Die schwarz-rote Koalition führt die Fußfessel für Gewalttäter*innen ein. Sie soll bei einem vom Familiengericht verordneten Näherungsverbot dafür sorgen, dass die Person auf Abstand bleibt.
Das klingt markig, zielgerichtet und gerecht. Schließlich ist es auch moralisch befriedigend, dass bei einem stalkenden und gewalttätigen Partner oder Ex-Partner nicht nur die von der Gewalt betroffene Person sich im Alltag ständig einschränken muss. Sondern auch der Täter an Freiheit einbüßt. Kein Wunder, dass Politiker*innen gerade gerne und viel über die elektronische Fußfessel sprechen. Die Maßnahme lässt sich gut vermitteln.
Um Partnerschaftsgewalt tatsächlich umfassend zu bekämpfen, bräuchte es allerdings viel mehr. Vor allem: mehr Geld. Und den Willen, schon viel früher anzusetzen. Bevor es überhaupt zu einer so gefährlichen Situation kommt. Warum das so ist, darüber haben wir mit dem Kriminologen Florian Rebmann gesprochen. Er sollte es wissen, er arbeitet mit an der bisher umfassendsten Studie zu Femiziden in Deutschland. Er erklärt, warum nur ein sehr geringer Anteil dieser Tötungen mit einer Fußfessel hätte verhindert werden können – und wie viel mehr die Politik zusätzlich tun müsste.
Ich fand das Gespräch mit ihm sehr aufschlussreich und hoffe, dass ihr auch etwas daraus mitnehmen könnt.
Herzlichen Gruß
Chris
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Die EU-Kommission zwingt Google zunächst noch nicht dazu, Teile seines Werbegeschäfts zu verkaufen. Der Konzern muss zwar eine Strafe von 2,95 Milliarden Euro zahlen. Aber ob es zu einer Aufspaltung kommt, ist offen. Dabei kann nur sie die Interessenkonflikte Googles und seinen Machtmissbrauch dauerhaft beenden.
In Spanien gilt sie als Erfolg, jetzt kommt sie auch in Deutschland: Die elektronische Fußfessel für Gewalttäter*innen soll Opfer von Partnerschaftsgewalt schützen. Doch Kriminologe Florian Rebmann warnt im Interview: In vielen Fällen hilft sie nicht – und könnte die eigentlichen Probleme verdecken.
Wir sind voller Schadstoffe und Gewürm. Das sagen Model-Mama Heidi Klum und „Langlebigkeits-Influencer“ Bryan Johnson. Dabei tragen die Promis selbst zur allgemeinen Vergiftung bei.
Die 36. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 14 neue Texte mit insgesamt 94.578 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.
Die Prakti-Ausgabe unseres Podcasts ist wieder da! Diesmal mit unserer Praktikantin Karoline und unserer bisherigen Bundesfreiwilligen Lilly. Wir sprechen über gemeisterte Herausforderungen, die Bedeutung von Social Media und über ihre Erfahrungen in einem alternden Team.
Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.
VATM
Ein offener Netzzugang und mehr Kooperationen zwischen Netzbetreibern und bisweilen Diensteanbietern könnten die Netze besser auslasten und zudem Doppelausbau vermeiden, argumentiert eine Studie von SBR-net Consulting.
WDR 5
Warum ist KI für die Gegenwart schädlich? Wie wird das verschleiert? Wie wollen faschistische Tech-Ideologen KI nutzen, um Rechtsstaat und Demokratie abzuschaffen? Darüber spricht der Philosophie-Professor Rainer Mühlhoff in der Sendung "Das philosophische Radio".
The Guardian
Die nepalesische Regierung hat über 20 Social-Media-Plattformen blockiert, weil sie sich nicht an nationale Regulierung halten würden. Tausende protestierten gegen die Sperren und für Meinungsfreiheit. Die Polizei setzte Gummigeschosse ein. Mehr als zehn Menschen starben.
tagesschau.de
Der 2024 eingeführte Bundes-Klinik-Atlas soll eingestellt werden. Im Bundesgesundheitsministerium wird die entsprechende Projektgruppe aufgelöst. Das Online-Portal könnte wieder, wie vor Existenz des Atlas, durch das Verzeichnis der Deutschen Krankenhausgesellschaft abgelöst werden.
