Plagiate

Giffeys Redlichkeit ist dahin

Die Bundesfamilienministerin hat erklärt, auf das Führen ihres Doktortitels künftig zu verzichten. Denn das Giffey-Plagiat wird noch einmal untersucht. Doch das Ergebnis spielt keine Rolle mehr, denn jeder kann bei Vroniplag selbst nachvollziehen, wo und wie die Ministerin Texte kopiert hat. Giffeys Partei wäre gut beraten, für ihr Amt jemand Respektables zu finden. Ein Kommentar.

Die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei der Eröffnung der Jugendmedientage 2019. Kann sie noch Vorbild für Kinder und Jugendliche sein? CC-BY 2.0 jugendpresse.deutschland

Jetzt, nach Monaten, in denen sich die amtierende Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hätte überlegen können und müssen, wie eine Reaktion auf den Nachweis der Plagiate in ihrer Doktorarbeit aussehen kann, geht sie mit der Aussage an die Öffentlichkeit, ihren Titel nicht mehr verwenden zu wollen. Aber was, wenn die bereits gefundenen Plagiate doch nicht nur der „minderschwere“, sondern ein „schwerer Fall der Täuschung“ sind? Soll es also auch bei dem nun anstehenden erneuten Prüfungsverfahren an ihrer Uni kein Grund zum Rücktritt sein, wenn sie wieder als Betrügerin entlarvt wird?

Vielleicht spielt es keine Rolle mehr, denn dass die ehemalige Doktorandin und heutige Ministerin absichtlich getäuscht hat, steht ja schon außer Frage. Und Plagiate geschehen bekanntlich nicht von selbst. Es ist vielmehr bewusstes Handeln, wenn man fremde Gedanken als die eigenen ausgibt, die Ideengeber nicht referenziert und stattdessen einfach rüberkopiert. Es sind keine bloßen handwerklichen Fehler, wenn jemand fremde Textteile als die eigenen ausgibt – schon gar nicht bei jemandem, der sich Akademiker nennen darf. Und wenn man beim Schreiben der Doktorarbeit das Studium hinter sich hat, dann sollte man wissen, wie wissenschaftliches Arbeiten methodisch und auch intellektuell funktioniert. Sich darauf zurückzuziehen, die Standards, nach denen wissenschaftlich gearbeitet wird, irgendwie anders anzuwenden oder gar nicht zu kennen, ist schlicht eine weitere bewusste Falschdarstellung.

Die Plattform der Plagiatefinder: Vroniplag

Obwohl die Wissenschaftler, die Giffeys Redlichkeit im Namen der Freien Universität Berlin zu prüfen hatten, alles andere als unabhängig waren, erkannten sie an 27 Stellen der Arbeit eine „objektive Täuschung“.

Die FU-Kommission konnte auch kaum anders, denn das Plagiat ist genauestens dokumentiert. Wir haben es also erneut Vroniplag und den dort ehrenamtlich Arbeitenden zu verdanken, dass Giffeys Täuschung nicht unentdeckt blieb. Die Plattform der Plagiatefinder war nach dem Wirbel um das Guttenberg-Plagiat etwas in Vergessenheit geraten. Aber es finden sich dort noch immer Freiwillige zusammen, um die Arbeit zu machen, die eigentlich die Gutachter der Doktoranden zu leisten hätten. Für jeden Interessierten ist für den Fall der Ministerin nachvollziehbar, wo sie kopiert und wissenschaftliche Standards missachtet hat. Zudem sind auch im „Pressespiegel“ die öffentlichen Diskussionen zusammengetragen. Es lohnt sich, die Ergebnisse der Freiwilligenarbeit nachzulesen.

Diese Ergebnisse und das Diktum der ihr freundlich gesinnten Kommission saß Giffey noch aus. Doch ihre jetzige Reaktion auf die Wiederaufnahme des Prüfungsprozesses lässt die Ministerin auch jenseits wissenschaftlicher Standards als unredlich erscheinen. Denn wieder kommt ihr kein Wort über eigene Fehler oder gar Einsicht über die Lippen.

