Technologie

Geliebtes Smartphone – bist Du böse?

Wir alle lieben unsere Smartphones. Sie enthalten unsere Fotos, unsere Musik, Nachrichten unserer Freunde – sie sind quasi ein kleines, elektronisches „Ich“. Unsere Liebe zu den Geräten erzeugt jedoch Nachhaltigkeitsdesaster in anderen Teilen der Erde.

Smartphone-Nutzer in der japanischen Stadt Shibuya Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Hugh Han

Aktuell gibt es in Deutschland 57 Millionen Nutzerinnen und Nutzer eines Smartphones. Das entspricht ungefähr 69 Prozent der gesamten Bevölkerung. 2009 waren es lediglich 6,3 Millionen Nutzende. 432 Millionen Smartphones wurden weltweit allein im vierten Quartal 2016 im Einzelhandel verkauft. Diese enorme Verbreitung hängt mit einem ebenfalls großen Schwund zusammen: Smartphones werden im weltweiten Durchschnitt bereits nach rund 20 Monaten gegen ein neues Gerät getauscht. Ein solch schneller Wechsel sollte aber dringend überdacht werden. Wie im Folgenden beschrieben wird, sind die Geräte von der Wiege bis zur Bahre eine Katastrophe für die ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

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Die Bauteile eines Smartphones bestehen aus 50 bis 75 verschiedenen chemischen Elementen. Und wie bei anderen elektronischen Geräten werden dafür Rohstoffe benötigt, die in Schwellen- und Entwicklungsländern abgebaut werden. Weil der Bedarf so hoch ist und die Nutzungsphase der Geräte so kurz, entsteht hier ein starkes Spannungsverhältnis. Denn in den Ländern, die die Rohstoffe für die Smartphones liefern, erzeugt die Gewinnung erhebliche soziale und ökologische Probleme. Etwa benötigen die Telefone die vier sogenannten „Konfliktmineralien“ Tantal, Zinn, Wolfram und Gold. Die Demokratische Republik Kongo (DRK) exportiert alle vier dieser Stoffe.

Konfliktbehaftet sind diese Mineralien, weil der Abbau vor Ort Rebellentruppen finanziert. Die Rebellen sind im Besitz des Bergbaus und/oder Teilen des Handels mit den Mineralien. Sie finanzieren mit dem Gewinn die Waffen zur Sicherung ihrer Macht und destabilisieren so die Region, was noch viele weitere Probleme mit sich bringt. Im Umfeld der Bergbauanlagen wurde Zwangs- und Kinderprostitution beobachtet, HIV und Aids breiten sich aus. Laut der Weltflüchtlingsorganisation UNHCR liegt die Zahl der registrierten Geflüchteten aus der DRK bis dato bei einer dreiviertelmillion Menschen.

Brennender Müll
Brand auf Müllhalde in Ghana. Häufig landet Technikmüll im globalen Süden. CC-BY 2.0 Lantus

Giftschlamm

Die ökologischen Probleme zeigen sich am deutlichsten beim Abbau seltener Erden, die für unsere smarten Geräte ebenfalls benötigt werden. Diese Metalle wie Neodym oder Lanthan werden aus Mineralgestein gewonnen, das mit Säuren ausgewaschen wird. Aufgrund der geringen Konzentration (daher „selten“) der Stoffe müssen viele Tonnen Gestein ausgewaschen werden, um wenige Gramm der Metalle zu erhalten. Durch den Abbau entsteht giftiger Schlamm. Der weltgrößte Tümpel dieses Schlamms befindet sich in der Mongolei mit 10 Km² Fläche. Er besteht aus 160 Millionen Tonnen Abfall, 17,5 Millionen Kubikmeter hochradioaktivem Abwasser, Schwefelsäure und Fluorwasserstoffsäure.

Energieverbrauch der Produktion

Sind die Rohstoffe gewonnen, bringen die Einzelteile des Smartphones lange Wege hinter sich. Schon der Transport der einzelnen Bauteile erzeugt ein hohes CO2-Aufkommen. Hinzu kommt die fossile Energieerzeugung in den Regionen, in denen die meisten Teile hergestellt werden. 85 Prozent der Anteile eines iPhones werden bspw. in China gefertigt. In den Ländern des südostasiatischen Raums ist Kohle als Grundlastversorgung bislang unersetzbar. Durch die allgegenwärtige Digitalisierung ist Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) der Sektor, der den höchsten Anstieg von Emissionen erzeugt.

