DatenhandelGrindr beendet Karriere

Die vor allem bei Schwulen beliebte Dating-App Grindr teilt Daten mit Dritten, welche diese auch verkaufen. Über die dort enthaltenen Geo-Daten lassen sich Personen identifizieren, zeigte jetzt ein katholischer Newsletterdienst – mit zweifelhaften Absichten.

Hand hält Buch mit Kreuz
Gott weiß alles, Datenhändler wissen noch mehr. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Mateus Campos Felipe

Wer Grindr nutzt, kann über Geodaten enttarnt werden. Für den Generalsekretär der US-Bischofskonferenz USCCB endete das nun mit dem Rücktritt. Der christliche Newsletter-Dienst The Pillar hatte Recherchen öffentlich gemacht, die belegen sollen, dass sich der Priester in Schwulenbars und Privaträumen getroffen habe. Katholische Priester sind mit dem Zölibat einer Regel unterworfen, die sexuelle Beziehungen verbietet.

Die homophobe US-Publikation, die in ihrem Artikel Homosexualität mit Kindesmissbrauch in Zusammenhang brachte, konnte die Person des Priesters rekonstruieren, weil in den Daten über die Jahre 2018-2020 sowohl Büroräume, Räumen von Treffen der Bischofskonferenz, sowie ein Ferienhaus und ein Appartement des Priesters auftauchten und er so aufgrund von Geodaten deanonymisiert werden konnte. Die Daten selbst enthielten nicht den Nutzernamen des Priesters.

The Pillar schreibt, dass die Daten, auf denen die Erkenntnisse beruhen, kommerziell erhältlich seien und diese von einem Datenhändler verkauft wurden. Ob The Pillar sie kaufte oder nur erhielt, ließ der Newsletterdienst offen.

Grindr sagte gegenüber Motherboard, dass das, was The Pillar gemacht habe, aus technischer Sicht nicht durchführbar sei. „Es gibt absolut keine Beweise, welche die Behauptungen einer unzulässigen Datenerfassung oder -nutzung im Zusammenhang mit der Grindr-App“ unterstützen würden. 

Vermeidbare Bedrohung für Nutzer:innen

Diese Aussage steht im Gegensatz zu einem Verfahren in Norwegen, denn es ist nicht das erste Mal, dass Grindr wegen der Weitergabe sensibler Daten an Drittfirmen in der Kritik steht. Die norwegische Datenschutzbehörde hatte Anfang des Jahres eine Strafe gegen das Unternehmen in Höhe von 10 Millionen Euro verhängt. Die Strafe fußte auf einer Studie der norwegischen Verbraucherschutzbehörde aus dem Jahr 2020, in der auch kritisiert wurde, dass Grindr verantwortungslos mit den besonders sensiblen Daten seiner oft immer noch Diskriminierung ausgesetzten Nutzerschaft umgehe.

Grindr könnte die Nutzung von Daten zum Outing von Personen unterbinden, indem es sein Daten keinen anderen Datenhändlern, Brokern und Analysten zur Verfügung stellt. Was hier bei Grindr passiert, ist an anderen Stelle schon gut nachzeichnet worden und ein generelles Problem in der Architektur von entgrenzten datenbasierten Erlösmodellen.

Der norwegische Journalist Martin Gundersen hatte letztes Jahr in einer Reportage berichtet, wie Daten über Datenbroker und andere unseriöse Unternehmen verbreitet wurden und so eine Überwachung über Bande möglich machten. Es ist seit Jahren bekannt, dass man mit einer Handvoll Geodaten, Personen eindeutig identifizieren kann.

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Eine Ergänzung

  1. was für mich nicht klar wird: Stammten die Bewegungsprofile von Grindr selbst, oder aus anderen Quellen? Sowohl von Apple als auch von Google ist ja bekannt, dass sie Bewegungsprofile erheben, speichern und verkaufen. Auch Mobilfunkprovider machen das, auch F.c.book, und möglicherweise weitere Apps.

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