Technologie

Neue Überwachungsdrohne der NATO soll auch zur Grenzsicherung genutzt werden

Die erste der fünf an die NATO ausgelieferten Drohnen des Typs "Global Hawk". Sie trägt noch die Kennung "NATO 1".

Global-Hawk-NatoDie US-Luftwaffe hat erste Bilder der neuen NATO-Drohne „Global Hawk“ veröffentlicht. Sie wurde vom US-Konzern Northrop Grumman gebaut und trägt den Namen „NATO 1“. Im Frühjahr 2016 soll die auf optische Überwachung kleiner, beweglicher Ziele zugeschnittene „Global Hawk“ dann zum NATO-Stützpunkt Sigonella auf Sizilien überführt werden. Laut dem Bericht wird sie dort aber nicht nur für militärische Zwecke genutzt: Demnach würde die Drohne auch gegen Terrorismus, zur Grenzüberwachung und für den Zivilschutz eingesetzt. So hatte es die NATO bereits früher in einem Werbevideo erklärt.

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Vor zehn Tagen wurde die „Global Hawk“ der NATO auf einer Übergabezeremonie erstmals öffentlich vorgestellt. Die „NATO 1“ ist die erste von insgesamt fünf Drohnen des Programms „Alliance Ground Surveillance“ (AGS) auf Sizilien. Drei der übrigen vier Drohnen seien laut dem für das AGS zuständigen Direktor bereits in der Endproduktion und könnten ebenfalls bald übergeben werden. Die NATO hat die Drohnen in der aktuellsten Version „Block 40“ bestellt.

Steuerung auch über Relaisstationen

Das AGS wird nicht von allen 28 NATO-Mitgliedern getragen. Die Investitionen von rund 1,45 Milliarden Euro verteilen sich prozentual auf 13 Beschaffungsnationen. Hierzu gehören vor allem osteuropäische Länder, darunter alle drei baltischen Staaten sowie Bulgarien, die Tschechische Republik, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die ebenfalls beteiligten Regierungen der USA (42%), Deutschlands (33%) und Italiens (15%) tragen die meisten Kosten. Ab 2023 will die Bundeswehr zusätzlich eigene Drohnen beschaffen, die dann dem AGS unterstellt werden. Laut Northrop Grumman erwägen auch Norwegen und Großbritannien, „Global Hawk“ bzw deren Derivat „Triton“ zu ordern.

Die „Global Hawk“ gehört zur Klasse der hoch fliegenden HALE-Drohnen (High Altitude Long Endurance). Sie sind die größten Drohnen die je in Serie gebaut wurden. Sie können bei jedem Wetter fliegen und mithilfe von optischen und radarbasierten Sensoren auch nachts und bei bewölktem Himmel hochauflösende Bilder zu Boden übermitteln. Das mitgeführte Radar ist besonders zur Erfassung von Flugzeugen in niedrigen Höhen geeignet. Ein anderes Radarsystem ist auf stationäre und sich bewegende Objekte ausgelegt.

Zum AGS-Programm gehört außer den Drohnen auch ein „Bodensegment“. Es handelt sich um Anlagen zur Steuerung und Flugkontrolle, darunter auch Relaisstationen für die Satellitenkommunikation. Die NATO-Drohnen können von der Basis in Sigonella, aber auch von mobilen, transportfähigen Bodenstationen aus gesteuert werden. Es ist unklar in welchen NATO-Mitgliedstaaten diese fahrbaren Einheiten stationiert werden. Möglicherweise auch in Deutschland, denn die Bundeswehr hat bereits ein flugbetriebliches Verfahren zur „anlassbezogenen Nutzung“ des deutschen Luftraumes durch Drohnen des Typs „Global Hawk“ entwickelt.

Tests in den USA für die spätere Zulassung in Italien

Die Bodensegmente der NATO-Drohnen unterscheiden sich wesentlich von jenen Anlagen, wie sie bereits jetzt in den USA genutzt werden. Wie die US-Luftwaffe schreibt, würden sie von europäischen Firmen gebaut. Zum Kernteam des NATO-Auftrages gehören die Rüstungskonzerne Airbus Defence and Space (Deutschland), Selex ES (Italien) und Kongsberg (Norwegen). Wegen der hohen Reichweite und der immensen Datendichte der „Global Hawk“ erfordert der Austausch mit der Auswerte- und Steuereinheit breitbandige Datenrelaissatelliten. Airbus hat hierfür in den letzten Jahren von der EU-Kommission Forschungsgelder in dreistelliger Millionenhöhe erhalten.

Die „NATO 1“ soll ab Sommer auf der Luftwaffenbasis Edwards in Kalifornien getestet werden. Die Ergebnisse werden vor allem für Zulassungsverfahren benötigt. Zwar besitzen die Drohnen eine technische Zertifizierung durch US-Behörden. Für ihre Integration in den Luftraum über Sigonella ist aber eine militärische Zulassungsstelle des italienischen Verteidigungsministerium verantwortlich.

Laut der US-Luftwaffe werden bald zahlreiche weitere Berichte über die NATO-Drohne folgen. Denn bei der Übergabe sei ein Team von „NATO-Journalisten“ angereist, die auch Produktionsstätten und das Testgelände in Edwards besichtigen durften. Der oberste Pressesprecher des Herstellers freut sich über die zu erwartende Propaganda:

All of these are international journalists that will go back to their home countries and tell the story to the NATO countries that are investing.

