Firmenkultur

Facebook und Google beschneiden interne Debatten

Die Konzerne des Silicon Valley rühmten sich lange einer offenen Debattenkultur. Doch die Kontroverse um Black Lives Matter dient als Anlass, interne politische Diskussionen in Nischen zu verbannen.

Googleplex
Google-Konzernzentrale in Mountain View, Kalifornien CC-BY-SA 2.0 Yisong Yue

Facebook und Google setzen praktisch zeitgleich Schritte, um interne Debatten unter Beschäftigten einzuschränken. Während in beiden Firmen ein Großteil der Arbeitskräfte von Zuhause aus arbeiten, kündigten die Chefetagen an, die internen Diskussionsforen Dory (Google) und Workplace (Facebook) stärker zu moderieren und politische Auseinandersetzungen in Nischen zu verbannen.

Als Grund nennen beide Firmen eine wachsende Zahl von diskriminierenden Äußerungen zu politischen Themen. Spannungen gebe es besonders bei Debatten über Black Lives Matter und den Konflikt zwischen Hongkong und China, schrieb das interne Community-Management-Team von Google in einem von CNBC veröffentlichten Blogpost. Bei Facebook betonte Firmenchef Mark Zuckerberg in einer hausinternen Mitteilung, es gehe darum, besonders Angehörige von Minderheiten wie etwa Afro-Amerikaner vor Mobbing zu schützen.

Beide Konzerne rühmten sich lange einer offenen internen Debattenkultur und flacher Hierarchien. Zuletzt bröckelte die Fassade allerdings: Google musste sich 2018 etwa Protesten von Beschäftigten wegen Fällen von sexueller Belästigung stellen und wegen umstrittener Projekte mit dem Pentagon verteidigen.

Google verbot später politische Debatten in internen Mailing-Listen. Bei Facebook mehrt sich Kritik der Belegschaft wegen des zögerlichen Vorgehens gegen rechtsextreme Desinformation auf der Plattform.

Arbeits-Feed soll politikfrei werden

Google verpflichtet Beschäftigte in internen Foren künftig dazu, ein Moderationstraining zu durchlaufen. Wer eine interne Diskussionsgruppe gründet, muss Verantwortung für die Inhalte dort übernehmen. Das soll Belästigung und Diskriminierung verhindern. Facebook will Diskussionen über soziale und politische Themen auf bestimmte Foren in seiner dem öffentlichen sozialen Netzwerk sehr ähnlichen internen Plattform beschränken, damit umstrittene politische Posts nicht „unerwartet im Arbeits-Feed“ von Beschäftigten auftauchen, sagte ein Facebook-Sprecher zu CNBC.

Die Maßnahmen der Konzerne kommen nur Tage nach Vorwürfen einer ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin, der Konzern habe manipulatives Eingreifen rund um Wahlen in Ländern wie Brasilien, der Ukraine und Indien ignoriert. Google steht unterdessen angesichts von Black Lives Matter unter erheblichem Druck von Beschäftigten, seine Geschäftsbeziehungen mit Polizeibehörden in den USA zu lösen.

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