Nach 36 Kongressen wird der Chaos Communication Congress dieses Jahr wegen der Corona-Krise erstmals ausfallen – aber trotzdem stattfinden. Das Jahrestreffen der Hacker:innen hat für dieses Experiment einen neuen Namen bekommen: Remote Chaos Experience oder kurz rC3. Das verkündete der Chaos Computer Club am Freitag auf seinem Event-Blog.
Eine Präsenzveranstaltung mit 17.000 Menschen sei in diesem Jahr weder verantwortungsvoll noch legal durchführbar, heißt es in der Mitteilung. Über die neue Veranstaltung schreibt der CCC: „Wir wollen so viel wie möglich von Freude, Inhalten, Zusammensein und wunderbarem Wahnsinn transportieren, die einen Chaos Communication Congress ausmachen.“
Hacker:innen seien zwar remote-Arbeit und ‑Zusammenkünfte gewohnt. Umso wichtiger sei deswegen das jährliche persönliche Treffen:
Natürlich wird es schwierig, all den Wahnsinn online abzubilden, der den Congress für uns ausmacht. Doch dann sagte jemand, es wäre unmöglich. Unser Ehrgeiz war geweckt.
Wir wollen sehen, wie sich die geballte Energie und Kreativität der Hackerinnen dieser Herausforderung widmet.
„Wunderbaren Wahnsinn transportieren“
Das Konzept des rC3 sieht eine Vielzahl von kleinen lokalen Events in örtlichen Hackerspaces mit einem gemeinsamen Programm von gestreamten Talks, Online-Workshops, Kunst, Kultur und „verschiedensten Formen des vernetzten Zusammenseins“ vor.
Aus der Not der Corona-Krise macht der Club nun eine Tugend. In den vergangenen Monaten habe man „mit dem digital verteiltem Online-Chaos wichtige Erfahrungen sammeln“ können. Für die rC3 gelte es, noch darüber hinauswachsen: „Endlich kann auch dein Wohnzimmer oder euer Hackerspace zur Bühne, zum weltweiten Workshop-Space, zur Kunst-Installation werden!“
Hierfür ruft der Chaos Computer Club zur Beteiligung und Mitgestaltung auf.
Die Remote Chaos Experience findet vom 27. – 30. Dezember 2020 online und in lokalen Hackerspaces mit „den bevorzugten Infektionsgemeinschaften“ statt.
Immer zwischen Weihnachten und Silvester
Der unkommerzielle Chaos Communication Congress findet seit 1984 jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester statt. Er zog von Hamburg nach Berlin, dann wieder nach Hamburg und zuletzt nach Leipzig.
In den letzten Jahren hat sich der Kongress weit über die klassische Hackerszene hinaus geöffnet und ist mit hunderten Workshops und Vorträgen zu technischen und gesellschaftspolitischen Themen eine der wichtigsten Konferenzen Deutschlands. Mit zuletzt jeweils 17.000 Teilnehmenden in der Messe Leipzig ist er zugleich das größte Hacker:innentreffen der Welt. Zahlreiche Vorträge und Veranstaltungen des Kongresses werden traditionell gestreamt und liegen als Archiv auf media.ccc.de vor.
