Sprache und Diskriminierung

Warum wir geschlechtergerechte Sprache verwenden

Häufig bekommen wir Mails und Kommentare von Menschen, die sich darüber aufregen, dass wir in unseren Beiträgen bemüht sind, verschiedene Geschlechter sichtbar zu machen. Wir machen es trotzdem. Denn die Veränderung, die wir uns wünschen, findet auch über die Sprache statt.

Gruppenbild der 17 Innenminister auf einer Treppe
Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Verwendung des Maskulinums. In Fall dieses Gruppenbildes der 17 Innenminister (Stand 2017) wäre es etwa zutreffend. Alle Rechte vorbehalten Sächsisches Staatsministerium des Innern/Marko Kubitz

Wir freuen uns über Rückmeldungen zu unserer Arbeit. Allerdings erhalten wir immer wieder eine bestimmte Art von Zuschrift, die uns ratlos macht. Die Absender:innen beschweren sich darüber, dass die von uns verwendeten Schreibweisen mit Gendersternchen, Doppelpunkt oder Nennung beider Geschlechter unzumutbar und hässlich seien, dass wir damit die deutsche Sprache verhunzten und uns und den Lesenden generell keinen Gefallen täten.

Diese Zuschriften lassen uns jedes Mal irritiert zurück. Denn sie zeigen: Was für uns als Redaktion selbstverständlich scheint, ist es für einige unserer Leser:innen offenbar noch nicht.

Wir sehen es so: Wenn wir von Politikern, Wissenschaftlern und Aktivisten schreiben, dann schreiben wir über Männer. Das ist in vielen Fällen nicht zutreffend, denn in der Regel geht es bei solchen Pluralnennungen in unseren Texten auch um Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen. Und manchmal auch um Politiker:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen, also um Menschen, die sich nicht in die binäre Ordnung von entweder Mann oder Frau quetschen lassen wollen. Geschlecht kam noch nie in nur zwei Varianten daher, es ist ein Spektrum der Möglichkeiten.

Schon immer ist nicht für immer

Der Einwand, dies sei schließlich schon immer so gewesen und das generische Maskulinum eben die Norm, überzeugt uns wenig. Vieles, wofür wir uns einsetzen, war „schon immer so“ und wir akzeptieren es trotzdem nicht, weil es Menschen in ihren Grundrechten einengt. Sprache ist ein Experimentierfeld, sie entwickelt sich ständig weiter.

Das andere beliebte Argument derjenigen, denen das * oder der : zu anstrengend ist: „Es sind doch alle mitgemeint.“ Nur stimmt das leider nicht. Menschen haben bei der männlichen Form auch tatsächlich Männer vor Augen, das ist in vielen Studien belegt. Umgekehrt fühlen sich sehr viele Frauen und Menschen verschiedenster Geschlechter auch nicht „mitgemeint“, wenn sie mit „Kunde“, „Leser“ oder „Copyrightaktivist“ angesprochen werden.

Nicht zuletzt ist es eine Frage der Präzision klarzumachen, dass ein bestimmtes Programm nicht nur von Informatikern, sondern von Informatiker:innen geschrieben wurde – wenn es denn so ist.

Und zur Frage der Ästhetik nur so viel: Wir haben noch nie eine kritische Zuschrift erhalten, die sich beschwerte, dass wir von „simsenden Beamten“, „gebouncten E-Mails“ oder der „Datenschutzgrundverordnung“ schreiben, dass dies eine Zumutung für die Lesenden sei. Wir hören diese Kritik ausschließlich, wenn es um geschlechtergerechte Sprache geht.

Das ist nicht zu viel verlangt

Wie wir sprechen und schreiben, spiegelt nicht einfach unsere Realität. Sprache prägt, wie wir denken, was wir sehen und für möglich halten. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Menschen aller Geschlechter sichtbar sind und irgendwann kein Mensch mehr danach pfeift, in welcher Schublade jemand steckt, der gerade dies oder jenes tut.

Es gibt bei netzpolitik.org keine Regel dazu, wie Autor:innen diese Vielfalt in ihren Beiträgen sichtbar machen. Es steht den Autor:innen absolut frei so zu schreiben, wie sie wollen. Und trotzdem sind mittlerweile die meisten Texte mehr oder weniger geschlechtergerecht geschrieben. Das liegt daran, dass wir und unsere Autor:innen eine geschlechtergerechte Sprache für ganz normal und wichtig halten.

Der Grund dafür ist einfach: Wir können schlecht für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte kämpfen und dann einen elementaren Aspekt des Zusammenlebens einfach so unter den Tisch fallen lassen. Das wäre in unseren Augen ein Widerspruch.

Verlangen wir zu viel von unseren Leser:innen, wenn wir in unseren Texte ein * oder : verwenden, um die Vielfalt der Geschlechter sichtbar zu machen? Wir finden, das ist nicht zu viel verlangt. Denn es ist doch so: Unsere Leser:innen sind vielfältig, die Menschen, über die wir schreiben, sind vielfältig und deswegen sieht man das auch an unseren Texten. Wir finden, das ist nicht radikal. Das ist im Grunde selbstverständlich.

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115 Ergänzungen
    1. Vielen Dank. Für alle, die sich gerne tiefer einlesen wollen, empfehlen wir übrigens die Übersichtsseite „Wissen“ auf genderleicht.de. Dort findet man Studien, Artikel, Bücher, Podcasts und mehrere Sprachleitfäden zum Thema geschlechtergerechte Sprache. Vieles davon stammt von Menschen, die im Gegensatz zu uns studierte Linguist*innen sind. https://www.genderleicht.de/wissen/

      1. Als Trans-Frau bin ich sehr dankbar für die benutzte Sprache. Vielen Menschen ist es schlicht egal beispielsweise nicht binäre Menschen vernünftig anzusprechen oder sich gar Gedanken darüber zu machen diese Menschen zu inkludieren. Das hier ist eine angenehme Abwechslung. Danke, dass ihr weiter macht!

      2. Man sollte allerdings dazu sagen, dass bei weitem nicht alle Linguisten die im Bemühen um „geschlechtergerechter Sprache“ vorgeschlagenen Manipulationen an der Sprache befürworten. Und wirklich die allerwenigsten würden sich für eine institutionell-normative Durchsetzung solcher künstlicher Normen aussprechen. Selbst viele Genderlinguisten lehnen einen solchen letzten Schritt entschieden ab. Wenn also Hochschulen und Kommunen anfangen, Mitarbeiter und Studenten dazu zu zwingen, bestimmte Sprachformen anzuwenden, dann ist das eher ein Ausdruck von Übereifer denn Ausdruck dessen, was Experten für richtig halten. Wenn Gendersprache gar zum Beurteilungskriterium von Prüfungsleistungen erhoben wird, dann rate ich, sofern daraus Nachteile entstanden sind, dagegen vor zu gehen. Juristisch ist das nicht haltbar.

        Man muss sich doch wirklich einmal die Frage stellen, ob die Praxis der Gendersprache überhaupt noch mit dem Gedanken einer freien und demokratischen Gesellschaft vereinbar ist, wenn diese gar zum Zwang erhoben wird. Die dahinter stehenden Gedanken erinnern – bei aller guten Absicht – eher an Totalitarismus: Die Idee ist, die Vorstellungen, Gedanken und letztlich die Wahrnehmung der Sprecher einer Sprache dadurch zu manipulieren, dass man einen bestimmten künstlich konstruierten Sprachgebrauch (das ist kein natürlicher Sprachwandel!) ggf. normativ und mit institutioneller Macht durchsetzt – Ein besusster, ideologisch motivierter Eingriff in das Bewusstsein der Sprecher über Manipulation der Sprache. Das erinnert doch eher an George Orwells „Neusprech“ als an eine Demokratie im 21. Jhd. Der Zweck kann hier auch nicht die Mittel heiligen, hier wird Freiheit und Demokratie ad absurdum geführt.

        Auf die fachliche und linguistische Diskussion verzichte ich an dieser Stelle. Auch da besteht bei weitem keine Einigkeit unter Linguisten. Nur so viel: Die Eingriffe in das Sprachsystem führen zu zum Teil absurden Konsequenzen (? Bürger*innen*meister*innen), sind gar nicht einheitlich durchhaltbar, führen zu Sprecherverunsicherungen und sind im Kern gar nicht wirklich geklärt. Wie soll „*“ bitte artikuliert werden? Als glottal Stop? Und dann: „jede*r“? Absurd.

        Außerdem ist überhaupt nicht klar, ob die gewünschten Ziele mit der Sprachmanipulation überhaupt erreicht werden. Es gibt genderneutrale Sprachen, in denen Frauen deutlich mehr unterdrückt werden als bei uns und denen die Sprecher trotzdem stereotype Berufsbilder haben usw. Es wäre deutlich sinnvoller, in der Wirklichkeit anzusetzen, dort die materiellen Verhältnisse zu verändern. Die Sprache und die Vorstellungen der Sprecher werden sich dann der Wirklichkeit anpassen. Das wäre dann auch wirklicher Sprachwandel. Andersherum handelt es sich um Manipulation des Bewusstseins und es verdeckt eher Missstände, als dass es hilft.

        Und um noch einmal auf das Thema Demokratie zurückzukommen: Nach Umfragen lehnen etwa 2/3 der Sprecher Gendersprache ab.

        Natürlich kann sich „Netzpolitik.org“ entscheiden, gendergerechte Sprache zu nutzen. Da bin ich nicht dagegen. Ich warne nur vor Übereifer und möchte doch davor warnen, das alles immer als selbstverständlich und richtig darzustellen. Es gibt genügend Menschen die dagegen sind und es gibt auch genügend Argumente dagegen. Deshalb sollte das einfach jedem Sprecher selbst überlassen bleiben, ob er gender möchte oder nicht.

        1. Das Beispiel mit Bürger*innenmeister*innen und die sonstigen Negativattributierungen finde ich sehr suspekt und kann ihren Ausführungen ansonsten auch nicht in ihrem Sinne folgen.
          Auf dem Blatt, um welches es hier geht, stehen solche Konstruktionen gar nicht.

          Und schon gar nicht geht es um eine wirklich einschneidende Manipulation unserer Sprache. Im Zielsektor sind lediglich die Suffixe personenbezogener Bezeichner und Pronomen.

          „Es gibt genderneutrale Sprachen, in denen Frauen deutlich mehr unterdrückt werden als bei uns und denen die Sprecher trotzdem stereotype Berufsbilder haben usw.“
          Wie bitte was? Das ist eine falsche Equivalenz, die Sie da bemühen. Das ist Zauberei und kein Argument.

          „Und um noch einmal auf das Thema Demokratie zurückzukommen: Nach Umfragen lehnen etwa 2/3 der Sprecher Gendersprache ab.“ So what? Die Würde des Menschen ist unantastbar. Selbst wenn nur ein einziger Mensch durch das Sprachsystem unter objektiven Gesichtspunkten eine Benachteiligung erfahren würde, wäre es einer zu viel und es müsste etwas geändert werden daran.

          „Auf die fachliche und linguistische Diskussion verzichte ich an dieser Stelle.“
          Sie haben sich so gezielt und ausdrücklich vor einer ernstzunehmenden linguistischen Betrachtung gedrückt und sich so tief in Groteske und Unschlüssigkeiten begeben, dass ich bezweifle, dass Sie wirklich die notwendige Kompetenz für die zu klärende Fragestellung mitbringen. Ausserdem ist das Fachgebiet hier die Linguistik. „Fachliche“ und „linguistische“ sind hier identisch.

          Die Realität ist nämlich, und da ist Netzpolitik.org ein ganz wunderbares Paradebeispiel, dass es mit ein klein wenig anfänglicher Mühe, die schnell zur Gewohnheit wird und dann wie von allein funktioniert, gar nicht schwierig ist, Gendergerecht zu schreiben. Und das Sprechen funktioniert auch. Es ist nur etwas ungewohnt am Anfang. So ist das halt mit dem Fortschritt.

          Bemerkenswert, dass Netzpolitik.org das hinbekommt, was Sie als unmöglich zu erachten scheinen.

      1. Englisch ist schon sehr genderneutral, aber nicht absolut. Wikipedia sagt dazu:
        „In contrast to most other Indo-European languages, English does not retain grammatical gender and most of its nouns, adjectives and pronouns are therefore not gender-specific.“
        https://en.wikipedia.org/wiki/Gender_neutrality_in_English

        Dort streiten sich schon seit einiger Zeit die Gemüter um den Artikel they und die zugehörigen Ableitungen them, their, theirs, themself und themselves für Nonbinary-Personen, als dritte Möglichkeit neben he und she (und Ableitungen) in der 3. Person Singular.

        Die sich meiner Meinung nach daraus ergebende Problematik ist einerseits der Umstand, dass they (und Ableitungen) schon in der 2. Person Plural Verwendung findet und andererseits der Bedarf entsteht, sich merken zu müssen, wer mit they bezeichnet werden möchte. Bei he und she kann man es fast immer am Aussehen erkennen und sich daher das Auswendiglernen in den allermeisten Fällen ersparen. https://en.wikipedia.org/wiki/Singular_they

  1. Ich finde super, dass ihr trotz Kritik weitermacht. Ich kenne ausreichend Leute die das ebenfalls so für richtig halten. Persönlich stelle ich viel mehr in Frage warum es sich unterschiedliche Pronomen und Bezeichnungen entwickelt haben: Im Alltag schafft es bei den Menschen ein Bild von der Person. Meiner jetzigen Meinung nach sind es alles Formen von Vorurteilen die wir uns über Menschen machen. Wenn wir Mann oder Frau sagen oder schreiben entsteht sofort ein Bild in den Köpfen. Und zwar anhand von dem was bei uns unter diesen Begriffen eingeprägt wurde. Genau wie mit „Schwarzer“ oder „Weißer“. Es löst etwas in unser Vorstellung aus. Stereotypische Geschlechterrollen/Vorstellungen. Persönlich vermute ich, dass auch Sprache sich irgendwann dahingehend entwickeln wird, dass Geschlechter draus verschwinden werden. Genauso wie es irrelevant ist ob eine Person „Polle“, „Russe“, „Iraker“ oder „Deutscher“ ist.
    Sehr gut fand ich auch das Argument mit Denglisch. Ich bin sicher es gibt mindestens genauso viele Menschen die das gut finden wie ihr schreibt, doch es sind die Hasser die sich zu Wort melden und schreien. Auch ästhetisch finde ich es in Ordnung und ich bin zum teil Designerin ;-)

    Grüße,
    Patricia

    1. Es ist eben nicht grundsätzlich irrelevant, ob eine Person Pole, Russe oder Iraker ist. Denn sie sprechen alle unterschiedliche Sprachen. Vielleicht haben sie eine gemeinsame, aber selbst dann wendet ein jeder diese „Fremdsprache“ vor dem Hintergrund einer anderen Sozialisierung an. Es ist wichtig zu wissen, welchen Background eine Person hat, um Missverständnisse erkennen zu können.

      Der Begriff des „Vorurteils“ ist in diesem Kontext irreführend. „Stereotype“ sind keine Vorurteile, sondern Abstrahierungen (Verallgemeinerungen) von wiederholt gemachten Erfahrungen und insofern etwas durchaus Positives! In Situationen, in denen man sofort entscheiden muss, ohne alle Details zu kennen, bieten sie Orientierung. Wichtig ist dabei allerdings die Einschätzung des Entscheiders, wie sicher die Grundlage seiner Entscheidung wirklich ist und ob er bereit ist, sie zu korrigieren, wenn neue Fakten dazu kommen.

      Ich will Patrizia damit sagen: Differenzieren ist wichtig. Wer relevante Merkmale mit Etiketten belegt, um sie dann auszublenden, verweigert sich der Wahrnehmung relevanter Fakten.

    2. „Persönlich stelle ich viel mehr in Frage warum es sich unterschiedliche Pronomen und Bezeichnungen entwickelt haben“

      Weil das sprachgeschichtliche Entwicklungen sind. Mit dem natürlichen Geschlecht hatte und hat das grammatische nichts zu tun. (Der Tisch, das Mädchen … – kennt man ja.)
      Mir stellt sich eher die Frage, ob sich die Sprache aller Leute tatsächlich irgendwann ändert, wenn ein Teil der Gesellschaft das vorantreibt. Seit den 1970ern macht das ja immer nur eine vergleichsweise kleine Gruppe: gebildet und eher jung oder wenigstens weiblich. Politisch ändert sich jedenfalls durch eine Quote mehr als durch den Genderstern.

