Opus-Klassik-Preisverleihung ZDF schneidet „AfD-Sympathisanten“ aus Laudatio von Danger Dan

Seine Laudatio auf den Pianisten Igor Levit schloss der Rapper Danger Dan mit einer Beleidigung an Rechtsradikale, unter ihnen auch „AfD-Sympathisanten“. Das ZDF schnitt die Erwähnung der Parteianhänger:innen in der Mediathek kommentarlos heraus. Das ZDF begründet das nun mit „Zeitdruck“.

Danger Dan
Danger Dan bei der Verleihung des Klassik-Preises. – Alle Rechte vorbehalten Screenshot / ZDF

Das ZDF hat in der Mediathek-Aufzeichnung des Opus Klassik 2022 das Wort „AfD-Sympathisanten“ herausgeschnitten. Bei der Preisverleihung hielt der Rapper Danger Dan eine Laudatio auf den Pianisten Igor Levit. Am Ende der Rede sagte er

Abschließen möchte ich diese Laudatio, einfach um Igor eine Freude zu machen, mit einer Nachricht an alle Antisemiten, Rassisten, Antifeministen und AfD-Sympathisanten vor den Fernsehgeräten: Ihr seid Vollidioten.

In der Mediathek-Version (ab etwa 01:01:00) schnitt das ZDF nun das Wort „AfD-Sympathisanten“ heraus, wie man im Folgenden sehen kann. Der Schnitt ist nicht gekennzeichnet und nicht transparent.

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Auf eine kurzfristige Presseanfrage von netzpolitik.org hat das ZDF noch nicht geantwortet. Wir haben nachgefragt, mit welcher Begründung und auf welcher Grundlage das ZDF die Laudatio um den Begriff „AfD-Sympathisanten“ gekürzt hat. Für den Fall, dass die Kürzung mit „Überparteilichkeit“ begründet wird, wollen wir wissen, ob diese Überparteilichkeit auch für Gäste, Laudator:innen und Interviewpartner:innen des ZDF gilt und warum. Eine Antwort des Senders reichen wir nach, sobald uns diese vorliegt.

Opus Klassik ist ein renommierter Preis für klassische Musik. Er wird seit dem Jahr 2018 vergeben, die diesjährige Verleihung fand am 9. Oktober in Berlin statt. Neben Igor Levit wurde anderen die Mezzo-Sopranistin Lea Desandre und der Tenor Jonas Kaufmann ausgezeichnet. Für sein Lebenswerk wurde der ukrainische Komponist Valentin Silvestrov geehrt.

Update 14:22 Uhr: 

Die Presseabteilung des ZDF hat nun auf die Fragen wie folgt geantwortet:

unter Zeitdruck ist ein Fehler passiert, der korrigiert wird.

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17 Ergänzungen

  1. Ich verstehe es nicht ganz: Hr. Dans Kommentar wurde verkürzt gesendet (so Hr. Levit)? Oder war die Kürzung nur in der Mediathek?

    (Und wer hat eigentlich die Zeit das zu vergleichen?)

  2. ZDF sagt: „unter Zeitdruck ist ein Fehler passiert, der korrigiert wird.“

    Wie kann etwas mit „Zeitdruck“ begründet werden, was zusätzliche Arbeit, also Zeitaufwand erfordert?

    Die kurze Begründung ist so nicht glaubwürdig und erfordert dringend eine Klärung, weil das kaum als wahrheitsgetreue Begründung wahrgenommen werden kann.

    Eine Institution wie das ZDF sollte bei Medienkritik besser wissen, wie man Transparenz herstellt ohne die Empörung zu vergrößern.

    Das kann man dem ZDF so nicht durchgehen lassen, weil der Verdacht ausgeräumt werden muss, dass „AfD-Sympathisanten“ im eigenen Haus die Passage entfernen ließen.

    1. Mein Stand 12.10. – 18:40
      Es gibt zwei Versionen in der Mediathek.
      Die bisherige:
      https://rodlzdf-a.akamaihd.net/dach/zdf/22/10/221009_2215_sendung_opu/5/221009_2215_sendung_opu_2360k_p35v15.mp4
      Die neuere:
      https://rodlzdf-a.akamaihd.net/dach/zdf/22/10/221012_2215_sendung_opu/1/221012_2215_sendung_opu_2360k_p35v15.mp4

      Die neue gibt es nicht mit Untertiteln und hat einen Datumstempel von heute im Namen.