Am Beispiel des Samsung Galaxy S6 zeigt sich nach Angaben aus dem Nachhaltigkeitsbericht des Herstellers, dass Herstellung und Transport über 80 Prozent des Energieverbrauchs und damit der Emissionslast des Geräts ausmachen.

Reparatur? Fehlanzeige!

Der Trend zu dünneren Geräten mit möglichst großem Display und die Verwendung von Glas auf der Rückseite laufen der Option zuwider, etwa den Akku einfach wechseln zu können. Eine weitere Hürde stellt die Verwendung von Schrauben mit Sonderformat dar. Damit ist eine Reparatur für einen Laien quasi unmöglich und für Fachleute zunehmend aufwendig. Ist ein Bauteil des Telefons defekt, ist es häufig ein „wirtschaftlicher Totalschaden“, weil es so kompliziert ist, an das betroffene Bauteil überhaupt erst heranzukommen.

Ätzender Müll

Smartphones in Afrika
Altgeräte in Ghana. CC-BY-SA 2.0 Fairphone

Am Ende des Smartphonelebens steht dann die Müllkippe. Der Fachbegriff für Technikschrott lautet „waste electrical and electronic equipment (WEEE)“ bzw. „E-Waste“. Die weltweite Menge an anfallendem E-Waste betrug im Jahr 2017 über 60 Millionen Tonnen. Das entspricht dem Gewicht des Empire State Buildings multipliziert mit 200. Aufgrund des kurzen Lebenszyklus von Mobiltelefonen stellen diese das größte Problem dar. Sie machen bei weitem den größten Anteil des anfallenden Schrotts aus.

Technik ist an sich keine ökologische Bedrohung während der Nutzungsphase. Als E-Waste ist sie jedoch eine besonders aggressive und schädliche Art Müll. Die Platinen und Akkus von Computern, Mobiltelefonen und anderen Geräten enthalten zumindest ein giftiges Metall, meist handelt es sich um Blei, Cadmium oder Beryllium.

Alle diese Stoffe können bei Kontakt schwere organische Erkrankungen erzeugen. Von den Müllkippen aus geraten giftige Chemikalien in Boden und Luft und schädigen Umwelt und Menschen in den umliegenden Kommunen. Die Menschen vor Ort, darunter viele Kinder, zertrümmern ohne Schutzbekleidung die kaputten Geräte oder stecken deren Plastikgehäuse in Brand, um an verwertbare Rohstoffe zu kommen. Diese werden auf Schrottmärkten zu Geld gemacht.

Verantwortung wird exportiert

Aber auch Recycling ist bei Tablets, Smartphones oder Computern nicht das, wofür man es halten könnte. Besonders für Elektronik existiert kein Stoffkreislauf, der eine Wiederverwertung verbauter Materialien ermöglicht. Auch können einmal verbaute seltene Erden nicht wiedergewonnen werden und gehen unwiederbringlich bei der Herstellung eines Geräts verloren.

indien
Elektroschrott-Zerlegung in Indien. CC-BY-SA 2.0 Matthias Feilhauer

In den USA werden 50 bis 80 Prozent der zu recycelnden Elektrogeräte in die Länder des Fernen Ostens, Indien, Afrika und China exportiert. Dort angekommen, werden die Altgeräte von Hand, meist ohne geeignetes Werkzeug oder Schutzbekleidung, zerlegt.

Konflikthafte Liebe

Fassen wir zusammen: Die Nachhaltigkeitsdefizite der Smartphones sind vielfältig. Hohe Absatzzahlen und kurze Lebenszyklen bedeuten mehr Bedarf an Rohstoffen und auch mehr Elektroschrott, was problematische Folgen für viele bedeutet: vergiftete Böden und Luft, Umweltzerstörung, Krankheit und Gewalt.

Was können wir tun? Das Smartphone ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken, es enthält unsere Bilder, unsere Musik, stellt Kontakt zu unseren Freunden her, ist Arbeits- und Spaßmaschine, unser persönlichster Besitz – es ist ein erweitertes Selbst!