  2. Sobald man sich diese Texte mittels TTS (Text-to-Speech, aka Sprachausgabe) vorlesen lassen möchte oder gar vorlesen lassen muss (Stichwort: Screenreader-User), wird’s allerdings problematisch. Bitte selber mit Narrator und NVDA (beide Windows), VoiceOver (u.a. iOS/macOS), TalkBack (Android), VoiceView (Fire OS) Orca (Gnome/Linux) in Ruhe ausprobieren, und zwar ohne gleichzeitig dem Text am Bildschirm visuell mitzulesen und dies unter Verwendung verschiedener deutscher Stimmen und TTS-Synthesizern sowie Vorlesegeschwindigkeiten. Beispiel-Ausgabe: „Verlangen wir zu viel von unseren Leser Doppelpunkt innen, wenn […]“

    Lösung: Zig tausende mögliche Kombinationen müssten für jeden einzelnen Synthesizer in dessen Aussprachekorrekturwörterbuch manuell eingetragen werden, wobei dann je nach TTS auch noch das Resultat hinsichtlich korrekter Betonung der Silben zu achten ist. Aus „Leser:Innen“, „Leser*innen“ und „LeserInnen“ jeweils „Leserinnen“ zu machen mag zwar funktionieren, kann aber je nach TTS u.U. zu einer inkorrekten Aussprache führen. Je nach TTS lässt sich hier noch feintunen, ist aber halt sehr, sehr viel Arbeit – vor allem ist sie zeitintensiv. Hier müsste sich zumindest mal jemand hinsetzen und all diese Arbeit (zB für NVDA und eSpeak NG) machen. Dann würde diese Problematik einzig für diesen Benutzerkreis zum größten Teil der Vergangenheit angehören, wenn es da nicht auch noch die kommerziellen TTS-Synthesizer und Screenreader gäbe.

    Der Vollständigkeit halber sei noch festgehalten, dass NVDA selber über eine Aussprachekorrekturwörterbuch-Funktion (eines für alle TTS-Stimmen (schließt alle Sprachen mit ein), eines für eine bestimmte TTS-Stimme und ein temporäres (nur für eine Sitzung gültig)), die dem TTS-eigenen Aussprachekorrekturwörterbuch vorgeschalten ist, verfügt. Ergo: Zwei Ebenen, wo man ansetzen kann. Und womöglich müssen beide Ebenen gleichermaßen bedient werden, denn mit eSpeak NG ist nicht jeder zufrieden. Allerdings wird eSpeak NG auch von Orca verwendet. Und auf Android ließe sich eSpeak NG ebenfalls nachinstallieren, nicht aber unter iOS. Und die Screenreader-eigenen Aussprachekorrekturwörterbuch-funktionen funktionieren je nach Screenreader auch etwas anders. Das alles gilt es zu berücksichtigen, wenn man sich dieses Problems annehmen möchte.

    1. Könnte man nicht den Doppelpunkt, sofern er von zwei Buchstaben umschlossen ist, vorher rausfiltern? (Dies ginge auch beim *)
      Oder will man eig. die leicht andere Aussprache von LeserInnen gegenüber Leserinnen?

      Alternativ, könnte man dies eventuell mittels CSS lösen? Quasi man sieht das :Innen bzw. den Doppelpunkt, im Text kommt er jedoch nicht vor?

      Zum Artikel:
      Muss zugeben, dass mir der Doppelpunkt mehr zusagt als der Asterisk.
      Wobei ich LeserInnen oder wechselnd Leserinnen/Leser bevorzuge.

      Vielleicht wandelt sich ja die Sprache so, dass wir irgendwann zunächst Artikel vereinen oder komplett entfernen und danach die Genera.

      1. Bereits gestern Abend ist mir noch geschossen, dass genau solch ein Tipp kommen würde – einfach bestimmte Unicode-Zeichen nicht aussprechen zu lassen. Und Genau dies geht je nach OS, Screenreader und TTS bereits. In NVDA (Open-Source-Screenreader für Windows) kann man dies über den Menüpunkt „Aussprache von Symbolen und Satzzeichen…“ machen. Hier lässt sich festlegen, wie und wann ein Unicode-Zeichen ausgesprochen werden und/oder ob jene direkt 1:1 an den TTS-Synthesizer zur weiteren Verarbeitung weitergeleitet werden soll. folglich lässt sich hier theoretisch einstellen, dass das Sternchen („*“) als „Stern“ ausgesprochen werden soll und dies lediglich auf der Ausführlichkeitsstufe „Einige“. (Der Doppelpunkt ist wegen Satzbau ein Sonderfall.) Es gibt hier fünf Stufen: Keine, Einige, Meiste, Alle und Zeichen, wobei „Zeichen“ sich ausschließlich auf das Zeichen-weise Navigieren des Cursors mittels den Pfeiltasten nach links/rechts bezieht.

        Befindet man sich folglich in der Stufe „Keine“ (ändern durch NVDA+P = INS/NumINS/CapsLock+P; in die Stufe „Zeichen“ kann man nicht wechseln)), so wird „Leser*innen“ wie „Leser Innen“, also mit einer Pause (Länge eines Leerzeichens) dazwischen, ausgesprochen. Auf Stufe „Einige“ hingegen als „Leser Stern Innen“. Selbiges trifft auch beim Slash („/“) zu, den ich bei meinem ersten Kommentar vergessen gehabt hatte zu erwähnen. Und ja, auch die Aussprache von „LeserInnen“, „Leserinnen“ und „Leser-innen“ ist je nach Screenreader und TTS unterschiedlich. Ob hier eine bestimmte Betonung für „LeserInnen“ im Vergleich zu „Leserinnen“ erwünscht ist, hängt hauptsächlich von den Vorlieben des Screenreader-Users ab, zumal es auch synthetische sowie phonetische TTS-Engines gibt. Und alle haben so ihre Vor- und Nachteile in der Betonung bestimmter Wörter bzw. Zeichen sowie auch in der Verständlichkeit bei sehr hohen Vorlesetempi (= über 400 Wörter/Minute).

        Hier eine einfache Lösung zu finden, die alle gleichermaßen zufrieden stellt, ist meiner Ansicht nach völlig unmöglich, weshalb das Anbieten von Betonungs-Optionen hinsichtlich der vier o.g. Schreibvarianten für geschlechtergerechte Sprache obligatorisch ist. Daher ist mein Ansatz mit dem Wörterbuch meiner Ansicht nach die einzig sichere Methode, da man hier die korrekte Aussprache nebst der Silben-Betonung auf ein ganzes Wort eingrenzen kann. Würde man hier nämlich nur allgemeine Ersetzungen festlegen, so würde dies zu unvorhergesehene Nebeneffekten führen, die man dann erst recht wieder gesondert behandeln müsste. Und an dieser Stelle sei auch noch darauf hingewiesen, dass auch Auszeichnungs- und Programmiersprachen (Markdown, HTML, CSS, JS, PHP, Python usw.) ebenfalls von einer TTS vorgelesen wird bzw. weiterhin vorgelesen werden können muss. Daher auch diese Einschränkung auf ausschließlich ganze Wörter, auch wenn’s extrem viele sein werden. aber es ist meiner Ansicht nach halt die einzig sichere Methode. (Man möge mich aber gerne eines Besseren belehren.)

        Und nein, die CSS-Selektoren „::before“ „und „::after“ sind ebenfalls keine Lösungen hierfür, da deren (Text-)Content ja vom Screenreader erfasst wird. Zudem würde dies dann auch nur bei Websites funktionieren, nicht aber in anderen dokumenttypen oder gar in reinen Textdateien.

        PS: Braille, einfache Sprache sowie leichte Sprache wären dann noch weitere Kapitel, worauf man genauer eingehen könnte bzw. sollte. Bevor ich aber komplett den Rahmen sprenge, verweise ich hinsichtlich Braille daher lediglich auf das Kapitel „2.6.7 Binnengroßschreibung“ in „Das System der deutschen Brailleschrift“ (2018); zu finden auf http://www.bskdl.org/textschrift.html.

      2. Menschen, die sich nicht in die binäre Ordnung von entweder Mann oder Frau quetschen lassen sind mit dem Wechsel Leserinnen /Leser nicht angesprochen.
        Welche Schreibweise sich nun auch durchsetzen mag, wichtig ist dass Bewusstsein und der Wille auch alle zu benennen. Wenn schon Geschlecht in der Benennung für erforderlich gehalten wird, dann nun auch die Vielfalt der Geschlechter.

    2. Danke für den Hinweis auf diese Problematik. Natürlich ist es nicht unser Anliegen, durch geschlechterinklusive Sprache anderen Gruppen das (vor-) Lesen (lassen) zu erschweren. Wir haben uns vorgenommen, uns diese Thematik in den kommenden Wochen genauer anzuschauen.

      Ad hoc frage ich mich, ob nicht die hier auch schon vorgeschlagene Variante eine Lösung sein könnte, bei der Doppelpunkt und Sternchen standardmäßig nicht mit vorgelesen werden, wenn sie innerhalb eines Wortes vorkommen. Das würde sich dann wie das generische Femininum lesen. Es bräuchte dann jedenfalls keine manuelle Korrektur tausender Wortkombinationen.

      1. Nur so eine Idee:
        Versucht so oft wie möglich ganz allgemein zu schreiben, wie bei Lesenden oder Studierenden.

        Der Textparser, der den Synthi speist bei einer TTS-SW könnte relativ einfach nach :innen suchen und die Pronomen einprogrammiert bekommen und die beim Auftauchen des : durchlaufen.

        So viele gibt es da gar nicht. Kleiner Suchbaum, im Durchschnitt wird der bis in Tiefe 5 oder 6 eindringen mit je 2 Operationen. Ist ein klacks. Nur: Da hat eine Website selber nicht die FInger drin, wenn ich richtig informiert bin. Vielleicht irgendwann mal mit HTML 6.0 oder später.

        Mit der Sternchenschreibweise sind die Chancen definitiv höher, dass eine TTS-SW das schon ganz von alleine kann und brauchbar umsetzt. Weils einfach viel verbreiteter ist als der :

    3. Mich hat in diesem Fall direkt die Aussprache einer gendergerechten Schreibweise interssiert, dazu folgender interessanter Artikel http://www.sprachlog.de/2018/06/09/gendergap-und-gendersternchen-in-der-gesprochenen-sprache/
      Es sollte nicht all zu schwierig sein in Text-zu-Sprache-Programmen einem Satzzeichen im Wort ohne Abstände das entsprechende phoenetische Zeichen und die entsprechende Aussprache zuzuordnen. Natürlich ist es nicht Sinn der Sache, dass es jeder in Eigenregie tut, sondern sollte eine Forderung an die Sprachausgabeprogramme sein, auch mit dem Hintergrund der Barrierefreiheit. Vereinfachend wäre auch hier, wenn sich eine einheitliche (Schrift-)Form durchsetzen könnte, mit dem Risiko, dass sich einige Meinungsträger:innen ausgeschlossen fühlen werden ;). Schwieriger finde ich die Wort zu Text Umsetzung, aber auch das sollte durch Nachkorrektur und maschinelles Lernen kein Ding der Unmöglichkeit sein.
      Je häufiger und umfassender die gendergerechte Sprache genutzt wird desto schneller kann die Umstellung statt finden; die „besseren“ Medien sowie die Sach- und Fachliteratur machen dies ja größtenteils bereits. Die nächsten Herausforderungen wären die gesprochene Sprache (siehe Verlinkung oben), Belletristik (oder Gott bewahre Poesie)… und irgendwann gaaanz zum Schluss die Bild.
      Wir befinden uns gerade einfach in der schwierigen Phase der Umgewöhnung/ Wechsels, was auch die vielen kritischen Meinungen, teilweise Paradebeispiele für OK Boomer, und das Fehlen einer einheitlichen Form bezeugen.

  3. Wenn es um geschlechtergerechte Sprache geht, dann müssen einige Selbstverständlichkeiten in der Tat auf den Prüfstand. Denn ein „das war schon immer so“ ist inakzeptabel.

    Worüber ich mir schon seit langem den Kopf zerbreche ist eine generische Formulierung die alle anspricht, ohne dabei die Unterschiede hervorzuheben.

    Die derzeitige geschlechtergerechte Sprache tut aber, meiner Ansicht nach, genau das: Unterschiede hervorheben. Wenn ich „Autor:innen“ lese, dann entsteht am ‚:‘ ein gedanklicher Bruch in zwei Gruppen. Aber eigentlich will man doch das Gegenteil erreichen, nämlich alle Mitglieder der Gruppe ansprechen, ohne das Geschlecht überhaupt als Diskriminierungskriterium in den (gedanklichen) Raum zu stellen. Von divers und dem „innen“-Sufix will ich gar nicht anfangen. Wenn man dort pingelig ist, dann könnten sich auch daran einige Individuen stören.

    Die derzeitigen Formulierungen sind zu umständlich und laufen dem Sprachfluss zu wider. Daher denke ich dass es dagegen Widerstand gibt und es auf Dauer nicht dabei bleiben kann. Es muss weiter nach einer sprachlichen Form gesucht werden die sich organisch einpasst und keine Spaltung in den Vordergrund stellt.

    Derzeit bietet die geschlechtergerechte Sprache eine viel zu große Angriffsfläche für Leute die plump dagegen Hetzen und Stimmung machen. Ich fürchte, dass wir mit den aktuellen Formen den Kampf um die Köpfe verlieren.

    Das heißt nicht, dass wir aufgeben dürfen. Es muss aber etwas besseres gefunden werden als ‚:‘, ‚*‘ oder CamelCase, weil dabei IMMER ein Bruch entsteht.

    1. „Die derzeitigen Formulierungen sind zu umständlich und laufen dem Sprachfluss zu wider. Daher denke ich dass es dagegen Widerstand gibt und es auf Dauer nicht dabei bleiben kann. Es muss weiter nach einer sprachlichen Form gesucht werden die sich organisch einpasst und keine Spaltung in den Vordergrund stellt.“

      Die derzeitigen Lösungen sind allesamt Krücken, um uns über das Handicap hinwegzuhelfen, dass die deutsche Sprache nun mal über sehr lange Zeit nur das generische Maskulinum kannte. Das passte in eine Gesellschaft, in der niemand patriarchale Strukturen in Frage stellte. Heute passt das nicht mehr. Falls du einen Vorschlag für weniger umständliche Lösungen hast als das * oder das :, freuen wir uns darüber. Ehrlich gesagt finde ich diese Lösungen aber gar nicht so umständlich.

      Und zum Argument mit der Angriffsfläche: Wer hierfür eine sucht, wird sie immer finden. Es geht uns auch nicht darum, andere von unserer Version zu überzeugen. Die Argumente für und wider liegen bereits seit einer Weile auf dem Tisch. Man muss sich nur darüber klar werden, was einem selbst wichtig ist.

      1. Im Fall von Leser/Leserinnen ist die Lösung ziemlich einfach: Lesende.
        Bei vielen gängigen Bezeichnungen (vor allem bei fremder Wortherkunft/Endung) gestaltet sich das schon schwieriger, ist aber mit neuen Wörtern machbar.

    2. Maik hat m.E. ein sehr wichtiges Argument vorgetragen. Wenn ich im Plural z.B. von Politikern spreche, dann möchte ich keine Aufteilung in männlich/weiblich vornehmen, wenn dies zur Sache nichts beiträgt. Was anderes ist es, wenn es um einen Sachverhalt geht, der von den beiden Geschlechtern unterschiedlich beurteilt wird oder werden könnte, also geschlechtsspezifisch angesprochen werden muss. Ich finde es zu eng gedacht, einen Begriff im Plural als „männlich“ zu deklarieren, nur weil er im Singular für die männliche Form genutzt wird. Es fehlt nur noch, dass irgendjemand irgendwann von MenschInnen spricht….

    3. „Die derzeitigen Lösungen sind allesamt Krücken, um uns über das Handicap hinwegzuhelfen, dass die deutsche Sprache nun mal über sehr lange Zeit nur das generische Maskulinum kannte.“

      Das stimmt so nicht, die deutsche Sprache kennt ebenso lange auch das generische Femininum (z.B. die Person, die Geisel) und natürlich auch das genereische Neutrum. Die Verteilung der Genera ist freilich bedingt durch eine patriarchale Vergangenheit extrem unausgewogen.

