Öffentlichkeit
Meinungs- und Pressefreiheit, Zensur, Menschenrechte, Whistleblowing, Transparenz, Öffentlichkeitswandel, Datenjournalismus und Open Data.
-
: StudiVZ und Datenschutz
: StudiVZ und Datenschutz Eigentlich ist ja schon alles gesagt worden zum Thema Studiverzeichnis. Vor allem der Don hat die Sache mit der Nazi-Parodie und der bevorstehenden Übernahme durch Facebook schön auf den Punkt gebracht. Ich will hier auf einen Aspekt hinweisen, der von der Firma nun doch auf überraschend positive Weise behandelt wurde: Der Datenschutz. Nachdem über die Klauseln in den AGBs, die mögliche Übernahme durch eine amerikanische Firma, die Identität der Postanschrift mit Parship in Paris, Rom und Barcelona reichlich spekuliert wurde, hat man sich zur Offensive entschlossen. Unter der Überschrift „So stellen wir den Schutz eurer Daten sicher“ gibt es im Firmenblog eine ausführliche Behandlung der Frage „Was passiert mit den User-Daten“. Dort wird auch der firmeneigene Datenschutzbeauftragte – sogar mit Foto – vorgestellt. Das mag vielen noch nicht reichen, und es ist natürlich billig zu sagen
steht auf und sucht Euch Leute, die bereit sind, sowas autark und sicher selber zu machen. Ihr seid erwachsen, Ihr könnt das, Ihr seid als Studenten mehr als ein Stück Datendreck in der Verwertungskette, und Ihr seid besser als die Personalities, für das Web2.0 nur eine gigantische Abzocke und Menschen eine nach Belieben anlügbare Masse sind.
Aber erstens bin ich mir nicht sicher, dass die meisten Studenten bessere Menschen sind, und zweitens ist das „selber machen“ nur begrenzt skalierbar. Irgendwann kommt die Rechnung vom Provider, und man muss sich Gedanken über die Einnahmen machen.
Relevant ist dann bei solchen Diensten nicht, ob man die Daten der Kunden überhaupt sammelt, sondern welche Stellung der Datenschutz innerhalb der Unternehmenshierarchie und ‑ziele hat. Das hängt u.U. auch daran, wie stark der Datenschutzbeauftragte ist, und ob er in der Technik-Abteilung oder im Management angedockt ist. Aber unter Web2.0‑Bedingungen hängt es auch daran, wie prominent und publikumswirksam er agieren kann. Interessant und auch aus PR-Sicht sinnvoll wäre es daher, wenn jede Web2.0‑Bude ein eigenes Blog des Datenschutzbeauftragten hätte. (Wie sieht eigentlich der Datenschutzbeauftrage des PennerVZ aus?)
Update: Offenbar habe ich mich missverständlich ausgedrückt oder nicht genügend gegen StudiVZ polemisiert – es gibt jedenfalls bei Don Alphonsos Blogbar nun eine angeregte Diskussion über dieses Posting.
Update 2: Unser Mitblogger Jörg-Olaf Schäfers denkt bereits etwas konkreter über eine dezentrale, selbstgemachte, VC-freie Alternative zum StudiVZ nach und stößt auf viel Interesse. Ich bin immer noch skeptisch (ich muss hier an der Uni gezwungenermaßen auch Stud.IP nutzen und finde es ganz widerwärtig), aber ich hoffe, dass Jörg-Olaf uns auf dem Laufenden hält. Als Merksatz sei ihm und den Mitstreitern nur mitgegeben: Eine dezentrale Datenkrake auf Basis freier Software ist nicht zwingend besser als eine zentrale, proprietäre. Und bei der letzteren hat die Staatsgewalt in Form der Datenschutzgesetze wenigstens einen Ansatzpunkt.
-
: IT-Gipfel der Bundesregierung ohne Zivilgesellschaft
: IT-Gipfel der Bundesregierung ohne Zivilgesellschaft Es ist frustrierend. Da kämpft man sich drei Jahre lang im Umfeld des UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) ab, um überhaupt gehört zu werden. Am Ende kommt ein sehr offener Prozess namens „Internet Governance Forum“ dabei raus, bei dem alle Interessengruppen auf gleicher Augenhöhe wie die Regierungen reden können, und man denkt sich „staatliche Politik hat doch noch Potenzial und ist offen für Neues“.