Lebensverlängernde Maßnahmen

Da die Herstellung des Telefons selbst schon so enorm viel Energie braucht, verbessern sämtliche lebensverlängernde Maßnahmen die Ökobilanz des Smartphones. Das eigene Telefon möglichst lange zu nutzen, ist das Beste, was man tun kann. Schutzhüllen, Displayfolien und akkuschonendes Laden halten das Telefon lange schön und lebendig. Und Nutzerinnen und Nutzer von Android können stets neue Versionen des Betriebssystems über sogenannte Customs Roms nach Ablauf der Garantie aufspielen.

Wenn man zwar ein altes funktionierendes Smartphone hat und ein neues Gerät haben möchte, ist das Recycling des alten Geräts – wie beschrieben – die am wenigsten nachhaltige Option. Das Smartphone kann aber ein zweites Leben führen: z. B. als interaktiver Tischkalender, als Babymonitor, Küchenradio oder digitaler Bilderrahmen. Auch eine Spende für gute Zwecke ist nachhaltig. Und das neue Gerät kann dann am besten ebenfalls ein Gebrauchtes sein. Denn der wichtigste Nachhaltigkeitsfaktor ist Suffizienz – die Begrenzung des eigenen Lebensstils und Konsums. Und wenn es einem in den Fingern juckt, weil etwa die Veröffentlichung des neuen iPhones vor der Tür steht, sollte man an einen gewissen Schlammsee in der Mongolei oder die Gewalt in der Republik Kongo denken.

Der Techniksoziologe Felix Sühlmann-Faul forscht seit ca. drei Jahren im Bereich Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Zuletzt verfasste er eine Studie zu den Nachhaltigkeitsdefiziten der Digitalisierung und möglichen Handlungsempfehlungen im Auftrag des WWF Deutschland und der Robert-Bosch-Stiftung. Hier finden sie eine kurze Zusammenfassung, eine ausführliche Zusammenfassung und die komplette Studie.

Quellenverzeichnis

Belk, Russell 1988: Possessions as the Extended Self, in: Journal of Consumer Research 15(2):139-68, February 1988

Cornot-Gandolphe, Sylvie 2016: The Role of Coal in Southeast Asia’s Power Sector and Implications for Global and Regional Coal Trade, Oxford Institute for Energy Studies

de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der-smartphonenutzer-in-deutschland-seit-2010/

data2.unhcr.org/en/situations/drc

gartner.com/newsroom/id/3609817

greenpeace.org/international/en/campaigns/detox/electronics/the-e-waste-problem/

Hilty, Lorenz M. / Coroama, Vlad Constantin / Ossés De Eicker, Margarita et al. 2009: The Role of ICT in Energy Consumption and Energy Efficiency; researchgate.net/publication/267411194_The_Role_of_ICT_in_Energy_Consumption_and_Energy_Efficiency

Koebler, Jason 2015: How to fix everything; motherboard.vice.com/en_us/article/how-to-fix-everything

Koebler, Jason 2016: Instead of a Recycling Robot, Apple Should Sell Screwdrivers That Open iPhones; motherboard.vice.com/en_us/article/instead-of-a-recycling-robot-apple-should-sell-screwdrivers-that-open-iphones

Koebler, Jason 2017: Apple Forces Recyclers to Shred All iPhones and MacBooks; motherboard.vice.com/en_us/article/apple-recycling-iphones-macbooks

Kuper, Jo / Hojsik, Martin 2008: Poisoning the Poor, Greenpeace.org; greenpeace.org/denmark/Global/denmark/p2/other/report/2008/poisoning-the-poor-electroni.pdf

Margolin, Madison 2016: The Periodic Table of iPhone Elements; motherboard.vice.com/en_us/article/the-periodic-table-of-iphone-elements

Martin-Jung, Helmut 2015: Müllkippe statt Mine; sueddeutsche.de/digital/alte-handys-muellkippe-statt-mine-1.2553381

Peterman, Amber / Palermo, Tia / Bredenkamp, Caryn 2001: Estimates and Determinants of Sexual Violence Against Women in the Democratic Republic of Congo, American Public Health Association

Samsung Sustainability Report 2016;
https://images.samsung.com/is/content/samsung/p5/global/ir/docs/2016-samsung-sustainability-report.pdf