      Was an der andauernden Debatte jedoch immer wieder stört ist die implizite und irrige Annahme, dass Genus mit Sexus gleichzusetzen ist. Von einem gutem Beitrag zu diesem Thema würde ich eigentlich erwarten, dass er sich auch mit dieser Thematik auseinandersetzt. Denn natürlich ist es ein Problem, dass viele Menschen bei einer männlichen Formulierung (genus) nur an Männer (sexus) denken. Sinnvoller als die sogenannte gendergerchte Sprache mit all ihren Formen der sprachlichen Verrenkung erscheint es mir jedoch, hier anzusetzen und für eine Veränderung der Interpretation des generischen Maskulinum als _generisch_ zu sorgen, es also auf die Funktion zu reduzieren. Dies ist freilich ein schwierigerer Prozess, da er ein Umdenken beim Lesen oder Hören statt beim Schreiben oder Reden erfordert, aber wenn sich diese Denkweise einer Fokussierung auf die Funktion statt auf das Geschlecht durchsetzen würde, hätte sie womöglich das Potential auch eine tiefgreifendere gesellschaftliche Änderung zu begünstigen.
      Nebenbei würden sich auch einige andere Probleme (Lesefluss und Screenreader, Inklusion nichtbinärer Geschlechter) auflösen.

      Trotz allem bleibt das generische Maskulinum eine unperfekte Lösung, wünschenswert wäre eine geschlechtsunspezifische Sprache. Das Englische ist in dieser Beziehung dem Deutschen überlegen, denn es setzt genau das um und klammert das Geschlecht aus und beschränkt sich auf die Funktion.

      1. Ich halte es auch für einen erforderlichen Prozess, dass sich die Sprache verändert – genderneutrale Schreibweisen sind eine – notwendige – Krücke, um die Unzulänglichkeiten der Sprache zu kompensieren.
        Oft scheint auch eine implizite Wertung in den früher üblichen – d.h. überwiegend generisches Maskulinum verwendenden – Begriffen enthalten zu sein. Auch hier scheint mir die deutsche Sprache anderen Sprachen wie z.B. dem Englischen unterlegen zu sein. Dies erstreckt sich nicht nur auf den Genderbereich. Auffällig ist beispielsweise, dass diverse Verben oder auch Substantive im Deutschen vorhanden sind, auf die andere Sprachen verzichten können, und die eine Abwertung/Aufwertung des bezeichneten Subjekts, auf das diese bezogen werden, beinhalten und dann ggf. auch entsprechend verwendet werden.
        Dies wird deutlich an z.B. folgenden Beispielen:
        dt. „essen“ vs. „fressen“ – im Englischen reicht „to eat“ aus, um die Tätigkeit zu bezeichnen und auch ausreichend Klarheit hinsichtlich der Aussage zu erreichen. (Zahlreiche Analoga unschwer aufzufinden, z.B. „Mund/Maul“ vs. „mouth“….)
        Sprache verändert sich durch ihren Gebrauch, und wer hier einen Paradigmenwechsel wünscht, hat immerhin den geringen Einfluss, durch die Auswahl der eigenen Sprache und Schreibweise einen Impuls zum Nachdenken zu geben.

        just my 2c

  4. Liebe Netzpolitik.org,

    Ich finde es gut das ihr euch mit der Problematik befasst. Ich glaube auch das viele Frauen sich bestätigt fühlen durch die Schreibweise und sich inkludiert fühlen, das ist gut! Ich glaube aber auch das die Schreibweise die Rollenteilung in Mann und Frau weiter erhalten. Denn sie inkludieren diese nur und heben ihre Bedeutung nicht auf.

    Ich möchte hierbei betonen das ich eure Wahl respektiere und nicht kritisiere. Ich möchte mit meinem Beitrag nur auf eine weitergehende Problematik hinweisen.

    Vielleicht wäre es gut die männliche und weibliche Form anders zu benutzen, die in der Rollen Verteilung keine Sinn macht. Vielleicht männlich um auszudrücken, das etwas emotionales passiert ist und weiblich um die Sachlichkeit in der Person zu würdigen. Denn nur wenn eine Kategorisierung nicht mehr stattfindet wird diese auch tatsächlich aufgehoben. Das gleiche gilt übrigens für den Rassismus. Erst wenn man sich als Mensch begreift spielt Rasse keine Rolle.

    Ich weiß nicht. Ich hatte in deutsch immer eine 4-5.. ;) da seid ihr das bessere Personal. Ich fände es aber Lustig zu lesen:
    „Der Kanzler Merkel zeigte sich gerührt bei der Preisverleihung. Sie betonte in der folgenden Rede die Wichtigkeit der Rolle als Kanzlerin.“

    Wie auch immer das Thema ist schwierig.

  5. Vielen Dank für euren tollen Einsatz! Nur so kann sensibilisiert & sichtbar gemacht werden.
    Wenn ihr übrigens eure Lesenden ärgern möchtet und die (nicht konstruktive) Kritik am : oder * „ernst“ nehmen möchtet: verwendet möglichst neutrale Worte!
    Statt Autor:innen zb Verfassende, Schreibende, Autorenschaft, usw.
    Der :/* ist (mMn) der bessere Weg, weil es einfach auffällt. Wird möglichst neutral geschrieben zb Lesenden, fällt das wieder keiner sau auf.
    Wenn sich also unsere Sprache durch Aufmerksamkeit auf alle Geschlechter zur neutralen Sprache entwickelt und weg von dem generischen Maskulin, ist das ein krasser und verdammt wichtiger Schritt.

    1. Eine geschlechtergerechte Sprache finde ich gut und wichtig, leider finde ich die derzeit praktizierte Art und Weise als extrem undurchdacht und problematisch.

      In geschriebenen Texten funktioniert das derzeitige System durchaus einigermaßen. Durch das Anhängen von „Innen“, „:innen“, „*innen“, „_innen“ usw. wird durchaus deutlich, dass man beide Geschlechter meint, aber es fehlt an Konsistenz. Jeder sucht sich ein anderes Trennzeichen vor dem „innen“ aus, was das ganze eher wie eine Programmiersprache aussehen lässt, und jeder nutzt einen andere. In der deutschen Sprache gibt es außer einem Bindestrich und einem Punkt (bei Abkürzungen) keine anderen Trennzeichen innerhalb von Wörtern, was das ganze wie einen Fremdkörper aussehen lässt. Am besten passt hier noch das Anhängen von „Innen“ (mit großem „I“), was es sonst bei Abkürzungen und Akronymen auch gibt, und so durchaus ins Sprachbild passt – und diese geschlechtergerechte Form kann man ja als Abkürzung sehen. Warum kann man sich hier nicht auf eine Form einigen?

      Bei der gesprochenen Sprache funktioniert das jetzige System aber leider gar nicht. Die Probleme für Sprachausgabe für Blinde, wie oben schon angesprochen, sind ein weiteres Problem, möchte ich aber gar nicht näher besprechen. Wichtiger ist, dass in der gesprochenen Sprache das Trennzeichen oder „Binnen-I“ meist nicht rüber kommt und erkennbar ist. Man sollte bei der Aussprache hier wohl eine Pause machen („Professor[Pause]innen“), leider ist diese im normalen Sprachfluss fast nie eindeutig erkennbar (diese Pause-Regel kennen einige wenige Sprecher durchaus und versuchen diese auch deutlich zu machen, aber häufig gelingt das nicht wirklich, die Pause ist so kurz, dass man die nicht als solche gut erkennt, viele Sprecher scheinen diese Regel gar nicht zu kennen oder machen sich nicht die Mühe die Pause deutlich machen, und so gibt es absolut keine erkennbare Pause). Und dadurch wird diese geschlechtergerechte Sprache zum Gegenteil: statt immer die männliche Form zu verwenden, wird nun scheinbar immer die weibliche Form verwendet. Also keinen Deut besser als zuvor, nur das Vorzeichen hat sich geändert.

      Für eine sinnvolle tatsächlich funktionierende Lösung ist es vermutlich inzwischen zu spät. Aber I im Grunde bräuchte man neue geschlechterneutrale Bezeichnungen anstatt einfach ein „innen“ anzuhängen. Diese neutrale Bezeichnung könnte man ebenfalls durch Anhängen eines neuen Wortbestandteils erreichen, der darf aber eben nicht der weiblichen Form ähneln, um Verwechslungen zu vermeiden, wie es aktuell leider der Fall ist.

      Ansonsten plädiere ich bei geschriebenen Texten eigentlich immer zur ausführlichen Nennung beider Geschlechter, das kostet beim Lesen eigentlich keine Zeit, ist eindeutig, und man degradiert Frauen nicht zu „programmiersprachlichen“ Krücken oder Notlösungen („*“ ,“_“, „:“), in dem man seltsame Konstrukte erfindet, um diese platzsparend auch noch mit erwähnen zu können.

      1. Ich stimme zu, dass eine leicht aussprechbare Lösung wünschenswert ist. Ein konkreter Vorschlag dazu ist, in Anlehnung an das geschlechtsneutrale Wort „Person“ die Endung „-on“ für geschlechtsneutrale Substantive zu verwenden: „Leseron“, „Aktiviston“, „Kundon“ usw, im Plural „Leseronen“, „Aktivistonen“, „Kundonen“ usw. Mehr Infos zu diesem Vorschlag gibt es hier: https://geschlechtsneutral.net/

        Anders als Du denke ich nicht, dass es für eine solche Lösung schon zu spät ist. Im Spanischen sieht man gerade, wie eine ähnliche Lösung mit der Endung „-e“ die vorher existierenden rein schriftsprachlichen Lösungen mit „-@“ oder „-x“ ersetzt. Ich hoffe, dass ein ähnlicher Prozess auch im Deutschen bald in Fahrt kommt.

      2. Wie wäre es, sich einfach die Zeit für ein korrektes Nutzer und Nutzerinnen zu nehmen? Man begrüßt ja auch nach wie vor korrekt mit „Meine Damen und Herrn“. Aber das scheint ja schon zu viel verlangt zu sein. Man muss ja alles abkürzen, damit es möglichst in 160 Zeichen passt.

        1. Mit „Nutzer und Nutzerinnen“ werden nichtbinäre Personen aber ausgeklammert, genauso wie bei „Damen und Herren“. Im ersten Fall finde ich als selbst nichtbinäre Person das noch etwas weniger schlimm, da ich mich der Verallgemeinerung „Nutzer“ zuordnen kann, da das ja eben leider auch geschlehctsübergreifend gemeint wird.
          Bei „Damen und Herren“ bin ich allerdings völlig raus. Ebenso bei „Wir benutzen hier nur die männliche Form, aber Frauen sind mitgemeint“.
          Wirklich für alle wäre „Nutzende“ bzw. „Liebe Anwesende“. Und das finde ich nicht krampfhaft kurz, sondern angenehm einfach.

    2. „verwendet möglichst neutrale Worte! Statt Autor:innen zb Verfassende, Schreibende, Autorenschaft, usw.“

      Das ist dann auch eine Veränderung, die die Sprache erst durchmachen muss. Denn nach derzeitiger deutscher Grammatik sind „Verfassende“ ein Gerundivum und damit Leute, die das gerade tun, nämlich verfassen. Der asylsuchende „Flüchtling“ ist demnach kein „Flüchtender“ mehr, denn er ist schon angekommen. Die Welt könnte so schön sein – aber gerade das Deutsche mit seinen drei Geschlechtern macht es uns nicht einfacher.

      1. Man kann es sich auch absichtlich schwer machen. Die drei Geschlechter im Deutschen sind grammatische Geschlechter, keine biologischen. Das Wort Geschlecht verwirrt die Gemüter, denn es ist eine linguistische Kategorie, keine biologische odert soziale. Darum sind Bürger Bürger egal welchen Geschlechts, und Radfahrer und Studenten usw. Es könnte so leicht sein ohne diese künstliche Aufregung. Der Bamberger Linguist Helmut Glück hat dazu sehr verständlich geschrieben.
        Die Studien mit den angeblichen Vorstellungen, die einem zuerst einfielen, beruhen auf gesellschaftlichen Situationen, in denen tatsächlich in der Mehrheit ein bestimmtes biologisches Geschlecht vertreten ist. Als in der DDR aufgewachsener, mit der Gleichberechtigung vertrauter kann ich vieles einfach nicht nachvollziehen. Ändert sich die gesellschaftliche Situation, ändert sich auch (mit Verzögerung) die intuitive Vorstellung. Dies berücksichtigen die Studien nicht.
        Außerdem ist im generischen Genus das Weibliche nicht „mit“gemeint, sondern einfach nur gemeint. So wie auch jede weiter Geschlechtsform, sei sie noch so exotisch.
        Statt die Sprache zu verhunzen, sollte man die Gesellschaft in der gewünschten Richtung ändern. Das ist anscheinend nicht so einfach (?), so bastelt man ohne Legitimation lieber an der Sprache herum, ohne sie wirklich besser zu machen.

  6. Der Doppelpunkt „:“ ist weitaus weniger irritierend als der *. Der * unterbricht bei mir immer den Lesefluß weil ich kurz stutze und eine Fußnote erwarte. An den Doppelpunkt könnte ich mich sogar gewöhnen.
    Man bräuchte aber eigentlich eine Variante die auch die Chance hat sich umgangssprachlich durchzusetzen. Das seh ich bei keiner der bisherigen Lösungen.

  7. Meiner Ansicht nach gibt es hier einige erwähnenswerte Punkte.
    Der sinn der Geschlechter Sprache möchte ja darin liegen aufmerksam zu machen(meist darauf das mit z.B. „Journalist“ nicht nur Männer sondern auch Frauen gemeint sein können).

    Was ich zwar prinzipiell befürworte denn es (gibt/)gab eine Starke Geschlechter Diskriminierung und gegen diese anzukämpfen ist gut aber das anwenden der „Genderung“ – also *, ;, :, -, … oder camelCase usw./etc. – schließt ja auch undefinierte Gruppen aus(ein Beispiel:“Unbekannte Hacker…“ also Gegändert:“Umbekannte Hacker;innen…“ im Gegänderten beispiel wird suggeriert das die Gruppe zwar unbekannt ist aber eigentlich ja schon Weibliche mitglieder ermittelt wurden während im ersten fall – also in Standarddeutsch/Standardhochdeutsch geschrieben – eine Wirklich unbekannte Gruppe suggerier wird welche zwar Teinehmer Beider Geschlechter habe könnte aber wenn man 2 und 2)

    1. Ist mein Kommentar war leider nicht ganz fertig und hab ihn versehentlich gesendet… der Ganze kommentar also sozusagen mit dem Rattenschwanz kommt hoffentlich noch

  8. Und dafür genau gibt es Plugins wie „Binnen-I be gone“. Es war sehr lustig den Satz zu lesen:
    „… nicht nur von Informatikern, sondern von Informatikern geschrieben wurde …“

    Deutsch ist einfach eine sehr unpraktische Sprache und schon gar keine gerechte. Während man im Englischen dieses Problem so nicht hat, gibt es in Deutschland ständig neue:
    – Siezen oder Dutzen?
    – Männlich, M und W, Gendern (mit welcher Methode: -_*/…?)
    – Rechtschreibung
    – Viele, sehr präzise Begriffe die etwas sehr konkret ausdrücken das irgendwann niemand mehr versteht, weil es so viele herrschende Meinungen gibt. Ich finde es besser auf einer anderen Abstraktionsebene zu arbeiten und bei Bedarf zu konkretisieren.

    Ich habe schon gar keine Lust mehr vorwiegend auf Deutsch zu kommunizieren weil mir diese ständigen Änderungen und Problemchen echt auf die Nerven gehen. Ich war keiner der Leute die sich hier beschwert haben, denn „be the change you want to see“ ist wenn ich es kann auch mein Motto und daher nutze ich das Plugin und lasse euch gendern ohne Kommentar (wenn ich mich in NP rein versetze denke ich auch dass es ohne nicht mehr wirklich geht in unserer Gesellschaft).

    Eine Frage bleibt für mich bei diesem Lösungsansatz allerdings offen:
    – Nun, nachdem wir -, _, /, * und : durch haben – was ist denn nun wirklich das Beste und warum?
    – Werden nun nicht alle Geschlechter außer dem männlichen und dem weiblichen diskriminiert, weil letztere eine eigene Bedeutung durch die Syntax erhalten, während alle weiteren unter „sonstiges“ subsumiert und damit syntaktisch-hierarchisch abgewertet werden?

