Öffentlichkeit

Meinungs- und Pressefreiheit, Zensur, Menschenrechte, Whistleblowing, Transparenz, Öffentlichkeitswandel, Datenjournalismus und Open Data.

  • : Kann man den alten Mann nicht mal in Rente schicken?
    Kann man den alten Mann nicht mal in Rente schicken?

    Ein alter Mann, der nicht versteht, was im digitalen Zeitalter passiert, hat grosse Angst. Angst vor dem Internet und den ganzen Möglichkeiten und deswegen muss was getan werden. Am besten sofort, denn Terroristen bevölkern schon das Internet, „setzen es für die Ausbildung von Attentätern und die Vorbereitung von Anschlägen ein“ und bauen virtuelle „Trainingscamps“. Wahrscheinlich auch schon bei Second Life. Und Wolfgang Schäuble steht sitzt hilflos da und droht. Mit noch mehr Sicherheit und Kontrolle, denn ein freies und offenes Internet könnte ja die demokratische Grundordnung unseres „Abendlandes“ zerstören.

    Aber jetzt mal im Ernst: Kann man denn mal bitte in Rente schicken – am besten sofort? Was man bei Beckstein mit seiner Killerspiele-Rhetorik noch als bayrische Folklore abstempeln kann, wird bei Schäuble richtig gefährlich. Der meint das richtig ernst und hier gehts nicht um irgendwelche Spiele, die schon verboten sind oder nur Räuber und Gendarm virtualisieren, sondern um ein freies und offenes Internet.

    Vollkommen unverständlich finde ich, dass das Bundesinnenministerium diese Rede noch nicht online verfügbar gemacht hat.

    8. Dezember 2006 6
  • : Das Web 3.0 und die Daten-Maut
    Das Web 3.0 und die Daten-Maut

    Eine schöne Beschreibung der Debatte rund um die Netzneutralität gibt es von Frank Patalong bei Spiegel-Online zu lesen: Der böse Traum vom Zwei-Klassen-Internet.

    Das wichtigste Argument gegen den Wegfall der Net Neutrality ist aber, dass dies den Status Quo im Netz zementieren würde: Wer Geld hat, hätte weiter Chancen auf Erfolg, wer keines hat, stünde auf dem Abstellgleis. Die Erfolgsgeschichten von heute reichen Unternehmen wie Amazon, Yahoo, Google, eBay, MySpace oder YouTube hätten unter solchen Bedingungen womöglich nie stattgefunden. All dies waren Firmengründungen durch pfiffige Jungunternehmer mit guten Ideen, während um sie herum viele der oft mediokren Ausgründungen finanzstarker Unternehmen im digitalen Orkus verschwanden.

    Das ist Survival of the Fittest, wie man es sich wünscht. Was die Telkos offenbar weltweit planen, wäre dagegen Survival of the Richest.

    8. Dezember 2006 3
  • : EUCD Best Practice Guide
    EUCD Best Practice Guide

    Es gibt jetzt den „EUCD Best Practice Guide“. Der Report beschreibt, wie die Europäische Urheberrechstrichtlinie in verschiedenen Ländern in nationale Gesetzgebung umgesetzt wurde und formuliert „Best Practive“-Empfehlungen.

    A new report by Berkman Faculty Fellow Urs Gasser and Berkman affiliate Silke Ernst (both at the St. Gallen Research Center for Information Law) provides a set of recommendations for transposing the EU Copyright Directive (EUCD) into the national copyright frameworks of accession states and candidate countries. The guide, which could also inform future law reform in existing member states and is related to stock-taking studies such as the Gowers Report and the forthcoming official review of the EU Copyright Framework, is sponsored by the Open Society Institute and builds upon prior work by the Berkman Center’s Digital Media Project.

    The study, focusing on digital copyright, includes specific recommendations in controversial areas such as DRM anti-circumvention frameworks, private copying exceptions, teaching exceptions, exceptions for disabled people, exceptions for archives and libraries, as well as recommendations on issues such as reporting on current events, the quotation right, and provisions on caricature and parody, among others.

    Hier ist der Report als PDF.

