Klimawandel

Ladegeräte sind nur die Spitze des Eisbergs

Das EU-Parlament fordert ein einheitliches Ladegerät für alle Handys. Nicht zum ersten Mal. Doch damit unsere Geräte umweltfreundlicher werden, muss die EU-Kommission einer Wahrheit ins Auge sehen.

Die Spitze des Eisbären
Ladegeräte allein sorgen jährlich für bis zu 14.000 Tonnen Elektromüll in der EU. CC-BY-NC 4.0 Montage: netzpolitik.org mit Grafiken von www.flaticon.com (Freepik, Pixel perfect, und monkik)

Sie probieren es mal wieder. Das EU-Parlament fordert heute in einer Resolution ein einheitliches Ladegerät für alle Handys. Die Abgeordneten sind erbost, dass ein Standard bis heute auf sich warten lässt. Das Standardladegerät wird seit 2009 diskutiert, also seit grauer Handy-Vorzeit, als die meisten von uns noch SMS in klobige Nokia-Geräte tippten.

Das einheitliche Ladegerät ist ein banaler Fall, doch er berührt eine Grundsatzfrage. Die EU-Kommission hat die rechtlichen Werkzeuge in der Hand, um ein einheitliches Ladegerät binnen weniger Monate zur Realität zu machen.

Doch die Beamten in Brüssel hofften über ein Jahrzehnt hinweg, dass alle Hersteller freiwillig ihren Vorgaben folgen – vergeblich.

Das liegt nur an einem Anbieter: Apple wehrt sich vehement dagegen. Der Konzern setzt statt USB auf seinen eigenen, patentierten Lightning-Anschluss. Er behauptet frech, dass ein einheitliches Ladegerät samt einheitlichem Stecker für das iPhone „Innovation behindert“, und das obwohl Apple in Geräten wie seinen iPads selbst einen Standard-USB-Anschluss verbaut.

Apple stellt damit die Bedürfnisse seines – zugegebenermaßen schicken – Designs über Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit.

Zehn Jahre zur Weltrettung

In Zeiten der Klimakrise macht Apple sich angreifbar. Technologiekonzerne müssen sich ihrer Verantwortung für die Umwelt stellen. Die UN schätzt, dass wir zwischen 2020 und 2030 jedes Jahr unsere Emissionen um 7,6 Prozent senken müssen, um eine katastrophale Erderwärmung zu verhindern. Uns bleiben zehn Jahre, um die Welt zu retten.

Die IT-Nutzung ist ein wichtiger Klimafaktor. 2025 verbrauchen Geräte, Serverfarmen und Netze laut einer Schätzung 20 Prozent des globalen Stroms. IT ist dann für bis zu 5,5 Prozent der Klimaemissionen verantwortlich – mehr als der weltweite Flugverkehr.

Es geht aber nicht nur um den Energieverbrauch: Smartphones bestehen aus eine Vielzahl an seltenen Rohmaterialien, darunter den Konfliktmineralien Tantal, Zinn, Wolfram und Gold. Die Rohstoffe finanzieren brutale Rebellengruppen, der Abbau von Ressourcen verursacht Verheerungen wie Giftschlamm aus radioaktivem Abwasser.

Smartphones und ihr Zubehör landen außerdem nach ihrer Nutzung meist wieder in Ländern des globalen Südens, wo sie als ätzender Schrott auf Müllkippen enden. Ladegeräte allein sorgen jährlich für bis zu 14.000 Tonnen Elektromüll in der EU, schätzt eine bisher unveröffentlichte Studie im Auftrag der Kommission.

Nur ein Achtel wird recycelt

Eine Kreislaufwirtschaft ohne Müll, wie sie die EU-Kommission seit Jahren beschwört, bleibt ein Fernziel. Weniger als die Hälfte des Elektromülls wird recycelt. Und bloß 12 Prozent des EU-Rohstoffbedarfs wird aus wiedergewonnenen Materialien bestritten.

Maßnahmen gegen den E-Müllberg fallen bisher zaghaft aus. Die Ökodesign-Richtlinie der EU legt seit 2009 Energieeffizienz bei Elektrogeräten fest, seit kurzem schreiben Zusatzmaßnahmen vor, dass bei Leuchten, Displays und Kühlschränken künftig sieben Jahre lang Ersatzteile verfügbar sein müssen. Für Handys gibt es solche Regeln bisher nicht.