In Deutschland erschien nach der feierlichen Veranstaltung in den USA ein Bericht eines solchen „NATO-Journalisten“ in der Tageszeitung WELT. Dort wird die Eignung des Überwachungssystems gegen Russland hervorgehoben.

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3 Kommentare
  1. Forscher müssen grübeln für den Krieg. Drohnen müssen fliegen für den Krieg. Steuerzahler müssen zahlen für den Krieg (in fremden Ländern). Eine dreistellige Mil. Summe für die Einrichtung von Breitbandsateliten aber für ein Europanetz aus Glasfasern ist nix da, gell? Die braucht man ja auch nicht zum Krieg führen. Man hat doch schon den direkten Draht am DeCIX. Dann sind auch noch die meisten Abnehmer im Osten. Um ja für den Russensturm gewapnet zu sein. Dann können die Ami Flugdrohnen aus der Luft die Panzerdrohnen (Armata) der Russen zählen. Hui wie praktisch!
    Und ja das ist ein Krieg. Leise und heimlich hinter den unsichbaren und unfassbaren Grenzen der Machtblöcke. Die Propaganda ist bald auch soweit, dass man das Feindbild nicht mehr verstecken muss. Dann wird wieder die Untermenschen oder Unmenschen? Keule rausgeholt und ordentlich gen Osten gedrescht. Frei nach dem Fussballmotto: Nach dem (kalten) Krieg ist vor dem (kalten) Krieg.
    Armutszeugnis der Nachkriegsgeschichte. NATO sollte man mit den Geheimdiensten auflösen. Sind doch eh nicht für eine funktionierende Zivilgesellschaft zu gebrauchen. Und gegen den Russen haben wir doch die Atombomben in Ramstein rumliegen (irgendwo unter irgendwelchen Hügeln).

  2. Also mal ehrlich, der Artikel der Welt ist schon extrem emotional geschrieben, allein der Anfang. Noch dazu sind die Informationen alle sehr sehr knapp an der Wahrheit.

    „Innerhalb einer Minute erfasst er ein Gebiet von der Größe Manhattans.“ Damit ist wohl Projekt Argus gemeint, eine Kamera die aus sehr sehr vielen CMOS Chips besteht und halt sehr hochauflösende Bilder eines großen Gebiets liefern kann. Das ganze funktioniert aber nur bei Tag und bei wolkenfreiem Himmel. SAR (Radar Bilder) brauchen deutlich länger und könnten auch nicht so schnell von so einer großen Fläche genommen werden, da sich das Flugzeug um einen bestimmten Winkel zum Punkt der gemessen wird bewegen muss. Kann man sich etwas so vorstellen als würde man versuchen durch einen Trichter mit 30° Öffnung mit einer Milchglascheibe dahinter ein Objekt zu erfassen. Das geht nur wenn man den Trichter um das Objekt herum bewegt und dann die Bilder verrechnet.

    „…steigen Hawks auf eine Höhe von 18.000 Metern, also fast doppelt so hoch wie der normale Flugverkehr. Für Projektile vom Boden sind sie somit kaum erreichbar, auch Kampfflugzeuge kommen selten so hoch.“
    1.) Größere Verkehrsflugzeuge fliegen auf so 11.500 Metern „fast doppelt so hoch“ ist etwas übertrieben
    2.) Projektile!!! Flak Geschütze auf dem Boden setzt man heute kaum noch gegen Flugzeuge ein! Die sind einfach zu schnell und zu hoch. Das ist in etwa so wie: „Die moderne Panzerung diese XY ist durch Säbel kaum zu zerstören“. Die russische Flugabwehrrakete S-75 aus dem Jahr 1957 (1953 entwickelt) kommt z.B. auf 30km Höhe..
    3.) Auch Kampfjets „von damals“ (Je-155P aus 1964 z.B. der Prototyp der ersten MIG) kommen locker auf über 20km Höhe und das innerhalb von wenigen Minuten. Die Global Hawk ist eine Überwachungsdrohne und dafür ausgelegt möglichst lange in der Luft zu bleiben. Das Ding ist scheiß schwer und hat vermtl. Triebwerke die es grade so langsam steigen lassen können, damit man diese unter optimalen Wirkungsgrad beim halten der Höhe betreiben kann..

    Sollte die NATO irgendwo and er russischen Grenze nen Global Hawk fliegen lassen, wir das Russland vermtl. als Einladung sehen so ein Ding mal vom Himmel zu holen denke ich.

    Der schöne Sat-Uplink bringt auch relativ wenig, wenn man gegen so Jemand wie Russland kämpfen möchte.. Die Stören das einfach mit einem starken Sender am Boden.. Der Sattelit ist einfach mind. Faktor 10 weiter weg wie das Flugzeug vom Boden und gegen die kubische Ausdehnung von Funkwellen kann auch die USA nichts machen.. Die Signalstärke des Jammers am Boden übertönt einfach das Signal des Satteliten.
    In irgendwelchen asymetrischen Kriegen im Nahen Osten mag das ja super sein, da der „Gegner“ einfach nicht die technischen Fähigkeiten hat, aber gegen Russland?!

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