Und dann kommt man von der UN-Konferenz nach Hause, hört zum ersten Mal seit einem halben Jahr mal wieder was von Merkels „nationalem IT-Gipfel“ und muss dank der Recherchen von heise feststellen, dass es in Berlin noch läuft wie in den 70er Jahren oder mindestens zu Schröders Zeiten. Die Regierung trifft sich mit ein paar Managern, diese dürfen vortragen, was sie von der Politik erwarten, und die Zivilgesellschaft ist ausgeschlossen. Zur Erinnerung: Dem folgenden Absatz aus der Tunis Agenda des WSIS-Weltgipfels hat die Bundesregierung unter anderem auch zugestimmt:
We acknowledge that multi-stakeholder participation is essential to the successful building of a people-centred, inclusive and development-oriented Information Society and that governments could play an important role in this process. We underline that the participation of all stakeholders in implementing WSIS outcomes, and following them up on national, regional and international levels with the overarching goal of helping countries to achieve internationally-agreed development goals and objectives, including the Millennium Development Goals,is key to that success.
Was ich nicht verstehe: Die Bundesregierung hat sich auf internationaler Ebene immer dafür eingesetzt, dass die Zivilgesellschaft besser einbezogen wird. Warum kriegen die das nicht zuhause hin?
-
: Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung verfügbar
: Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung verfügbar Das Gesetzespaket zur Reform der Strafprozessordnung, der TK-Überwachung und so einiger anderer Sachen ist ja von Ministerin Zypries schon letzte Woche in den Grundzügen vorgestellt worden, die entsprechenden Proteste gab es auch schon. Die Humanistische Union hat nun eine Vorauskopie des Gesetzestextes zugespielt bekommen (Download, 23 MB). Die Sachen zur Vorratsdatenspeicherung finden sich ab Seite 31. Wie aus dem Anschreiben des BMJ hervorgeht, ist die offizielle Vorstellung des Entwurfs nächste Woche geplant. Im Wesentlichen hat die Bundesregierung die Vorgaben der umstrittenen EU-Richtlinie wörtlich übernommen, Internet-Provider haben Zeit bis 15. März 2009 zur Umsetzung, aber sie bekommen keine pauschale Kostenerstattung für die notwendigen Speicherkapazitäten. Lediglich bei konkreten Abfragen soll es eine Erstattung geben. Der Umfang wird hier sehr präzise auf „zwischen 500 und 10.000“ Anfragen pro Jahr geschätzt.
-
: Einführung in den WIPO-Broadcast-Völkervertrag
: Einführung in den WIPO-Broadcast-Völkervertrag Vor zwei Wochen erschien bei Ars Technica der empfehlenswerte Artikel „Understanding the WIPO Broadcast Treaty“. Der Titel sagt schon einiges über den Inhalt aus.
Your rights are in danger. That’s the message that activist groups have been spreading as the World Intellectual Property Organization moves tortoise-like towards the completion of a new broadcasting treaty that could curtail the ways that consumers use media and could create a broad new intellectual property right over electromagnetic transmissions that could last for 50 years.
That’s a scary story, but it’s not the complete one. WIPO has been working on this treaty for almost a decade, but thanks to pressure from certain countries and from the activist groups who have worked tirelessly to alter a treaty that the public cared little about, significant new changes were made in the last few weeks that will affect the ultimate shape of the treaty.
This is the story of where that treaty came from, what it says, how it has been altered, and where it’s going next. While it sounds esoteric, the treaty could have immediate real-world effects on everything from recording TV sitcoms to producing the Daily Show to limiting the public domain. So strap yourselves in, and let’s take a tour of WIPO.
-
: Kanzlerinnen-Podcasts müssen nicht logisch sein
: Kanzlerinnen-Podcasts müssen nicht logisch sein Unsere Kanzlerin liefert endlich mal mit ihrem Video-Podcast prima Material für Datenschutz-Mash-Ups. Heise fasst die aktuelle Folge kurz zusammen: Merkel plädiert für mehr Überwachung trotz hoher Sicherheit.