Apple ist in Umweltfragen ein interessantes Beispiel: Der Hersteller produziert rund ein Fünftel der Handys auf der Welt, seine Produkte gehören am Markt zu den teuersten – und den mit Abstand profitabelsten. Wenn es sich jemand leisten könnte, nachhaltig zu produzieren und Reparaturen zu erleichtern, dann ist das Apple.

Der Konzern setzt sich gerne als Öko-Hersteller in Szene, lange Umweltberichte sollen das belegen. Doch Apple-Manager werden schnell defensiv, wenn sie auf die tatsächliche Bilanz des Konzerns angesprochen werden. Das hat einen Grund.

Festgeklebte Batterien und üble Updates

Apple wettert nicht nur gegen einheitliche Ladegeräte. Die Firma untergräbt die Langlebigkeit seiner Produkte, indem sie ihre Reparatur schwer macht. Auf dem Reparierbarkeitsindex der Webseite iFixit schneiden iPhones eher mittelmäßig ab.

Bei iPads klebt Apple bei manchen Modellen den Akku fest, um einen Austausch zu verhindern. Apples Laptops zählen laut iFixit sogar zu den am schlechtesten reparierbaren Geräten. Für den Weltkonzern Apple ist das keine beeindruckende Bilanz.

Kritik gibt es auch an mangelnder Software-Nachhaltigkeit: Apple und Samsung fassten in Italien eine Millionenstrafe für Softwareupdates aus, die aus Sicht des Gerichts absichtlich deren Leistung schwächten.

Apple muss inzwischen in einigen Ländern über solche Leistungsdrosseln „klarer und ehrlicher“ informieren. Tatsächlich hat der Konzern bereits freiwillig einiges für die Langlebigkeit seiner Handys getan – rechtlich bindende Garantien gibt es aber nicht.

Recht auf Reparatur als Ziel

Die Europäische Union könnte hier ansetzen. Die neue Kommission unter Ursula von der Leyen hat mit dem Green Deal einen Plan für eine umweltfreundlichere Wirtschaft. Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius hat vor ein paar Tagen ein „echtes ‚Recht auf Reparatur'“ angekündigt.

Auch wünscht sich der Umweltkommissar Maßnahmen gegen geplante Obsoleszenz, also absichtliche Schwachstellen, die die Lebensdauer vieler Geräte vorzeitig verkürzen. Die EU könnte damit einen globalen Standard für nachhaltige Geräte setzen.

Mehr Wiederverwertung wäre nicht nur für die Umwelt gut. Handys von Apple werden in Kalifornien designt und in Asien hergestellt. Von der Wertschöpfung bleibt in Europa, wo der Konzern fleißig Steuern vermeidet, meist wenig hängen.

Reparatur, Wiederverwertung und Recycling schaffen Arbeitsplätze. Die EU-Kommission schätzt, dass diese Bereiche bereits für vier Millionen Jobs in Europa sorgen. Ein Recht auf der Reparatur für elektronische Geräte könnte die Zahl noch steigern.

Aktivisten rufen die EU-Kommission auf, rasch gesetzliche Maßnahmen vorzulegen. Es sei wichtig, dass das Recht auf Reparatur in den Plänen der Kommission auftauche. „Es fehlen aber konkrete Maßnahmen“, sagt Dorothea Kessler von der Europäischen Right-to-Repair-Kampagne. Die müssten möglichst bald nachgeliefert werden.

Dafür muss die Kommission allerdings noch einer Wahrheit ins Auge sehen: Selbstregulierung durch die Industrie und freiwillige Maßnahmen funktionieren nicht. Denn wenn Konzerne wie Apple ihre Profitmarge gefährdet sehen, ist es mit der Umweltliebe vorbei.

Wenn die EU einen globalen Standard bei nachhaltigen Geräten setzen will, braucht es harte gesetzliche Mittel. Die Zeit, in der sich Konzerne wie Apple selbst die Regeln setzen, muss endlich vorbei sein.

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17 Ergänzungen
  1. Das Problem ist meiner Meinung nach nicht, dass Apple andere Stecker verwendet als ein beliebiges (Android) Telefon. So lange bei jedem Telefon ein Netzteil dabei ist, entsteht der Müll unabhängig vom Anbieter. Deshalb müsste man eher das Bündeln der Netzteile verbieten, wodurch wirklich Resourcen eingespart würden. Die unterschiedlichen Stecker sind eh nicht das Problem, weil die wenigsten ständig zwischen den beiden Lagern Andoid und iOS wechseln. Und selbst dann würde es ein schlichtes Kabel auch tun.
    Bei der Langlebigkeit der Geräte ist die Reparatur nur ein Baustein. Mindestens ebenso wichtig ist die Unterstützung durch Sicherheitsupdates der Hersteller. Ohne diese kann das Telefon noch so leicht reparierbar sein. Einsetzen sollte man es nicht mehr.