    8. Dezember 2006 1
  • : EDRi-gram – Nummer 4.23
    EDRi-gram – Nummer 4.23

    European Digital Rights hat das neue EDRi-gram, Nummer 4.23 vom 6. Dezember 2006 mit den folgenden Themen veröffentlicht:

    * Google accused in Italy over shock video
    * EDPS warns against EU endangering data protection principles
    * French ISPs need to block websites
    * Hungary’s President says no to the PNR agreement
    * Google has taken steps to settle the Belgium lawsuit
    * France – Using Social Security number to identify medical records
    * Article 29 Working Party expressed its opinion in the SWIFT case
    * Britain takes another step toward a new Bill of Rights
    * EU Commission wants to push fight against spam
    * France Parliament shifts to open source software
    * Campaign launched in UK to opt out of central medical database

    6. Dezember 2006
  • : UK: The Big Opt Out – Kampagne
    UK: The Big Opt Out – Kampagne

    In Grossbritanien gibt es seit letzter Woche die „The Big Opt Out – Protect your privacy and campaign to preserve medical confidentiality“-Kampagne. Das Ziel ist, eine zentral Datenbank mit medizinischen Daten im Gesundheitssystem zu verhindern und den Schutz der Privatsphäre aller Patienten zu stärken. Britische Bürgerrechtsorganisationen wie die foundation for information policy research (fipr) und No2ID stecken hinter der Kampagne.

    6. Dezember 2006
  • : Liebe Viviane Redding…
    Liebe Viviane Redding…

    Man glaubt es ja kaum, wenn die EU-Medienkommissarin Viviane Reding auf der „ITU Telecom World“ in Hong Kong ein Loblied auf Freie Software, neue Kollaborationsformen und User-Empowerment singt: Web 2.0 fördert die Wissensverbreitung. Etwas abgemildert kann man auch sagen, dass sie vor dem Youth-Forum geredet hat und dort eventuell mit ihren üblichen Reden viel mehr Kritik ausgesetzt worden wäre, als wenn sie vor der Contentindustrie spricht.

    Und da wir verschiedene Aussagen sicherlich nicht so schnell wieder hören, gibt es hie rmal ein paar Zitate zum dran erinnern:

    1) Young people define the Information Society – For me, the young generation is at the heart of creativity, innovation, social and economic progress in our global village.

    Schade dass die jungen Menschen so gut wie kein Mitspracherecht bei der Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen haben. Sicher würden die Gesetze Innovationsfreundlicher ausfallen, als es im Moment meist der Fall ist.

    Dann folgt ein längerer Teil Web 2.0 – der neuen Welle. Am interessantesten ist davon sicherlich dies:

    Web 2.0 is also a major disruptive force on the content side. On-line piracy is today the plague of the content industry in the broadband age. Hollywood claims that it lost $8 billion last year to piracy. The record industry estimates that almost 20 billion songs were illegally downloaded in 2005. The music industry has been particularly hard hit with global sales declining steadily over recent years, 2005 recorded a further 3% fall worldwide.

    Hier ist es eher unpassend, offensichtliche Propagandazahlen zu nutzen, die schon vielmals widerlegt wurden. Aber das ist meine Meinung.

    Many young people think that content should be free. In their view, piracy is directed towards the well padded wallets of rich industrialists. But, they forget that the vast numbers of struggling musicians, actors, designers and film makers depend upon copyright protection systems to make a living. Without protection of intellectual property rights there cannot be creativity and content.

    Man könnte die Frau auch daran erinnern: Viele junge Menschen denken, dass Filesharing so legal sein müsste wie das aufnehmen von Musik aus dem Radio, als wir noch jünger waren. Oder der Austausch von Kassetten und CDs auf den Schulhöfen, bevor die Privatkopie mit der Europäischen Urheberrechtsdirekte und Kopierschutzsystemen politisch und technisch abgeschafft wurde. Und es meist unverständlich ist, weshalb dafür jetzt bis zu drei Jahre Gefängnis drohen sollen. Hier müssen neue Formen her, die Künstler, Musiker, Designer, Filmemacher und andere Kompensieren, aber trotzdem Freiheiten erhalten. Aber kein Knast.

    On the other hand, it is clear that our system of intellectual property protection has not kept pace with progress. Content production based on the reuse of existing materials – such as sampling or mash-ups – is also creative and should not be penalised per se. Open source software developers should not face excessive, criminalising measures when they unintentionally infringe software IPRs rights hidden away inside of the systems that they use. Governments should also look more positively at the social, creative and economic benefits of the Linux movement.