      Die Website wurde nicht aktualisiert.
      https://www.zdf.de/kultur/opus-klassik/opus-klassik-2022-100.html
      sonst stünde da eigentlich eine 101.

      Netzpolitik hat doch einen Sitz im Rundfunk- und einen im Verwaltungsrat….

      1. >> Netzpolitik hat doch einen Sitz im Rundfunk- und einen im Verwaltungsrat….

        Diesem Eindruck gilt es entschieden entgegenzutreten.

        Nicht NP hat einen Sitz im ZDF-Verwaltungsrat, sondern es ist Leonard Dobusch, der bei NP zu den „aktiven Sympatisant:innen“ gezählt wird.

        Ein bedeutsamer Unterschied!

      2. Mittlerweile scheinen sie die richtige Version geuploadet und freigeschaltet zu haben, auf der Sendungssetie steht zumindest:
        „Aufgrund eines redaktionellen Fehlers stand zeitweise eine Version der Aufzeichnung online, in der in einer Laudatio gekürzt wurde. Inzwischen wurde dies korrigiert und es ist die vollständige Rede verfügbar. (Foto: Claudius Pflug) „.

      3. Spannend ist auch, dass aus „Zeitdruck“ plötzlich ein „redaktioneller Fehler“ wurde. Das andere schien ihnen dann doch zu Unplausibel.

        1. Naja, es ist schon plausibel: Aus Zeitdruck entsteht ein redaktioneller Fehler, nämlich die Zensur.

          Hatten die nicht viel Zeit, müssen die vielleicht auch eine Entscheidung bzgl. Verklagbarkeit treffen. Das ist bei einer Livesendung nicht das selbe Problem, nehme ich mal an. Daher ist es schon plausibel, dass unter Zeitdruck da „Kontroverses“ herausgeschnitten wird. Zeitdruck kann auch bedeuten, dass die juristische Abteilung zu der Zeit geschlossen in der Kantine verharrte. Da will man vielleicht gerne mehr zu wissen, was genau normaler Zeitdruck ist, und was richtiger, o.ä., schon klar.

  3. Vielleicht möchte Herr Böhmermann aufklären?
    Wäre ja mal ne investigative Recherche im eigenen Hause wert.
    Findet sich ein Whistleblower, der ihm das steckt?
    Ich glaube er hat Twitter. Oder Instagram. Oder so.

    1. Böhmermann hat schon Lanz kommentiert, bzw. ein Buch, das Gäste geschrieben haben. Warum auch immer, und was auch immer die Aussage sein soll, so scheint doch das Kontingent fürs ZDF zunächst verbraucht. Man wendet sich anderen Sachen zu…

  4. Potentielle Skandale stehen lassen, oder nicht?
    Ich würde sagen, so wenig Einordnung wie bie Politikeraussagen geschieht, wäre Stehenlassen hier fair.

    Oder ist die Frage eine andere: ist die Rechtssitutuation geklärt?
    Muss das Recht angepasst werden, so dass wir LIVE mehr stehen lassen können, später aber „Einrahmen“ müssen? Oder müssen :), Information first, Bildung second? Offensive!

  5. @M. Reuter

    Sorgt der fehlende Hinweis zur Löschung, oder die Löschung selbst für Empörung beim Autor?

    Letzteres wäre m.E. etwas unüberlegt, denn geneigte Leser könnten D. Dan durchaus unterstellen, er nutzte auf Kosten von Beitragszahlern die Gelegenheit gezielt für Gratis Publicity.

  6. Nun gut, das ZDF hat jetzt einen „redaktionellen Fehler“ zugegeben. Zu unplausibel war die erste Begründung.

    Doch damit ist die Angelegenheit längst nicht erledigt.

    Jemand hat eine Entscheidung getroffen, die nun als „redaktioneller Fehler“ bezeichnet wird. Doch weil das ein politisch wirksamer Fehler war, müssen weitere Fragen geklärt werden:

    Wie kam es zu der Entscheidung, diesen „Fehler“ zu begehen?
    Wer hat die Kürzung des Beitrags beauftragt?
    Gab es Einflussnahme oder Drohungen von der Partei, die im Beitrag genannt wurde?
    War die Rechtsabteilung des Senders involviert?
    Falls zutreffend, welche juristischen Gründe waren für die Kürzung ausschlaggebend?
    Gab es andere als juristische Gründe, den Beitrag zu kürzen?

    Die Öffentlichkeit hat das Recht, darüber wahrheitsgemäße Auskunft zu verlangen.

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