    Ich glaube wenn ich mich weder als M noch als W fühlen würde, dann würde ich mich mit „Informatiker:In“ nicht angesprochen fühlen, wenn die zitierte Studie schon sagt dass es Frauen ohne weibliche Endung so geht.

  9. Prinzipiell begrüße ich den Kampf um eine geeignetere Sprache. Jedoch war ich schon immer der Ansicht, dass das Binnen-I – und sämtliche seiner Variationen – der Kampf an der falschen Front sind. Es ändert nichts daran, dass die Menschen – zumindest laut Studie und ich will mich da mal raus nehmen – bei Wörtern wie Leser, Gast, Kunde, … zuerst an Männer denken. Im Gegenteil: Das Binnen-I baut sogar neue Barrieren auf; wie man wohl an den vielen Zuschriften sieht.
    Ich muss gestehen, dass ich irgendwann gemerkt hatte immer weniger Netzpolitik.org gelesen zu haben. Auf der Suche nach dem Grund, stieß ich irgendwann in den Kommentaren auf die Erweiterung „Binnen-I be gone”. Seitdem ich diese nutze, ist meine Frequentierung von Netzpolitik.org wieder stark gestiegen. Das Binnen-I entspricht einfach sowohl technisch (Satz-, Kapital- und Sonderzeichen mitten in Wörtern) als auch inhaltlich (ich denke bei „die Leser” an eine Gruppe von Menschen unabhängig vom Geschlecht) nicht meinen Lesegewohnheiten und erschweren meinen komfortablen Lesefluss.
    Ich will hiermit nicht sagen, dass Netzpolitik.org seine Art zu schreiben verändern oder vorgeben sollte. Ich habe meinen Weg damit umzugehen ja gefunden. Ich wollte weiterhin die guten Inhalte haben und habe eine Lösung für meine Befindlichkeiten gefunden ;-) Ich finde es jedoch wichtig, dass es auch andere Ansätze und Meinungen gibt, die nicht per se verteufelt werden sollten.

  10. Gendergerechte Schriftsprache – ok. Ich habe damit lediglich ein Problem: wie drückt man das gesprochen aus? Expandiere ich den Doppelpunkt oder das Sternchen zu „Leserinnen und Leser“? Oder sage ich „Leserinnen“ ohne den Doppelpunkt? Oder Sage ich „Leser Innen“ mit deutlich erkennbarer Pause? Klingt seltsam, aber vielleicht muss man sich einfach dran gewöhnen. Wobei „Leserinnen und Leser“ mir am liebsten wäre, aber wohl auch nicht alle erfasst.

    Da Ihr Euch so deutlich positioniert – habt Ihr dazu eine Lösung?

    1. Dann nehmen Sie doch die Version, die ihnen am angenehmsten ist. „Leserinnen und Leser“ ist ja schon mal besser als nur „Leser“. Und falls Sie sich in der Aussprache des gesprochenen Gender-Gap – wie das im Fachsprech heißt – üben wollen: Hier auf der Seite von genderleicht.de finden Sie dafür sogar Audio-Beispiele: https://www.genderleicht.de/sprechen/

    2. Möglich wäre eine Betonnung auf die erste Silbe des Suffixes
      Leser*In*nen

      Klingt gesprochen wie Leser/Innen und lässt sich fließend anwenden, wie ich finde.

  11. > Das andere beliebte Argument derjenigen, denen das * oder der : zu
    > anstrengend ist: „Es sind doch alle mitgemeint.“ Nur stimmt das leider nicht.
    Natürlich stimmt das nicht. Niemand ist „mitgemeint“. Es sind schlicht alle gemeint, sonst stünde da ja ein konkretisierendes Adjektiv vor dem Wort.

    > Menschen haben bei der männlichen Form auch tatsächlich Männer vor
    > Augen, das ist in vielen Studien belegt.
    Das dürfte zuvorderst daran liegen, das überhaupt separate Formen für Frauen etabliert wurden. Dadurch wirken die eigentlichen Generika plötzlich männlich, was sie aber nicht sind. Interessanterweise gibt es, meines Wissens, keine explizit männlichen Formen für feminine Generika; da wird ganz normal ein Adjektiv vorangestellt („männliche Person“).

    > Wir haben noch nie eine kritische Zuschrift erhalten, die sich beschwerte,
    > dass wir von „simsenden Beamten“, „gebouncten E-Mails“ oder der
    > „Datenschutzgrundverordnung“ schreiben
    Ich bin mir recht sicher schonmal Kommentare wegen Denglisch geschrieben zu haben. Was an „Datenschutzgrundverordnung“ nicht standardsprachlich sein soll, ist mir gerade nicht klar.

    1. Natürlich stimmt das nicht. Niemand ist „mitgemeint“. Es sind schlicht alle gemeint, sonst stünde da ja ein konkretisierendes Adjektiv vor dem Wort.

      Wie wäre es, wenn du dich mit dem Argument auseinandersetzt, das wir im Text zu dieser Frage bringen, anstatt einfach zu sagen „stimmt nicht“?

      Das dürfte zuvorderst daran liegen, das überhaupt separate Formen für Frauen etabliert wurden. Dadurch wirken die eigentlichen Generika plötzlich männlich, was sie aber nicht sind. Interessanterweise gibt es, meines Wissens, keine explizit männlichen Formen für feminine Generika; da wird ganz normal ein Adjektiv vorangestellt („männliche Person“).

      Und jetzt? Welchen konstruktiven Beitrag leitest du daraus für das Anliegen einer vielfaltssensiblen und geschlechtergerechten Sprache ab?

      Was an „Datenschutzgrundverordnung“ nicht standardsprachlich sein soll, ist mir gerade nicht klar.

      Es geht ja in dem Abschnitt, auf den du dich hier beziehst, um Ästhetik und Zumutungen für Lesende, nicht um Standardsprachlichkeit. Darauf, dass das Wort „Datenschutzgrundverordnung“ aufgrund seiner Länge und Amtssprachlichkeit für viele Menschen eine Zumutung ist, können wir uns vermutlich einigen, oder?

      1. > Wie wäre es, wenn du dich mit dem Argument auseinandersetzt, das wir
        > im Text zu dieser Frage bringen, anstatt einfach zu sagen „stimmt nicht“?
        Ich habe auf eine falsche Aussage hingewiesen. Natürlich kann man sagen, dass mit „Tisch“ eigentlich das Ding gemeint ist, auf das man sich setzt. Deswegen ist es aber nicht richtig. Auf das Argument an sich bin ich dann im nächsten Zitat noch näher eingegangen.

        > Und jetzt? Welchen konstruktiven Beitrag leitest du daraus für das Anliegen
        > einer vielfaltssensiblen und geschlechtergerechten Sprache ab?
        Aus Fehlern lernen und sie nicht wiederholen und vertiefen. Das oft als „besser“ gepriesene Englisch hat eben nicht für alle möglichen Generika noch speziell weibliche Formen etabliert – es gibt nur „student“, nicht aber „studentess“ (was die logische Konstruktion einer weiblichen Form wäre). Nun werden „neutrale Bezeichnungen“ gefordert und (auf mehr oder weniger absurde Weise) konstruiert, statt einfach die unlängst vorhandenen zu verwenden. Meine Herangehensweise wäre/ist also Aufklärung statt Aktionismus.

        > Darauf, dass das Wort „Datenschutzgrundverordnung“ aufgrund seiner Länge
        > und Amtssprachlichkeit für viele Menschen eine Zumutung ist, können wir uns
        > vermutlich einigen, oder?
        Ich persönlich störe mich nicht an „Amtssprache“. Sie hat normalerweise den Vorteil klar definiert und strukturiert zu sein. Aber jetzt wo Du es sagst: „DSGVO“ geht natürlich genauso gut und verändert bzw. verfälscht den Inhalt nicht; im Gegensatz zu falsch gebrauchten Partizipialformen.

        (OT: Wie funktionieren eigentlich die Zitateinrückungen?)

  12. Ich finde es anstrengend diese unterschiedlichen Genderbezeichnungen zu lesen. Beispielsweise im Artikel oben „Autor:innen“ – d.h. also Plural. Der männliche Plural ist aber Autoren. Dies wird ihn dieser Darstellung nicht sichtbar.
    Ich habe wir Jahrzente, Jahrhunderte oder Jahrtausende die männliche Version standardmäßig verwendet. Wegen mit könnte die gleich lange Zeit auch die weibliche Version Standard sein. Das wäre mir sehr viel lieber als dieser Mix hier.

  13. Ich finde, dass der Artikel einige wichtige Aspekte unter den Tisch fallen lässt.

    Ein wichtiger Punkt z.B. ist, dass die (vermeintlich) geschlechtergerechte Sprache u.a. ein Bekenntnis zu einer bestimmten Klientel ist. Genau dies hat übrigens Anatol Stefanowitsch kürzlich ein einem Zeitungsartikel bestätigt. (Ich meine, es war in der Zeit. Könnte ich nochmal raussuchen.)

    Das will natürlich nicht jeder mitmachen, und natürlich wollen viele auch nicht in jedem zweiten Satz damit konfrontiert werden.

    Ein anderer Punkt ist die Unausgereiftheit der Gendersprache, insbesondere die Spechbarkeit. (Aber auch einige grammatische Probleme bei Pronomen und Artiken im Singular.) Ich empfinde es es z.B. als unaufrichtig, in öffentlichen Verlautbarungen Gendersprache zu verwenden, im Alltag jedoch „normal“ zu sprechen. Und ich habe in meinem Alltag seit Jahrzehnten nicht eine einzige gegenderte Form gehört – außer eben in öffentlicher Rede.

    Folgenden Absatz finde ich rätselhaft:

    „Wir sehen es so: Wenn wir von Politikern, Wissenschaftlern und Aktivisten schreiben, dann schreiben wir über Männer. Das ist in vielen Fällen nicht zutreffend, denn in der Regel geht es bei solchen Pluralnennungen in unseren Texten auch um Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen. Und manchmal auch um Politiker:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen, also um Menschen, die sich nicht in die binäre Ordnung von entweder Mann oder Frau quetschen lassen wollen. Geschlecht kam noch nie in nur zwei Varianten daher, es ist ein Spektrum der Möglichkeiten.“

    Zum letzten Satz: Auf Ebene der Gameten gibt es tatsächlich keine Zwischenformen. Es gibt keine Übergangsformen zwischen Eizelle und Spermium. Aber das nur nebenbei.

    Im ersten Teil ded Zitats scheint ihr euch für ein generisches Maskulinum auszusprechen. Sehr seltsam. „Politiker:innen“ steht eurer Meinung also für solche, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen, und „Politiker“ sowohl für Männer als für Frauen?

    1. Etwas off-topic, aber in diesem Bereich gibt es praktisch alles. Erstaunlich viele Menschen sind Chimären, d.h. das Resultat von zweieiigen Zwillingen, die sich schon sehr früh zu einem einzelnen, meist gesunden, Menschen vereinigt haben. Manchmal haben sie dann am einen Ende des Körpers XX-Chromosomen und am anderen Ende XY-Chromosomen. Das, oder verschiedene Störungen im Zusammenhang mit Geschlechtshormonen, führt dann ganz selten auch zu Menschen, die in jeder Hinsicht eindeutig männlich erscheinen, außer dass sie funktionierende weibliche Geschlechtsorgane haben. Oder umgekehrt. Und etwas häufiger zu einem ganze Spektrum von mehr oder weniger funktionalen Zwischenformen von männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen.

      Allerdings scheint es mir schon so zu sein, dass sich praktisch alle irgendwo auf einer kontinuierlichen Skala zwischen den beiden Geschlechterpolen einordnen können, wenn auch manchmal in verschiedener Hinsicht an verschiedenen Stellen.

  14. Da es mittlerweile eindeutig ein Bedürfnis nach geschlechtsneutraler Sprache gibt, wäre es mal an der Zeit, leicht aussprechbare geschlechtsneutrale Begriffe in Betracht zu ziehen, damit geschlechtsneutrale Sprache auch im alltäglichen Sprachgebrauch gut funktioniert.

    In Anlehnung an das geschlechtsneutrale Wort „Person“ kann die Endung „-on“ für geschlechtsneutrale Substantive verwendet werden: „Leseron“, „Kollegon“ usw., im Plural „Leseronen“, „Kollegonen“ usw.

    Zusätzlich ist es sicher sinnvoll, einen geschlechtsneutralen Artikel einzuführen, der anders als „der“ und „die“ keinen Bezug zu einem der beiden traditionellen Geschlechter hat, und anders als „das“ nicht den Eindruck erwecken kann, dass die genannte Person als Sache dargestellt wird. Die Form „del“ hat sich dabei als vorteilhaft erwiesen, z.B. „del Leseron“ und „del Kollegon“.

    Anfangs sind diese neuen geschlechtsneutralen Begriffe sicher erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber auf lange Sicht ist das sicher die bessere Lösung, als in der Schriftsprache irgendwelche Sonderzeichen in Wörter einzufügen und in der gesprochenen Sprache weiterhin über das Problem zu stolpern.

    Mehr Infos zu dieser Art von leicht aussprechbarer geschlechtsneutraler Sprache gibt es auf der folgenden Webseite: https://geschlechtsneutral.net/

    1. > In Anlehnung an das geschlechtsneutrale Wort „Person“
      Hier würde mich doch mal die Logik dahinter interessieren: Warum ist „Person“ als feminines Generikum neutral, während bspw. „Leser“ als maskulines das angeblich nicht (tatsächlich aber selbstverständlich doch) ist?

      > anders als „das“ nicht den Eindruck erwecken kann, dass die genannte Person
      > als Sache dargestellt wird
      Auch hier würde mich der Gedankengang interessieren, der in Neutra prinziell Sachen sieht. Jeder Diminutiv ist ein Neutrum, bezieht sich aber natürlich weiterhin auf (eine verkleinerte/verniedlichte) Form seiner ursprünglichen Bedeutung.

      1. Zum 1. Punkt: „Person“ wird wohl als geschlechtsneutrales Substantiv empfunden, weil das Genus sozusagen paradox ist. Das kann man sehr gut erkennen, wenn man die Vorurteile von englischen Sprechern betrachtet. Unabhängig vom eigenen Geschlecht – wenn man typische englische Muttersprachlerinnen und Muttersprachler bittet, sich bestimmte Wörter konkret vorzustellen und dann nach dem Geschlecht der Personen in der Vorstellung fragt, kommt meines Wissens weit überwiegend Folgendes heraus:

        – human: männlich
        – person: männlich
        – surgeon: männlich
        – nurse: weiblich
        – parent: uneindeutig

        Auch deutsche Muttersprachler stellen sich bei „Person“ eher einen Mann vor. Und ich vermute, dass das bei deutschen Muttersprachlerinnen auch so ist. Vielleicht nicht mehrheitlich, aber doch häufig genug, um „Person“ im allgemeinen Durchschnitt eher männlich zu machen.

        Zum 2. Punkt: Da sind Diminutive wohl einfach nur eine Ausnahme. Von Diminutiven abgesehen finde ich Neutra aber keine sinnvolle Perspektive für geschlechtsneutrales Sprechen. Fiktives Beispiel: „Die Ruck & Zuck AG hat heute das Mitarbeiton des Jahres gewählt.“ Das klingt für mich nach bewusst entmenschlichender Sprache aus einem dystopischen Roman.

    1. Vielen dank, das gibt es auch für Firefox. Mich Nervt das extrem mit dem Gendern. Ich will möglichst einfach möglichst, gute Informationen. Nun muss ich immer doppelt lesen oder versuchen es auszublenden.

  15. Ich habe immer noch keine Erklärung dafür, was das „:“ bedeuten soll, hingegen bin ich als MS-DOS-Nutzer (viel später dann Windows) seit den frühen 80ern mit dem „*“ sehr vertraut. Der steht für alles zwischen Menschen und Menschinnen. Also: Mensch*innen.

    Ich bin absolut für die Verwendung dieser gendergerechten Benennungen und verwende diese selbstverständlich auch durchgehend, wann immer ich etwas schreibe. Es gäbe übrigens auch genügend Argumente dafür, ausschliesslich nur noch die feminine Form zu verwenden, als Gegengewicht zu der früher durchgehend verwendeten maskulinen Form, also ganz ohne Trennzeichen. Wäre vielleicht auch eine Ueberlegung wert.