    Ja genau. Das sagen wir auch immer: Die derzeitige (und in Deutschland auch zukünftige) Urheberrechtsgesetzgebung ist von gestern, auch wenn sie gerade erst renoviert wird. Danach ist sie eigentlich noch mehr von gestern als heute. Das mit der Kreativität von MashUps und Sampling ist auch eine tolle Sache, allerdings vollkommen unkompatibel mit Digital Restriction Management Systemen, wie Frau Redding sie in anderen Reden gerne wünscht und politisch unterstützt! Erfreulich ist das Bekenntnis für Freie Software und die damit verbundenen neuen kollaborativen Innovationsprozesse.

    Kommen wir zu ihren Schlussfolgerungen:

    There is much that ICTs can do for young people. But to paraphrase, John F. Kennedy, „ask not what ICTs can do for you but what you can do for society with ICTs“.

    I believe these are exiting times to be young. The ICT industry itself has been in permanent revolution for the past 40 years. The revolutions seem to be speeding up. There are opportunities for your generation also to make an impact and to help rewrite the rules of the game. I hope some of those present today will be amongst the business leaders of tomorrow.
    […]
    I admit that this is a dream, but shared dreams often can come true, if you believe in them. And it is the young people that have the energy and the vision to make these dreams real.

    Liebe Frau Frau Redding, wir machen das schon. Wichtig sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, dass wir auch kulturelle, soziale und technische Innovationen machen dürfen. Und dabei nicht mit einem Bein im Knast stehen, vor dem Eintritt in das Berufsleben in die Pleite abgemahnt wurden oder die Angst mitspielt, irgendwas zu revolutionieren. Die Wissensgesellschaft wäre schon viel weiter, wenn viele Firmen und freie Projekte nicht ständig Angst davor hätten, mit neuen Produkten von der Film- oder Musikindustrie vom Markt geklagt zu werden.

    Ich würde ihr das ja auch gerne mal persönlich sagen, mit ihr darüber diskutieren und sie auch mal loben und nicht immer nur kritisieren. Aber vermutlich werde ich sie niemals offline treffen. Also bleibt es nur bei diesem schnell geschriebenen Blog-Eintrag.

    6. Dezember 2006 4
  • : FAZ-Interview: SWIFT und Datenschutz?
    FAZ-Interview: SWIFT und Datenschutz?

    Das wollte ich gestern schon bloggen: Datenschutz von unbekanntem Ausmaß bei SWIFT. Der kaufmännische Direktor von SWIFT, Francis Vanbever, hat der FAZ ein Interview gegeben.

    Vanbever wehrte sich nun in dem FAZ-Interview gegen die Kritik der Datenschützer, die die dem belgischen und europäischen Datenschutzrecht unterliegende Genossenschaft gerügt hatte, „undurchsichtige, systematische, massive und dauerhafte“ Abwanderung von Daten zu dulden. Gegen diesen Vorwurf erklärte Vanbever: „Wir geben immer nur das weiter, wozu uns die behördliche Beschlagnahmeanordnung im Rahmen der Terrorismusbekämpfung zwingt.“ Dabei werde von Juristen geprüft, ob die Abfrage korrekt sei. Gleichzeitig würde über ein beauftragtes drittes Unternehmen sichergestellt, dass die Daten nicht an Unberechtigte weitergegeben werden. Den Namen dieses Unternehmens nannte Vanbever nicht.

    Leider klappt der Link bei Heise zum FAZ-Interview nicht mehr – kann mir jemand die Originalquelle schicken? Ich würde nämlich gerne wissen, ob mit dem nicht namentlich genannten Unternehmen „Booz Allen Hamilton“ gemeint ist. Im Oktober hatte ich schonmal das Unternehmen und seine Tätigkeit für SWIFT beschrieben: SWIFT wird von Ex-CIA kontrolliert?

    5. Dezember 2006 2
  • : Wahlcomputer-Debatte in der SZ
    Wahlcomputer-Debatte in der SZ

    Auf Sueddeutsche.de gibt es heute ein Update der allgemeinen Wahlcomuter-Debatte. Für aufmerksame Leser dieses Blogs gibts da nichts neues, aber eine gute Zusammenfassung der letzten Wochen: Einzelne Wahlcomputer sind manipulierbar – System der kollektiven Sicherheit.