Mit einem Ministertitel „verzichtet“ es sich leichter

tweet spd berlin zu giffeyDie SPD Berlin zollt Giffey Respekt.

Den Vogel bei der Kommunikation schoss Giffeys Partei ab. Die Ankündigung der Ministerin, auf das Führen ihres Titels zu „verzichten“, brachte die SPD Berlin dazu, einen Tweet rauszulassen, der Hunderte Kommentare auslöste. Denn Giffey wird darin mit einem handschriftlichen Zitat auf einem Zettel wiedergegeben, worauf sie schreibt: „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel“, und was sie als Mensch ausmache, läge nicht in ihrem akademischen Grad begründet. Dem zollte die SPD in dem Tweet öffentlich Respekt.

Kein Wunder, dass Twitter bald platzte. Denn sagt es nicht gerade sehr viel aus über einen Menschen und darüber, was er kann (und nicht kann), wenn er in einer für die eigene Reputation so wichtigen Arbeit absichtlich täuscht oder mindestens – wenn man es sehr freundlich ausdrücken möchte – reichlich schlampig arbeitet? Warum sollte man nicht von dieser Arbeitsweise darauf schließen, wie die ehemalige Doktorandin heute arbeitet? Ist es nicht auch eine charakterliche Frage, wenn eine Täuschungsabsicht klar belegt ist?

Anders als Giffey mit ihren Sätzen insinuiert, machen viele ihre Ansichten über einen Menschen von einem solchen Titel abhängig. Er öffnet ganz sicher nicht alle Türen und erspart auch nicht fleißige Arbeit nach der Verteidigung, aber dürfte dennoch im Leben der Ministerin Vorteile gebracht haben. Doch mit einem Ministertitel „verzichtet“ es sich vermutlich leichter auf den anderen, den herbeibetrogenen Titel.

Der Satz könnte sich als peinlicher Bumerang erweisen, falls Giffey doch noch zurücktritt, wenn sie ihren Doktortitel verliert. Und mit Blick auf die Rechtslage und vor allem auf die Vroniplag-Auswertung wird die neue, hoffentlich unabhängige Kommission kaum eine andere Möglichkeit haben, als die Plagiate ohne Umschweife als klare Täuschung zu benennen und zu ahnden.

Nach der Doktormutter Prof. Dr. Tanja Börzel fragt übrigens mal wieder kaum jemand. Das war schon im Falle von zu Guttenberg so. Zwar wird die erste Kommission, die an der Freien Universität Berlin das Giffey-Plagiat untersuchte, kritisiert, weil sie aus Menschen zusammengesetzt war, die der Doktormutter auffällig nahestanden. Aber was für Methoden und Werte von dieser Wissenschaftlerin vermittelt werden, stellen nur wenige in Frage. Es mag an der Prominenz von Giffey und zu Guttenberg liegen, dass nach ihren Betreuern kaum ein Hahn kräht.

Weiterer Präzedenzfall

Warum hat bloß keiner der Blender und Betrüger mal den Schneid, seine Fehler einzuräumen? Was wäre ich erstaunt, wenn mal ein zu Guttenberg oder eine Frau Schavan oder auch ein Präsident Steinmeier oder eine Frau von der Leyen mit so etwas wie Demut reagieren würden, wenn der Nachweis ihrer Plagiate erbracht wurde.

Für den Rücktritt von Minister zu Guttenberg wurde im Januar 2012 vor dem Verteidigungsministerium demonstriert. - Constanze Kurz

Giffey hat ihr Ministeramt bisher nicht ernsthaft zur Disposition gestellt. Dass sie ihr Amt mit so etwas wie Einsicht aufgibt, ist nicht mehr zu erwarten. Leider scheint damit der Fall zu Guttenberg doch das geworden zu sein, was viele im Jahr 2011 nicht wahrhaben wollten: ein negativer Präzedenzfall. Auch wenn sein „Monsterplagiat“ voller kopierter Textstellen aus Zeitungen und Büchern am Ende zu seinem Rücktritt führte, so hat doch die Diskussion darum die absichtliche Täuschung bei Doktorarbeiten stark bagatellisiert. So stark, dass sich eine Ministerin bisher im Amt halten kann, obwohl ihr die „objektive Täuschung“ unzweifelhaft nachgewiesen wurde.