„Eigentlich läuft alles ganz prima, aber trotzdem brauchen wir mehr Überwachung“, lautet die saloppe Kurzfassung des aktuellen Video-Podcasts der Bundeskanzlerin (Textversion).
-
: Chronologie der Wahlcomputer-Geschichte
: Chronologie der Wahlcomputer-Geschichte FH hat in seinem Blog eine Chronologie der aktuellen Wahlcomputer-Geschichte beginnend Anfang Oktober in Holland erstellt: “Der Wahlcomputer eröffnete mit d2-d4.” Sehr schön.
Und Andreas widerspricht in seinem Blog die Darstellung der PTB, der Chaos Computer Club sei unkooperativ gewesen.
-
: Interview zu Wahlcomputern in der c´t
: Interview zu Wahlcomputern in der c´t Richard Sietmann hat für die c´ t den Direktor der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Dieter Richter, zu den Wahlcomputern befragt. Die PTB ist für die Prüfung der Wahlcomputer zuständig. Und das Interview ist grossartig, die haben echt ein
kleinesgrosses Problem: „Eine neue Situation“.c’t: Glauben Sie, dass das E‑Voting für politische Wahlen noch zu retten ist?
Richter: Das geht jetzt über die Ebene hinaus, auf der ich aus Sicht der PTB antworten kann. Denn E‑Voting – in welchen Formen auch immer – ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine Frage des Vertrauens in das, was für den Wähler nicht mehr transparent nachvollziehbar ist. Dieses Vertrauen muss vermittelt werden können. Es reicht nicht, ein von Spezialisten nachvollziehbares, sicheres technisches System zu haben. Wenn es nicht gelingt, dieses Vertrauen zu vermitteln, dann stellt sich in der Tat die grundsätzliche Frage der sozialen Akzeptanz und des politischen Willens, wo man hinwill.
Im Moment gibt es noch nicht mal ein „von Spezialisten nachvollziehbares, sicheres technisches System“.
-
: Remix Lessig (english version)
: Remix Lessig (english version) Beginning of last week we had the opportunity to interview Lawrence Lessig in Berlin. Lawrence Lessig is author of several books, US-American law professor at the Stanford Law School and joint founder of Creative Commons. At present for the timespan of a year he resides as Fellow at the American Academy in Berlin. He withdrew himself to write two further books. Despite a cold and some coughs he reserved nearly one hour to explain different topics in detail.
-
: Mogeln mit Wahlcomputern
: Mogeln mit Wahlcomputern Telepolis hat einen gut geschriebenen Artikel über die Wahlcomputerthematik: E‑Mogling – Warum Computer nicht das „Mittel der Wahl“ sind.
Bei den US-Wahlen sind die Macken der Wahlcomputer bereits ein Running Gag, in Holland kann man darüber weit weniger lachen. Dass auch deutsche Wahlen bereits per Computer stattfinden, erstmals am 13. Juni 2004, ist den meisten Bundesbürgern dagegen gar nicht bewusst geworden. Doch sind die computerunterstützten Wahlen prinzipiell nicht gegen unbemerkt bleibende Manipulationen zu schützen.
-
: Was bedeuten die neuen Mehrheitsverhältnisse für US-Netzpolitik?
: Was bedeuten die neuen Mehrheitsverhältnisse für US-Netzpolitik? Bei CNet gibt es einen Report über die neuen Mehrheitsverhältnisse im US-Senat und Repräsentantenhaus nach den Wahlen in dieser Woche und was dies für Technologie-relevante Debatten bedeutet: What the Democrats’ win means for tech.
But now that this week’s elections have switched control of the House back to the Democrats–and they appear to have seized the Senate as well–the outlook for technology-related legislation has changed dramatically overnight. On a wealth of topics–Net neutrality, digital copyright, merger approval, data retention, Internet censorship–a Capitol Hill controlled by Democrats should yield a shift in priorities on technology-related legislation.