  2. Also ich hab auch diese Position vertreten, bis ich das gelesen habe: https://www.golem.de/news/lightning-vs-usb-c-usb-konsortium-war-zu-traege-2001-146280.html
    Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass es generell eine schlechte Idee ist, einem Firmenkonsortium solche Entscheidungen zu überlassen, deutlich zu sehen bei USB4, wo jetzt ein schon lang emanzipierter Standard reingefrickelt wird und TB3-User bestraft werden. Noch deutlich stärker sichtbar ist das bei IETF vs. W3C, wo es bessere Vorschläge als die der Firmen(W3C) gibt und diese die dann torpedieren. Ein Expertengremium wie IETF, wo technische non-Profits wie der CCC ihre Meinung vertreten können, währe IMHO die richtige Lösung.

  3. Wie Apple gegen „Recht auf Reparatur“ in den USA und in der EU lobbyiert, ist scheinheilig und schädlich für alle.

    Mit der Aussage, das eine EU-Vorgabe „Innovation behindert“ hätte, hat Apple jedoch Recht. Dann würden wir alle nämlich USB-Micro benutzen, das war damals Stand der Technik. Apple Lightning kam Jahre vor USB-C, und letzteres kam nur, weil das Konsortium durch Apple Lightning unter Druck geraten war.

    Auch verstehe ich das Wort „Ladegerät“ in dem Zusammenhang nicht. Es geht bei dem Thema ja um Stecker und Kabel, nicht um das Ladegerät.
    Apple’s USB-Ladegeräte(und die alle anderen Hersteller, welche ich gesehen habe) sind universell. Die steckt man auf der einen Seite in die Steckdose und auf der anderen Seite sind 1-2 USB-A ports. Ob man in die ein USB-Mini/Micro/C oder Lightning Kabel steckt, ist egal, es funktioniert.

    1. In der politischen Debatte ist vom „common charger“ die Rede, vom einheitlichen Ladegerät. Teil des Ladegerätes ist neben dem Netzteil der Stecker, der bei Apple eine patentierte Eigenerfindung ist. Ich schreibe Ladegerät, den es geht aus meiner Sicht um ein einheitliches Ladegerät samt einheitlichem Stecker. Übrigens sind die Netzteile zwar „einheitlich“, die Hersteller haben aber vielfach dafür gesorgt, dass die Schnellladefunktion bei ihren Handys nur mit den eigenen Geräten geht. Ist also aus meiner Sicht schon richtig, von Ladegeräten zu sprechen und nicht nur von Kabeln oder Steckern.

  4. Ob das alles wirklich zu weniger Elektroschrott führt? Die Vereinheitlichung hat doch jetzt schon eher zu niedrigen Ersatzkabelpreisen geführt. Statt einem seltsamen Sony-Kabel oder einem Nie-mehr-Anders-nutzbaren Nokia-Kabel hat man doch heute eher eins am Sofa, eins im Auto, eins am Bett, eins im Büro…

  5. Apple hat schon immer eine sehr gierige Produkt-Politik verfolgt. Z.B. waren Apples Mobilgeräte lange Zeit nur mit sich selbst kompatibel. Eine Datenübertragung ohne Internet zu einem Nicht-Apple Mobilgerät wurde schlicht per Software unterbunden. Oder man wurde zum Kauf des nächsten Modells gedrängt, um bestimmte Funktionen nutzen zu können. So wurde mit der i-OS Version 7, wenn ich mich richtig erinnere, der wlan-Hotspot eingeführt. (Android hatte das schon länger.) Zu dieser Zeit war gerade das iPhone 4 erschienen. Auch das 3er Modell konnte man auf i-OS 7 upgraden. Den Hotspot bekamen aber nur Besitzer des 4er Modells freigeschaltet.

    1. Tethering via USB kam mit iOS 3.0 und können alle iPhones.
      Tethering via WLAN (=WLAN Hotspot) kam mit iOS 4.2.5 und können alle iPhones seit dem iPhone 4.

