Den Zeitungen und den Fernsehnachrichten schwindet das Publikum dahin, politische und gesellschaftliche Debatten verlagern sich zunehmend ins Internet. Plattformen wie Facebook spielen dabei eine zentrale Rolle: In Deutschland nutzen etwa 30 Millionen Menschen das soziale Netzwerk. Doch zugleich sinkt in zahlreichen Ländern die Zahl der Menschen, die angeben, Nachrichten über Facebook zu verfolgen. Das geht aus dem aktuellen Digital News Report des Reuters-Instituts für Journalismusforschung in Oxford hervor. In Deutschland stagniert die Zahl bei rund einem Viertel der Befragten.
Als Gründe machen die Kommunikationswissenschaftler die jüngsten Algorithmenänderungen Facebooks verantwortlich, aber auch Angst vor Desinformation und toxischen Debatten im Netz. Die Studie zeigt darüber hinaus ein Abwandern von Auseinandersetzungen ins Private: Immer weniger Menschen sind bereit, in öffentlichen Debatten über aktuelle Geschehnisse zu diskutieren.
In Deutschland sorgen Debatten über Geflüchtete, den Islam oder die AfD im Netz häufig für aggressive Reaktionen, wie zuletzt eine Recherche von netzpolitik.org aufzeigte. Viele wollen wohl deshalb gar nicht erst in Online-Diskussionen verstrickt werden: Laut Zahlen der Studie geben 21 Prozent der Befragten in Deutschland an, Nachrichten in sozialen Medien und via E‑Mail zu teilen. Aber nur 14 Prozent sagen, dass sie Nachrichten auf sozialen Medien oder Webseiten auch kommentieren.
Flucht in private Räume

Viele der Befragten finden Nachrichteninhalte in ihren Facebook- oder Twitter-Feeds, aber posten sie dann zur Diskussion in private Gruppen in den Facebook-Messenger oder auf WhatsApp, sagt Studien-Mitautor Nic Newman.
„Wir beobachten, dass viele ihren Fokus beim Teilen und Diskutieren von Nachrichten zu persönlichen, privaten Räumen hin verlagern. Das gibt ihnen mehr Kontrolle darüber, wo und mit wem sie sich austauschen, aber es macht potentiell auch die öffentliche Debatte und die Verbreitung von Nachrichten fragmentierter und schwerer nachvollziehbar.“
Für die repräsentative Studie befragten die Wissenschaftler des Reuters-Institut rund 74 000 Erwachsene in 37 Staaten. Pro Land gaben etwa 2 000 Menschen per Online-Formular Auskunft. Die Angaben wurden mit Aussagen aus Fokusgruppen in Deutschland, den USA, Großbritannien und Brasilien untermauert. Finanziert wird der Digital News Report von Google sowie dem britischen Sender BBC und zahlreichen weiteren Institutionen und Stiftungen, darunter das Hans-Bredow-Institut und die Universität Hamburg.
