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5G-Forschung: Staatliche Förderungen lassen auf sich warten

Schon die letzte Bundesregierung hat versprochen, beim Ausrollen des künftigen Mobilfunkstandards 5G eine Vorreiterrolle einnehmen zu wollen. Doch wie schon beim Breitbandausbau werden gut gefüllte Fördertöpfe nicht angezapft.

Der kommende 5G-Mobilfunkstandard verspricht unzählige neue Möglichkeiten – die aber noch erforscht werden müssen. CC-BY-SA 2.0 Elsamuko

Deutschland soll der Leitmarkt für 5G-Anwendungen werden, forderte bereits die letzte Bundesregierung. Sie knüpfte hohe Erwartungen an den kommenden Mobilfunkstandard und LTE-Nachfolger. Um diese Vorreiterrolle tatsächlich einnehmen zu können, brachte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) entsprechende Forschungsinitiativen auf den Weg, unter anderem eine zur „Industrielle[n] Kommunikation der Zukunft“ im Rahmen des „IKT 2020“-Förderprogramms. Doch dieser mit rund 93 Millionen Euro ausgestattete Topf blieb zu einem großen Teil unangetastet, geht aus einer Antwort des BMBF auf eine Schriftliche Frage der grünen Bundestagsabgeordneten Katharina Dröge hervor.


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Im Zeitraum vom 1. September 2016 bis zum 28. Februar 2018 sind aus dem „IKT 2020“-Förderprogramm knapp zwölf Millionen Euro abgeflossen, mit denen Forschung und Entwicklung zum 5G-Standard unterstützt wurde. Im selben Zeitraum kamen noch 4,2 Millionen Euro aus anderen Förderprogrammen hinzu, unter anderem aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die ebenfalls 5G zum Forschungsgegenstand hatten.

„Bei 5G setzt sich fort, was wir beim Breitbandausbau seit Jahren sehen“, sagte Katharina Dröge gegenüber netzpolitik.org. Auch hier hechle die Bundesregierung ihrer eigenen Zielsetzung hinterher. „So wird das nichts mit Deutschland als Vorreiter der Digitalisierung“, sagte Dröge.

Viele Projekte erst 2017 gestartet

Im BMBF will man diese Kritik so nicht stehen lassen. So seien viele Forschungsprojekte mit 5G-Bezug im Rahmen von „IKT 2020“ erst Anfang bis Mitte 2017 gestartet worden, mit einer in der Regel dreijährigen Projektlaufzeit, teilte uns ein BMBF-Sprecher mit. Für diese Projekte sei deshalb erst ein entsprechender Anteil an Fördermitteln ausgezahlt worden.

Zudem habe die Antwort auf die Schriftliche Frage nicht alle Förderaktivitäten enthalten, sondern sich nur auf solche beschränkt, die klar dem Thema 5G zuzuordnen gewesen seien. „Weitere Projekte im Umfeld der 5G-Aktivitäten (beispielsweise vorbereitende Maßnahmen wie der gesamte Forschungsschwerpunkt ‚Zuverlässige drahtlose Kommunikation in der Industrie‘) waren der Anfrage entsprechend nicht in der Antwort enthalten“, schrieb der Ministeriumssprecher.

Fast 100 Millionen für 5G-Forschung

Laut Ministerium sollen über den gesamten Zeitraum der Forschungsinitiative, der sich von 2015 bis 2020 erstreckt, mindestens 66 Millionen Euro ausgezahlt werden. „Aus dem Programm ‚IKT 2020‘, das auch die BMBF-Forschungsinitiative „Industrielle Kommunikation der Zukunft“ umfasst, sind ca. 93 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung-Aktivitäten zu 5G bzw. vorbereitenden Maßnahmen für 5G eingeplant“, hieß es aus dem Ministerium.

Bislang gefördert wurden unter anderem Projekte zu sicheren Cloud-Anwendungen, softwarebasierten Netzwerkfunktionen sowie neuen Systemen zu Video- und Netzwerkkodierung, die auf Mobilfunkinfrastrukturen aufbauen.

Ungeachtet dessen tickt die Uhr. Schon die letzte Regierung wollte bis spätestens 2020 die Voraussetzungen für den Aufbau des LTE-Nachfolgers geschaffen haben – eine Strategie, die die neue Bundesregierung weitgehend fortführen will, auch wenn im Koalitionsvertrag eine konkrete Jahreszahl fehlt. Allerdings dürften die allermeisten Projekte, die heute bewilligt werden, bis dahin nicht abgeschlossen sein. Wenn die Forschung und ihre Förderung erst so spät ins Rollen kommt, dann wird Deutschland die viel beschworene Vorreiterrolle trotz bester Absichten nicht einnehmen können.