  16. es ist immer wieder erstaunlich, leserkommentare zu dem thema zu lesen. alle versuchen nur irgendwelche hindernisse zu finden.

    das hier ist ein schriftlicher blog. was sagen andere: „ähhhh aber ich wundere mich wie man das aussprechen soll.“ oder „ähh ich finde es gar nicht gut das das überall anders geschrieben wird.“ und sie verstehen in ihrem kopf einfach nicht, das es darum hier nicht geht. und das das auch nur in ihrer welt ein problem ist, und in allen anderen realitäten vollkommen normal ist.

    wen kümmert’s wie es geschrieben ist. mit unterstrich oder slash, groß oder kleingeschrieben. es geht einzig und allein darum, wen sie ansprechen wollen. und zwar alle. und nicht diskirminieren wollen.

    zugegeben, das text to speech feature sollte dadurch etwas schwerer werden, was es für blinde etwas schwerer macht und daran sollte man aktiv arbeiten.

    aber es ist klar ein schritt in die richtige richtung. weiter so netzpolitik, viele sind sehr stolz auf euch! mir ist egal wie ihr es schreibt, hauptsache es fühlen sich mehr leute angesprochen und nicht diskriminiert. ihr setzt ein wichtiges zeichen!

    1. Das ist nun mal Ihre Meinung, dass das alles egal ist. Wenn aber die Sprache nun einmal nicht mehr richtig funktioniert, dann stört mich das. Wenn ich einen wissenschaftlichen Artikel schreibe, dann wird das syntaktisch nun einmal häufig komplex. Durch Genderanspruch wird es dann unnötig noch einmal komplexer für mich als Schreiber und für den Rezipienten auch. Und das alles nur weil einige nicht verstehen, dass ich dort nicht über Individuen schreibe, sondern auf Kategorien referiere. Bei jeder persönlichen Ansprache würde ich natürlich differenzieren. Aber wenn ich einen beschriebenden Text schreibe, ist das eine andere Funktion. Das ist nicht egal. Das sind massive Eingriffe in unser Sprachsystem und die haben zum Teil negative Auswirkungen.

    2. Nun könnte man ja einfach mal die Worte in einem zweigeschlechtlichen Text zählen [Z], diesen Text dann ins geschlechtsneutrale übersetzen, dessen Worte [N] zählen, und dann per Z/N ausrechnen wie sehr die zweigeschlechtliche Formulierung bei ansonsten gleichem Informationsgehalt erhöht.
      Das Ergebnis dürfte diese „ist doch egal/stört nicht“ Behauptung objektiv widerlegen.

      Aber klar, wir haben alle unterschiedliche Prioritäten. Sie eben „dass sich alle gemeint fühlen“, ich eben, dass Texte klar leserlich und schnell zu erfassen sind. Vermutlich beachte ich deshalb auch Groß- und Kleinschreibung, während Sie auch an dieser Stelle auf bessere Lesbarkeit pfeifen.
      Eventuell müsste man dann mal eine Umfrage machen, wie das die Bevölkerungsmehrheit sieht. In meinem Umfeld mag nur eine sehr kleine Minderheit (ca. 5%) die zweigeschlechtliche Schreibweise, während gut 60% die geschlechtsneutrale bevorzugen.
      Dem Rest ist es wurscht.

  17. Ich lehre an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprache.
    Gendergerechte Sprache verwende ich dabei nicht.
    Sie würde viele Ausschlüsse produzieren.
    Ich möchte aber, dass alle Kinder lernen können.

    PS:
    Netzpolitik will alle Menschen ansprechen.
    Warum schreibt ihr nicht auch in Einfacher Sprache?
    Es muss nicht jeder Artikel sein.
    Die wichtigen Artikel aber könnten es sein.
    Viele Behörden schaffen das inzwischen.

  18. Als Magazin, das sich dem rationalen Diskurs verpflichtet fühlt, solltet ihr mE zumindest die tatsächlichen Argumente darstellen, die gendersensiblen Sprachregelungen von Linguisten, Autoren und sonstigen Sprechern der deutschen Sprache entgegengebracht werden, wenn ihr schon einen ausführlichen Text darüber schreibt. Das erscheint mir doch als unabdingbar für eine rationale statt ideologische Auseinandersetzung. Insbesondere ist es immer wieder erstaunlich, dass gerade eine Bewegung, die Sprache als Machtinstrument problematisiert und Begriffe hinterfragt, es kritiklos hinnimmt, die grammatischen Geschlechter (u.a.) der deutschen Sprache seien mit „männlich, weiblich, sachlich“ korrekt beschrieben, wenn es in der Linguistik seit Jahrzehnten bekannt ist, dass diese Begriffe eine menschengemachte, sachlich nicht korrekte Zuschreibung sind. Denn während das Femininum im Deutschen in der Tat eine Referenz auf das biologische Geschlecht darstellen kann, ist das traditionell „Maskulinum“ genannte grammatische Geschlecht kein Maskulinum, sondern das seit dem Indogermanischen existierende geschlechtslose Standardgenus, das jede Sprache benötigt, um Wortzuordnungsfehler zu verhindern.

    Etwas anderes ist es zu fragen, ob das Standardgenus im heutigen Sprachgebrauch nicht die Wirkung hat, als biologisch männlich wahrgenommen zu werden (dazu sogleich). Aber zu rationaler Lauterkeit gehörte als Erstes einmal zu verstehen und korrekt darzustellen, dass das „generische Maskulinum“ grammatisch überhaupt kein Maskulinum ist und nur aus historischen (und heute auch aus ideologischen) Gründen noch so genannt wird. Gerade eine Bewegung, die Begriffen eine fast magische Macht über das Denken zuschreibt, muss es an dieser Stelle genau nehmen, will sie glaubwürdig sein. Das Standardgenus macht grammatisch gerade nicht unsichtbar, sondern im besten Wortsinne gleichgültig.

    Der zweite Grundpfeiler geschlechtersensibler Sprache ist die Annahme, das Standardgenus werde jedenfalls im heutigen täglichen Gebrauch mit biologisch männlich assoziiert, und deshalb bedürfe es der Sprachintervention. Diese Behauptung ist spätestens in den letzten 30 Jahren derart oft in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, zunehmend mit Verweis auf Untersuchungen und Studien, wiederholt worden, dass sie für viele, offensichtlich auch die Redaktion von Netzpolitik, für wahr im naturwissenschaftlichen Sinn gilt (zu den Studien sogleich).

    Trotzdem ist es seltsamerweise nach wie vor so, dass ich als Professor nach der Vorlesung zwar sagen kann, alle Studentinnen sollten bitte noch kurz dableiben, wenn ich nur Frauen adressieren will, jedoch alle sitzen bleiben, wenn ich sage, alle Studenten bleiben bitte noch kurz hier. Will ich explizit Männer ansprechen, muss ich diese Information hinzufügen, sie ist sprachlich offensichtlich nicht bereits enthalten. Genau aus diesem Grund gebrauchen Länder an Spitzenplätzen der Gender Equality Indezes (Island, skandinavische Länder) das Standardgenus für Berufsbezeichnungen etc, und streiten sich nur über Pronomen: es ist bereits geschlechtsneutral und – genau so wie sämtliche gendergerechten Umschreibungen – nur eine Frage der Übung.

    Zum Schluss noch eine kurze Bemerkung zur wissenschaftlichen Redlichkeit der Art, wie existierende Untersuchungen zum Thema gedeutet werden. Ich gebe zu das sprengt den Rahmen, und ist hochkontrovers. Gerade deshalb aber erscheint es mir umso essentieller, dass zB Netzpolitik, die für sich einen rationalen Standpunkt reklamieren, nicht einfach blind Webseiten im Netz vertrauen, die (wie zb genderleicht.de) mit freundlicher und reichlicher Unterstützung des BMFSJ betrieben werden, so wenig, wie sie einer Webseite blind vertrauen würden, die mit freundlicher Unterstützung des BMI über die Vorzüge des Staatstrojaners aufklärt.

    Damit meine ich nicht, dass deren Darstellungen sogleich in Bausch und Bogen abzuqualifizieren seien. Sondern, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit wenigstens ein paar der genannten Untersuchungen zumindest der internen Meinungsbildung in der Redaktion sicher nicht schaden kann. Der Linguist Daniel Scholten hat das z.B. auf seinem Blog Belleslettres getan, mit aus wissenschaftlicher Sicht überraschenden Ergebnissen.

    Wer es bis hierher geschafft hat, bekommt einen Keks. Nota bene: ich bin sehr für gesellschaftliche Inklusivität. Ich denke allerdings, ein Ansatz, der weder theoretisch noch empirisch haltbar ist und nur durch starke institutionelle und ideologische Verankerung voran getrieben wird, wird am Ende das Gegenteil dessen erreichen, für das er angetreten ist.

    1. Danke fuer die umfassende Ausfuehrung.

      Ich habe das starke Gendern immer als kontraproduktiv empfunden, da es letztlich dem mE klaren Ziel („es sind natuerlich einfach immer alle gemeint/beinhaltet“) explizit widerspricht. Gleichzeitig erscheint es ein beliebtes Mittel der Distinktion und Selbstversicherung einer kleinen und recht privilegierten Gruppe, was ebenfalls kontraproduktiv ist.

      War schon vor ueber 20 Jahren interessant, an einer eher technischen Uni dieser Diskussion zwischen Naturwissenschaftlerinnen/Ingenieurinnen auf der einen und Geistes/Kulturwissenschaftlerinnen auf der anderen Seite zu verfolgen. Die einen waren eher emanzipiert und haben gegen die gegebene Ungleichbehandlung angearbeitet, die anderen waren diskursorientiert und haben die Beschaeftigung mit ihrer Benachteiligung als Taetigkeit kultiviert.

    2. kim2 hat geschrieben: „Der zweite Grundpfeiler geschlechtersensibler Sprache ist die Annahme, das Standardgenus werde jedenfalls im heutigen täglichen Gebrauch mit biologisch männlich assoziiert, und deshalb bedürfe es der Sprachintervention.“
      Studien, die das tatsächlich belegen, suche ich noch immer vergebens. Ich kenne nur Studien aus der Anfangszeit der feministischen Sprachkritik, und die haben wissenschaftlich nicht überzeugt.
      Und übrigens: Lustigerweise verliert die Endung -innen wohl langsam ihre Bedeutung. Woher kämen sonst Formulierungen wie „weibliche Lehrerinnen“ und „weibliche Täterinnen“? So etwas lese ich immer öfter. Dieser Bedeutungsverlust würde auch erklären, dass sich offenbar kaum jemand an der Endung -innen stört, die beim Gendern dem Sternchen oder Doppelpunkt angehängt wird und ja eigentlich ziemlich schräg wäre, wenn sie wirklich „weiblich“ bedeuten würde.

    3. Ich danke für diese umfangreiche Ausführung vom Kim2 und kann nur zurstimmen.
      Im Übrigen stellt sich die geschlechterneutrale Schreibweise mit Geschlechterstern (wenn man schon die deutsche Sprache voranbringen will, dann bitte auch ohne fürchterliche englisch-deutsche Kunstwörter wie „Genderstern“), bei genauerer Betrachtung als nicht geschlechterneutral dar. Zumindest erscheint es mir nicht so.
      Vom gewöhnungsbedürften Schriftbild abgesehen (weil ja die Wörter mit Geschlechterstern künstliche Kombinationen sind), lässt sich feststellen:
      Lässt man, um einigermaßen Lesefluss aufkommen zu lassen, im Geiste den Stern einfach weg, so bleibt in allen Fällen nur noch die weibliche Form.
      Ohne die Wortteile „*innen“ bzw. „*in“ hingegen, bleibt nicht in jedem Fall die männliche Form, sondern teils grausige Wortschnipsel.
      Beispiele aus dem Buch „Wütendes Wetter“ von Friederike Otto:
      … Hundere von Japaner*innen …
      … Oder den Griech*innen …
      … Das Wetter – es wurde (und wird) hingenommen, als wäre es von Gött*innen gegeben …
      … Meteorolog*innen haben den …
      … mancher meiner Kolleg*innen etwas entgegensetzen …
      Aus feministischer Sicht hat man also mehr als nur Neutralität erreicht, Hut ab.
      Die Frage ist nur, ob das der Sache insgesamt dienlich ist, oder nicht etwa Vorbehalte schafft, die eher kontraproduktiv sind.

    1. Eine ehrliche Frage meinerseits: Gilt das dann nur für das weibliche Geschlecht, oder auch für alle anderen Geschlechter (Gender). Denn bei Ersterem wäre ich einverstanden. Bei Zweiterem sehe ich jedoch eine Unmöglichkeit in der Umsetzung.

  19. DANKE!!! Ich finde es großartig und sehr fortschrittlich, dass Ihr überwiegend geschlechtergerechte Sprache verwendet. Das fehlt mir in sehr vielen journalistischen Beiträgen.

  20. Es ist das Auto (neutrum), die Sonne (f) und der Strand (m). Ich gebe allen recht, die sagen unsere Sprache ist aber sonst sehr maskulin ausgeprägt, jedoch finde ich die : und * sowie die ganzen und, einfach nur übertrieben. Ich würde mich freuen, wenn es die Leserinnen (f) die Mieter (m) etc wären, einfach bestimmten Worten zugetan wird, das diese nur noch feminin oder maskulin geschrieben werden wie bei der Sonne oder beim Strand und das ganze würde ich per Los entscheiden! Damit sparen wir ne menge Tinte und Papier, glaubt mir wenn man nur eine kurze Botschaft mit „Mieterprobleme“ schreiben will wird es zu „Mieterinnen und Mieter-Probleme“, was viel zu lang ist! Die „Sternchen“ und „:“ finde in Gegensatz ziemlich hässlich, sorry da ist ein „und“ schöner! Leider kam keiner auf diese Idee: „Mieter‘innen“ was auch noch schöner zum schreiben wäre! Ich glaube der DUDEN sollte mal einen Wettbewerb hierzu veranstalten!

  21. Nun ist aber „Leser:innen“ auch nicht neutral. Gelesen wird das nämlich als „Leserinnen“ und nicht als „Leser“ „Doppelpunkt“ „innen“, schließt also Männer eigentlich für den Zuhörer oder auch schon für einen Leser selbst aus bzw. hebt Frauen zumindest hervor, macht Männer somit zu Menschen zweiter Klasse. So werden Männer diskriminiert und Frauen überhöht.

    In der deutschen Sprache gibt es halt keine Möglichkeit, alle Geschlechter gleichwertig abzubilden. Vielleicht einfach Englisch schreiben? ;-)

    Am sinnvollsten wäre dann der Schrägstrich, also im Beispiel „Leser/Leserinnen“. Und das wechselnd im Text als „Leser/Leserinnen“ bzw. „Leserinnen/Leser“. Warum wird das nicht verwendet? Weil eben doch Frauen hervorgehoben werden sollen, indem aus „Leser“ heimlich Leserinnen gemacht werden? Eine Alternative wären ganz neue Wörter, die geschichtslos sind.

  22. Danke, danke, danke! Wie wäre es denn, wenn wir das generische Femininum einführen? Das haben schon ein paar Institutionen getestet. Männer mögen sich dann bitte „mitgemeint“ fühlen. Ich fand es anfangs auch befremdlich immerzu beide Geschlechter zu nennen, aber ich gewöhnte mich sehr schnell dran und nun finde ich den umgekehrten Fall befremdlich. Daher, nicht beirren lassen, weiter machen. Vielen Dank dafür!

  23. Es ist doch das Gleiche, wie mit der Diskussion um Organspenden. Man möchte es jedem Recht machen, jeder soll gefragt werden, keiner ausgeschlossen, etc.
    Das Ende vom Lied ist, wir erschaffen komplizierte, bürokratische Monster, bei denen am Ende keiner mehr durchblickt.
    Ja, Sprache soll sich weiterentwickeln und ja, keiner darf benachteiligt werden.
    Sprache hatte in ihrer Geschichte jedoch auch stets den Hang zur Vereinfachung, was man auch heute noch beobachten kann.
    Kaum jemand redet noch in Präteritum oder Plusquamperfekt, von der Benutzung des Genitivs wollen wir garnicht anfangen.
    Also, warum nehmen wir uns kein Beispiel an der englischen Sprache und verbannen die Geschlechter komplett? Als Kompromiss böte sich auch an, bei Begriffen, bei denen das Geschlecht von Vornherein klar ist, Ausnahmen zu machen (die Frau, der Mann z.B.).
    Niemanden hervorzuheben ist nach meinem Empfinden am gerechtesten. Hier wird garantiert keiner ausgeschlossen.
    Mit der vorherrschenden Denkweise wird es am Ende immer Jemanden geben, „das“ sich benachteiligt fühlt …

  24. „Sprache und Diskriminierung“.