The New York Times
Russland betreibt eine breite Desinformationskampagne in Republik Moldau, um die anstehenden Parlamentswahlen Ende des Monats zu beeinflussen. Kremls Kontrolle der Informationslandschaft im Land wächst, nachdem Trump jegliche Unterstützung gegen Desinformation zurückgedreht hatte.
taz
Der Springer-Verlag zwingt Redakteur*innen den Einsatz von KI auf. Was das für den Journalismus bedeutet, versucht ein Kommentar in der taz zu klären.
Meedia
35 Prozent aller Antworten von Chatbots wie ChatGPT enthalten falsche Informationen. Vor einem Jahr waren es „nur“ 18 Prozent.
The Guardian
Seit Google KI-Zusammenfassungen von News-Texten anzeigt, ist der Traffic bei vielen journalistischen Angeboten eingebrochen. Nun suchen sie nach Auswegen aus der Krise.
taz
Petitionen, Share-Pics, Mobi-Videos: Der Protest im Netz hat sich abgenutzt. Eine taz-Autorin erklärt, warum er trotzdem wichtig ist.
tagesschau.de
Autor:innen werfen dem KI-Unternehmen Anthropic vor, es habe mit illegal kopierten Büchern seinen Chatbot trainiert. Anthropic bietet 1,5 Milliarden US-Dollar, um einen Gerichtsprozess zur eingereichten Sammelklage abzuwenden. Das entspricht rund 3.000 US-Dollar pro Buch.
AP
Im Roten Meer wurden mehrere Unterseekabel beschädigt, infolgedessen kam es zu Internetstörungen vor allem im Nahen Osten. Die Ursache ist derzeit noch unbekannt, es gab in der Vergangenheit Drohungen der Huthi-Miliz, derartige Infrastruktur zu sabotieren.
Tagesspiegel
Der Papst hat den im jugendlichen Alter verstorbenen Carlo Acutis heilig gesprochen. Der Vatikan bezeichnet Acutis auch als „Cyber-Apostel“ und „Influencer Gottes“, da er im Netz aktiv für seinen Glauben geworben hatte.
Dissens Podcast
Technikphilosoph:in Toni Loh spricht im Podcast über feministische Technikkritik und den Zusammenhang zwischen Künstlicher Intelligenz und dem Patriarchat.
National Observer
Google hat seine Verpflichtung zu netto null Emissionen bis 2030 von seiner Nachhaltigkeitswebsite entfernt und in den Anhang eines Berichts verschoben. Die Änderung erfolgt während steigender Energieanforderungen durch KI-Rechenzentren.
WDR
Dieses Projekt macht Schlagzeilen: In Solingen sollen alle Fünftklässler*innen ein Jahr lang möglichst ohne soziale Medien auskommen – in der Schule wie zu Hause.
Liebe Leser:innen, mein Kollege Markus hat die Bundesregierung und andere politische Akteur:innen wieder gefragt, warum sie nach all den Vorfällen weiter auf der Musk-Plattform X präsent sind. Die Pressestelle der Grünen im Bundestag antwortete dabei wohl unfreiwillig komisch. Die Vorgänge auf X seien „zweifellos indiskutabel“. Aber man „diskutiere“ in der Fraktion noch die Konsequenzen. Das […]
Liebe Leser*innen, sobald etwas schiefläuft, fordern Überwachungsfans mehr Überwachung. Als am 3. Januar in Zehntausenden Berliner Haushalten der Strom ausfiel, konnte man praktisch die Uhr danach stellen. Und siehe da: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sprach sich für verstärkte Videoüberwachung aus – auch das Modewort KI durfte nicht fehlen. Warum diese Forderung nicht sinnvoll ist und […]
Liebe Leser:innen, jetzt ist aber auch bald gut mit Chaos Communication Congress, könnte man meinen. Es ist immerhin schon der 5. Januar. Aber es gab einfach so viele motivierende Inhalte beim jährlichen Hacker:innentreffen in Hamburg, deshalb lest und hört ihr bei uns weiterhin einiges davon. So etwa eine Live-Aufzeichnung unseres Podcasts Off/On mit Einblicken in […]
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