      Ich weiß nicht, was du mit „3er“ Modell meinst.
      Das iPhone 3G kann bis iOS 4.2.1 Das dritte iPhone (3GS) bekam iOS 6.1.

      1. Ich hatte damals ein 3GS. Mein Schwager hatte bereits ein 4er oPhone. Wir haben festgestellt, dass die Verdionsnumnern des iOS identisch waren, in den Einstellungen das wlan-tethering aber nur beim 4er vorhanden war.

        1. Schon mal den Gedanken gehabt, dass das auch einfach Hardwareanforderungen hat, die der WLAN-Chip des 3GS vielleicht nicht erfüllt? Wäre jedenfalls die einfachste Erklärung, und gerade in punkto Updatepolitik kann man Apple nun wirklich keine Vorwürfe machen…

  6. Zitat: „Auch wünscht sich der Umweltkommissar Maßnahmen gegen geplante Obsoleszenz, also absichtliche Schwachstellen, die die Lebensdauer vieler Geräte vorzeitig verkürzen.“

    Das wäre die nächste Fehlzündung der EU-Kommission.

    Denn als erstes wäre es notwendig wenn jeder Hersteller klar und für den Verbraucher deklariert wie die geplante MTTF (Mean Time To Failure) aussieht.
    Dann müsste der Hersteller die MTTF Berechnung offenlegen.
    Jetzt müsste es noch Leute geben die diese Berechnungen nachvollziehen und zur Not Klagen, bzw. bei einer EU-Beschwerdestelle einreichen.
    Diese müsste dann ausreichend personell ausgestattet sein, um die komplexe Materie nachzuvollziehen, zu Dokumentieren.
    Diese müsste genug Durchsetzungskraft haben empfindliche Strafgelder zu verhängen.

    Im Einzelfall hilft das dem Verbraucher natürlich immer noch nicht, den bei der Lebensdauer eines Produktes handelt sich um ein statistisches Konstrukt, welches sich in der Regel aus der statistischen Lebensdauer aller Einzelkomponenten berechnet. Jedes Gerät kann mit Pech direkt nach 6 Monaten und einem Tag, (bzw. 2 Jahren, 1Tag) sein Leben aushauchen.

  7. Ich finde es ein bisschen zu einfach, hier die Schuld (nur) auf Apple zu schieben. Außerdem müssen wir Ladegerät und (Lade-)Kabel voneinander trennen.

    Gehen wir mal davon aus, dass alle Hersteller sich an Spezifikationen halten (man sieht beim Raspberry Pi 4, dass es nicht so ist).
    – Es gibt noch diverse Ladestandards (Neben dem „Standard“ USB-PD gibt es diverse proprietäre Lösungen,wie Qualcomm Quickcharge). Schlimmstenfalls lädt das Telefon dann eben nur mit 500 mA.
    – Es ist gar nicht so leicht Kabel zu finden, die sowohl USB-PD, als auch USB 3.2 unterstützen. Von Thunderbold wollen wir gar nicht reden.
    – Die Switch von Nintendo zum Beispiel fordert für den Betrieb im Dock zwingend den USB-PD 15V-Modus, welcher allerdings von vielen Netzteilen nicht unterstützt wird.

    Wie man sieht, gibt es selbst innerhalb von USB ein Durcheinander. Wenn ich nachhaltig einkaufen möchte, muss ich schon sehr genau drauf achten, wofür ich mich entscheide, um für das nächste Gerät nicht doch ein neues Kabel oder Ladegerät kaufen zu müssen.

  8. Vielleicht wird es nicht möglich sein wirklich einheitliche Ladegeräte und Anschlüsse zu schaffen, die den Ansprüchen der verschiedensten Geräte ausreichend entsprechen. Eine gesetzlich vorgeschriebene Garantie auf Funktion (incl. Updates) für einen Zeitraum von z.B. mindestens 5 Jahren müsste möglich sein und sollte zukünftigen Elektromüll nachhaltiger verringern als jedes einheitliche Ladegerät.

