in Brüssel
: Bericht vom Telekom-Paket Lobbying in Brüssel Gestern Abend bin ich von unserer Lobby-Aktion zum Telekom-Paket in Brüssel zurück gekommen. Die vier Tagen waren intensiv, etwas anstrengend, haben aber auch Spass gemacht. Die Gespräche mit Europa-Abgeordneten und/oder ihren Mitarbeitern waren aber sinnvoll und auch gut. Wir konnten unsere Bedenken artikulieren und unsere Hilfe anbieten. Mal schauen, wie erfolgreich das war. Die nächsten drei Wochen werden darüber entscheiden. Es war aber offensichtlich, dass der vielfältige Druck aus dem Netz in den letzten Wochen das Bewusstsein für einige schlechte Passagen in den Direktiven erfolgreich war.
Ich kann allen nur empfehlen, bei Sorgen und Bedenken zu laufenden politischen Debatten, diese direkt bei den Entscheidern zu artikulieren. Dies wurde uns auch von allen Abgeordneten bestätigt: Demokratie bedeutet mitmachen. Das kann durch Aktionen vor Ort geschehen, wie in diesem Fall. Ein Anruf, ein persönlicher Brief, Fax oder eine Mail reicht aber auch schon aus, wenn dies viele tun. Dabei sollte man immer darauf achten, dass am anderen Ende auch nur Menschen sitzen: Das heisst, eine höfliche und persönliche Ansprache mit einer Argumentation bringt etwas. Massenmails, Beschimpfungen und Vorurteile sind kontraproduktiv. In unserem Fall hatten wir den Vorteil, dass wir aus der Kampagne gegen Softwarepatente schon einige Kontakte im Europaparlament hatten, die wir in diesem Fall nutzen konnten.
Wie kommt man in ein Parlament?
Ein Problem ist ja immer, wie man ins Europaparlament reinkommt. Über ein Abgeordneten-Büro bekamen wir einen Wochenpass und wurden morgens immer freundlicherweise am Eingang abgeholt und konnten uns dann im Parlament frei bewegen. Dies ist zwar nicht legal, weil immer ein Mitarbeiter auf einen aufpassen muss. Aber wenn man sich unauffällig verhält und den Sicherheitsmenschen aus dem Weg geht, fragt niemand nach. Man kann auch direkt ein Treffen mit einem unbekannten Abgeordneten ausmachen und nur für das Treffen ins Parlament rein und dann wieder raus. Der Weg nach Brüssel lohnt sich dann aber nicht immer. Aber man kann ja auch gleich mehrere Treffen an einem Tag machen. Wichtig ist auch, dass man Bedenken klar artikuliert und im Optimalfall auch Alternativvorschläge gleich dabei hat.
Wie nimmt man Kontakt zu Abgeordneten auf?
Das war in unserem Fall auch recht einfach. Einerseits kannten wir einige Abgeordnete schon aus anderen Zusammenhängen. Andererseits haben wir einfach Mails geschrieben und um einen Termin gebeten. Das hat in den meisten Fällen problemlos geklappt. Eine Handvoll Abgeordnete hat leider überhaupt nicht reagiert, die meisten aber schon. Auch wenn davon einige noch unterwegs waren und teilweise dann nur die Mitarbeiter zur Verfügung standen. Bei drei Abgeordneten haben wir dann auch die Chance genutzt und direkt ein Interview für NetzpolitikTV gemacht. Die liegen teilweise noch auf DV-Tapes, weil eine Kamera anfing zu spinnen und nicht mehr über Firewire konnekten wollte. Muss ich mir nochmal genauer anschauen, ich hoffe, die Kamera ist bei der Aktion nicht zu Schaden gekommen. Da sind auch noch mehr Video-Berichte vom Lobbying drauf.
Wie bekommt man Netz im Europaparlament?