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15 Kommentare
    1. Warum werden eigentlich CO2-Verschwörungstheorie-Kommentare nicht gelöscht? ;-)

      Die „wissenschaftlichen“ Grundlagen dürften sich auf ähnlichem Niveau bewegen.
      Vermeintliche Mehrheiten haben nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun.

      Ich möchte an der Stelle an den Artikel zur Selbstmachfeinstaubmesserei erinnern. Äußerst unwissenschaftlich.

      Schade auch, daß Ihr euern Lesern so wenig eigene Kompetenz zutraut, mit solchen Dingen umzugehen.

      Am Ende macht Ihr hier nichts anderes, als Ihr in der Löschdebatte selbst kritisiert.

    2. 5G Ist eine, wenn nicht die SchlüsselTechnologie, diese definitiv zum großen Schaden der gesamten Menschheit eingesetzt werden wird.
      Denn erst mit dem 5G SystemBeast läss sich alles mit einander Verbinden, Steuern & Kontrollieren: insbesondere die Menschen werden 24/7/365 und überall gläsern sein.
      Natürlich ist das sehr Breite Strahlen Spektrum Für Mensch, Tier und Natur Gesundheitschädlich!
      Fazit: 5G wird definitiv viel mehr ein Fluch als ein Segen sein und ist mit allen Mitteln die wir Menschen mit friedlichen Mitteln haben zu verhindern:
      Beste Grüße
      RS

  1. Warum wird sowas überhaupt gefördert?
    Ist die Branche derart defizitär, daß die schon mit Geld zum Geldverdienen überredet werden müssen?

    1. Also ich bin Angehöriger dieser Industrie und wahrscheinlich wird ein Teil meines Arbeitsplatzes von der 5G Förderung bezahlt (ich arbeite seit ~5 Jahren an 5G). Tatsächlich ist die Kommunikationsbranche stabil im Umsatz, leider (nicht richtig „leider“, das war eigentlich zu erwarten) wächst der Investitionsbedarf schneller als der Reingewinn und das mögen die Investoren nicht so. Es gibt ja Gründe, warum angefangen wurde nach einem Käufer für die deutsche Telefonica zu suchen. Die Forschungsförderung ist ja ein Anreiz, das in DE (oder der EU) zu tun, damit langfristig die Industrie erhalten bleibt; in der Kommunikationsbranche hat man aber (imho grundlos) sich in einigen Fällen die Butter vom Brot nehmen lassen (wo baut Apple und wo versteuert Apple?).

      1. Moin Philip,

        danke für deine Antwort.

        Bist Du nicht auch der Meinung, daß die Standortfrage doch auch gut über Qualität und Effizienz regulierbar wäre?

        Natürlich gönne ich dir und den Kollegen die Arbeitsplätze. Warum man aber permanent meint, irgendwelche Investoren pampern zu müssen…
        Es wird ja augenscheinlich nicht mal der Deal gemacht, daß da etwas rückzahlbar wäre.

        Bei solchen Dingen gehts ja auch oft um Patente. Hast Du einen Einblick, wie später mit solchen Dingen umgegangen wird, sprich: wem gehören die dann?

        Denkt man an die Solarförderungen und sieht sich die Effekte an, die deutsche Akkumulatorenproduktion – wo isse?

        Ob diese Art des Protektionismus nun wirklich besser ist, als die Importzollspielereien des Toupets?

        1. Allein Qualität und Effizienz über den Standort entscheiden zu lassen wäre unfair den Ländern gegenüber die eher auf Marketing oder Politik setzen…

          Du bekommst als Unternehmen (oder auch Großforschungseinrichtung – siehe Fraunhofer, oder Hochschule) ja Förderung nur, wenn du nachweisen kannst, dass du auf dem Gebiet eigene Mittel einsetzt.