    Woher stammt denn das Wort „Diskriminierung“?
    Das Wort Diskriminierung stammt von dem aus dem lateinischen Verb discriminare „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden“ (siehe Wikipedia).

    Durch eine immer weitere Aufteilung und Trennung in der Sprache versucht man also mehr Gerechtigkeit herzustellen? Das ist bereits wo der Denkfehler beginnt.
    Es wird nicht mehr von Hebammen gesprochen (unabhängig vom Geschlecht!) sondern es müssen Geburtshelfer und -helferinnen… aber oh Schreck, es gibt mehr als nur Mann und Frau, jetzt denken wir uns was neues aus! Aber es gibt keinen neutralen Ausdruck! Also nehmen wir einen Stern. Geburtshelfer* aber das reicht nicht, wir hängen die weibliche Endung an, denn je weiblicher die Sprache ist, desto gerechter ist sie doch auch! (aha?)

    Anstelle also das generische Maskulinum als das zu akzeptieren, was es eben auch ist – eine Ausdrucksform, die ALLE Menschen unabhängig von Geschlecht von vornherein mit einbezieht – muss man es weiter diskriminieren in Frau und Mann… und jetzt noch weiter, in Frau und Mann und Divers.

    ABER! Es ändert sich prinzipiell sprachlich nichts. Denn die Behauptung, dass Ärzt*innen oder Ärzt:innen oder ÄrztInnen sprachlich gerecht sei, weil sie ALLE mit einbezieht, ist eben genau dieselbe Behauptung, die auch schon beim generischen Maskulinum besteht und aber nicht akzeptiert werden kann. Ein generisches Femininum – denn wenn immer die männliche Pluralform nicht in den Kram passt, wird sie zugunsten der weiblichen weggelassen – mit Stern, Doppelpunkt oder Großbuchstaben stellt im Endeffekt nichts anderes dar als einen Wechsel vom männlichen zum weiblichen unter der Behauptung, es sei besser und gerechter.

    Da dem aber nicht so ist und sich sprachlich nicht wirklich etwas ändert, nur dass nun andersherum „diskriminiert“ wird („Mama, kann ein Junge denn auch Bundeskanzlerin werden?!“). Dieses Verständnis scheint den Verfechtern dieser Sprachänderung zu fehlen.

    Auch soll mir einer erklären, wo Sprachgerechtigkeit ist, wenn sämtliche generischen Maskulina ins generische Feminina umgemünzt werden müssen, andersherum das aber nicht der Fall ist.
    Also Ärzte –> Ärzt*innen
    Aber Hebammen –> Hebamm*innen?
    Es fehlt die klare Struktur bei dieser Abwandlung, da sie nur männliche Formen betrifft.
    Und manch eine Form, selbst im generischen Maskulinum NICHT betroffen wird.
    Der Mensch –> die Menschen… müsste es nicht korrekt die Mensch*innen heißen? Von vornherein fehlt der Begriff die Menschin. Es konnte anscheinend akzeptiert werden, dass ein Mensch trotz der maskulinen Vorsilb auch weiblicher oder neutraler Natur sein kann.
    Der Abteilungsleiter kann genauso männlich/weiblich/divers sein, wie die Führungskraft in der Führungskräftetagung auch. Es kann also bei jeder weiblichen Form eine Sprachanpassung eingespart werden, nur männliche Formen müssen geändert werden.
    Und nicht etwa in wirklich neutrale Formen, sondern in generische Feminina.
    Der gleiche Fehler, nur umgekehrt und mit Stern oder Doppelung oder großem Binnenbuchstaben. Das ist einfach Unfug und ändert nichts zum besseren, aber einiges zum schlechteren.

    Es wäre von vornherein konsequenter der/die/das abzuändern. Und von Das Arzt oder das Hebamme zu sprechen. Das ist sowohl gerechter, als auch geschlechtsneutraler.
    Und es vereinfacht die Sprache für jeden der nicht deutscher Muttersprachler ist.

    Und es erspart und Irrungen und Wirrungen a la „Gesucht: Oberarzt (geschlechtsneutral)“
    (Na dann viel Erfolg beim finden eines geschlechtsneutralen Oberarztes).

    Es wäre eben AUCH angebracht, die Kritik der Menschen ernst zu nehmen, die diese Sprachvariante NICHT gut finden, anstelle sich bloß auf das Schulterklopfen der kleinen Minderheit zu beziehen, die es gut finden.
    Und wenn wir ganz ehrlich sind: Den aller meisten Menschen ist es so ziemlich egal. Hier wird kein Kampf geführt für andere, es geht um persönliche Sprachideologien von Minderheiten.
    Mich stört das! Sprachlich, menschlich, ideologisch, moralisch!
    Für jeden – und das sind vermutlich in dieser ideologischen Minderheit >90% Frauen – den das generische Maskulinum stört, weil er sich ausgegrenzt fühlt hierdurch – der dieses Sprachkonstrukt nicht versteht, aber auf verstörende Weise darauf besteht, dass es im generischen Femininum gerechter sei! – gibt es jemanden, den das andere stört. Und >90% der Menschen kommt mit dem status quo prima zurecht. Weder meine Chefärztin, noch meine Oberärztin oder meine Schuldirektorin haben sich vom generischen Maskulinum abhalten lassen sich auf eine Chefarzt Position zu bewerben.
    Und kein Patient, der jünger als 60 Jahre ist erschrickt sich, wenn die Krankenschwester (männlich oder weiblich oder divers!!!) sagt, es komme gleich ein Arzt und dann kommt eine Frau hinein. Bei älteren Semestern mag das für Verwirrung sorgen, aber neue Generationen denken anders.

    Hört also bitte auf mit Eurem gesäusel und Eurer selbstherrlichen Erklärerei, warum ihr das macht und dass ihr es für gerechter haltet. Es ist Eure persönliche Sprach-Ideologie, die Ihr auch anderen überhelfen wollt, keine Rücksicht nehmend auf andere Gemütszustände und Sprachverständnisse. Das hat am Ende des Tages aber nichts mit tatsächlicher Sprachgerechtigkeit zu tun.

    Analogie: Ich finde die Farbe Blau schön. In Texten nutzt man aber fast nur Schwarz oder Weiß (unbunte Farben sozusagen). Aber was bekommt man, wenn man alle Farben mischt? Na ja… Für mich ist es vielleicht Farbgerechtigkeit, wenn die jetzt auch häufiger vorkommt und irgendwelche Schönredereien um meinen Standpunkt zu rechtfertigen finde ich schon und es gibt bestimmt auch andere Blauliebhaber, die mir für mein „Farbgerechtigkeitsengagement“ auf die Schulter klopfen. Aber NEIN werden die Rotliebhaber schreien und die Texte in Blau und Rot anfertigen. Doch es gibt nicht nur Rot und Blau, es gibt auch ganz viele andere Farben, also am besten jeden Buchstaben in einer anderen Farbe, auch wenn man dann nicht mehr alle auf jedem Hintergrund lesen kann. Nur so kann wirkliche Farbgerechtigkeit herrschen! Aber immer mit Verweis auf Rot, damit diese Farbe, die lange von Schwarz unterdrückt war, welches ja eigentlich Blau meinte!, doch ihre notwendige Präsenz nach langer Zeit der Unterdrückung bekommt.

  25. Grundsätzlich bin ich d’accord. Alle Geschlechter sollten sich wiederfinden. Es macht etwas in unseren Köpfen wie wir reden. Und genau hier sehe ich ein Problem. Ich will im beruflichen Kontext nicht als Frau sondern als kompetenter Mensch angesehen werden. Meine Sexualität und zu welcher ich mich zugehörig fühle ist meine Privatsache. Durch die Ergänzungen verschwindet nach meiner persönlichen Erfahrung die Diskriminierung nicht . Texte werden im Gegenteil durch die Bewusstmachung zusätzlich in einen sexuellen Kontext gestellt, insbesondere dann, wenn die Sternchen weggelassen werden. Für wahre Gleichberechtigung bieten die Sternchen bislang keine Lösung. Solange Chefs sagen, ich musste Sie einstellen obwohl ich lieber einen Mann wollte, weil Sie eine Frau sind und dies eine Frauenförderstelle ist, wird auch die von diesen Chefs im Firmenauftrag fleißig verwendete gendergerechte Sprache nichts an Realitäten ändern.

  26. Danke für die klare Stellungnahme – ganz meine Meinung!
    Und ja: Ich bin eine Frau, gehöre damit zur zahlenmäßigen Bevölkerungsmehrheit und stelle immer wieder fest, dass ich eben doch nicht mitgemeint, noch nicht einmal gemeint, bin, weil Verfasser beim Schreiben offensichtlich einen Mann vor Augen hatten.

    Für alle, denen die Lesbarkeit und Schönheit der deutschen Sprache wirklich wichtig ist, hier ein Alternativvorschlag:
    Jeder zweite Artikel verwendet das generische Femininum („Autorinnen“, „Autofahrerinnen“, „Aktivistinnen“, …) und erwähnt in einer Fußnote, dass Männer und Dritte selbstverständlich mitgemeint sind.

    1. Solltest du dann auch nicht Verfasser und Verfasserinnen meinen?
      Deinen Alternativvorschlag finde ich interessant, es müsste aber auch bei negativ besetzten Begriffen angewandt werden und nicht nur bei positiv besetzten, also auch die Kriminelle, die Straftäterin, die Müllfachfrau, etc.
      Ich frage mich allerdings auch, ob du allen, die das generische Maskulinum benutzen unter Generalverdacht der Diskriminierung stellst.
      Dass es Verfasser gibt, die beim Schreiben offensichtlich einen Mann vor Augen haben, mag ich nicht anzweifeln, aber das hängt doch nicht davon ab, ob dieser Verfasser das generische Maskulinum verwendet, das hängt doch eher davon ab, ob diese Person Frauen respektiert und mit einschließt oder nicht. Ich kenne Männer, zu denen ich mich auch zähle, die benutzen das generische Maskulinum und machen trotzdem keinen Unterschied zwischen Frauen und Männer und ich gehe fest davon aus, dass du die auch kennst. Also ist es keine logische Schlussfolgerung, gendergerecht spricht man übrigends auch fast nie. Sollen wir jetzt den Schluss machen nur noch zu schreiben, da hier weniger diskriminiert wird?

  27. Liebe Redaktion,

    ich fand den Artikel spannend, da ich selbst ab und an öffentlich zugängliche Texte verfasse und regelmäßig auch vor dem Problem stehe, wie viel Raum dem Thema Geschlecht neben dem eigentlichen inhaltlichen Thema des Textes eingeräumt werden sollte. Dazu zwei, drei (vielleicht andere) Gedanken, die hoffentlich nicht so ratlos machen.

    Grundsätzlich scheint es ein richtiger Ansatz zu sein, Menschen, die (vermeintlich) in der Rolle z.B. der Informatikerin bisher nicht sichtbar waren, nun sichtbar zu machen. Dass das alles mit gefühlt sich alle zwei Jahre ändernden Konventionen (ProfessorIn, Professor/in, Professor:in, Professx, Professor*in) einhergeht, befördert allerdings nicht unbedingt die Akzeptanz des Ansatzes und trägt auch nicht sonderlich zu einer neuen Gewohnheit bei. Vielmehr zeigt es aus meiner Sicht lediglich den Versuch, etwas herbeizuschreiben, was sich einfach nicht harmonisch in einen Text einfügen will. Aber das ist gar nicht das Hauptproblem.

    Nun könnte man sagen, dass das eben der Preis für die gute Sache sei und sich irgendwann schon eine Schreibweise etablieren wird, auf die sich alle verständigen können. Aber wenn man weiterdenkt, merkt man schnell, dass die eigentliche Idee, nun niemanden mehr auszugrenzen, nicht erreicht wird.

    „Es sind doch alle mitgemeint.“ sei ein beliebtes Argument derjenigen, denen das * oder der : zu anstrengend ist. Menschen haben bei der männlichen Form auch tatsächlich Männer vor Augen, das ist in vielen Studien belegt… Das mag stimmen. Aber denken diese Menschen aus den Studien bei der Verwendung von Wissenschaftler*in dann etwa mit einem Mal auch an Schwarze, an Moslems, an Inderinnen oder Menschen mit Behinderung? Wie viele Gruppen lassen sich definieren und wie soll eine Schreibweise aussehen, die alle sichtbar macht?

    (Als in vielen gesellschaftlichen Bereichen unterrepräsentierter Ostdeutscher – wie Studien belegen – wünschte ich mir, dass man die Sprache endlich mal dazu nutzen würde, Ostdeutsche sichtbarer zu machen. Das scheint mir bisher allenfalls dort zu funktionieren, wo es um Rechtsextremismus geht. Ich finde das blöd.)

    Insgesamt erscheint es mir nicht sonderlich zielführend, Sprache als Hebel nutzen zu wollen, um Sichtbarkeit in Bezug auf Rollen zu fördern. Vor allem dann nicht, wenn der Ansatz lediglich auf das Geschlecht abzielt und andere Gruppen (an die Studienteilnehmer:innen auch nicht denken) weiter ausgeschlossen bleiben.

  28. Ihr merkt aber schon, das bei „Autor:innen“, „Leser:innen“, „Verbrecher:innen“ immer die männliche Version ganz besonders ins Auge fällt und die :innen optisch nur Anhängsel sind? Und wo sind die 0,0001% nicht binären, die normalerweise vom * repräsentiert werden? Das : trennt fein säuberlich die m von den w.

  29. Warum wird das * nicht auf das i gesetzt? Hierdurch kann diese unsägliche Schreibform erheblich abgemildert werden und ich als Frau fühle mich nicht als Anhängsel an einem Maskulinum.

  30. Ich finde euren Standpunkt 100 % ok und begrüsse es, dass ihr konsequent und kompromisslos den Weg geht, den ihr für richtig haltet. Gleichzeitig plädiere ich dafür, dass das Leben einfach sein darf und möglichst nicht künstlich verkompliziert werden sollte.

    Diversivikation ist spitze und ist Trumpf. Jede:r ist ein Individuum, das ein Recht darauf hat, als solches wahrgenommen zu werden.

    UND: Wenn wir die Herausforderungen unserer Zeit meistern wollen, müssen wir als Menschheit zusammenstehen, uns als eine Einheit begreifen. Da täte es gut, wenn wir das auch in unserer Sprache berücksichtigen würden.

    Statt sorgsam darum bemüht zu sein, in Sprache und Schrift möglichst jede individuelle Variante berücksichtigen zu wollen, könnten wir Begriffe wählen, die von sich aus schon eine solche Einheit implizieren.

    So könnte anstelle der ohnehin schon unvollkommenen geschlechtsspezifischen Unterscheidung zwischen „Mann“ und „Frau“ einfach „Mensch“ gewählt werden.

    Das würde in vielen anderen Fällen ebenfalls sprachliche Ausgrenzungen verhindern.

    Eine gute Orientierung bietet mE. die englische Sprache, die genderspezifische Bezeichnungen nur im Ausnahmefall kennt, und insgesamt angenehm einfach daher kommt.

    So könnten wir locker 2 von 3 bestimmten Artikeln (der/die) streichen, und würden schon damit eine Menge Sorgen los.

    Schafft das Englische (the) ja schon immer, ohne dass die Welt grammatikalisch zusammenbrechen würde.

    Von mir aus könnten wir also gern komplett auf Englisch umsteigen, das würde mittelfristig viele Debatten ersparen.

    Aufschrei? Okay, ich habe verstanden, dass dieser Vorschlag für dich ein Dolchstoss gegen das teutsche Kulturgut ist und quasi gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes.

    Für die Völkerverständigung – schon innerhalb Europas – halte ich eine gemeinsame Sprache allerdings für deutlich zielführender, als beispielsweise eine gemeinsame Währung.

    Anyway, lasst uns gern eine neue Realität schaffen, indem wir eine neue Sprache etablieren.