Wenn Giffey nicht doch noch Konsequenzen zieht, entsteht nun ein weiterer Präzedenzfall, der wiederum die Wissenschaft, aber vor allem die Politik beschädigt.

Hier in Berlin wird in ein paar Monaten der Wahlkampf beginnen, die Wahl selbst findet in einem Jahr statt. Die durch eigene Fehler beschädigte Ministerin hat aber noch weniger Zeit, um die Reißleine zu ziehen: Noch in diesem Monat soll entschieden werden, ob Giffey für den Landesvorsitz der SPD in den Wahlkampf zieht. Wenn sich die Berliner SPD das gefallen lässt, dass eine Ministerin trotz Plagiat nicht von ihrem Amt zurücktritt, dann hat sie es wohl nicht besser verdient, als im Wahlkampf mit einem großen Stein am Bein auf einem wackeligen Steg zu stehen.

16 Ergänzungen
  1. „Warum hat bloß keiner der Blender und Betrüger mal den Schneid, seine Fehler einzuräumen?“ wird hier gefragt. Genauso könnte man allgemeiner fragen: Warum hat bloß kein Politiker mal den Schneid, seine Fehler einzuräumen? Ich fürchte, die Antwort ist, dass die meisten Männer und Frauen in hohen politischen Funktionen es nur deswegen dorthin geschafft haben, weil sie eigennützig denken und rücksichtslos handeln.

    1. „Eigennuetzig denken und ruecksichtslos handeln“ ist im neoliberalen Weltbild, das auch der deutsche Waehler seit 20 Jahren stuetzt, das anerkannte Rollenmodell. Natuerlich setzen sich damit solche Leute auch in der Politik durch, in der Wirtschaft sowieso.

      Das ist sowohl schaedlich fuer die breite Gesellschaft, fuer die Menschheit als solchen (Klima) als auch entgegen der menschlichen, kooperativen Natur. Aber es ist halt sehr zum Nutzen der wenigen Reichen und Maechtigen. Und eine Mehrheit der Buerger waehlt das noch immer.

  2. Erschreckend, dieses Amtsverständnis. Völlig entkoppelt von der Realität. Und die SPD zeigt wie immer, dass sie überhaupt nichts mehr begreift und keinen Anstand kennt.

    Zugleich wirft die Affäre aber auch erneut ein Schlaglicht auf das wissenschaftliche Niveau so mancher akademischer Disziplin. Hier müsste dringend mit dem Eisenbesen gekehrt werden. Gerade in der heutigen Zeit muss die Wissenschaft streng zu sich selbst sein, wenn sie nicht noch mehr Einfluss verlieren will!

    1. Es ist absolut in Linie mit der erfolgreichen Realitaet eines Scheuer, eines Scholz, eines Seehofer, und wie sie alle heissen. Ja, die haben sich von der Realitaet weiter Teile der Bevoelkerung abgekoppelt, aber eben: sie sind damit persoenlich erfolgreich.

      Das Problem sind die weiten Teile der Bevoelkerung, die ihre Realitaet, und weitgehend auch die objektiv gegebene Realitaet, zu Gunsten einiger weniger verleugnen. Und das wollen sie offensichtlich, denn Ignoranz ist hier mittlerweile eine Wahl, kein Schicksal.

  3. Wenn das Verhalten der Ministerin und ihrer plagiatsgeschwängerten Vorgänger, wie im Artikel sehr zutreffend beschrieben, nicht durch ihre fehlende Einsicht so unredlich wäre, könnte man angesichts der immensen Zahl der nicht zuende gedachten Entscheidungen vieler (Doktor-)PolitikerInnen die Frage stellen, ob sie überhaupt jemals gewusst haben, wie man überhaupt richtig wissenschaftlich arbeitet…

  4. Seien wir ehrlich: heute wuerde Guttenberg nicht mehr zuruecktreten. Wenn ein Scheuer Minister bleiben kann, kann jeder Minister bleiben.