Im Europaparlament gibt es ein geschlossenes WLAN in einigen Bereichen. Hier hat man zwei Möglichkeiten, einen Zugang zu bekommen: Man beantragt einen formell und mit etwas Glück bekommt man nach einigen bürokratie-Schritten auch den Zugang. Wir haben den einfacheren Weg gewählt und uns einen Zugang von einer Person geliehen, die uns vertraute. Das sparte Bürokratie und über den Zugang kamen auch mehrere Notebooks gleichzeitig ins Netz. So konnten wir von dem „Seminar on Internet-Filtering and the telecom-package“ einen Live-Stream senden, twittern, aber auch Videos online stellen. Der Live-Stream war vermutlich nicht legal, die Videos auch nicht, da man einen Antrag auf eine Drehgenehmigung stellen muss. Das war uns aber auch zu kompliziert, zumal wir keinen Presseausweis haben und daher haben wir es gar nicht versucht, sondern einfach gemacht. Die grosse Herausforderung war beim Live-Stream eher, Strom zu bekommen. Man mag ja annehmen, dass in einem Fraktionssitzungssaal ausreichend Steckdosen vorhanden sind. Das ist aber nicht so. Wir haben, abgesehen vom Podium, in einem Raum mit über 100 Plätzen nur zwei Steckdosen ganz hinten gefunden. Zum Glück hat der Stream fast die ganze Zeit geklappt. Nur hat Mogulus.com als Streaming-Plattform leider nur den zweiten Teil gespeichert, der jetzt online zu finden ist. Aber die Aktion war auch nur ein Experiment und beim nächsten Mal können wir auf den Erfahrungen aufbauen. Zum Glück hattenw ir den Netzzugang und mussten nicht über UMTS ins Netz. Ich hätte ja gerne mehr getwittert, aber UMTS ist im Roaming unbezahlbar. Eine Sache, die wir einigen Abgeordneten auch klar artikulieren konnten und die alle gelobten, sich für Verbesserungen einzusetzen.
Die strittigen Punkte im Telekom-Paket
Zum Telekom-Paket muss man erstmal klarstellen, dass wir den gesamten Rahmen gar nicht ablehnen. Der Grossteil ist gut und sinnvoll, um für Europa einen verbesserten Innovationsrahmen und auch die Stärkung von Verbraucherrechten zu bringen. Es gibt aber kleine Punkte, die wir ablehnen und wo wir unsere Bedenken artikulieren.
In der Datenschutzrichtlinie geht es u.a. um die Frage, ob IP-Adressen personenbezogene Daten sind oder nicht. Ich bin da der Meinung, dass diese klar personenbezogene Informationen sind. Andere sagen, dass man IP-Adressen ja noch nicht klar einer Person zuordnen kann und dass man dies erstmal so abbilden muss. Wenn man aber IPv6 und Entwicklungen wie die Vorratsdatenspeicherung ein berechnet, so wird das aber bald der Fall sein und so ein Gesetz hält ja länger.
In der Universaldienste-Richtlinie (Harbour-Report) sind in den letzten Monaten Punkte aufgetaucht, die nicht in der Intention der EU-Kommission waren. Im Direktiven-Vorschlag der EU-Kommission war es gar nicht vorgesehen, dass man Inhalte mit in die Infrastruktur-Gesetzgebung einbaut. Aber auf einmal war in der Diskussion, dass man Regelungen zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (Stichwort Internetsperrungen und Filterungen) einbaut. Die Diskussion ist geprägt von der französischen Initiative, die Strategieempfehlung der Entertainment-Lobby umzusetzen, eine „3 strikes and you are out“ umzusetzen. Dieses Modell wurde erst vor wenigen Monaten vom EU-Parlament abgelehnt. Aber es gibt immer wieder Bestrebungen, dies wieder in anderen Gesetzen wie dem Telekom-Paket doch noch durchzusetzen. Die verwendete Sprache in dem aktuellen Kompromissvorschlag ist daher auch eher schwer zu verstehen. Monica Horten hat in ihrem Analysen-Papier darauf hingewiesen, dass einige Wörter den Rahmen bilden. Und unser Anliegen war und ist, diese raus zu bekommen. Wenn dort in einer „Cooperaton“ zwischen ISPs und Rechteinhabern gesprochen wird, so findet man die Definition von „Cooperation“ vor allem in Lobby-Papieren der Rechteinhaber. Auch wird oft das Wort „lawful“ und „unlawful“ verwendet. Diese wollen wir raus bekommen und es sieht auch ganz gut aus. Denn es ist unklar, wie man rechtmässige Inhalte definiert und in der Regel wird dies in anderen Gesetzen schon getan. Die Gefahr bei diesen Worten ist, dass man Massnahmen trifft, um unrechtmässige Inhalte raus zu filtern. Da bdeutet Zensur und in der Regel stellen sich Rechteinhaber dafür eine technologische Umsetzung vor, die China als Zensurinfrastruktur nutzt. Aus Bürgerrechtssicht ist dies inakzeptabel.