    Die Sicherheit komme durch die menschlichen Kontrollen: die Geräte stünden im Wahllokal unter ständiger Aufsicht und würden ansonsten vom Staat sicher verwahrt. Ein System der kollektiven Sicherheit sozusagen. Und dann verweist Schluze Geiping noch auf den Abschreckungseffekt: „Eine Manipulation der Geräte, egal an welcher Stelle im Prozess, ist gesetzeswidrig und wird strafrechtlich verfolgt.“

    Dennoch ist man auch in Deutschland ins Grübeln gekommen. „Wir würden jetzt, in dieser neuen Lage, dem Innenministerium nicht mehr raten, die Erklärung, dass die Geräte noch ausreichend sicher sind, ohne Einschränkung abzugeben“, sagte Dieter Richter, Fachbereichsleiter „Metrologische Informationstechnik“ bei der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in einem c’t‑Interview zu dem spektakulären Hack.

    5. Dezember 2006 5
  • : Lokale Färbungen Zensur der chinesischen Wikipedia
    Lokale Färbungen Zensur der chinesischen Wikipedia

    Die Wikipedia wird von China aus mal blockiert, und mal nicht. Das ist man gewöhnt, das macht kaum Schlagzeilen. Der eigentliche Kampf um die Inhalte wird vermutlich auch von den Netz-Zensoren geführt, die in China teils undercover, auf jeden Fall aber zahlreich unterwegs sind. Beim Linuxinsider.com liest man über das Beispiel von Mao Zhedong (Mao Tse-tung, 毛泽东/毛澤東):

    Indeed, in its present form, the Chinese Wikipedia introduction to Mao could hardly be more anodyne: „One of the main founders and leaders of the Communist Party of China, the People’s Liberation Army and the People’s Republic of China,“ it reads. „He introduced a series of political movements such as the Great Leap Forward and the Cultural Revolution. He had a great influence over 20th-century China and the world.“

    On the evidence of entries like this, for the moment, the fight over editorial direction of Wikipedia in Chinese is being won by enthusiasts who practice self-censorship.

    Auch das verwundert nicht. Zensur funktioniert nicht gut, wenn sie alleine von einer Instanz geführt und betrieben wird. Wenn allzu heikle Themen immerzu vermieden werden (hier z.B. von den gemeinen Leuten auf der Straße, den Intellektuellen, Ausländern, Touristen, …) dann funktioniert sie am besten und am schärfsten. Soziale Kontrolle wirkt wie eine Schere in den Köpfen. Man einigt sich auf einen kleinen gemeinsamen Nenner, der möglichst Implikationen vermeidet.

    Die üblichen heißen und gemiedenen Themen sind natürlich Erstbesiedlung und heutiger Status von Taiwan (das selbstredend ein eigenständiger, souveräner Staat ist, außer in den Augen der chinesischen Regierung), das Tiananmen-Massaker von 1989, und anderes. Erstaunlich auch, dass die Inhalte der chinesischen Wikipedia vor allem von Überseechinesen erstellt werden. Dazu Jimbo Wales:

    said that divergence was not unique to China; English- and French-language entries on the same topics in some cases began quite differently but over time became similar the broader the access. He expects the same phenomenon to affect Chinese entries.

    Dann kann die Zukunft ja besser werden. Immerhin steht nach wie vor fest, dass Taiwan die technologische Führung übernommen hat. Schließlich ist es Republik, seit zwei Jahrzehnten demokratisch und respektiert die Menschenrechte.

    [via]

    4. Dezember 2006 2
  • : Iran sperrte Wikipedia und andere Seiten
    Iran sperrte Wikipedia und andere Seiten

    Im Iran gab es wieder massive Internet-Sperrungen. U.a. wurde die englischsprachige Wikipedia für einen Tag ausgeblendet, dazu noch Seiten wie Amazon, Imdb, Youtube und die NYT. Mehr dazu im britischen Guardian: Censorship fears rise as Iran blocks access to top websites

    Last week Mohammed Tourang, head of the information bureau’s cultural committee, warned Iranian websites of stricter rules by announcing steps to stamp out „immoral and illegal“ content. He said site owners would be given official reminders to eliminate forbidden material. Special attention would be paid to content judged to be a threat to national unity or insulting to sacred religious texts and symbols. Students and academics say the move limits their ability to conduct research.

    4. Dezember 2006
  • : The Politics of „Identity Governance“
    The Politics of „Identity Governance“

    Ralf Bendrath hat in seinem Blog einen lesenswerten englisch-sprachigen Beitrag zum Thema „The Politics of „Identity Governance““ veröffentlicht.

