Kommunikationsguerilla

Ebay löscht Kunst-Auktion und sperrt Peng-Kollektiv ohne Angabe von Gründen (Update)

Provokation gelungen oder Cancel Culture von rechts? Der Online-Marktplatz Ebay löscht eine Kunstaktion und sperrt den Account der Aktionskünstler:innen. Die berufen sich auf die Kunstfreiheit – und erhalten Unterstützung vom Museum.

Ein Antifa-Button, eine Fahne und eine Spraydose
Peng versteigerten die Gegenstände der Ausstellung auf Ebay. – Alle Rechte vorbehalten Peng-Kollektiv

Da dürften die Nazis jubeln. Die Auktionsplattform Ebay hat heute mehrere Kunst-Auktionen des Peng-Kollektives gelöscht und den Account der Aktionskünstler ohne Angabe von konkreten Gründen gesperrt. Die Versteigerung ist Teil der provokanten Kunstaktion „Antifa – Mythos und Wahrheit“ , welche die Gruppe derzeit in einem Chemnitzer Museum und im Internet veranstaltet.

Es gibt ein Update zu diesem Artikel.

Schon gestern hatte der Online-Marktplatz einen Kunstgegenstand als „gewaltverherrlichend“ aus dem Sortiment genommen. Es handelte sich dabei um ein Kantholz, das als Symbol für den Opfermythos Rechtsradikaler gelten kann, weil es für eine Falschmeldung der AfD steht.

„Ebay steht auf der Seite der rechten Pöbler“

Die Aktionskünstler:innen sagen, dass Ebay offenbar ein Nazi-Problem habe. „Ein Gewehr der Wehrmacht darf auf Ebay stehen, aber unsere Exponate, mit denen wir antifaschistisches Engagement würdigen, werden verboten“, sagt Nika Blum vom Peng-Kollektiv. Damit stelle sich Ebay an die Seite der rechten Pöbler.

Um das deutlich zu machen, hat das Peng-Kollektiv auf Twitter dazu aufgerufen, auf Ebay Gegenstände mit Nazi-Bezug zu suchen, die verkauft werden dürfen. Lange muss man nicht suchen: Neben Wehrmachtsdevotionalien und – waffen sind auch Objekte mit Nazi-Symbolik wie dem Sonnenrad auf der Plattform zu haben.

Screenshot Ebay
Der Verkauf von Wehrmacht-Gegenständen scheint bei Ebay kein Problem. - Alle Rechte vorbehalten Ebay / Screenshot: netzpolitik.org

Auch die „Kunstsammlungen Chemnitz“, in denen die Ausstellung von Peng stattfindet, haben sich auf Twitter zu Wort gemeldet: „Hallo @eBayDE, die Auktionen von @peng gehören zu unserer Ausstellung GEGENWARTEN | PRESENCES – sind Teil der von Art. 5 GG gedeckten Kunstfreiheit – bitte stellt die Auktion wieder online. Danke!“

Netzpolitik.org hat Ebay eine ganze Reihe von allgemeinen Fragen zur Policy und zum konkreten Fall gestellt und gebeten, diese innerhalb einer kurzen Frist zu beantworten. Ebay hat bislang nicht auf diese Presseanfrage geantwortet. Schon gestern hatte die Pressestelle von Ebay mit Verweis auf „datenschutzrechtliche Gründe“ Fragen zum Thema abgeblockt.

Gegenüber Peng gab die Plattform lediglich bekannt, „mehrere Bedenken hinsichtlich Ihrer letzten Aktivitäten“ zu haben, führte die Bedenken jedoch nicht aus. Zu den heute entfernten Angeboten des Kunstkollektivs zählen unter anderem eine Spraydose, ein Bierkasten und ein Antifa-Logo-Entwurf.

Bekannte Kommunikationsguerilla-Truppe

Das Peng-Kollektiv ist seit mehreren Jahren eine von wenigen Kommunikationsguerilla-Gruppen in Deutschland. Die Gruppe hatte zuletzt als falsches „Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe“ mit den Vorständen von DAX-Konzernen gesprochen und versucht den Unternehmensvertretern kritische Zitate zu Ökonomie und Klima-Krise zu entlocken.