Sepulveda, Alejandra / Schluep, Mathias / Hagelüken, Christian et al. 2010: A Review of the Environmental Fate and Effects of Hazardous Substances Released from Electrical and Electronic Equipments during Recycling: Examples from China and India, in: Environmental Impact Assessment Review, Januar 2010

Sutherland, Ewan 2001: Coltan, the Congo and your cell phone, University of the Witwatersrand; web.mit.edu/12.000/www/m2016/pdf/coltan.pdf

United Nations Conference in Trade and Development. 2014. Commodities At A Glance. 5. New York und Genf: UNCTAD

unu.edu/media-relations/releases/step-launches-interactive-world-e-waste-map.html#info

Woyke, Elizabeth 2014: The Smartphone. Anatomy of an Industry, New York

Wübbeke, Jost. 2012. „Bergbau in der Inneren Mongolei: Umweltverschmutzung und Konflikte“. Philippinenbüro e.V. im Asienhaus und der Südostasien Informationsstelle 8

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33 Kommentare
  1. Ein sehr interessanter Artikel. Vielen Dank dafür.

    Es gibt ja den Artikel über die Hersteller, die die ökologischtens Telefone herstellen. Der ist nun schon fast ein Jahr alt. Gibt es dazu vielleicht schon ein Update?

    In unserem Haushalt haben wir sogar noch ein iPad2. Nutzen noch das iPhone 5 für diverse kleinere Sachen im Haushalt und selber haben wir ein 6er und ein 7er. Alle Geräte über 20 Monate alt. Ein neues muss nicht unbedingt her. Auch werden heutzutage Laptop wohl wesentlich länger benutzt als früher.

    1. „noch“ ein IPad 2. Soso…

      Steinzeitmensch hier. Nokia 6210 im Einsatz.
      Nachteil: SMS-Puzzels, verstörte Blicke bei Nutzung in Öffentlichkeit (IED Zünder?).
      Vorteil: Kein Whatsapp oder Facebook, unhackbar, Snake.

  2. Danke für diesen wichtigen Artikel. Wenn das Thema doch in den MSM mal etwas präsenter wäre und sich Politik und Verbraucher deutlich mehr für Nachhaltigkeit und Suffizienz begeistern könnten …

    Unsere ersten Smartphones (2*Nexus 4, Ende 2012 gekauft) verrichten immer noch ihre Dienste – LineageOS und früher CyanogenMod sei Dank. Mein Rechner ist bald 4 Jahre alt und wird mir hoffentlich noch etliche Jahre gute Dienste erweisen (im Zweifelsfall mit ausgetauschten Komponenten), für das Notebook meiner Frau gilt ähnliches. Unsere vorher genutzten Notebooks dienen wohl noch einige Jahre Verwandten als Surfstationen und „Schreibmaschinen“. Tatsächlich neue elektronische Geräte kommen nur ins Haus, wenn es keine sinnvollen gebrauchten Alternativen gibt. (Gebrauchte Eizos waren teurer als Retouren-Rückläufer mit voller Garantie.)
    So oder so ähnlich könnten das wahrscheinlich > 90 % der Leute machen, da kaum jemand die Geräte tatsächlich ausreizt. Wenn man das dann noch auf einige andere Bereiche (Kleidung, Möbel, Haushaltsgeräte, Fahrzeuge etc.) ausdehnte, kaum auszudenken …

  3. Will die Industrie diese Zustände überhaupt ändern?
    Von diesen Zuständen leben ganz viele andere Menschen. Und ein paar wenige können sich sogar bewaffnete Auseinandersetzungen leisten.
    Und unsere Politiker schauen wie immer weg.
    Martin Keller ,Appenweier

    1. Nein! Die Industrie wird diese Zustände meiner Meinung nach bestimmt nicht verbessern (ändern vielleicht – zum Noch schlechteren) aber das entscheidende ist doch: Die Politik auch nicht!