          Patente folgen der in DE gültigen Rechtslage, d.h. zunächst der Erfinder (das heißt: ich) dann der Rechtsnachfolger (das heißt: mein Arbeitgeber). Ich unterschreibe, das mein Arbeitgeber das Patent kommerziell auswerten darf (dafür aber alle Kosten trägt) und mich (auch nach Rechtslage) angemessen beteiligen muß. Das ist bei geförderten Projekten nicht anders. Ein paar Schreibtische weiter, gibts ein Beispiel von einer Patentanmeldung mit 4 ErfinderInnen aus 2 Firmen und 2 Forschungseinrichtungen in 4 Ländern (der EU). Da wurde den jeweiligen Patent+Rechtsabteilungen der Schreibaufwand irgendwann zu hoch.

          Forschungsförderung kann man kritisch sehen, weil auch natürlich die Politik einfluß verlangt ist aber insgesamt eher harmlos (im Vergleich mit Einflußnahme durch Besteuerung). Es wird halt Steuergeld umverteilt (meine Einkommensteuer fließt an die EU und von dort wieder zurück in mein Einkommen).

          1. Dank dir nochmals!

            Schön, der „freien Marktwirtschaft“ bei der Arbeit zuzusehen.

            Könntest Du halbwegs realistisch einschätzen, wann das Zeug im letzten Kuhstall ankommen kann?
            Für mich klang das bis jetzt immer so, als stünde das demnächst an. Nicht, daß ich noch weiter Holz zum Rauchzeichengeben sammeln muß.

          2. Das hängt von so vielen Dingen ab, und ich hab mich sowohl bei 3.5G (HSDPA) als auch bei LTE verschätzt. Testbetrieb innerhalb von 2 Jahren, Spektrumvergabe bald, Flächendeckung bei niedrigem Spektrum (700MHz ?) in 5 Jahren?

  2. Also wenn mit 5G im Kontext dieses Artikel tatsächlich der neue Mobilfunkstandard von 3GPP gemeint ist, dann sollte gesagt werden, dass die internationalen Standards z.B. für die Protokolle auf der Luftschnittstelle noch gar nicht fertig sind. Die Specs für das Next Generation Core hängen zeitlich noch weiter hinter dem ursprünglichen Zeitplan und werden wohl nicht vor Ende 2018 fertig.

    Es gibt natürlich schon einige Testszenarien mit 5G-mäßigen Anwendungen wie die Teststrecke für Autonomes und Vernetztes Fahren auf der A9. Dort hat Nokia die LTE Basisstationen mit Cloudlets gepimpt, um ultra-low latency zu erreichen. Aber außer der Telekom und ausgewählten Fahrzeugherstellern kann das niemand nutzen.

    Wie soll man also forschen und dafür gefördert werden, wenn es keinen funktionierenden Standard und eine solide technische Basis gibt?

    1. Ein Teil unserer Forschungsarbeit besteht darin sicherzustellen das nur Dinge im Standard stehen die physikalisch machbar sind und auch implementierbar sind. Es ist nicht so, das zuerst der Standard fertig geschrieben wird und dann wird angefangen damit zu arbeiten, sondern alles was neu zu schaffen ist läuft parallel bereits los zum Zeitpunkt der Entscheidung, das es einen neuen Standard geben wird. Du kannst bei Herstellern jetzt schon LTE Hardware kaufen die man per SW-Update auf 5G bringt (bringen möchte).

      Wenn die ersten, größeren Tests mit 5G gelaufen sind und ein paar Netzbetreiber Regelbetreib vermelden, wird mit diesen Erfahrungen ja dann auch schon wieder die 6G Forschung gestartet.

      1. Ja Philip, die großen Player, die Member der Standardorganisationen sind und ein paar kleinere Firmen, die den großen im Bereich der Grundlagenforschung zuarbeiten, die machen schon was.

        Die IKT 2020 Föderung soll aber verstärkt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sein. Für die ist es m.E. sehr schwierig.

        Manchmal denke ich, früher, als z.B. Siemens noch Netzwerkinfrastruktur, Endgeräte und Messtechnik alles zusammen entwickelt hat und gleichzeitig Haus- und Hoflieferant beim größten Netzbetreiber war, ging alles schneller voran und es gab anschließend ein ausgereiftes Produktportfolio für den Export.

        1. Na ja, sooo schwierig ist es für KMUs ja auch nicht der Standardisierung zu folgen – Dokumente in 3GPP sind (mit Ausnahmen die aus GSM importiert sind) öffentlich, email reflektoren sind öffentlich und die Membergebühren in Europa/ETSI bringen auch keinen um (Minimum 6000€ und dann nach Umsatz).

          Und ich pflege auch eine Einzelmeinung darüber was Siemens zusammen entwickelt hat.

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