Was vom Tage übrig blieb

Fieber messen, Gesichter erkennen und Daten lecken

Deutschland hat nun eine Fieberkurve, Österreich eine Gesichtserkennungsanalyse und das Internet ein weiteres Datenleck. Die besten Reste des Tages.

Himmel
Ein weiterer bewölkter Herbsthimmel über Berlin.

Aktuelle Fieberkurve für Deutschland (Corona-Datenspende)
Die Corona-Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts sorgte im Frühjahr für Verwirrung bei allen, die auf die Corona-Warn-App warteten. Während letztere mit All-Inclusive-Budget von SAP und Telekom zusammengebaut wurde, dümpelte die Datenspende-App – die Fieber anhand von Pulsdaten aus Fitnesstrackern messen sollte – lange im Fahrwasser herum. Jetzt hat das Team auf Basis der gespendeten Daten eine Echtzeit-Fieberkurve für Deutschland und einzelne Bundesländer veröffentlicht, die täglich aktualisiert wird. Fieber hat nicht zwingend etwas mit Covid-19-Erkrankungen zu tun, das Team hofft aber nach wie vor, die Daten zur Früherkennung einsetzen zu können. Erste Auswertungen lassen hoffen. Aber ob es klappt, ist nach wie vor offen.

Polizei setzt jetzt Gesichtserkennung im Regelbetrieb ein (futurezone.at)
Nach einer Testphase hat die österreichische Polizei nahezu unbemerkt die Gesichtserkennung in den Regelbetrieb überführt. Seit 1. August gleicht die Polizei in bestimmten Fällen Bilder von Überwachungskameras mit einer Referenzdatenbank der Polizei ab, erfuhr ein Abgeordneter nach einer parlamentarischen Anfrage. Der Abgleich findet offline statt, es handelt sich nicht um Echtzeit-Überwachung. Die Software stammt von der deutschen Firma Cognitec Systems und hat knapp eine halbe Million Euro gekostet.

A data fail left banks and councils exposed by a quick Google search (Wired)
Private Daten aus mehr als 50.000 Briefen von Banken und Behörden waren seit Juni öffentlich im Netz abrufbar. Der Fehler lag im System des Londoner Unternehmens „Virtual Mail Room“. Informationen zu Insolvenzen oder unbezahlten Steuern sowie Tausende Namen und Adressen waren frei zugänglich. Betroffen waren Menschen im Vereinigten Königreich, Kanada und den USA. Das Datenleck weckt Zweifel an der Sorgfaltspflicht von Unternehmen und Behörden, die ausgelagerte Mailing-Dienste für die Kommunikation mit sensiblen Daten verwenden.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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