    Wir müssen dafür nicht auf eine gesetzliche Erlaubnis aka Rechtschreibreform warten. Wir haben die Macht dazu.

    Aber lasst es uns konsequent einfacher machen, als es bisher ist.

    Zum Wohle des Individuums.

    Und zum Wohle der Menschheit äh….korrekt: Mannheit:Frauheit.

    1. Klasse Idee mit dem Englischen. Am besten für die ganze Welt.

      Könnte mir vorstellen, dass das Märchen mit dem Turmbau von Babel in der Bibel gelandet ist, um uns unterschwellig davon abzuhalten, weltweit eine gemeinsame Sprache zu sprechen zu beginnen. Ist eine reine Spekulation von mir, u.a. basierend auf dem Umstand, dass die Bibel ein sehr manipulatives und dogmatisches Machwerk ist.

  31. „Menschen haben bei der männlichen Form auch tatsächlich Männer vor Augen, das ist in vielen Studien belegt.“

    Können Sie bitte ein paar Studien nennen ?

    1. Aus der wikipedia
      Geschlechtergerechte Sprache

      Gisela Klann Delius: Sprache und Geschlecht. Stuttgart/Weimar 2005, S. 55: „Insgesamt deuten die Studien zum generischen Maskulinum in ihren Ergebnissen daraufhin, dass das generische Maskulinum als männlich gedeutet wird, vermutlich weil dies in vielen Kontexten der wahrscheinlichere Fall ist. Ob dies ein Effekt der Sprache, der lebensweltlichen Erfahrung und Gegebenheiten oder ein Effekt eines generellen Stereotyps ist, kann derzeit nicht klar entschieden werden. Da die Studien zum generischen Maskulinum fast ausschließlich mit studentischen Probanden durchgeführt wurden, kann nicht sicher behauptet werden, dass sie auf andere Gruppen generalisierbar sind.“
      Für Studien an (Klein-) Kindern vgl. beispielsweise: Vervecken, Hannover und Wolter (2013, doi:10.1016/j.jvb.2013.01.008); Conkright, Flannagan und Dykes (2000, doi:10.1023/A:1007167432657).

      Für Studien mit nicht-studentischen Stichproben vgl. beispielsweise: Gabriel und Mellenberger (2004, doi:10.1024/1421-0185.63.4.273), die aus Sportclubs rekrutierte Erwachsene untersuchten; Braun, Sczesny und Stahlberg (2005, doi:10.1515/comm.2005.30.1.1) verwendeten in Experimenten 1 und 3 nicht-studentische Stichproben; Blake und Klimmt (2010, doi:10.1007/s11616-010-0093-2) untersuchten gemischte Gruppen, die sowohl aus Studierenden als auch als Personen mit nicht-universitärem Hintergrund bestanden.

      1. „Ob dies ein Effekt der Sprache, der lebensweltlichen Erfahrung und Gegebenheiten oder ein Effekt eines generellen Stereotyps ist, kann derzeit nicht klar entschieden werden. “

        Also ist diese Studie in diesem Kontext wertlos.

        1. „Also ist diese Studie in diesem Kontext wertlos.“
          Nein, ist sie nicht. Denn festgestellt ist, „dass das generische Maskulinum als männlich gedeutet wird“. Und wenn die Sprache angepasst wird, hat das Einfluß auf die Wahrnehmung dessen, was angesprochen wird. (postives Framing)

          Warum ein ‚falsches‘ Bild im Kopf entstanden ist, wäre interessant zu erfahren, hat aber keinen unmittelbaren Einfluss darauf, welches Bild im Kopf entsteht, wenn gendergerecht gesprochen wird.

  32. Danke für den Beitrag, eine gendergerechte Sprache finde ich durchaus wichtig. Persönlich bevorzuge ich die Schreibweise mit großem ‚I‘, aber da die sprachliche Entwicklung ständig weitergeht, wird sich zeigen, welche sich als Standard durchsetzen wird. Die Meinung, dass ja auch Frauen und nicht-binär identifizierende Personen ‚mitgemeint‘ seien, gehört für mich der Vergangenheit an. Das weiter oben im Kommentar angeführte Beispiel, dass auch die Studentinnen sich mit angesprochen fühlten durch den Begriff ‚Studenten‘ zeugt für mich davon, dass wir natürlich diese alten Sprachgewohnheiten kennen, und deshalb auch nicht rebellieren, wenn sie von einer älteren und Autoritätsperson ausgesprochen werden. Unter den noch älteren Professoren an meiner Uni wurden auch schonmal die ‚Damen‘ aufgefordert, bei der Weihnachtsfeier den Kaffee zu bringen. Naja, wir haben zwar etwas komisch geschaut, aber wollten dem netten Herrn bei der Weihnachtsfeier auch nicht die an sich schöne Geste vermiesen. Soviel zur Toleranz gegenüber Älteren, Standard sollte es allerdings nicht sein.

  33. zu ihrer Debatte um „geschlechtergerechte Formen“ folgendes:
    Ich kommuniziere lieber mit Menschen als mit Maschinen. Für Texte hat das für mich die Folge, dass ich sie mir immer auch als gesprochene Sprache mit Partnerinnen und Partnern vorstelle. Schreiben ist immer zweitrangig.
    Wenn ich zunehmend, auch in video-akkustischen Medien, immer öfter auch in öffentlicher Rede, für (geschrieben) „Aktivist*innen“ dann „Aktivistinnen“ höre, für (geschrieben) „Politiker:innen“ „Politikerinnen“ höre, dann wird’s eben falsch. Da höre ich nur noch von Frauen oder weiblichen Individuen! Zwar wird gelegentlich verschämt eine „Mikropause“ beim {*} oder [:] (es gibt ja auch noch „PolitikerInnen“ und/oder „Aktivist/innen“) eingelegt, aber die ist kaum wahrnehmbar und in keiner grammatischen Regel irgendwo gebräuchlich. NB: grammatische Regeln stehen nicht im Buch, sondern im Gehirn!
    Das ist es, was manche Leute aufregt. Diese Aufregung überträgt sich aufs Schriftbild bzw. auf die Kritik daran.
    Wenn wir also ausdrücklich beide respektive alle Geschlechter berücksichtigen wollen, sollen wir sie halt hinschreiben: „Politikerinnen und Politiker“!
    Minimal aber: wenn da „Aktivist*innen“, „Aktivist:innen“, „AktivistInnen“, „Aktivist/innen“ auf dem Redemanuskript, dem Teleprompter, wo auch immer steht, dann – bitte – sich die Mühe machen und im entscheidenden gesprochenen Wort diese Konstruktion in „Aktivistinnen und Aktivisten“ (etc.) auflösen! (Für „andere Geschlechter“, die halt relativ selten vorkommen, haben sich deshalb im Deutschen wie auch in kleiner anderen natürlichen Sprache auch keine grammatischen Wort-Lösungen herausgebildet).

  34. Ich finde es schade, dass man wahlweise als diskriminierend oder rückständig dargestellt wird, wenn man geschlechtergerechte Sprache nicht befürwortet. Das geschieht auch hier, durch dieses kleine Wörtchen „noch“: „Was für uns als Redaktion selbstverständlich scheint, ist es für einige unserer Leser:innen offenbar noch nicht“.

    Es kommt doch auf den Menschen an sich an und nicht auf sein Geschlecht.

    Das sage ich als eine Frau, die in einer absoluten Männerdomäne arbeitet (damals eine von 3 Frauen im Informatikstudium, heute eine von 2 Frauen in einem 15-köpfigen Team).

    Gendersensitive Sprache finde ich unglaublich sperrig und anstrengend. Sowohl beim Lesen in jedweder Schreibweise, als auch gesprochen.

    Eine Bekannte macht beim Sprechen immer eine kleine Pause, wenn sie etwa die „Kolleg—Innen“ erwähnt. Das wirkt unnatürlich und nervt, macht das Zuhören anstrengend. Was passiert? Sie wird deswegen belächelt, nicht für voll genommen und zieht damit das ganze Thema Gleichberechtigung ins Lächerliche.

    
“Umgekehrt fühlen sich sehr viele Frauen und Menschen verschiedenster Geschlechter auch nicht „mitgemeint“, wenn sie mit ‚Kunde‘, ‚Leser‘ oder ‚Copyrightaktivist‘ angesprochen werden.“… ernsthaft? Wie kann ich mich als Frau nicht gemeint fühlen, nur weil der Supermarkt halt seine „Kunden“ begrüßt? Das klingt für mich eher nach einem persönlichen Problem mit dem Selbstwertgefühl als nach gesellschaftlicher Ausgrenzung.

    Alltagssprache muss praktisch sein und kann dabei einfach nicht sämtliche Eventualitäten abbilden, wie es etwa das Juristendeutsch tut.
    Streng genommen grenzt selbst ein bewusst gendergerechtes „Leser:innen“ alle aus, die den Text halt nicht lesen, sondern einer Sprachausgabe zuhören-

    Langer Rede kurzer Sinn: zeugt es nicht von wesentlich mehr Offenheit, wenn das Geschlecht schlichtweg egal ist – und nicht krampfhaft in den Mittelpunkt gezerrt werden muss?

    1. Das mit dem „noch“ ist mir auch negativ aufgefallen sowie übrigens auch die Wörter „irritiert“ und „ratlos“. So fühlt man sich allenfalls, wenn man Gegenargumente nicht versteht oder verstehen will oder es mit Dementen zu tun hat.
      Noch ein Punkt: Im Artikel heißt es „Wir können schlecht für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte kämpfen…“. Ist jemand schon einmal aufgefallen, dass die Verwendung von Gendersprache ein ziemlich undemokratischer Vorgang ist, weil die Bevölkerung oder die Leser nie darüber abstimmen durften? Wie passt das mit dem Ziel zusammen, für Demokratie einzutreten?

  35. Danke für den Beitrag. Ich gebe zu, zu Beginn, als das gendergerechte Schreiben aufkam, fühlten sich die Texte sehr holperig und umständlich an. Inzwischen finde ich es eher konisch, wenn darauf verzichtet wird. Es ist also alles eine Frage der Gewöhnung. Man hat sich ja auch an das Smartphone und an das Auto gewöhnt.

  36. Ihr solltet darüber nachdenken ob ihr wirklich mit elitärer Sprache (ja, ihr bedient damit einen kleinen selbstreferntiellen, akademischen Zirkel, der vielleicht deckungsgleich mit eurer Filterblase ist, aber mit meiner naturwissenschaftlich-technischen Welt null Filterblase hat) wirklich viele Leser und damit Spender ausschließen wollt statt euch auf euren starken USP zu konzentrieren: Netzpolitik.

  37. Ich finde es wichtig und mutig, dass ihr euch mit dem Thema auseinandersetzt und mögliche Lösungen für gendergerechte Sprache ausprobiert. Mein Problem mit dem Binnen-I, dem Doppelpunkt oder dem Sternchen ist jedoch, dass damit ein unserer Sprachsyntax völlig fremdes Element in ein Wort aufgenommen wird, das nicht unmittelbar in einem Sprachlaut endet. In anderen Schriftsystemen (bspw. Hebräisch, Russisch) ist es völlig normal, dass manche Zeichen keine Entsprechung als Laut haben. Der Leser lateinischer Buchstaben wird aber irritiert zurückbleiben, wenn er mitten im Wort einen großgeschriebenen Buchstaben, ein Sternchen oder sonstwas fremdes dort sieht. Es ist nicht in gedankliche Sprachmelodie übersetzbar, was aber gerade beim Lesen von Texten in lateinischem Alphabet erwartet wird. Nun sehe ich zwei Möglichkeiten:
    1) Man muss sich eben des hehren Ziels der Geschlechtergerechtigkeit wegen an diesen groben Systembruch des lateinischen Alphabets gewöhnen.
    2) Man ändert nicht grundlegende Sprachsystematik, sondern nur einzelne Wörter. Toll, wenn es so einfach wie bei „den Studierenden“ geht. Wo das nicht geht, plädiere ich für einen eigenständigen Suffix („Professorix“). Neue Wörter sind viel einfacher in die Alltagssprache zu integrieren als grundlegende Systembrüche wie das Binnen-I und Konsorten. Und sie sind sogar ohne verbale Verrenkungen in die gesprochene Sprache zu übernehmen.

  38. Mich hats am Anfang ehrlich gesagt auch gestört. Jetzt verarbeitet es mein Hirn besser und mein Lesefluss stört es gar nicht. Alles eine Mindset-Geschichte, denke ich.

    Ehrlich gesagt, vermeide ich das aber bisher trotzdem so gut es geht und verwende allgemeine Begriffe, weil ich genau auf für diese Bullshit-Diksussionen bald keinen Nerv mehr hab.

    1. „Maedchen“ ist Diminutiv (Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform) und die ist im Deutschen immer saechlich. Das Juengelchen genauso wie das Buerschchen oder das Maennchen.

  39. Hey, Ihr macht also weiter auch wenn viele Eurer Leser (vlt auch schon ehemalige Leser) dagegen sind. Nein Ihr schreibt auch noch diesen belehrenden Artikel und genau das wollen viele Leser halt nicht! Weder belehrt noch ignoriert möchte ich werden. Sonst bin auch ich ein ehemaliger Leser. Ihr seit aber in guter Gesellschaft vielen Printmedien geht es auch so das die Leser abwandern.

  40. Grammatikalisches Geschlecht ungleich bioloisches Geschlecht, daher besteht keinerlei Notwendigkeit.
    Bei „die Politker“, „die Programmierer“, „die Ärtze“ etc. sind ALLE Personen gemeint die der entsprechenden Tätigkeit nachgehen, der Begriff ist inklusiv da jeder weiß das Personen unterschiedlichen Geschlechts sein können. Der Begriff beschreibt immer ein Spektrum von Personen.

    „Wir können schlecht für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte kämpfen und dann einen elementaren Aspekt des Zusammenlebens einfach so unter den Tisch fallen lassen. Das wäre in unseren Augen ein Widerspruch.“

    Ein weiterer elementarer Aspekt des Zusammenlebens ist auch, sich selbst zurückzunehmen, um in eine Gemeinschaft/Gesellschaft zu passen. Wer ständig versucht auf die eigene Andersartigkeit oder Abweichung aufmerksam zu machen, der findet sich alsbald am Rande oder gar außerhalb einer Gemeinschaft/Gesellschaft. Denn Gemeinschaft kommt nun mal von Gemeinsamkeiten zu haben. ;-)

    Im übrigen ist es auch ehrlich gesagt völlig egal wie heutzutage geschrieben wird, denn jeder Mensch bildet beim Lesen mentaler Filter, die u.a. dafür sorgen, dass fehlerhaft geschriebene Wörter automatisch im Gehirn korrigiert werden oder wie im Falle des Genderns, Unnötiges ausgefiltert wird.
    Welches Geschlecht eine Person hat, ist genauso egal wie seine Haut-, Haar- oder Augenfarbe da die Beurteilung erbrachter Leistungen nicht von so trivialen Oberflächlichkeiten abhängig gemacht werden sollte.

  41. Wir haben in unserem Unternehmen vor einigen Jahren über die Sprache in Dienstanweisungen und in der innerbetrieblichen Kommunikation gesprochen. Wir benutzen entweder beide Formen oder nur die mänliche, da die Frauen wissen, das sie auch gemeint sind.
    Ich benutze seit dem oft nur noch die weibliche Form. Auch wenn es ungewohnt ist, aber die Männer wissen hoffentlich, das sie auch gemeint sind. Bisher hat sich noch keiner darüber beschwert.

  42. Für mich wirkt die Benutzung von geschlechtergerechter Sprache eher wie ein schlechter Versuch für Frauenrechte und die Überzeugung, dass es mehrere Geschlechter gibt, einzutreten.