  4. Ein solchermaßen „defensiver“ Umgang mit dem Thema „Smartphone & Suffizienz“ mag ja „realistisch“ sein… Man muß ja nicht gleich der Meinung sein, daß „Suffizienz“ auch heißen könnte, auf die „portable Gestapo“ so weit als möglich zu verzichten, daß die geschilderten Maßnahmen zwar gut sind, aber nicht ausreichen werden, ja, daß es vielleicht ein Leben jenseits des Smartphones gibt , und daß es darauf ankäme, es zu (re)kultivieren …

    Muß aber eine solche Apologie sein, die einer Werbebrochüre von Apple entnommen sein könnte:

    „Was können wir tun? Das Smartphone ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken, es enthält unsere Bilder, unsere Musik, stellt Kontakt zu unseren Freunden her, ist Arbeits- und Spaßmaschine, unser persönlichster Besitz – es ist ein erweitertes Selbst!“

  5. Gibt es eigentlich keine Firmen die die Geräte „ordentliche“ entsorgen bzw. recyclen? Natürlich ist das immer noch nicht großartig nachhaltig, aber es muss doch bessere Methoden geben als sie von Menschen auf Deponien zerhacken zu lassen und die Giftstoffe in die Umwelt zu geben. Auch wenn ich für mein altes Telefon dann nochmal 50 Euro entsorgung zahlen müsste, würde ich machen.

    Ich steh gerade davor, dass mein wirklich sehr altes und mit Lineage OS am Leben erhaltenes Telefon nun doch bald endgültig abdanken muss, ich kann es dann in meiner Schubladen lagern wie viele andere alte Dumphones, aber es muss doch auch möglich sein die auf ordentliche Weise zu entsorgen? Was passiert denn z.B. wenn ich die bei der Berliner BSR abgebe, landen die dann irgendwann in einem dieser Orte?

  6. Gerade Mac-UserInnen (so viele Professionelle..) sollten sich bemühen die alten Geräte aufzuheben – es ist nahezu unmöglich bei vernetztem Wohnen und Fahren Hybrid-Systeme zwischen Mac und PC zu schaffen. Oder Man packt die reichste Firma der Welt einfach in ein Museum. Palladium ist allerdings in deren Geräte schon viel verbaut.

    https://www.finanzen.net/rohstoffe/palladiumpreis

    Wo es auf Platinen (PC, HiFi, etc.) vorkommt und wie es jede/r gewinnen kann*:
    https://www.youtube.com/watch?v=aBLZCHpTgtg

    Chemiker in Rente zeigt, wie es halbwegs „sicher“ gewonnen werden kann*:
    https://www.youtube.com/watch?v=XTVJcOUl8bE

    *Außerdem kann man da das Prinzip sehen wie es in vielen „Drittwelt“-Ländern (auch von Kinderhänden) tagtäglich auf Müll-Deponien angewendet wird – und hier will man nicht mal wissen, wie das Gerät eigentlich funktioniert!

  7. Diese blöden Dinger dienen der Selbstoptimierung- und die Selbstoptimierung ist die Eintrittskarte in unser System- wir sollen alle immer besser werden! Dass es dabei Umweltprobleme gibt, so what ist doch weit weg. Klar ich kann dann 3 mal im Jahr eine Fernreise machen. Und schaue mir dann tagesüber eine Einstellung über die schlechten Arbeitsbedingungen in den Billig-Ländern an (optimalerweise gerade in dem Billiglohnland, das ich gerade ausbeutend bereise)- Abends gehe ich dann in die Bar und teile die schönen Erinnerungen mit den Liebsten zu Hause über das „portable Gestapo“ (herrlich, übernehme ich gern). Ach geht es mir gut. Wenn bloss nicht das Elend der Welt über das Mittelmeer kommen würde – ja, das schockt mich, aber was solls…,noch ein Caipi und ein Selfi- und zack noch kurz gute Nacht sagen den Liebsten über meine Flatrate…

  8. Brauche ich das elektronische Gerät wirklich oder vergrößere ich mit dem Teil nur meinen Elektroschrottzoo zu Hause? Diese Frage sollte sich jeder vor einem solchen Kauf stellen. Die meisten Geräte vom Stabmixer, angefangen über LED-Blinkylights bis zum Smartphone sind leider fast alle elektronischen Geräte als Wegwerfprodukte ausgelegt.

    Reparierbarkeit und Ersatzteilversorgung müssen effektiver in den gesamten Konsumkosmos eingeführt werden – das auch über gesetzliche Regelungen.

