Remote Chaos Experience

Der CCC-Kongress wird dieses Jahr dezentral und digital

Lange war gerätselt worden, ob es im Corona-Jahr einen CCC-Kongress geben würde. Jetzt ist klar: Der diesjährige Kongress wird ein dezentrales Experiment mit neuem Namen.

Blick auf die Leipziger Messe von oben, extrem viele bunte Lichter
Dieses Jahr wird es keinen Chaos Communication Congress in der Messe Leipzig geben. CC-BY-SA 2.0 Simon Waldherr

Nach 36 Kongressen wird der Chaos Communication Congress dieses Jahr wegen der Corona-Krise erstmals ausfallen – aber trotzdem stattfinden. Das Jahrestreffen der Hacker:innen hat für dieses Experiment einen neuen Namen bekommen: Remote Chaos Experience oder kurz rC3. Das verkündete der Chaos Computer Club am Freitag auf seinem Event-Blog.

Eine Präsenzveranstaltung mit 17.000 Menschen sei in diesem Jahr weder verantwortungsvoll noch legal durchführbar, heißt es in der Mitteilung. Über die neue Veranstaltung schreibt der CCC: „Wir wollen so viel wie möglich von Freude, Inhalten, Zusammensein und wunderbarem Wahnsinn transportieren, die einen Chaos Communication Congress ausmachen.“

Hacker:innen seien zwar remote-Arbeit und -Zusammenkünfte gewohnt. Umso wichtiger sei deswegen das jährliche persönliche Treffen:

Natürlich wird es schwierig, all den Wahnsinn online abzubilden, der den Congress für uns ausmacht. Doch dann sagte jemand, es wäre unmöglich. Unser Ehrgeiz war geweckt.
Wir wollen sehen, wie sich die geballte Energie und Kreativität der Hackerinnen dieser Herausforderung widmet.

„Wunderbaren Wahnsinn transportieren“

Das Konzept des rC3 sieht eine Vielzahl von kleinen lokalen Events in örtlichen Hackerspaces mit einem gemeinsamen Programm von gestreamten Talks, Online-Workshops, Kunst, Kultur und „verschiedensten Formen des vernetzten Zusammenseins“ vor.

Aus der Not der Corona-Krise macht der Club nun eine Tugend. In den vergangenen Monaten habe man „mit dem digital verteiltem Online-Chaos wichtige Erfahrungen sammeln“ können. Für die rC3 gelte es, noch darüber hinauswachsen: „Endlich kann auch dein Wohnzimmer oder euer Hackerspace zur Bühne, zum weltweiten Workshop-Space, zur Kunst-Installation werden!“

Hierfür ruft der Chaos Computer Club zur Beteiligung und Mitgestaltung auf.

Die Remote Chaos Experience findet vom 27. – 30. Dezember 2020 online und in lokalen Hackerspaces mit „den bevorzugten Infektionsgemeinschaften“ statt.

Immer zwischen Weihnachten und Silvester

Der unkommerzielle Chaos Communication Congress findet seit 1984 jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester statt. Er zog von Hamburg nach Berlin, dann wieder nach Hamburg und zuletzt nach Leipzig.

In den letzten Jahren hat sich der Kongress weit über die klassische Hackerszene hinaus geöffnet und ist mit hunderten Workshops und Vorträgen zu technischen und gesellschaftspolitischen Themen eine der wichtigsten Konferenzen Deutschlands. Mit zuletzt jeweils 17.000 Teilnehmenden in der Messe Leipzig ist er zugleich das größte Hacker:innentreffen der Welt. Zahlreiche Vorträge und Veranstaltungen des Kongresses werden traditionell gestreamt und liegen als Archiv auf media.ccc.de vor.

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13 Ergänzungen
    1. So richtig doll lustig ist die Frage nicht. Keine Präsenzveranstaltung bedeutet nämlich für nicht-kommerzielle (auch werbefreie) Entitäten wie den CCC auch keine Einnahmen, mit denen man die Kosten decken oder Leute finanziell unterstützen könnte.

      1. Die Frage war gar nicht so lustig gemeint, denn genau dieses Problem läuft auf einige Veranstalter zu. Bei physikalischer Anwesenheit sind die Teilnehmenden leichter zu überzeugen, für den Zugang zu zahlen.

        1. Im Beitrag ist ja auch die Rede von lokalen Events in den entsprechenden Hackerspaces. Wird das zentral organisiert? Oder sind Dinge wie Hygienekonzepte dann auch dezentral organisiert?

          1. Die Hackerspaces haben ja heute schon eigene Hygiene-Konzepte, die ähneln sich aber oft. Es werden aber auch ganz sicher Organisationen und Spaces dabeisein, die keine Chaostreffs oder Erfas sind. Da wird es keine zentrale, sondern garantiert eine dezentrale Angelegenheit sein, wie man das praktisch organisiert. Wenn man aktuell so die Nachrichten zu Corona verfolgt, ändert sich ja grad einiges bei den medizinischen Erkenntnissen. Wird man im Dezember dann sehen, wie man sich daran anpassen muss.

          2. Unser Hackspace Bytespeicher aus Erfurt nimmt seit 2013 am Congress Everywhere teil, d.h. wir öffnen parallel zum Congress und bieten 1-2 Streams der Talks an. Das wurde bisher manchmal mehr, manchmal weniger genutzt, vor allem von unseren Mitgliedern, die aus verschiedenen Gründen nicht nach Hamburg oder Leipzig fahren wolllten oder konnten.
            Die rC3 werden wir auf jeden Fall dieses Jahr mit einem Congress Everywhere unterstützen, allerdings sieht unser Hygienekonzept eine Begrenzung auf nur 13 Personen in unserem Hackspace vor. Ich plane auf jeden Fall eine Event-Anmeldung und suche schon eine größere Location für mehr Abstand, aber auch eine eigene Online-Veranstaltung. Da sich aber so kein Congress-Feeling einstellen wird, werden wohl viele Besucher der letzten Congresse nicht unbedingt die lokalen Hackspaces besuchen. Wie Constanze schreibt, unser Hygiene- und Veranstaltungskonzept setzen wir als Verein selbst um.

  1. Moin!
    Im letzten Absatz ist ein Fehler. Der Congress ist nicht die größte Hacking Konferenz der Welt, sondern „nur“ Europas. Die defcon hat weitaus mehr Teilnehmende.
    Grüße

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