  9. Tut mir leid, aber an dieser Stelle kann ich nicht anders, als dem Autor entweder bewusste Fehlinformation gegen Apple oder aber massive Unwissenheit zu unterstellen. Daher hier eine kleine Korrektur zu einigen Punkten:

    1. Es wird munter Ladegerät und -kabel durcheinander geworfen. Beim aktuellen Vorstoß der EU geht es um das Gerät selber, hier liefert Apple seit Jahr und Tag Standardgeräte mit USB-A, jetzt USB-C, aus, wie die meisten anderen Hersteller auch. Beim Kabel sieht das anders aus, hat aber auch Gründe. So kam Lightning erstens lange vor USB-C, und ist diesem zweitens mechanisch nach wie vor überlegen. Nebenbei vergleicht der Autor noch iPhones mit dem Rest der Gerätepalette, die doch ganz andere Anforderungen an den Stecker haben, was mechanische Stabilität und Zubehörspektrum angeht. Aber wie gesagt, um die Kabel gehts ja auch gar nicht…

    2. Geräte von Apple selbst zu reparieren, ist nicht einfach, das ist korrekt. Aber ich kann auch Jahre alte (aktuell bis zum iPhone 5c von 2013) Geräte problemlos zu Apple oder anderen Servicepartnern zur Reparatur bringen. Apple stellt am längsten Softwareupdates bereit. Apple nimmt alte Geräte zum Recycling zurück. Sicher, ich will hier nicht behaupten, sie wären gut für die Umwelt, aber sicher nicht so schlimm wie hier dargestellt. Siehe auch den Greener Electronics Report [0] von Greenpeace, hier landete Apple nach Fairphone auf dem zweiten Platz.

    3. Die gute alte Leier der Steuervermeidung. Ich will hier ehrlich sein: Ich vermeide Steuern auch, wo es geht. Nur habe ich als Arbeitnehmer eben nicht so viele Möglichkeiten dazu wie ein Weltkonzern. Der Ball ist hier bei der Politik, Schlupflöcher zu schließen. Solange sie existieren, werden sie auch ausgenutzt, und zwar von allen, die die Möglichkeit dazu haben. Das liegt einfach daran, dass die Konzerne den Anlegern und damit dem Gewinn verpflichtet sind, da ist für freiwillige Zahlungen an den Fiskus kein Platz. Hate the game, not the players…

    > Die Zeit, in der sich Konzerne wie Apple selbst die Regeln setzen, muss endlich vorbei sein.
    Hier stimmen wir überein, es ist schon lange Zeit für mehr Lobbykontrolle. Warum diese Botschaft aber in einem Artikel aus reinem Apple-Bashing versteckt sein muss, erschließt sich mir ehrlich nicht ganz.

    0: https://www.greenpeace.org/usa/reports/greener-electronics-2017/

    1. Das mit der bewussten Fehlinformation möchte ich entschieden zurückweisen, die „massive Unwissenheit“ betreffend kann das jede Leserin und jeder Leser gerne für sich selbst beurteilen.

      Was den Punkt 1 angeht: In der politischen Debatte ist vom „common charger“ die Rede, vom einheitlichen Ladegerät. Teil des Ladegerätes ist neben dem Netzteil der Stecker, der wie ausgeführt bei Apple eine patentierte Eigenerfindung ist. An den angemessenen Punkten habe ich Stecker oder Anschluss geschrieben, aber natürlich geht es in der Substanz um ein einheitliches Ladegerät samt einheitlichem Stecker. Übrigens sind die Netzteile zwar „einheitlich“, die Hersteller haben aber vielfach dafür gesorgt, dass die Schnellladefunktion bei ihren Handys nur mit den eigenen Geräten geht. Ist also aus meiner Sicht schon richtig, von Ladegeräten zu sprechen und nicht nur von Kabeln oder Steckern.

      Bei Punkt 2 sagen Sie selbst, dass die Geräte nicht einfach zu reparieren sind. Der von ihnen zitierte Bericht stammt aus 2017. Er gibt Apple zwar tatsächlich die Note „B-“ und den zweiten Platz, allerdings hält er auch fest: „Apple, Microsoft, and Samsung are among the companies moving in the wrong direction on sustainable product design.“ Ist jetzt nicht unbedingt eine große Auszeichnung für Apple, oder?

      Punkt 3 lässt sich sicher diskutieren, aber nur um das klarzustellen: Apple ist in Steuern kein normaler Fall wie der von Frau Ottilie Kleinbürgerin, die mal eben eine private Restaurantrechnung als geschäftlich absetzen will. Apple ist der nach Marktkapitalisierung wertvollste börsennotierte Konzern der Welt (mit Ausnahme von Saudi Aramco) und hatte in Irland lange Zeit eine geheime Absprache mit der Regierung, die die Unternehmenssteuerlast des Konzen auf 0,005 absenkte. Bis heute unterhält Apple eine Armada an Steuerrechtlern, die dem Konzern erlauben, jedes Jahr in den EU-Staaten Milliarden an Steuern zu vermeiden, die wir sonst für Schulen und Krankenhäuser verwenden könnten, damit die Apple-Aktionärinnen ihre Profite sehen. Den Satz „Hate the game, not the players“ würde ich in diesem Zusammenhang nicht unterschreiben, weil ich schon finde, dass Apple und seine Vorstandsmitglieder hierfür moralisch die Verantwortung tragen, ebenso wie die irische Politik.