Bekannt wurden die Aktionskünstler, als sie einen vom Erdölkonzern Shell finanzierten Science-Slam kaperten und eine ölartige Masse live verspritzten. Weitere Aktionen und Kampagnen animierten zur Fluchthilfe oder zu Anrufen bei Geheimdienstmitarbeitern. Neben solchen Kommunikationsguerilla-Kampagnen trat das Kollektiv auch in Erscheinung, als ein Vertreter der AfD-Politikerin Beatrix von Storch eine Torte ins Gesicht drückte.

Update 21. August, 17:30 Uhr:

Die Kunst-Auktion kann nun offenbar doch stattfinden. Sie soll am heutigen Freitag um 18 Uhr beginnen. In einem Twitter-Thread erklärt das Peng-Kollektiv was ihrer Ansicht nach passiert ist: Nachdem das „Kantholz“ wegen „Gewaltverherrlichung“ gesperrt worden sei, folgte später die Löschung aller Auktionen und die Sperrung des Accounts. Peng vermutet, dass rechte Trolle dies mit „Melden“ der Auktion ausgelöst hätten. Erst sieben Stunden nach der Sperrung habe man jemanden bei Ebay erreicht. Dieser Mitarbeiter habe gesagt, dass es sich um eine „Anweisung aus Amerika“ gehandelt habe. In einem zweiten Telefonat habe das Unternehmen das aber dementiert und begründete die Sperrung nun mit fehlenden Angaben im Profil der Aktionskünstler:innen. Warum Ebay dann allerdings nicht diese fehlenden Angaben als Grund angab und Peng die Möglichkeit zur Nachbesserung gab, wird das Geheimnis von Ebay bleiben. Nun habe es eine Lösung gegeben, sagt Peng, ohne diese näher zu beschreiben.

Ebay äußerte sich auf drei Presseanfragen von netzpolitik.org nur einmal mit dem Hinweis, dass man aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ keine Auskunft gebe. Daraufhin hatten die Aktionskünstler der Ebay-Presseabteilung per Mail geschrieben, dass diese gerne über die Auktion und die Sperrung Auskunft geben dürfe. Die PR-Abteilung regaierte dann allerdings überhaupt nicht mehr auf die Fragen von netzpolitik.org, die auch allgemeine Fragen zur Policy des Unternehmens enthielten.

Aus Transparenzgründen fügen wir die Fragen an Ebay – von denen keine beantwortet wurde – hier an:

  1. Bestätigen Sie, dass sämtliche Auktionen von Peng durch Ebay entfernt wurden?
  2. Bestätigen Sie, dass der Account von Peng durch Ebay gesperrt wurde?
  3. Ist das Verkaufen von Devotionalien generell auf Ebay verboten?
  4. Zeigen die verkauften Kunstgegenstände ihrer Meinung nach irgendetwas verbotenes?
  5. Dürfen in Versteigerungen eingenommene Gelder nicht an Vereine gegeben werden?
  6. Ist es verboten auf Ebay Auktionen zu machen, die politische Zwecke verfolgen?
  7. Darf der Zweck, wem Gelder zugute kommen, nicht in Auktionen genannt werden?
  8. Sind andere Gründe für Ihre Entscheidung ausschlaggebend? Welche?
  9. Was unterscheidet die Auktion von Peng Ihrer Meinung nach von Auktionen/Angeboten, die Gegenstände aus dem Themenkomplex „Wehrmacht“ (https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=p2380057.m570.l1313&_nkw=wehrmacht&_sacat=0) enthalten?
  10. Das Peng-Kolleketiv hat netzpolitik.org gegenüber gesagt, dass ein Mitarbeiter von eBay gesagt habe, dass es sich um eine Anweisung aus den USA handele und dass diese besage, dass man Antifa-Gegenstände nicht verkaufen/versteigern dürfe. Entspricht es der Wahrheit, dass es eine solche oder ähnliche Anweisung gibt?
  11. Kam die Anweisung, die Auktionen zu löschen, aus den USA?

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5 Ergänzungen
  1. Sperrung war doch bestimmt wegen der YPG-Fahne. Da ist ne Kontosperrung nachvollziehbar.

    Was bringt die Aktion? Geld für Peng-Kollektiv oder steckt da was unerkanntes Aufklärerisches hinter? Verstehs nicht.

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