Technologie

„Wiederinbetriebnahme“ der Spionagedrohne Euro Hawk soll für drei Jahre weitere 192,7 Millionen kosten

Sollte eigentlich als Prototyp die Beschaffung weiterer vier Drohnen einleiten: Der gegroundete "Euro Hawk"
Sollte eigentlich als Prototyp die Beschaffung weiterer vier Drohnen einleiten: Der gegroundete „Euro Hawk“

Die von der Bundeswehr zunächst als Prototyp beschaffte Riesendrohne „Euro Hawk“ wird wieder aus der Garage geholt. Dies teilte das Verteidigungsministerium gestern in der Fragestunde des Bundestages mit. Demnach würden derzeit „Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme“ der eingemotteten Spionagedrohne getroffen, damit diese zu neuen Testflügen starten kann. Zunächst soll aber die Verkehrssicherheit bescheinigt werden. Vermutlich handelt es sich dabei um eine vorläufige Verkehrszulassung.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Die Schritte erfolgen in drei Phasen. In der nun beendeten Stufe 1 wurde der „aktuelle luftfahrzeugtechnische Zustand“ untersucht. Den Auftrag hierzu erhielt die Euro Hawk GmbH, ein Konsortium des US-Drohnenherstellers Northrop Grumman und des europäischen Rüstungskonzerns Airbus, der das vom „Euro Hawk“ transportierte Spionagemodul ISIS fertigt. Das Konsortium hat nun ein Angebot zur vertraglichen Umsetzung der Stufe 2 über 32,7 Millionen Euro vorgelegt. Das Verteidigungsministerium will hierüber jedoch verhandeln.

Das technisch veraltete Spionagemodul soll nochmal 55 Millionen kosten

Womöglich würde die Summe auch mit früheren Forderungen verrechnet, die aus Sicht der Bundesregierung nicht vollumfänglich erfüllt wurden. Hingegen hat die Euro Hawk GmbH die Pflege der im bayerischen Manching eingemotteten Drohne übernommen, ohne hierfür Geld zu kassieren. Das Verteidigungsministerium hat die Drohne bzw. das Spionagemodul noch nicht offiziell abgenommen. Eine endgültige Einigung zur Vertragsbeendigung war eigentlich für Ende März 2015 angepeilt. Letztes Jahr hatte die Bundesregierung in einem Rechtsgutachten Schadensersatzansprüche prüfen lassen, diese aber nicht geltend gemacht und eine entsprechende Frist verstreichen lassen.

Die Stufe 3 des Euro soll schließlich in zwei Teilen umgesetzt werden. Zunächst würde das Spionagemodul ISIS für 12 Monate getestet. Das Verteidigungsministerium will die Testflüge danach aber für mindestens 24 Monate weiterführen. Vermutlich geht es dabei nicht nur um die Verbesserung des ISIS, das mittlerweile als technisch überholt gilt. Schon letztes Jahr hatte das Verteidigungsministerium deshalb weitere 55 Millionen Euro für ein „serienreifes ISIS, das auf dem derzeitigen technischen Stand aufbaut“ anvisiert. Die Rede war von einer Anpassung der Hardware „an das sich in den letzten zehn Jahren veränderte Signals Intelligence (SIGINT) Szenario“.

Verteidigungsministerium will „Triton“

Die nun geplanten Testflüge sollen wohl auch beim Sammeln von Erfahrungen helfen, um zulassungsrelevante Daten für die Drohne „Triton“ zu sammeln. Nachdem der damalige Verteidigungsminister die Beschaffung weiterer „Euro Hawk“ gestoppt hatte, favorisiert seine Nachfolgerin die ebenfalls von Northrop Grumman gebaute und für die maritime Aufklärung optimierte „Triton“.

Ein Angebot für die Durchführung der Testflüge in Stufe 3 liegt laut dem Verteidigungsministerium noch nicht vor. Die Kosten würden aber auf rund 160 Millionen Euro geschätzt. Bislang hat der Versuch zur Beschaffung einer fliegenden Spionageplattform mindestens 616 Millionen Euro gekostet, davon 270 Millionen für das ISIS.

4 Kommentare
  1. Für all das Spielzeug und den Scheiß ist wird mein Steuergeld verschleudert.
    Für Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Straßenbau usw. ist dann plötzlich kein Geld mehr da.

    Da wird mir übel und die SPD will regierungsfähig sein. Das S sollten sie aus dem Namen streichen.

    1. Ich bin ja beim SPD-Bashing gerne dabei, aber dieses Mal? Das Verteidigungsministerium wird nicht von der SPD geführt, sondern von Ex-Zensursula Flintenuschi.

      1. Das weiß ich. Mit Sozial habe ich gemeint, dass die SPD dies alles schön mitmacht.
        Die Schulen sind zum Großteil alt und vergammelt und die Eltern sollen Spenden oder helfen.

  2. Ruinen schaffen ohne Waffen. In diesem Fall sind die waffenlosen Apparate ja im Aussendienst. Dann können die hier mehr Ruinen schaffen weil das ganze Geld für diese Technik drauf geht weil das irgendwie wichtiger ist als Bildung, Sozialreformen und Rechtsstaatlichkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.