    Geht eines der kleinen elektronischen Geräte unwiederbringlich kaputt, kann es via Post dem Recycling zugeführt werden. Das kostenlose Programm der Deutschen Post heißt ELEKTRORETURN. In einen Maxibriefumschlag tun, Aufkleber rauf, ab in Briefkasten.

    https://www.deutschepost.de/de/e/electroreturn/blog/elektroschrott-entsorgen-post.html

  9. Toller, informativer und vor allem wahrer Artikel! Ausser dem Überwachungswahn ist das Beschriebene ein weiterer Grund, warum ich mir und der Umwelt sowie der armen Bevölkerung in den entsprechenden Ländern das niemals antue. Man kann auch wunderbar ohne Smartphne auskommen, ein altes Handy (10 Jahre und super!) für den Notfall tut es dicke (vgl. Klaus M.).

    Werdet kritischer – es bleibt nicht mehr viel Zeit!

      1. @Jon
        „Ein gut und schlank eingerichtetes smartphon bietet mehr datensicherheit als ein altes handy“
        Sagt übrigens der Sprecher der Smartphone Industrie auch,dann ist dieser Fakt vollends evaluiert.
        :-)

      2. öhm, das halte ich für totalen Quatsch. Auf dem alten Handy hast du die Probleme, dass a) deine Telefongespräche mitgehört werden könnten und b) dein Telefonbuch ausgelesen werden kann. Je nach persönlicher Aluhutigkeit haben SIE das durch Vorratsdatenspeicherung etc sowieso. Aber mehr Daten kannste nicht verlieren, weil nicht mehr drauf sind.
        Auf dem total toll eingerichteten Smartphone hast du diese beiden Probleme vermutlich auch (weil man das eh von außen überwacht, da kannste dein Smartphone gut einrichten bis du blau anläufst), PLUS alles was durch irgendwelche Sicherheitslücken (unbekannte, absichtliche via Gag-Orders, …) herauskommt.

        Oder in einem Satz: Auf dem alten Handy sind weniger Daten vorhanden, also ist das Problem der Datensicherheit kleiner.

        1. Alles, was noch „Handy ohne Kamera“ genannt werden kann ist frühstens alt genug. Bei allem Neueren reicht’s doch gar nicht mehr „nur“ die SIM-Karte zu entfernen – WLAN, GPS, Bluetooth, Fingerabdruck-Sensor, …, Wasserwaage. Am goilsten, wenns auch kein MMS kann – erst dann kann man auch sicher gehen, daß Facebook und Amazon doch nicht unwiederbringlich vorinstalliert sind. Es ist übrigens auch nice-to-have den Akku entfernen zu können.

          Beispiele? ;)

    1. Aber…what about the root of trust?
      Was nützt ein „schlankes“ OS, wenn die Hardware trojanisiert ist. Alte Chips sind einfach vertrauenswürdiger, da die Geheimdienste – sagen wir bis Bj. 2008 – noch nicht ihre Finger im Spiel hatten.

      Es kommt immer auf das Bedrohungsszenario an. Bei Diebstahl durch einen Kleinkriminellen bietet das verschlüsselte Handy neuerer Bauart sicher mehr „Datensicherheit“, gegenüber staatlicher Überwachung wäre ich mir nicht so sicher.

      Außerdem wurde schon richtiger Weise darauf hingewiesen: weniger Daten in der Hosentasche – geringeres Risiko.

      1. Sorry, da muss ich widersprechen. Ein Bekannter, der bei der Entwicklung des GSM Netzes mitwirkte, berichtete von einer aktiven Beteiligung der Geheimdienste. Ist aber auch keine große Neuigkeit, warum sollte irgendwas weniger kontrolliert werden, was vor 2008 gebaut wurde…

  10. Liebe Zweifler, da die Sicherheitsupdates der Hersteller nur auf wenige Jahre nach Erscheinen begrenzt werden, ist es nicht möglich, ein sicheres Handy mehrere Jahre zu behalten. Also nicht die Konsumenten anmahnen, sondern die Hersteller.

  11. Nicht auf das Fairphone reinfallen. Wenn man schon eins braucht, besser gebraucht kaufen mit neuem ROM. Oder halt Apple. Die Fairphone ist mehr auf PR basiert als auf einen echten Fortschritt/Austausch.

    Diskussionen über IP/SoCs und der Knebelvertrag von Google sind nicht in der Studie enthalten.

    Oh und Links auf researchgate? Ernsthaft?

  12. Nicht auf das Fairphone reinfallen. Wenn man schon eins braucht, besser gebraucht kaufen mit neuem ROM. Oder halt Apple. Das Fairphone ist mehr auf PR basiert als auf einen echten Fortschritt/Austausch.