    Die ueberzeugte Katholikin Shavan hat uebrigens einen jahrelangen steuerfinanzierten Luxusaufenthalt in Rom mit Zugang zum Vatikan gewonnen, kann man jetzt auch nicht unbedingt als Strafe deuten.

  5. Bin ja eigentlich kein Data Horder, aber der Tweet wird gespeichert. Wenn das Internet untergeht, soll die Nachwelt trotzdem noch was zum Lachen (Weinen?) haben.

  6. Also man sollte auch mal etwas mehr Verständnis für Frau Dr. Giffey haben!

    Ich selbst hab mal „aus Versehen“ etwas im KaDeWe geklaut und wurde erwischt. Der Kaufhausdetektiv nahm mich mit ins Büro und die Geschäftsleitung rief die Polizei. Nun, da mein Papa aber ein sehr mächtiger Mann in Berlin ist, und als die Geschäftsleitung und Polizei dies checkten, nahmen sie schnell davon Abstand mich einen „Ladendieb“ zu schimpfen. Plötzlich war nun noch die Rede davon, dass ich meinen „Kauf“ beim „Bezahlvorgang“ nicht ganz „schuldrechtskonform abgewickelt“ hätte; salopp gesagt, beim Bezahlen etwas geschlampt hätte. Kurzum: Mein Einkaufverhalten wurde förmlich gerügt! Die Ware konnte ich dann natürlich mit nach Hause nehmen. Und jetzt, ein Jahr später meldet sich doch unverschämter Weise dieser Staatsanwalt und prüft meinen „Einkauf“ erneut. Aber hey, ich hab da keinen Bock mehr drauf: Ich hab auf Twitter jetzt offiziell verkündet, dass ich auf jedwedes Eigentumsrecht bezüglich meiner Einkaufsware verzichte; damit sollte es sich doch nun endlich wirklich erledigt haben. Es gibt schließlich auch mal wichtigere Dinge hier in D, nicht wahr!?

  7. Franziska Giffey: „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel.“

    Stimmt. Die Verleihung eines akademischen Titels ist im Allgemeinen aber sehr wohl abhängig davon, was ein integrer Kandidat bzw. Kandidatin können sollte.Franziska

    Franziska Giffey: „Was mich als Mensch ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet.“

    Stimmt auch. Denn Frau Giffey konnte keine saubere Dissertation erstellen. Sie war angewiesen auf das Wohlwollen ihrer Betreuerin Tanja Börzel und mindestens der Nachlässigkeit des Zweitgutachters Hartmut Häußermann.

    Bleibt die Frage, warum Frau Giffey überhaupt eine Dissertation angestrebt hat, wenn sie jetzt nichts mehr davon wissen will?

    Was war ihr so wichtig, an ihrem Bedürfnis? Und was hat sie dabei gelernt?

  8. Ergämzungen:
    1. Die graduierte Diplomverwaltungswirtin und Bundesministerin Franziska Giffey verfügt nach wie vor über einen sie nach Maßgabe von § 48 Abs. 1 VwVfG bestandskräftigen und sie begünstigenden Verwaltungsakt, der es ihr erlaubt, den von ihr erworbenen Doktorgrad einer Dr.rer.pol. zu tragen.
    2. Der als Schlammschlacht eröffnete Berliner Wahlkampf um die vermeintliche SPD-Spitzenkandidatin Giffey hat längst begonnen.
    3. Jemanden als eine/n „Betrüger/in“ zu bezeichnen setzt nach Maßgabe der einschlägigen Bestimmung des Strafgesetzbuches (StGB) voraus, dass er/sie jemand Anderem einen materiellen Vermögensschaden zugefügt hat und dafür bestandskräftig verurteilt worden ist. Da dies im Fall Giffey nicht gegeben ist, erfüllt die von der Autorin vorgenommene Kennzeichnung der Ministerin Giffey als „Betrüügerin“ den Tatbestand der Beleidigung bzw. der üblen Nachrede.