Bei einer anderen Verwendung des Wortes „lawful“ konnten wir darauf aufmerksam machen, dass dies anderes formuliert besser klappen könnte. Es ist nämlich die Rede von „lawul applications“. Gemeint ist damit von Verbraucherschützern, dass man Telekommunikationsunternehmen verbieten möchte, dass Software wie Skype / VOIP in ihren Netzen nicht erlaubt wird. Diese Forderung unterstütze ich voll und ganz. Aber wir befürchten, dass man diese Formulierung auch verwenden kann, um Trusted Computing Infrastrukturen zu legitimieren und aufzubauen. Hier suchen wir gerade noch nach anderen Formulierungsmöglichkeiten, um den ersten Sinn besser zu definieren und das zweite auszuschliessen.
Und sonst?
Sonst waren das vier spannende Tage, die uns auch wieder neue Einblicke in die Arbeit der europäischen Ebene gebracht haben. Und dazu viele neue Kontakte, bzw. die Vertiefung von schon bestehenden Kontakten. Erfreut waren wir auch über die Kooperatonsangebote einige Abgeordneter, ihre Büros und Telefone mit zu nutzen. Und das WLAN. Was es ist für konkrete Diskussion gebracht hat, wird sich in den nächsten Wochen rausstellen. Hinter den Kulissen laufen jetzt die Verhandlungen und die Suche nach anderen Kompromissen und Mehrheiten. Wir planen auf jeden Fall noch weitere Aktionen aus dem Netz, um den Druck aufrecht zu halten, im Sinne von Netzneutralität und Bürgerrechten zu stimmen. Und in einem angemieteten Appartment in Brüssel werden die kommenden drei Wochen noch einige Aktive aus unserem losen Netzwerk unterkommen und vor Ort mit ihren Abgeordneten sprechen. Das verfolge ich dann aber nur noch aus Berlin und im Netz.
-
: World Day Against Software Patents
: World Day Against Software Patents Am 24. Septmber findet erstmals der „World Day Against Software Patents“ statt. An diesem Tag soll einmal im Jahr der Erfolg in Brüssel im Jahre 2003 gefeiert werden, wo das EU-Parlament in der ersten Lesung gegen Softwarepatente in Europa stimmte und die Pläne stoppte. Dazu gibt es die folgende Petition und es sollen Demonstrationen vor vielen nationalen Patentämter in der ganzen Welt organisiert und durchgeführt werden. Mehr Infos gibt es auf stopsoftwarepatents.org und irgendwann hab ich auch noch ein Video-Interview dazu bearbeitet..
Considering the following:
1. The issue of software patents is a global one, and several governments and patent offices around the world continue to grant software & business method patents on a daily basis; they are pushing for legal codification of the practice, such as currently in New Zealand and India, and via the misappropriation of Free Trade Agreement instruments;
2. Previous initiatives as the Noepatents.org petition (approx. 400 000) at the EU level are outdated (notably on the issues of the central EU patent court) and not open for signatures anymore.
3. Companies still view software patents as assets. They have yet to understand that software patents should also be considered liabilities, especially if they are in the hands of trolls.
4. Time is on our side as litigation gets spread wide: Markets learn the hard way that you may not leave reform to patent professionals. Patent litigation is becoming wide spread in key markets such as the financial sector, and will be more wide spread in the software sector in the forthcoming years due to the number of applications pending;
5. The United States lacks a coalition of business and civil society against software patents* The lobby gap makes Congress and Senate, the Court of Appeals for the Federal Circuit (CAFC) and the Supreme Court susceptible to lobbying from patent industries, holders and patent professionals. American software creators have been intimidated by the patent establishment and have failed to make themselves heard.
* Companies affected by software patent litigation have been lobbying for reform, but their advocacy for „quality“ and „lower damages“ aims at symptoms rather than the roots of the problem.For these reasons,
We declare the 24 September as the World Day Against Software Patents, in commemoration of the European Parliament First Reading in 2003 with amendments stopping the harmful patenting of software, guaranteeing that software programmers and businesses can safely benefit from the fruits of their work under copyright law.
-
: NetzpolitikTV 047: Aus der Lobby
: NetzpolitikTV 047: Aus der Lobby Und sofort dahinter die nächste Folge NetzpolitikTV aus Brüssel, diesmal die Nummer 047. Ich beschreibe darin etwas, wie Grasswurzel-Lobbying funktioniert und wie man Kontakt zu Abgeordneten aufnimmt.