      1. Gut, war vielleicht etwas harsch formuliert, das sehe ich ein.

        > Übrigens sind die Netzteile zwar „einheitlich“, die Hersteller haben aber vielfach dafür gesorgt, dass die Schnellladefunktion bei ihren Handys nur mit den eigenen Geräten geht. Ist also aus meiner Sicht schon richtig, von Ladegeräten zu sprechen und nicht nur von Kabeln oder Steckern.
        Warum dann ein Artikel, der sich nahezu ausschließlich an Apple aufhängt, die solchen Unfug nicht machen?

        > Ist jetzt nicht unbedingt eine große Auszeichnung für Apple, oder?
        Wie ich bereits sagte, von Perfektion oder auch nur „gut“ redet keiner. Aber über genau die Marke herzuziehen, die (was Smartphones und Tablets angeht, beim Rest fehlen mir Daten) Marktführer in Sachen Langlebigkeit sind, erscheint mir unredlich.

        > Apple ist in Steuern kein normaler Fall wie der von Frau Ottilie Kleinbürgerin
        Sicherlich nicht, Ottilie Kleinbürgerin fehlen dafür die Möglichkeiten. Das ist aber im Wesentlichen auch schon der einzige Unterschied. Jeder versucht, zu sparen, wo er/sie kann. Das liegt nunmal im Wesen des Kapitalismus. Dass Amazon, Google, Microsoft oder Apple da erfolgreicher sind, liegt meines Erachtens an einer EU bzw. einzelnen Mitgliedsstaaten, die sich einer sinnvollen Weiterentwicklung des Steuersystems verweigern.
        Nehmen wir an, Apple wäre auf einmal der Hort des Altruismus und würde „gerecht“ Steuern zahlen wie Sie und ich. Das wären einige Milliarden mehr in diversen Staatskassen. Und dann? Blieben immer noch hunderte oder tausende andere Konzerne, die munter weiter sparen. Und genau deshalb kann dieses Problem nur politisch gelöst werden.

        1. Warum dann ein Artikel, der sich nahezu ausschließlich an Apple aufhängt, die solchen Unfug nicht machen?

          Ich schreibe im Artikel:

          Apple ist in Umweltfragen ein interessantes Beispiel: Der Hersteller produziert rund ein Fünftel der Handys auf der Welt, seine Produkte gehören am Markt zu den teuersten – und den mit Abstand profitabelsten. Wenn es sich jemand leisten könnte, nachhaltig zu produzieren und Reparaturen zu erleichtern, dann ist das Apple.

          Aber über genau die Marke herzuziehen, die (was Smartphones und Tablets angeht, beim Rest fehlen mir Daten) Marktführer in Sachen Langlebigkeit sind, erscheint mir unredlich.

          Laut iFixit sind Tablets nur mittelmäßig, Apple-Laptops sogar äußerst schlecht reparierbar. Das ist nicht unbedingt ein Beitrag zur Langlebigkeit. Noch dazu, wo das nicht Not tut.

          Blieben immer noch hunderte oder tausende andere Konzerne, die munter weiter sparen. Und genau deshalb kann dieses Problem nur politisch gelöst werden.

          Ich könnte nicht mehr zustimmen.

          1. > Laut iFixit sind Tablets nur mittelmäßig, Apple-Laptops sogar äußerst schlecht reparierbar. Das ist nicht unbedingt ein Beitrag zur Langlebigkeit.
            Und trotzdem haben Applegeräte im Durchschnitt die längste Nutzungsdauer.

            Frei aus dem Bauch raus würde ich auch behaupten, dass Defekte eine recht kleine Rolle spielen, wenn es um das Ende der Nutzungsdauer von Smartphones geht. Wichtiger ist das Ende des Softwaresupports, psychologische Faktoren oder einfach die Vertragsverlängerung aller zwei Jahre. Aber wie gesagt, dazu fehlen mir konkrete Zahlen, müsste man mal recherchieren…

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