    1. Meiner Meinung nach sollte sich die schriftliche Sprache mit der gesprochenen Sprache kompatibel sein. Beamtendeutsch ist da das beste Beispiel, hier wird oft versucht, so viel wie möglich gendergerechte Sprache zu benutzen. Die Folge davon ist, dass zunehmends Leute Schwierigkeiten bekommen, diese Dokumente überhaupt zu verstehen.
    2. Dass das generische Maskulinum diskriminierend ist, halte ich für eine falsche Analyse.
    Es ist eher das Phänomen, dass bei einem Fehlen von Sternchen und Männlich/Weiblich-Ansprachen manche schon im Kopf eine Diskriminierung sehen, ob sie nun da ist oder nicht.
    Es ist schon heuchlerisch, wenn es bei gesprochener Sprache diskriminierend ist und bei schriftlicher Sprache nicht. Die Erfahrung zeigt, dass bei gesprochener Sprache Genderforscher und Feministen ihrer eigenen Überzeugung nicht Taten folgen lassen oder nur völlig unverständlich daher reden und auch nicht mal zu 90% ihren selbst aufgestellten Regeln folgen.
    3. Sehr viele Menschen sehen es auch als übertrieben und überflüssig gendergerechte Sprache zu benutzen. Wenn Ihr sagt, dass es diskriminierend ist, diese Sprache mit viel vagen Regeln, die auch nur zum Teil angewendet werden (Willkür) zu benutzen, dann müsstet ihr die Mehrheit der Deutschen für Leute halten, die andere durch ihre Sprache bewusst oder unbewusst diskriminieren. Tut ihr das? Ich unterstelle dies nicht!
    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/mehrheit-der-deutschen-lehnt-gendergerechte-sprache-ab-16119532.html
    4. Wie im Tierreich, so gibt es auch bei Menschen Männlein und Weiblein, definiert durch die sexuellen Geschlechtsorgane und alles was damit zusammenhängt. Es gibt noch eine sehr, sehr kleine Anzahl an Menschen, bei denen es von Geburt an nicht eindeutig ist. Etwas zwischen männlich und weiblich, im Tierreich nennt man dies Zwitter. So möchten wir diese Menschen natürlich nicht bezeichnen, denn diese haben genauso ihre Menschenwürde, aber der Fakt, dass es nur das Geschlecht männlich und weiblich gibt, bleibt.
    Das ist auch gar nicht schlimm, wie man am Beispiel, sehr geehrte Damen und Herren sieht, ich kenne bis jetzt noch niemand, der wollte, dass ich 50 Geschlechter begrüße, nur damit niemand, der sich nicht angesprochen fühlt, diskriminiert ist.

  43. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ein interessanter Standpunkt. Grundsätzlich unterstütze ich Bestrebungen für mehr Gleichberechtigung. In einigen Lebensbereichen habe ich es als Frau noch immer schwerer als es Männer haben.
    Was diese Bestrebungen in der Sprache, insbesondere in der geschriebenen Sprache anbelangen, so sehe ich das kritischer und bin der Meinung man schießt dabei teilweise ganz weit über das Ziel hinaus.
    Beziehungsweise verkehrt es sogar ins Gegenteil. Sind wir doch mal ehrlich: Bei „Autor:innen“ werden Ihre Studien bestimmt bald zu dem Ergebnis kommen, dass die meisten Menchen, die das lesen Frauen im Kopf haben und nicht beide oder mehr Geschlechter. Denn der Doppelpunkt wird im Lesefluss überlesen und man ließt dann „Autorinnen“ also nur die weiblichen.
    Wäre es Ihnen wirklich ernst damit würden Sie sich die Zeit nehmen und beide Geschlechter ausschreiben, also „Autoren und Autorinnen“. So wie Sie es z.B. auch unter Ihrem Text getan haben: „[…]mehrere Redakteurinnen / Redakteure von[…]“
    Die Verwendung von : und * ist doch nur der Faulheit der schreibenden Person geschuldet.
    Die Begründung man wolle damit auch das dritte Geschlecht miteinbeziehen lasse ich an dieser Stelle nicht gelten. Denn auch das ist nur eine Ausrede für entweder die Faulheit oder das Unvermögen derjenigen, welche unbedingt eine gendergerechte Sprache wollen, sich ernsthaft mit unserer Sprache auseinander zu setzen und eine richtige Lösung für das dritte Geschlecht zu finden und zu etablieren.
    Haben es diese Personen nicht auch verdient ordentlich angesprochen zu werden? Ist es nicht diskriminierend wenn diese sich nur in irgendwelchen Sternchen und Doppelpunkten wiederfinden sollen?

  44. Wir sind doch alle Menschen. Anstatt sich darüber aufzuregen und zu zerfleischen wie oder wie nicht geschlechtersprezifische Unterschiede im Schriftbild oder der Sprache umgesetzt werden können/müssen, wäre es nicht schöner, wenn man das Geschlecht ansich als irrelevanten Teil des Menschseins definiert und sich stattdessen auf die Gemeinsamkeit Mensch beschränkt? Statt noch mehr Abgrenzung, lieber mehr Inklusion? Letztendlich ist das Geschlecht fürs Menschsein doch genauso vollkommen irrelevant wie die Nationalität, die Hautfarbe oder die Religion. Wenn das endlich alle begreifen würden und sich gegenseitig losgelöst von solch Oberflächlichkeiten betrachten könnten, dann wären wir ein großes Stück weiter. Wie sich das sprachlich gut umsetzten lässt, weiß ich leider nicht, wahrscheilich ist die Menschheit dafür noch nicht bereit, aber ich glaube nicht, dass Sterne, Unterstriche und Doppelpunkte der Weisheit letzter Schluss sind. Vielleicht wäre das Schreiben tatsächlich im Neutrum am einfachsten? Liest sich auch nicht schlechter und alle können sich ganau das dazu denken, was sie möchten.

  45. In der menschlichen Sprache ist Effizienz entscheidend. Wenn man schon einen fehlenden, allgemeinen Genus in der deutschen Sprache aktiv bemängelt, wieso nicht dann gleich Nägel mit Köpfe machen und dafür eigens neue Flexionen erfinden? Die von euch genutzte alternative Schreibweise verfällt sowieso automatisch sobald der Text gesprochen wird. Fiktive Flexionen wie „BäckUr“ o.ä. wäre mir allemal lieber als mich durch überquollenen Gender-korrekten Text durchquälen zu müssen, wie ich es leider schon zu häufig machen musste, besonders wenn manche meinen dieses Spiel auch noch mit Schrägstrichen o.ä. bei Deklinationen etc. spielen zu müssen.

    Außerdem korrigiert man eine Sache nicht durch Inversion der Gruppe der „Geschädigten“. Das Femininum beim Gesprochenen als neuen allgemeinen Genus zu nutzen, verschiebt das „Problem“ nur von einem Geschlecht zum anderen. Und hey, wer ist weltweit in der Minderheit, Männer oder Frauen? Ganz genau, ihr ruft hier zur Diskriminierung einer Minderheit auf! ;-)

    Wie ihr aber schon selbst festgestellt habt, ist Sprache etwas lebendiges, das sich nur schwer herbeiersehnten Vorstellungen einer Minderheit unterwirft. Denn das ist einfach Tatsache, hier geht es um einen angeblichen Mangel in unserer Sprache, den die Mehrheit (Frauen einbezogen) so schlicht und einfach nicht erkennt und wohl auch nicht wird.

  46. Gleichberechtigung passiert im Kopf und muss gelebt werden. Da helfen meines Erachtens Sternchen und Doppelpunkte allerhöchstens dabei, das Gewissen der Autorinnen und Autoren zu beruhigen.

    Und mal abgesehen davon:
    Wieso wird eigentlich immer nur bei positiv belegten Begriffen so viel wert auf die Geschlechtergerechtigkeitgelegt? Ich habe noch nie Täter:innen, Unruhestifter:innen, Schläger:innen, Demonstrant:innen o.ä. gelesen, wenn um Straftaten, straffällige Gruppen usw. geht. Ist das gerecht ?

  47. Der Artikel argumentiert gut. In einem Punkt widerspricht er sich jedoch selbst: Wenn ich „Leser:innen“ oder „Aktivist:innen“ lese, denke ich sofort an Frauen. Und meine Vermutung ist, dass es sehr vielen, wenn nicht sogar den meisten, so geht. Also auch diese Form produziert keine geschlechterneutralen Gedanken bei mir (uns?). Vielleicht findet ihr dazu ja auch Studien?!

    1. Das ganze ist gelinde unerfoscht. Man kann auch argumentieren, dass das explizite Gendern weitgehend als Abweichung von „normalen Sprache“ wahrgenommen wird und damit verbunden dann „explizit erwaehnte Frau“ als ebensolche „explizite Abweichung von vermeintlich normalem“ herausgestellt erscheint. Viele, sich widersprechende, Vermutungen sind so plausibel wie schwer evidenzbasiert zu bewerten. Sprache ist fuer interellektuelle Kreise halt auch verfuehrerisch einfach und effizient als Ansatzpunkt, denn damit kann man selber idR sehr gut umgehen und es ist ein effizientes Distinktionsmerkmal im Diskurswesen.

      Die Protagonisten des starken Genderns unterschaetzen mE, wie stark ihr eigenens, in dieser Hinsicht sehr bewusstes und ausdifferenziertes, Denken ihre eigenes Sprachverstaendnis beeinflusst. Und wie weit sie damit zT von der Realitaet vieler anderer weg sind, in diversen Richtungen. IT Nerds geht es oft genauso, aber denen ist’s idR bewusst ;-)

  48. Grundsätzlich mit geschlechtergerechter Sprache zufrieden, frage ich mich, wie geht man mit „Herr des Verfahrens“ geschlechtergerecht um? Da ist doch von Herrschaft die Rede, ein Begriff, der ja eher negativ besetzt ist – und selbst die Queen übt, wenn auch nicht in Großbritannien, so doch im Königshaus die Herrschaft aus.

    1. „Herr“ ist doch nicht negativ besetzt. Der Kennzeichner ist doch in jedem förmlichen Schreiben in der Anrede auffindbar „Damen und Herren“. Wenn ich an Behörden schreibe, verwende ich immer mal wieder die Begrüßungsformel „Sehr geehrte Damen und Herr:innen“. Gestört hat sich da noch keine:r dran.

      Zur Frage: „Herr:in des Verfahrens“ wäre ein Möglichkeit. „Vorsitz des Verfahrens“ eine andere.

      Im Begriff „Herrschaft“ steckt „Herr“ zwar drin, aber nicht mit ausschließlichem Bezug auf das Maskuline. Denke nicht, dass da was geändert werden wird. Das „man“ in „Wenn man sich mal xyz ansieht, dann….“, so mein Eindruck, stößt auch nicht auf Unmut bei Vertreter:innen von gendergerechter Sprache. Das sind einfach Eigennamen ohne konkreten Personenbezug.

  49. Hey, habe gerade den NP Podcast gehört und wollte nur kurz positives Feedback hinterlassen. Ich finde geschlechtergerechte Sprache wichtig und finde super, dass ihr darauf achtet! Was ich ebenfalls wichtig finde ist, daraus keine Vorschrift zu machen, sondern das der individuellen Entscheidung zu überlassen – Ich kann nämlich durchaus auch verstehen, wenn Menschen sich da in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, wenn sie das Gefühl haben anders schreiben zu „müssen“ als gewohnt. Umso sympathischer finde ich es dann, wenn Menschen sich freiwillig dazu entscheiden Rücksicht auf das Thema zu nehmen. Deswegen finde ich auch die Idee der „Gender Anarchie“ bei netzpolitik.org sehr gut :-)!

  50. Sprache ist für mich zunächst einmal gesprochene Sprache. Zu den seltsamen Schreibweisen, die als Notbehelf eingeführt wurden, weil es keine sinnvolle, kurze und gut sprechbare Lösung des Problems gibt, ist schon genug geschrieben worden.

    Solange „Politikerinnen“ eindeutig Frauen sind, kann man bei Bedarf gelegentlich mit „Politikerinnen und Politiker“ daran erinnern, dass man beide Geschlechter meint. Das wird aber vielleicht nicht mehr lange möglich sein. Auf Demonstrationen habe ich schon „PolitikerInnen“ als „Politikerinnen“ ausgesprochen gehört, auch wenn fast ausschließlich Männer gemeint waren. Ich vermute, dass sich das weiter durchsetzen wird — mit der Folge, dass irgendwann mit „Politikerinnen“ meist hauptsächlich Männer gemeint sind und „Politikerinnen und Politiker“ schließlich zum Pleonasmus für eine Gruppe von hauptsächlich männlich vorgestellten Politiktreibenden wird.

    Unsere Sprache ist ein bisschen sexistisch (es könnte noch deutlich schlimmer sein; selbst das Französische ist etwas schlimmer), und der Gedanke, dass das Chancengleichheit erschwert ist zumindest naheliegend. Der Effekt scheint aber nicht gut erforscht zu sein, und so schlimm wird er nun auch nicht sein. Sonst wären die Unterschiede zwischen Englisch, Deutsch und Französisch sprechenden Gesellschaften in dieser Hinsicht wohl deutlich größer. Der Sexismus der Sprache ist mehr Syptom des Sexismus in unseren Köpfen (bzw. denen unserer Vorfahren) als Ursache.

    Wenn man eine Krankheit behandeln will und keine Ahnung hat, wie man die Ursache bekämpfen soll, liegt es nahe, stattdessen ein Syptom zu bekämpfen. Vor allem, wenn das Symptom in einer Sphäre liegt, mit der man sich gut auskennt. Oft bringt das aber nichts (und manchmal ist es sogar kontraproduktiv).

    Wie ich an Hand des „Politikerinnen“-Beispiels gezeigt habe, ergibt sich aus der Logik der Sprachentwicklung in Verbindung mit unser aller innerem Sexismus das Risiko, dass geschlechtsneutrale Sprache schnell selbst sexistisch wird. Sie bringt also nur vorübergehend einen Vorteil und bewirkt langfristig lediglich einen schnellen, künstlichen Sprachwandel hin zu etwas längeren Wörtern, die genauso sexistisch sind wie die ersetzten. Das heißt nicht, dass man geschlechtsneutrale Sprache deshalb ablehnen muss. Aber es erklärt, warum es Menschen gibt, die sie ablehnen, obwohl sie mit den ursprünglichen Zielen sogar einverstanden sind.

    Vor diesem Hintergrund ist dann das zusätzliche Problem des virtue signalling mittels geschlechtsneutraler Sprache entstanden. Dieses erklärt, warum es nicht mehr ausreicht, auch Frauen explizit anzusprechen. Indem man selbst eine weitere Gruppe als bisher üblich explizit mit anspricht oder eine neue Schreibweise erfindet (oder sofort übernimmt), die das angeblich leistet, erhebt man sich über die anderen. Statt „Politikerinnen und Politiker“ heißt es dann z.B. irgendwann „Politiker%&ionnen*“, was kurz ist für „politiktreibende Personen unabhängig davon, ob sie ein Geschlecht, ein Alter, eine so genannte Hautfarbe oder so genannte Rasse, eine Elternsprache, eine Beeinträchtigung der Lebensführung, eine Vorstrafe und/oder weitere potenziell diskriminierende Merkmale haben und unabhängig davon, welche Merkmale das ggf. sind, insbesondere Angehörige der jeweils benachteiligten Gruppen, sowie alle diejenigen politiktreibenden Personen, die solche Unterscheidungen generell ablehnen und sich deshalb keiner Gruppe oder Nicht-Gruppe zuordnen“.

    1. PS: Ein interessanter Fall sind die Worte Bundeskanzler, Bundeskanzlerin, Federal Chancellor. In einem deutschen oder englischen Text, der allgemein das politische System in Deutschland erklärt, haben diese Wörter die folgende Wirkung auf mich:

      – Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler: Ich bleibe gedanklich auf der theoretischen Ebene und stelle mir keine konkrete Person vor. Falls doch, ist es primär Angela Merkel.
      – BundeskanzlerIn (geschrieben): s.o.
      – Bundeskanzler: Ich bleibe gedanklich auf der theoretischen Ebene und stelle mir keine konkrete Person vor. Falls doch, ist es entweder Angela Merkel oder ihr Vorgänger Gerhard Schröder. (Beide etwa gleich wahrscheinlich.)
      – Bundeskanzlerin: Ich verlasse die theoretische Ebene und stelle mir konkret Angela Merkel vor.
      – Bundeskanzler-[Kunstpause]-In (gesprochen): Ich schweife gedanklich vom Thema ab und beginne, über geschlechtsneutrale Sprache nachzudenken.
      – Federal Chancellor: Ich bleibe gedanklich auf der theoretischen Ebene und stelle mir keine konkrete Person vor. Falls doch, ist es primär Angela Merkel.

      Ich glaube, dass ich in meinen Reaktionen relativ typisch für meine Generation bin. Und dass man darin ein Problem sowohl mit der deutschen Sprache erkennen kann als auch mit den Lösungsversuchen.

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