Auch diese Folge gibts leider wieder nur im unfreien MP4.
Mehr zur Diskussion rund um das Telekom-Paket findet man hier im Blog und auch im Wiki.
-
: NetzpolitikTV 046: Hallo aus Brüssel
: NetzpolitikTV 046: Hallo aus Brüssel NetzpolitikTV 046 ist die erste Folge aus dem Europaparlament in Brüssel, wo ich mich seit gestern aufhalte. Mit dabei sind einige Aktivisten aus verschiedenen Nationen. Das Ziel ist, Abgeordnete davon zu überzeugen, dass es im sogenannten Telekom-Paket einige Fallstricke für ein offenes Internet gibt, was nächsten Monat vom EU-Parlament beschlossen wird. In den nächsten Tagen wird es noch einige mehr NetzpolitikTV-Folgen aus Brüssel geben. Neben Hintergrundgesprächen sind auch einige Interviews mit deutschen Abgeordneten, Wissenschaftlern und NGO-Vertretern geplant, die wir hier treffen werden. Und morgen gibt es eine spannende Veranstaltung zu Internet-Filtering.
Das Ergebnis gibts diesmal leider nur als unfreies MP4.
Mehr zur Diskussion rund um das Telekom-Paket findet man hier im Blog und auch im Wiki.
-
: 2008 zirkulieren über 127 Millionen us-amerikanische Kundendatensätze
: 2008 zirkulieren über 127 Millionen us-amerikanische Kundendatensätze Heise hat schon viel über Datenlecks und gehandelte Adressdaten berichten müssen. Heute wieder, in Verlustfälle bei Kundendaten nehmen zu:
Laut einem Bericht des Identity Theft Resource Center in San Diego beläuft sich die Zahl der 2008 öffentlich einsehbaren Fälle von Datenverlusten in den USA bereits auf 449. Im Vergleich dazu seien im gesamten Jahr 2007 „nur“ 446 entsprechende Vorkommnisse gelistet worden. Von den Sicherheitsdebakeln betroffen gewesen sein sollen im vergangenen Jahr Datensätze von 127 Millionen Kunden.
Berichterstattung ist wichtig. Aber immer noch kommt dabei zu kurz, dass der „Verlust“ von Daten tatsächlich ein „Kontrollverlust“ ist – diejenige Instanz, die die Daten hält und verwaltet, ist durch den jeweils berichteten Vorfall nicht mehr in der Lage, diese kontrolliert zu verwenden. Und das ist noch sehr konservativ formuliert – und nimmt implizit an, dass die Datensammlung selbst sauber zustande gekommen und lediglich schlampig gehandhabt wurde. Vermutlich ist die Formulierung „Spitze des Eisbergs“ eine der einlullendsten die es gibt, indem das unvorstellbare versuchsweise greifbar gemacht wird. Aber auch hier fehlt die Tiefe: nimmt man alle öffentlich berichteten Fälle der USA seit 2000 zusammen, dann dürfte die gesamte als Kunde erfasste Bevölkerung schon mehrfach profiliert worden sein, ohne dass sie davon weiß. Man muss nur zählen können. Zusammenführen von Datenbeständen ist trivial. Aufklärung tut Not.
Für Deutschland fehlt bislang eine solche öffentliche Liste, mit der Datenschützer, Mahner und Redaktionen ordentlich argumentieren können. Einen Anfang haben wir von wiki.data-loss.de schon gemacht; ich fühle mich allerdings überrannt von der jüngeren Entwicklung seit Mitte Juni.:PÜber die breit gelaufene Berichterstattung, die tendenziöse wie von Ralf erläutert oder die mahnenden Forderungen für künftige Gesetzgebung wie vom ULD zusammengefasst, hat dieses Blog ebenfalls schon berichtet, und wird das auch weiterhin tun müssen. Von alleine wird die Welt nicht besser, schon gar nicht durch Trippelschritte. Die losgelassenen Datensätze hierzulande werden im Wochentakt mehr, staatlicher oder privatwirtschaftlicher Herkunft. Die Demonstration „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober in Berlin kann das ändern helfen. Geht hin!
-
: CSU macht Wahlkampf mit Datenspeicherung
: CSU macht Wahlkampf mit Datenspeicherung Aus der Kategorie „schlechtes Timing“:
Das Bild steht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND‑3.0‑Germany, Quelle: horatiorama.
Gefunden beim taz-Blog „CTRL – alles unter Kontrolle“.


