Technologie

#rp18 – Der Kampf um die Zukunft der Arbeit

Auf der re:publica fordert der US-Soziologe Peter Frase einen stärkeren Kampf um faire Löhne in allen Sektoren der modernen Arbeit. Die Automatisierung von Arbeit könnte unter den richtigen Bedingungen auch zum Vorteil der Arbeitenden sein.

Peter Frase bei seinem Talk auf der re:publica 18 Alle Rechte vorbehalten re:publica

Der US-Soziologe Peter Frase macht eine Beobachtung: Bei jedem technologischen Wandel kommt es zu dem gleichen sozialen Konflikt. Wie schon bei der industriellen Revolution stellt sich aktuell bei der Automatisierung von Arbeit die Frage: Dient die neue Technologie der Lebensverbesserung oder der Unterdrückung? Darüber sprach Frase bei der re:publica 18 in einem Vortrag unter dem Titel: „Whose Future? Automation anxiety, ecological apocalypse, and the struggle for the future of labor“.


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Der Redakteur des US-amerikanischen Jacobin Magazine fing an mit dem Wandel der Arbeit seit der maschinellen Industrialisierung. Ähnlich wie heute wurde er von Angst vor den Maschinen – in manchen Fällen sogar direktem Widerstand, dem „Machine breaking“ – begleitet. Die Frage, wem die Maschinen dienen, nennt er „Automatisierungsangst“. Frase kommt zu dem Schluss, dass John Maynard Keynes mit seiner Prognose, dass die Menschheit heutzutage nur Freizeit und Wohlstand haben müsste, nicht Recht hatte.

Nicht der Einfluss der Technologie auf Arbeiter solle untersucht werden, sondern andersherum der Einfluss der Arbeiter auf Technologie. Frase hofft auf höhere Löhne durch erfolgreiche Arbeitskämpfe und den verstärkten Einsatz von Robotern in Fabriken. Entgegen der populären Auffassung würden Produktionsroboter die meisten Menschen nicht arbeitslos machen, sondern könnten die Arbeiter entlasten. Diese Prognose untermalt er mit der größer werdenden Kluft zwischen gemessener Produktivität und Reallöhnen.

„Pseudokommunismus Wikipedia“

So ist nicht jede Arbeit gleich: die eine langweilig, die andere anstrengend, beide mit der Möglichkeit der Vereinfachung, findet Frase. Die Automatisierung von Bürokratie sei etwa vorteilhaft. Auch Finanzbehörden und Versicherungen könnten automatisiert werden – ganz zum Vorteil der Arbeitenden. Den „Pseudokommunismus Wikipedia“, das kollaborative Arbeiten zum guten Leben für alle, sieht der Soziologe als exemplarisch für die Zukunft der Arbeit, in der keine kapitalistische Ordnung vorherrscht. Technische Probleme spricht er dabei nicht an und konzentriert sich auf die ökonomischen Aspekte.

All dies beschreibt er aus einer klar marxistischen Sicht und ruft zu einem neuen Klassenkampf, mehr Selbstbestimmung der Arbeitenden und seinem Verständnis des Kommunismus auf („Nicht wie in der Sowjetunion, sondern wie in Star Trek“). Als Beispiel für solch eine Bewegung nennt Frase das eigenständige und gemeinschaftliche Warten und Reparieren von Maschinen, wie es Bauern in den USA betreiben.

Ein Kommentar
  1. Und zum Arzt muss auch niemand mehr gehen. Das soll alles online möglich sein. Der Arzt sitzt in der Schweiz und stellt die Diagnose. Und schon bekommt man das passende Medikament geliefert. Eine Grauzone, in Deutschland (noch) nicht erlaubt. Irgendwie so die Info am Stand der privaten Krankenkasse auf der republica. Immerhin scheint es sich (noch) um einen Menschen zu handeln, bei dem Arzt. – Dabei ist künstliche Intelligenz doch viel fitter, was die diversen Krankheitsbilder angeht. Und schneller. – Ganz bald.

    ABER natürlich handelt es sich nur um ein ergänzendes Angebot. Im Notfall will man ja doch auf einen „echten“ Arzt zurückgreifen können. Nur will der dann auch noch? Oder hat in der Zwischenzeit doch lieber umgeschult auf … auf … ach was weiß ich auf was. Letztlich ist jede Arbeit gleich langweilig. Außer Psychologie, doch das ist ja kein richtiger Beruf…

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