    4. Dezember 2006
  • : Wiederholung: Wer hat meine Daten?
    Wiederholung: Wer hat meine Daten?

    Am Montag Abend wiederholt der WDR um 22:30h im Fernsehen die Dokumentation „Wer hat meine Daten? – Wie wir täglich ausspioniert werden“. Die Doku lief schonmal im Sommer in der ARD.

    Einige Dinge darf jeder wissen: Geburtstag, Wohnort und Beruf beispielsweise. Doch darüber hinaus sind von jedem von uns Hunderte von Daten im Umlauf. Jeder Kauf mit Kundenkarte, jeder Besuch auf Internetseiten hinterlässt Spuren, die von Datenhändlern begierig gesammelt, ausgewertet und verkauft werden. Erfasst, kategorisiert und gespeichert: Jeder Bürger besteht in unzähligen Datenbanken längst nur noch aus Zahlenreihen; Bild: WDR/SchützVorlieben, Leidenschaften, selbst geheime Wünsche von jedem von uns werden gespeichert und in Umlauf gebracht, zu Nutzerprofilen zusammengefasst und transparent gemacht.

    Erfasst, kategorisiert und gespeichert: Jeder Bürger besteht in unzähligen Datenbanken längst nur noch aus Zahlenreihen; Bild: WDR/SchützDer Journalist Erich Schütz hat zusammen mit Detlev Koßmann seine eigenen Datenspuren verfolgt und war verblüfft, was mit seinen Daten so alles passiert. die story ist ein spannender Selbstversuch, der beklemmende Aussichten für die persönliche Freiheit zeichnet.

    3. Dezember 2006 4
  • : Bündnis 90/Die Grünen unterstützen Anti-Wahlcomputer-Petition
    Bündnis 90/Die Grünen unterstützen Anti-Wahlcomputer-Petition

    Der grüne Parteitag, auch Bundesdelegiertenkonferenz genannt, hat gestern Abend diesen Beschluss angenommen: „Keine Stimmabgabe mit Wahlgeräten“ (PDF).

    Darin heisst es kurz: „Bündnis 90/Die Grünen unterstützen die in den Bundestag eingebrachte Petition gegen eine Stimmabgabe mit Wahlgeräten“.

    2. Dezember 2006 4
  • : Telekommunikationsgesetz verabschiedet
    Telekommunikationsgesetz verabschiedet

    Gestern hat der Bundestag eine Reform des Telekommunikationsgesetzes verabschiedet. Mit dabei ist die „Lex-Telekom“, auch „Regulierungsferien“ genannt. Mal schauen, was die EU-Kommission dazu noch sagen wird. Aktuell hat sich das US-Wirtschaftsministerium darüber mit einem Brief beschwert.

    Heise: Bundestag verabschiedet Telekommunikationsgesetz.
    Golem: Viel Kritik für neues Telekommunikationsgesetz.
    Heise: Neues Telekommunikationsgesetz erhält viele schlechte Noten.
    Urheberrecht.org: Bundestag beschließt Änderungen zum Telekommunikationsgesetz.

    Verbraucherschutzzentrale: Bundestag: Regulierungsferien und unzureichender Schutz vor Telefonmissbrauch

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat das am heutigen Donnerstag vom Bundestag verabschiedete Telekommunikationsgesetz als Enttäuschung bezeichnet. „Das Gesetz schottet die Deutsche Telekom AG beim Ausbau der Glasfasernetze gegen Wettbewerber ab und bringt nicht die notwendige Verbesserung beim Verbraucherschutz,“ sagte der stellvertretende vzbv-Vorstand Patrick von Braunmühl. Intransparente Preise beim Telefonieren und bei der Nutzung von teuren Telefonmehrwertdiensten stellten für Verbraucher eine erhebliche Kostenfalle dar: „Eine ganze Branche ist darauf spezialisiert, den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen – diesem Treiben setzt die Regierungskoalition keine effektiven Schutzmechanismen entgegen.“

    .

    1. Dezember 2006 1
  • : Anti-Terror-Datei ist heute im Bundestag beschlossen worden
    Anti-Terror-Datei ist heute im Bundestag beschlossen worden

    Die Anti-Terror-Datei ist heute im Bundestag beschlossen worden. Das „Gemeinsame-Dateien-Gesetz“ soll ermöglichen, dass „im Interesse der bestmöglichen Terrorismusbekämpfung“ Polizeien und Nachrichtendienste von Bund und Ländern künftig wesentlich enger zusammenarbeiten dürfen.