    1. Ich denke, 1. ist sicher unstrittig, denn dieses Verzichten gibt es ja formal nicht.
      Bei 2. sehe ich noch wenig Anhaltspunkte, wenn ich den Wahlkampf so verstehe, wie ich ihn meinte, nämlich gegenüber dem Wahlvolk. Begonnen hat er vermutlich eher SPD-intern. Da aber die AfD mit ihren parlamentarischen Anfragen ganz erheblich mitmischte, kann man das wohl auch schon als Wahlkampf auslegen. Irgendwie nimmt sich Berlin zu wichtig, finde ich übrigens, schon weil seit Willy Brandt.. Aber ich schweife ab.
      Zu 3. möchte ich anmerken, dass ich sie nicht direkt Betrügerin nenne. Zudem ist Betrug zwar eine Straftat im juristischen Sinne, aber das Wort hat auch eine Bedeutung im Alltagsgebrauch. Insofern könnte man sie als eine Betrügerin bezeichnen.

  9. Über das Wissenschaftssystem zu berichten und dann einen ausgewachsenen Popanz aufzubauen, ist mehr als unerträglich. Der Artikel dokumentiert in aller Deutlichkeit die mangelnde Fähigkeit zur sachlichen, sozialen und zeitlichen Differenzierung, in dem er z. B. die Arbeiten von Shavan, Steinmeier und Giffey mit der Arbeit von Gutenberg gleichsetzt oder durchgängig das Gut-Böse-Schema bemüht („Redlichkeit“ etc.).

    Nur zur Erinnerung: (1) Schavan Dissertation 350 Seiten und nur 56 Seiten problematisch. (2) Giffey Dissertation 214 Seiten mit 76 problematischen Fundstellen, die hauptsächlich auf falsche Zitation zurückzuführen sind. (3) Gutenberg 1218 Plagiatsfundstellen aus 135 Quellen auf 371 von 393 Seiten.

    Und bei Schavan wurde die Arbeit vor mehr als 40 Jahren verfasst. Zu diesem Zeitpunkt standen kaum elektronische Hilfsmittel zur Verfügung (Stichwort „Mikrofichekatalog“).

    Es ist zu vermuten, dass Giffey etc. „objektiv täuschen“, eine „subjektive Täuschungsabsicht“ kann jedoch nur Gutenberg nachgewiesen werden.

    1. Wenn ich die Beleidigungen im obigen Kommentar mal beiseite lasse und versuche, darin ein Argument zu finden, dann ist es im Kern das Gut-Böse-Schema. Das vertrete ich auch weiterhin, denn wer absichtlich täuscht, muss sich das auch zum Vorwurf machen lassen. Aber das ist mitnichten eine Gleichsetzung der Plagiate der genannten Personen, es ist allerdings eine Gleichsetzung der Reaktion darauf, wenn das Plagiat öffentlich wird. Ich erwähne das schlicht deshalb, weil ich versuche zu begründen, warum ich den Fall zu Guttenberg für einen Präzedenzfall halte, der durch den Giffey-Fall leider noch erweitert wird, weil die Ministerin bisher im Amt zu bleiben scheint.

      Dass übrigens die problematischen Fundstellen jetzt schon numerisch verglichen werden müssen, um eine Art Redlichkeitsskala zu erfinden, zeigt doch ganz schön, dass ich nicht falsch liege, wenn ich sage, dass sich die Sicht auf die Plagiierenden enorm verschoben hat. (Und was Giffey in Sachen Täuschungsabsicht nachzuweisen ist, wird erst die neuerliche Untersuchung herausfinden.)

      Der Bericht zu Giffey ist übrigens ein Kommentar. Was den Popanz angeht, so kann man das abtun als Kleinigkeit oder Unwichtigkeit oder vielleicht als weniger schlimm, aber dann ignoriert man eben die Folgen für die Wissenschaft als solche und für lehrende Wissenschaftler, für die Vermittlung wissenschaftlicher Werte und Methoden und deren Sinn. Man ignoriert aber auch, welche Folgen Spitzenpolitiker und ihr öffentliches Verhalten haben.

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