    Diskussionen über IP/SoCs und der Knebelvertrag von Google sind nicht in der Studie enthalten.

    Oh und Links auf researchgate? Ernsthaft?

  13. Und wen interessiert das jetzt?
    Allein schon der Titel „Geliebtes Smartphone – bist Du böse?“ zeugt doch vom Clickbaiting. Der Leser erwartet etwas Außergewöhnliches und recycelt werden die immer gleichen Informationen, wie sie seit Jahren (fast zwei Jahrzehnten) durch alle Nachrichten gehen, wenn der Chefredakteur mal wieder sagt „Wir müssen für etwas Ausgewogenheit sorgen. Bringt mal wieder einen tränenerstickten Artikel über Ausbeutung in der Dritten Welt. Am Besten mit Apple im Text, das bringt Klicks“.

    Es sei denn natürlich, Netzpolitik hat jetzt für alle Mitarbeiter Fairphones angeschafft und wird alle technologischen Produkte (inklusive Rasierer und Auto) durch ökologische Alternativen ersetzen. Aber so weit geht das Mitleid und die Irgendwas-mit-Verantwortung dann ja doch nicht.

    Also, who cares? Wer will schon wissen, dass der Reiche (Und die Deutschen gehören zu den 1% auf der Welt) auf Kosten der 99% leben, die anderen alle ausbeuten? Niemand.
    Niemand will wissen, wie die Welt wirklich beschaffen ist.
    Und der dreihundertzwölfte Clickbaiting-Titel-mit-recycelten-Informationen-und-Mitleids-Artikel wird daran auch nichts ändern.

    1. Es gibt Leute die wissen noch nicht, dass es auch andere Konzepte zum konstruieren von Elektronikgeräten gibt, somit ist es wichtig immer mal wieder auf die Problematik aufmerksam zu machen und gleichzeitig auch potenzielle Linderungsmaßnahmen, bzw. Lösungen aufzuzeigen.
      DAS soll dieser Artikel bewirken!
      Und netzpolitik.org welche sich ausschließlich durch Spenden finanzieren Clickbaiting vorzuwerfen ist ein Widerspruch in sich!

  14. Und wie schauts mit den Batterien für Ökostrom aus? Batterien für E-Autos? Die Solarpanels? Jeder der sich damit mal befasst hat erkennt, dass dies weitaus weniger „öko“ ist als z.B. Atomstrom.

    Das Problem ist das Nachhaltigkeit eben nicht für die Masse bezahlbar ist. Wir trennen Müll und fahren E-Autos und glauben die Welt zu retten. Denn wir sehen ja nicht was wirklich passiert.

    Der Müll wird nach China bzw. jetzt Afrika verschifft und dort entsprechend „entsorgt“. Der Rauch bei Autos ist zwar weg, dafür werden Kinder für das Beschaffen von Lithizium der Batterien eingesetzt. Ist dem Hobbyaktivist ja egal, denn bei ihm klebt ein grüner Apfel auf der Verpackung, also musses ja gesund sein.

    Elektroschrott? Ja, der fällt an. Wie aller anderer Müll. Weil die Menschen eben lieber 50€ fürs Ikearegal ausgeben als für gute alte Handarbeit. Weil das Iphone jetzt 8GB statt 4GB Arbeitsspeicher hat. Weil die Geschirrspühlmaschine heutzutage eben nur 4 Jahre anstatt 10 Jahre halten muss.

    Wer ist an all dem schuld? Der böse Großkonzern? Na denn, nehmen wir an die würde es nicht geben. Was würde passieren? Alle Preise steigen, wer kann es sich leisten? Der Hobbaktivist, der es gewöhnt ist das das Geld vom Amt pünktlich kommt? Wohl kaum. Der Arbeiter der dem Hobbyaktivisten seinen Ökowahn finanziert? Wohl kaum.

    Je größer die Menschheit wird, desto mehr Müll fällt an. Wir können nicht so viele Apfelbäume pflanzen, dass jeder auf Fleisch verzichtet. Wir können nicht Atomkraftwerke stilllegen, weil Strom dann nicht finanzierbar wäre und solange Batterien umweltschädlicher in der Produktion sind, ist das ohnehin eine ziemlich dumme Aktion.