    Aus Tagesschau.de: Anti-Terror-Datei kann angelegt werden.

    Der Bundestag hat nach langem Streit die Schaffung einer Anti-Terror-Datei gebilligt. In ihr werden Daten von 38 Polizeibehörden und Geheimdiensten eingespeist. Dabei wird zwischen einer Index-Datei mit Grunddaten über verdächtige Personen und einer erweiterten Datei mit Angaben wie Telefon- und Bankverbindungen, Religionszugehörigkeit, Fahr- und Flugerlaubnissen, Fertigkeiten im Umgang mit Waffen und Sprengstoffen, besuchten Orten und Angaben zu bestimmten Gruppierungen unterschieden.

    Heise berichtet ausführlich über die Debatte im Bundestag: Bundestag verabschiedet neue Anti-Terrorgesetze.

    Schäuble betonte bei der lebhaften 2. und 3. Lesung der Gesetzesentwürfe, dass „der Staat die Aufgabe hat, seine Bürger zu schützen“ und dies mit besseren Möglichkeiten zur Prävention mache. Dies sei „konstitutiv für das Abendland“.

    Bei Schäuble wundert mich ja eigentlich nichts mehr, aber die Verwendung der Vokabel „Abendland“ gerade schon.

    Die Oppositionsparteien stimmten geschlossen dagegen. Hier mal einige Zitate:

    Grüne:

    Wieland brachte die Kritik der Grünen an der gemeinsamen Datei von Polizei und Geheimdiensten auf die Kurzformel: „Viel zu viele Daten über viel zu viele Personen aus viel zu vielen Quellen mit viel zu vielen Zugangsmöglichkeiten.“

    FDP:

    Die Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zeigte sich zugleich „erschüttert“ über das „Geständnis“ der Koalition, längst vorhandene Anträge der Opposition zur sachgemäßen Umsetzung des Karlsruher Urteils überhaupt nicht zur Kenntnis genommen zu haben.

    Linkspartei:

    Sein Kollege von der Linkspartei sprach von einem „traurigen Tag für die Grund- und Freiheitsrechte in diesem Land“.

    Was bedeutet das für den Datenschutz?

    Bereits am 6. November veröffentlichte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar eine Stellungnahme zu einer öffentlichen Anhörung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages: Anti-Terror-Datei – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Überwachungsgesellschaft.

    „Gegen diese Gesetzesvorhaben habe ich erhebliche verfassungs- und datenschutzrechtliche Bedenken. Wenn die Entwürfe Gesetz würden, wäre dies ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine Überwachungsgesellschaft, in der auch solche Bürgerinnen und Bürger als Risikofaktoren behandelt werden, die keinen Anlass dafür gegeben haben. Mit der Antiterrordatei werden die IT-Systeme von Nachrichtendiensten und Polizei technisch miteinander verknüpft. Nach aller Erfahrung ist zu befürchten, dass eine derartige gemeinsame Infrastruktur tendenziell zu einem Vollverbund ausgebaut wird.“

    1. Dezember 2006 2
  • : Morgen: Zu Gast bei Trackback auf Fritz-Radio
    Morgen: Zu Gast bei Trackback auf Fritz-Radio

    Morgen bin ich in der Sendung Trackback auf Fritz-Radio als Gast eingeladen. Trackback ist die wöchentliche Radio-Sendung von Johnny Haeusler von Spreeblick und wird von 18–20 Uhr auf 102,6 MHz (Berlin) ausgestrahlt. Hinterher gibt es einen Podcast der Sendung zum Download.

    In der ersten Stunde werden die Podcastcharts vorgestellt und ich hab gerade gesehen, dass man auch für den Netzpolitik-Podcast abstimmen kann. In der zweiten Stunde reden wir dann über Politik im Netz, die Themen von diesem Blog hier und verschiedene andere Sachen.

    1. Dezember 2006 1
  • : Risikoanalyse bei US-Einreise
    Risikoanalyse bei US-Einreise

    Die EFF warnt vor einer Risikoanalyse bei der Verwertung der Flugpassagierdaten bei der Einreise bzw. Ausreise in die USA: American Travelers to Get Secret ‚Risk Assessment’ Scores.

    „The government is preparing to give millions of law-abiding citizens ‚risk assessment’ scores that will follow them throughout their lives,“ said EFF Senior Counsel David Sobel. „If that wasn’t frightening enough, none of us will have the ability to know our own score, or to challenge it. Homeland Security needs to delay the deployment of this system and allow for an informed public debate on this dangerous proposal.“

    Spiegel-Online berichtet unter Berufung auf AP auch drüber: USA geben Flugpassagieren heimlich Risikonoten.