[…]
Hollywood tends to be solidly Democratic: Employees of companies like Viacom, Walt Disney and Vivendi Universal consistently write checks to Democratic politicians over Republicans, by a 2‑to‑1 margin. But in practice, Republican politicians have been nearly as enthusiastic about helping Hollywood. It was Sen. Ted Stevens, an Alaska Republican, who endorsed the so-called broadcast flag for television in January. It was a New Jersey Republican, Rep. Mike Ferguson, who introduced the legislation for digital radio two months later, and another from North Carolina, Rep. Howard Coble, who co-sponsored a plan in mid-2002 to let copyright holders disable PCs used for illicit file trading. And Sen. Orrin Hatch, a Republican, once called for remotely destroying pirates’ computers.
-
: Brasilien übertrifft China bei Klartextnamenszwang (fast)
: Brasilien übertrifft China bei Klartextnamenszwang (fast) Nicht nur bloggende Chinesen müssen sich im Internet bald mit Realnamen registrieren, auch in Brasilien wäre es beinahe so, oder noch einen Zacken schärfer gekommen:
Die Kommission für Verfassung und Justiz des Senats in Brasilien hat am Mittwoch den umstrittenen Gesetzentwurf 124/06 noch vor seiner Debatte zurückgezogen. Er forderte die persönliche Identifizierung der Internetnutzer und drohte bei Nichtbeachtung mit Knaststrafen von einem bis zu vier Jahren. Das Projekt des Sozialdemokraten Eduardo Azeredo hatte Kritikstürme ausgelöst. […] Mit dem Gesetz wären alle Internetnutzer unter Generalverdacht gestellt worden. Unter Androhung von Haftstrafen bis zu drei Jahren hätte sich jeder gegenüber dem jeweiligen Provider mit Name und Adresse identifizieren müssen, bevor er eine Email verschicken, einen Chatroom besuchen oder einen Blog betreiben kann. Die Provider hätten die Daten zunächst prüfen müssen, bevor sie dem Nutzer ihren Service anbieten dürften. Diese Daten sollten mit den Verbindungsdaten drei Jahre für die Polizei vorgehalten werden. Die Provider sollten für die Echtheit der Daten haftbar sein und bestraft werden können, wenn der Gesetzesbrecher nicht ermittelbar wäre.
Herb. Dabei sind die Brasilianer doch sonst viel besser drauf, so als Open Source Nation. Jetzt muss man da wohl differenzieren nach guten und bösen Abgeordneten. Oder nach Regierungen, die sowas rechtzeitig ablehnen und die Zivilgesellschaft an der unausweichlichen Debatte beteiligen wollen.
[gesehen gestern bei Telepolis]
-
: Aktion:Remixt Lessig!
: Aktion:Remixt Lessig! Anfang letzter Woche hatten wir die Chance, ein Interview mit Lawrence Lessig in Berlin zu machen. Lawrence Lessig ist Autor mehrerer Bücher, ein US-amerikanischer Jura-Professor an der Stanford Law School und Mitgründer von Creative Commons. Im Moment ist er für ein Jahr Fellow an der American Academy in Berlin und hat sich hierher zurückgezogen, um zwei weitere Bücher zu schreiben. Trotz Erkältung und Husten hatte er sich fast eine Stunde Zeit genommen, verschiedene Themen ausführlich zu erklären. Auch wenn wir gerne noch viel mehr Themen angeschnitten hätten.
Das Ergebnis ist hier zu sehen. Ich habe das ganze Interview in kleine Teile geschnitten, so dass immer ein Block aus Frage und Antwort besteht. Beim schneiden kam die Idee, das ganze Interview gleich unter die Creative Commons Lizenz zu stellen, die am meisten Freiheit gewährt und alles zum Remixen unter der CC-Namensnennung auch zur kommerziellen Nutzung frei zu geben. Die einzelnen Blöcke sind alle als .dv-Dateien in einem beinahe unkomprimierten Zustand (Vorsicht: Teilweise sind die Dateien über 1 GB gross!**). Gleichzeitig finden sich hier bearbeitete Versionen in OGG Theora und weitgehend als AVI mit dem NetzpolitikTV-Intro, was der Wetterfrosch mal erstellt hatte.***
Es gibt sicherlich viele Leser und Leserinnen, die begnadeter im Videomixen sind als ich es mit meiner knappen Zeit im Moment bin und wahrscheinlich jemals sein werde. Deshalb macht damit, was Ihr wollt: Die einzige Regel ist, die Creative Commons Namensnennungs-Lizenz zu befolgen. Alle Remixe müssen einen Verweis auf netzpolitik.org haben*. Das ist alles. Das Videomaterial kann mit Unterstiteln versehen werden, anders zusammengestellt werden, man kann meine Rolle als Interviewer einnehmen und bessere Fragen stellen, man kann Musik unterlegen, Special-Effects einfügen, einzelne Teil-Aspekte in eigene Videoproduktionen eingebunden werden oder wieso nicht eine Best-of-Zusammenfassung machen? Ich bin gespannt, was dabei kreatives herauskommt. Ergebnisse können und sollen am besten in den Kommentaren verewigt werden.