    Recyclen? Während wir unseren Müll trennen, schmeißen alle im Rest der Welt den Müll durcheinander. Während wir unseren Müll trennen, exportieren wir diesen damit dieser (außerhalb unseres ach so grünen Gartens) wieder zusammengeworfen wird.

    Ist also alles vergebens? Nein. Eine gesunde Mischung machts. Wir sollten versuchen Dinge wiederzuverwenden und auf erneuerbare Energien zu setzen. Aber wir sollten auch akzeptieren das Müll immer anfällt und Dinge immer weggeworfen werfen. Manche Dinge sind einfach das Nebenprodukt der Menschheit, egal ob man einen grünen Apfel draufklebt oder nicht. Und wir müssen erkennen das Dinge wie ein Dieselfahrverbot und Ökostrom derzeit einfach keinen Sinn machen weil es für die arbeitenden Menschen nur schwer finanzierbar wäre. Ein Kampf gegen Großkonzerne ist es deshalb nicht, es nimmt den Geringverdienern mehr als das es nützt.

    Aber für so viel Weitblick hat der Hobbyaktivist eben doch kein Interesse.

    1. Danke für diesen Kommentar, Sie sprechen mir aus der Seele. Dieses ganze scheinheilige Gequatsche kann einem schon mächtig auf den Geist gehen. Wir schalten Atomkraftwerke ab und kaufen Atomstrom teuer aus Frankreich ein. Wir holzen die Wälder ab, um Platz für Windräder zu schaffen. Wir kaufen Elektroautos und fahren tadellos funktionierende Diesel auf den Schrott, die in ihrem ganzen Autoleben nicht mal annähernd eine ähnlich verheerende Energie- und Umweltbilanz aufweisen, wie die ach so sauberen E-Kisten bereits bei ihrer Herstellung haben. Dafür müssen wir dann aber den nicht mehr ganz so umweltfreundlichen Flieger nehmen, um in den Urlaub zu fahren, weil die Reichweite der fahrenden Batterien lächerlich gering ist. Im Winter lassen wir deshalb auch besser die Heizung aus, weil die Karre ansonsten noch nicht mal mehr bis ins Nachbardorf kommt. Die paar Idioten, die trotzdem noch am Verbrennungsmotor festhalten, zwingen wir dazu, ihren Motor mit aggressiven Biospritzusätzen vorzeitig zu zerstören. Dass die Umweltbilanz des Biosprits in krassem Gegensatz zu seinem Namen steht, blenden wir dabei vorsorglich aus. Oder wir sorgen mit absurden CO2-Grenzwerten dafür, dass erst gar keine Verbrennungsmotoren mehr sinnvoll produziert werden können. Wir waschen Joghurtbecher mit bestens aufbereitetem Trinkwasser aus, bevor wir sie in den Müll schmeißen, sauber getrennt, versteht sich. Und demnächst verbieten wir Trinkhalme, weil die Ozeane ja quasi von Trinkhalm-Müllbergen völlig bedeckt sind. Zurück in die Steinzeit, und alles im Namen des guten Gewissens, die Welt ein wenig gerettet zu haben. Was für ein paranoider Bullshit!

    2. Na, Hauptsache DU hast den Weitblick und weißt wie alles läuft.
      Der Artikel läuft auf das Resümee zu, dass Suffizienz am besten ist. Haste überlesen, ne?

  15. https://www.tag24.de/nachrichten/jugend-forscht-rostock-gewinner-nasa-weltraum-recycling-iss-raumstation-plastikmuell-606171

    Derweil die nächste Generation (die den Dreck der vorangegangenen Ignoranten wegräumen werden muss) die neuen Möglichkeiten erforscht -. Es wird immer noch geglaubt (!) und politisch propagiert, man brauche große (zentralistische) Konzerne um Autos und Handys zu bauen.

    Der globale Handelskrieg wirkt momentan wahrscheinlich am effektivsten dem Klima-Wandel entgegen: Diese riesigen Frachtschiffe machen noch etwas mehr Dreck als der Individual-Verkehr, der, wenn Daimler enteignet und Bürger-Eigentum würde, mit KI, Robotorarm und der besten aller Brennstoff-Zellen im Handumdrehen emis­si­ons­frei und sicher wäre.

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