    Bisher haben die US-Behörden Millionen von Flugpassagieren aus dem Ausland benotet. Dies ergaben Recherchen der Nachrichtenagentur AP zu dem System, das als „Automated Targeting System“ (ATS) bezeichnet wird. Die Noten beruhen auf einer Vielzahl von gesammelten Daten wie Herkunftsort, frühere Reisen oder die Art der Ticketbezahlung. Ein Computerprogramm berechnet aus der gigantischen Flut an Informationen eine Note, die das Risiko eines terroristischen oder kriminellen Hintergrunds bewertet.

    Die Daten sollen „nur“ 40 Jahre vorgehalten werden. Man hat übrigens nicht das Recht, die Daten einzusehen. Und schon gar nicht das Recht zu wissen, was mit den Daten passiert und wer noch darauf Zugriff hat, bzw. erhalten wird.

    1. Dezember 2006 1
  • : Italien scheint Wahlcomputer-Experimente zu stoppen
    Italien scheint Wahlcomputer-Experimente zu stoppen

    Italien scheint alle Experimente mit Wahlcomputern zu beendigen, wie agi.it verkündet: Elections: Amato, stop to electronic voting.

    “We decided to stop the electronic voting machine“. Interior Minister Giuliano Amato announced this during a conference organised by the Assirm, the association of institutes for market research, surveys and social research.

    Amato explains: “During the 2006 elections we experimented with the machines as a voting system, and not a system that counts the sections, without any reference to the legally valid votes. Now that we arrived at the point in which we decide to continue, passing from the experimental phase to the implementation, using the machines for the counting as well, it is obvious: we decided to stop. It is a suggestion that came from the ministerial offices, I presented it to Prodi expressing my opinion as well, the Premier agreed. It will be the triumph of our ancestors, but for someone of my generation it isn’t unpleasant either. Let’s stick to voting and counting physically because less easy to falsify“.

    [via]

    30. November 2006 1
  • : Die Zukunft der Ideen – Macht und Ohnmacht der Kultur
    Die Zukunft der Ideen – Macht und Ohnmacht der Kultur

    Am kommenden Sonntag gibt es um 12 Uhr in der West-Berliner Schaubühne die Veranstaltung/Afterhour „Die Zukunft der Ideen – Macht und Ohnmacht der Kultur“.

    Das Leben im Netz beeinflusst inzwischen auch das Leben derer, die das Netz nicht nutzen. Es greift tief in unser Verständnis und unseren gemeischaftlichen Gebrauch von Kultur ein. Die politischen wie rechtlichen Antworten auf diese Veränderungen hinken dieser Entwicklung hinterher, obgleich das Internet die zentralen Werte und Praktiken unserer Lebenswelt in Frage stellt: Wem gehört das Wissen der Wissensgesellschaft? Wen schützen Eigentumsrechte im Cyberspace? Es tobt ein Kulturkampf über Anarchie und Kontrolle, über Grenzen der Freiheit im Netz. Bedeutet ein unregulierter Zugang zu Ideen anderer Piraterie und Ausbeutung von Künstlern oder ermöglicht diese Offenheit erst Innovation und Kreativität?

    Prof. Lawrence Lessig und Mercedes Bunz im Gespräch mit Carolin Emcke.

    30. November 2006 1
  • : Ausnahmeregelung vom DMCA für Internet Archive
    Ausnahmeregelung vom DMCA für Internet Archive

    Das Internet-Archiv archive.org hat einen „juristischen Sieg“ gegen den DMCA errungen und darf jetzt Computerspiele und andere Software archivieren, endlich ohne Befürchtung, verklagt zu werden. In einem Forumsbeitrag werden die Details bekanntgegeben:

    This is a happy moment, but on the other hand this exception is so limited it leaves the overall draconian nature of the DMCA in effect. […] More formally, Internet Archive has successfully advocated for an exemption to the Digital Millennium Copyright Act (“DMCA”). The DMCA prohibits circumvention of technological measures employed by or on behalf of copyright owners to protect their works (“access controls”). Specifically, 17 U.S.C. §1201(a)(1)(A) provides, in part, that “No person shall circumvent a technological measure that effectively controls access to a work protected under this title.”

    30. November 2006