Und hier ist das Interview:
-
: DRM: What is it good for
: DRM: What is it good for Fred von Lohmann von der EFF war zu Gast bei Cory Doctorows Univorlesung und es gibt jetzt eine MP3-Datei des Vortrages zum Thema „DRM: What is it good for“.
-
: erste Reaktionen auf TK-Überwachung und Vorratsdatenspeicherung
: erste Reaktionen auf TK-Überwachung und Vorratsdatenspeicherung Update: Mehr Reaktionen auch aus den Parteien gibt es bei Heise.
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat auf die Vorlage zur Neuregelung der TK-Überwachung und der Vorratsdatenspeicherung reagiert:
Zypries treibt verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung voran
Mittwoch, 8. November 2006. Mit dem am Mittwoch vorgestellten Gesetzentwurf zur Reform der Telekommunikationsüberwachung will Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die langfristige Protokollierung von Telefon‑, Handy‑, Email- und Internetdaten durchsetzen, obwohl anhängige Gerichtsverfahren voraussichtlich deren Verfassungswidrigkeit ergeben werden. „Damit nimmt Frau Zypries einen Verfassungsbruch bewusst in Kauf“, protestiert der Jurist Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.
Das Bundesverfassungsgericht hat bereits entschieden, dass ein systematisches Ansammeln sensibler Daten ohne konkreten Verdacht verfassungswidrig ist (Az. 1 BvR 330/96, 1 BvR 518/02). Aktuell liegt dem Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten vor (Az. 1 BvR 1299/05). Zweitens wird zurzeit gegen die Europäische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung geklagt (Az. C‑301/06). Rechtsexperten erwarten, dass der Europäische Gerichtshof nach der Entscheidung zur Fluggastdatenübermittlung auch die Vorratsdatenspeicherung kippen wird. (…)
Obwohl selbst ein wissenschaftliches Gutachten des Bundestags die Zulässigkeit der geplanten Totalprotokollierung der Telekommunikation bezweifelt, treibt die heimliche Innenministerin ihr Lieblingsprojekt unbeirrt voran. Bei der Präsentation des Gesetzentwurfs am heutigen Tage schreckte Frau Zypries auch vor falschen Behauptungen nicht zurück:
a) Falsch ist, die Vorratsdatenspeicherung würde auf dem „niedrigsten Level“ umgesetzt. Richtig ist, dass jeder Verdacht einer am Telefon oder im Internet begangenen Straftat eine Datenabfrage rechtfertigen soll, obwohl die EG-Richtlinie einen Zugriff nur bei schweren Straftaten vorsieht. Frau Zypries will hier offenbar nicht Terrorismus, sondern telefonische Beleidigungen und ähnliche Bagatellvergehen aufklären.
b) Falsch ist, die vorgesehene Datensammelei würde zu 98% schon heute so praktiziert. Richtig ist, dass heute nur Abrechnungsdaten gespeichert werden dürfen und auch diese auf Wunsch monatlich gelöscht werden – anstatt erst nach einem halben Jahr wie von Frau Zypries geplant. Die meisten der Daten auf der Wunschliste der Ministerin sind keine Abrechnungsdaten und dürfen bislang überhaupt nicht gespeichert werden, etwa Positionsdaten von Handys, Emaildaten und Internetdaten. (…)
Der AK VDS bereitet derzeit eine Sammel-Verfassungsbeschwerde vor für den Fall, dass das Gesetz in Kraft tritt. Auf einem speziellen Internet-Portal man darüber hinaus seinen Protest an alle Abgeordneten der Großen Koalition schicken.
