Guttenberg-InvestmentGoogle sperrt Geodaten-Firma SafeGraph

SafeGraph verkauft Standortdaten an fast alle, die sich dafür interessieren. Mit solchen Ortsdaten lassen sich Nutzer:innen de-anonymisieren und Rückschlüsse über deren Leben ziehen. Die Firma, in die unter anderem Peter Thiel und Karl-Theodor zu Guttenberg investiert haben, wurde deswegen von Google gesperrt.

Guttenberg schaut auf Karte
Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist Investor bei SafeGraph. CC-BY-SA 3.0 Michael Lucan / Time Wielink / Montage: netzpolitik.org

Google hat im Juni die Firma SafeGraph wegen Verstößen gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gesperrt. Das Unternehmen sammelte Ortsdaten von Nutzer:innen über Einbettung im Quellcode von Apps. SafeGraph vermarktet seine Daten an Regierungsstellen und eine Vielzahl von Branchen, verkauft die Daten aber auch auf dem freien Markt an praktisch jeden, berichtet Vice Motherboard. Die Sperre bedeutet nun, dass alle Apps, die mit SafeGraph zusammenarbeiten, Programmiercode aus ihren Apps entfernen mussten, sonst wären die Apps selbst im App-Store gesperrt worden.

Kommerziell gewonnenen Ortsdaten kommt eine immer größere Bedeutung bei der Überwachung zu. Der norwegische Journalist Martin Gundersen hatte im letzten Jahr in einer großen Recherche nachgezeichnet, wie Daten von genutzten Apps über Umwege in die Hände eines Datenbrokers kamen, der mit US-Polizeibehörden zusammenarbeitete. Motherboard selbst recherchierte, wie das US-Militär Ortsdaten aus muslimischen Gebets-Apps nutzte. Ortsdaten lassen sich sehr einfach de-anonymisieren: Zuletzt stolperte ein Vertreter der US-Bischofskonferenz über Grindr-Daten, die im Internet erhältlich waren und gegen ihn genutzt wurden.

Eingebetteter Code

Wie Motherboard berichtet, sammelte SafeGraph zumindest einen Teil seiner Standortdaten, indem App-Entwickler den Code des Unternehmens, das Software Development Kit (SDK), in ihre eigenen Apps einbetteten. Solche Partner-Apps zeichneten dann den Standort der Nutzer:innen auf. SafeGraph verkaufte dann diese Daten. Neben seinen eigenen Daten bietet SafeGraph seinen Kunden auch die Möglichkeit, verwandte Datensätze von anderen Anbietern zu kaufen, um die Standortinformationen anzureichern, wie z. B. die Namen von Immobilienbesitzern in den USA.

Google bestätigte gegenüber Motherboard, dass es App-Entwicklern Anfang Juni mitgeteilt habe, sie hätten sieben Tage Zeit, das SDK von SafeGraph aus ihren Apps zu entfernen. Wenn sie dies nicht taten, so Google gegenüber Motherboard, könnten die Apps mit Zwangsmaßnahmen rechnen. Dies kann die Entfernung aus dem Play Store selbst bedeuten.

Laut dem Bericht bei Motherboard ist unklar, ob SafeGraph weiterhin Ortsdaten sammelt. Die Firma X-Mode, die wegen ähnlicher Praktiken von Apple und Google ausgeschlossen wurde, hatte zuletzt einen einfachen Workaround für das Verbot gefunden: Sie lässt die Apps selbst die Daten sammeln und kauft diese dann von ihnen auf.

Illustre Investoren

In SafeGraph hat nicht nur der ehemalige Leiter des saudischen Geheimdienstes investiert, sondern auch US-Politiker:innen wie Eric Cantor, Meghan O’Sullivan, Mona Sutphen und der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch Peter Thiel ist Investor in der Firma.

Guttenberg selbst hat bei seinen Investments und wirtschaftlichen Engagements bislang kein gutes Händchen bewiesen. Er lobbyierte für das später in einem Skandal zerschellende Finanzunternehmen Wirecard, musste mit ansehen wie das Startup Augustus Intelligence sein Millionen-Investment verbrannte. Guttenberg war einst die Nachwuchshoffnung der Union, als Verteidigungsminister stolperte er über eine Plagiatsaffäre, bei der er sich einen Doktortitel erschlichen hatte. Danach war Guttenberg noch EU-Internetberater, machte in dieser Rolle aber auch keine glückliche Figur.

10 Ergänzungen

  1. Nicht vergessen Peter T gehört zu den Guten:

    „Der in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehene Frank-Schirrmacher-Preis geht an den deutsch-amerikanischen Entrepreneur, Investor und Philantrop Peter Thiel. Das teilte die Frank-Schirrmacher-Stiftung, Zürich/Berlin, mit.

    Mit der Preisvergabe an Thiel wird sein «umfassendes Wirken in der Analyse der Chancen und Risiken des technologischen Fortschritts gewürdigt. Ohne Rücksicht auf bestehende Denkverbote setzt er seine intellektuellen Impulse und bereichert so die aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen in den unterschiedlichsten Bereichen.»
    “ Zitat ende.

    1. Ich war eben auf der Webseite der Stiftung: zum einen war dort nichts zu finden in welchem Verfahren der Preisträger ermittelt wird (Vorschlagsrecht? Abstimmung? … ?), zum anderen findet man im Stiftungsrat illustre Gestalten wie Jürgen Kaube (FAZ-Herausgeber; noch verständlich, da Schirrmacher bei der FAZ tätig war), Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG), Martin Meyer (ehemaliger Feuilleton-Chef der NZZ). Da passt am Schluss doch auch der Preis für Thiel.

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