Was vom Tage übrig blieb

Corona-(Cyber-)Crime-Compilation

Captain Obvious prophezeit einen Rückgang der Straßenkriminalität, solange fast niemand seine Wohnung verlässt. Dafür gibt es neue Phänomene im Internet. Die kriminellsten Reste des Tages.

Wir trauen uns langsam wieder zurück ins Büro, die Blumen brauchen Wasser – aber nur mit dem Fahrrad, versteht sich. Ansonsten bitte: #stayhome netzpolitik.org

Von der Leyen warnt vor Internet-Betrug in der Corona-Krise (SZ/dpa)
Die EU-Kommissionspräsidentin warnt vor Betrügern, die die Corona-Angst der Menschen ausnutzen, um Geschäfte zu machen. Die EU-Polizeibehörde Europol habe jüngst 4,4 Millionen Packungen nicht zugelassener Medikamente beschlagnahmt und 2.500 Links zu Websites oder Social-Media-Kanälen aus dem Netz entfernt. Grund genug eine Sonderedition des Tagesrückblicks zu erstellen: Die Corona-Crime-Compilation!

Verbrechen: Wie Kriminelle die Corona-Krise ausnutzen (SZ)
Guter Überblick für den Anfang: Die Enkeltrickser haben sich umgestellt und brauchen jetzt kein Geld mehr für Schicksalsschlagschulden, sondern für eine Corona-Behandlung. Experten(tm) schätzen übrigens, dass die Straßenkriminalität zurückgehen wird. Weil: Ist ja fast keiner mehr auf der Straße. Überraschend.

Cyberkriminelle nutzen Corona aus (BSI)
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt, dass gerade Phishing-Mails mit Corona-Thema im Umlauf seien. Etwa von der angeblichen Sparkasse, die Zugangsdaten von Kunden will, „um in Zeiten der Corona-Krise auch per Chat mit der Bank in Verbindung bleiben zu können“.

Hackers are targeting hospitals crippled by coronavirus (Wired)
Nicht, dass es schon – Sie wissen schon – genug wäre, Krankenhäuser mit Ransomware zu infizieren. Es geht immer noch einen Schritt ätzender. In Tschechien gab es etwa Angriffe auf das Krankenhaus vom Brno, eines der wichtigsten Corona-Testzentren im Land, und ein Sicherheitsforscher von Proofpoint berichtet von konzertierten Aktionen gegen gerade dringend benötigte Einrichtungen und Infrastrukturen. Immerhin: Teile der obskuren Szene wollen aufhören, Kliniken gezielt anzugehen, bis sich die Situation stabilisiert hat. Wäre auch für danach vielleicht nicht das Schlechteste…

Hamburgs Datenschützer leitet Prüfverfahren gegen Clearview ein (Spiegel)

Anfang des Jahres, vor einer langen Ewigkeit, war das umstrittene Gesichtserkennungs-Unternehmen Clearview AI für kurze Zeit das dominierende netzpolitische Thema. Das US-Unternehmen hat nach eigenen Angaben rund drei Milliarden Bilder aus dem Internet und von sozialen Plattformen zusammenkopiert und nimmt diese Bilder als Basis für seine automatisierte Überwachungssysteme. Bis heute ist unklar, inwiefern die EU-Datenschutzgrundverordnung gegen solche Geschäftsmodelle helfen kann, wenn das Unternehmen bisher keine Niederlassung in der EU hat und sich nicht an europäische Kunden richtet. Jetzt probiert es der Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar mit seinen Instrumenten, nachdem ein Hamburger CCC-Mitglied Beschwerde eingereicht hat. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und hoffe mal, dass Caspar Erfolg hat.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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Eine Ergänzung
  1. Das baden-württembergische Innenministerium und die Polizei nutzen nach eigenen Angaben Listen mit persönlichen Daten von Corona-Patienten. Das sei zum Eigenschutz, erklärt Detlef Werner vom Innenministerium.

    Das Landesgesundheitsamt wusste nichts von der Regelung. Die Stadt Stuttgart, der Kreis Tübingen und das Gesundheitsamt Karlsruhe geben keine Daten an die Polizei weiter, so die Sprecher auf Anfrage. Das Böblinger Gesundheitsamt dagegen schon.

    Baden-Württembergs Datenschützer Stefan Brink findet, dass das Vorgehen abgeändert werden muss: „Im Einzelfall und insbesondere bei Anhaltspunkten kann es rechtlich möglich sein, dass die Polizei solche Gesundheitsdaten bei den Gesundheitsämtern anfordert. Allerdings nicht in dem Maß, dass die Polizei alle Infizierten-Daten bei allen Gesundheitsämtern abruft.“ Brink sieht keine ausreichende rechtliche Grundlage für dieses Handeln, das Infektionsschutzgesetz biete aus seiner Sicht „keine ausreichende Handhabe für das Handeln“.

    Es ist bekannt, dass manche Personen im Falle eines Verdachts auf Covid-19 Infektion aus verschiedenen Überlegungen weder Tests noch Behandlung nachsuchen, solange sie keine Beatmung brauchen. Nun ist ein weiterer Grund hinzugekommen: Polizeizugriff auf die Covid-19 Datensätze.

    Die Republik ist groß. Baden-Württemberg dürfte nur die Spitze eines Eisbergs sein.

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