-
: PrivacyDongle
: PrivacyDongle Der Foebud e.V. bietet in seinem Shop jetzt auch den PrivacyDongle an. Das ist die Software Torpark auf einem USB-Stick gepackt. Ob der 20 Euro teure USB-Stick auch Foebud-gebrandet ist, war der Webseite und der Pressemitteilung nicht zu entnehmen.
-
: nerdalert zu Videoüberwachung
: nerdalert zu Videoüberwachung Gestern gab es wieder den nerdalert im freien Hamburger Radio FSK. Hauptthema der Sendung war Videoüberwachung und als Gast im Studio war Nils Zurawski vom Institut für kriminologische Sozialforschung und Mitblogger beim Surveillance Studies Blog.
Die Sendung ist im Ogg-Format in zwei Teilen verfügbar.
[Danke an Serge]
-
: Schäuble: Die innenpolitischen Schwerpunkte für das erste Halbjahr 2007
: Schäuble: Die innenpolitischen Schwerpunkte für das erste Halbjahr 2007 Unser Innenminister Wolfgang Schäuble hat im Innenausschuss des Bundestages die „innenpolitischen Schwerpunkte für das erste Halbjahr 2007″ vorgestellt. Vor allem die folgende Formulierung bei „Heute im Bundestag“ ist durchaus interessant, offenbart sie doch eine grandiose Logik:
Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft stelle sich auch die Aufgabe eines neuen Passagier-Daten-Abkommens mit den USA. Hier setze er auf eine vertrauliche Zusammenarbeit. Wer dagegen die USA auf die Anklagebank und sich selbst auf den Richterstuhl setze, mache die Situation hoffnungslos. Außerdem könnten die Vereinigten Staaten darauf verweisen, dass mit ihrer Regelung dort seit dem 11. September 2001 nichts Gravierendes mehr passiert sei.
Eine super Legitimation für alles, was an Bürgerrechtsabbau bisher stattgefunden hat.
-
: Release The Music
: Release The Music Die britische Open Rights Group hat eine Kampagne gegen die Verlängerung der Urheberrechtsschutzfristen gestartet: Release The Music.
Term extension would:
* Starve the public domain, stopping people from reusing, remixing and mashing up old recordings
* Stop performers and composers from re-releasing their own public domain out-of-print works
* Stop businesses from conserving and re-releasing old material
* Give the major labels more power over our musical culture
* Stifle innovation in the distribution of recorded musicWe believe that any extension to the term of copyright protection for sound recordings would be highly damaging to artists and the public good. We hereby request that you publicly reject all demands from all parties for any extension, retrospective or prospective, to the term of copyright protection for sound recordings.
-
: Zypries im Deutschlandradio zum zweiten Korb
: Zypries im Deutschlandradio zum zweiten Korb Bundesjustizministerin Zypries hat die aktuelle Urheberrechts-Gesetzesnovelle im Deutschlandradio Kultur verteidigt: „Urheberrecht muss fit werden für die digitale Gesellschaft“.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat die geplante Gesetzesnovelle zum Urheberrecht verteidigt. Im Deutschlandradio Kultur sagte sie am Dienstag, die „digitale Welt“ sei im geltenden Gesetz noch nicht abgebildet: „Es war unser Hauptansatzpunkt zu sagen, das Urheberrecht muss fit werden für die digitale Gesellschaft“.
Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man die Formulierung auch dahin deuten, dass nach dem 2.Korb endlich mal eine dritte Urheberrechtsreform gestartet wird, um das Urheberrecht tatsächlich für das digitale Zeitalter fit zu machen. Im Moment gibt es ja nur Kosmetikkorrekturen des ersten Korbes.
Das Gespräch gibt es hier als MP3.
-
: Hacking Democracy
: Hacking Democracy Vor wenigen Tagen lief im US-Fernsehsender HBO eine Dokumentation zum Thema Wahlcomputer: Hacking Democracy. Diese findet sich jetzt bei Google-Video in gross und hier in klein:
Bei Google-Video kann man auch gleich die ganze Dokumentation herunterladen.
[Danke blogophob]