Kultur

#NetzfragtMerkel: „Da fehlt der kritische Frager“

lefloidfragtmerkelDer Youtuber LeFloid hat heute ein Videointerview mit Angela Merkel in seinen Kanal gestellt. LeFloid war vom Bundespresseamt eingeladen worden, Angela Merkel zu interviewen, weil die Bundesregierung ja jetzt einen „sehr coolen“ Bürgerdialog veranstaltet. Im Vorfeld hatte es zu dem Interview einige Debatten gegeben, wir haben uns da lieber vornehm zurückgehalten, um uns vom Ergebnis überraschen zu lassen.

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Im Grunde genommen war es auch nicht das erste Mal, dass Angela Merkel von einem Videoblogger interviewt wurde, bereits vor bald zehn Jahren konnte die damalige Bloggerin (und jetzige Spiegel-Online-Geschäftsführerin) Katharina Borchert die damals frische Kanzlerin in Videoform interviewen.

Jetzt also LeFloid, einer der wenigen bekannten Youtuber mit gesellschaftspolitischem Anspruch und Zugang zu einer Zielgruppe, die über klassische Medien kaum noch erreicht werden kann. Und an die die CDU und das Bundeskanzleramt gerne ran kommen würde.

LeFloid hatte bereits im Vorfeld schon Erwartungen zurück gewiesen, dass er dort als Politikjournalist auftreten würde. Und gerade deswegen war er wohl auch ausgewählt worden, denn Interviews mit Politikjournalisten, vor allem auch noch mehr oder weniger ungeschnitten führt Angela Merkel sehr selten. Die könnten ja mal harte Fragen stellen.

In dem rund 30 Minuten Interview übernimmt LeFloid dann auch eine Rolle, die man aus den wöchentlichen Merkel-Podcasts kennt. Als leicht eingeschüchteter Fragensteller gibt er meist nur Stichpunkte in vollkommen verklausulierten Fragen vor, auf die Angela Merkel dann antwortet – oder auch nicht. Manchmal hakte er nach, aber die Rückfragen waren dann wiederum recht devot formuliert, dass Merkel wiederum nicht wirklich antwortete. Standard-Lückenfüller von LeFloid als Überleitung zur nächsten Frage war dann auch „Sehr cool“. Fand ich eher uncool, war aber wahrscheinlich nur Unsicherheit oder Überforderung.

Im Endeffekt haben sich beide gegenseitig instrumentalisiert

Das Bundeskanzleramt und das Bundespresseamt dürften sich freuen, dass hier Angela Merkel als sehr cool vom Platz gehen konnte, ohne jetzt viel sagen zu müssen. Endlich auch mal die Jugend erreicht, die die Merkel-Podcasts eher nicht sehen. LeFloid darf sich freuen, dass er als erster Youtuber die Bundeskanzlerin interviewen konnte. Und damit auch im Mainstream und in den alten Medien angekommen zu sein. Auch wenn er damit das Makel davon tragen könnte, als freiwilliger Wahlkämpfer für Angela Merkel agiert zu haben.

Drei Minuten lang ging es ab Minute zehn dann auch um Netzpolitik, hier vor allem um Whistlewblower und irgendwie um den NSA-Skandal. Das hörte sich dann so an:

„Ich finde im Übrigen, dass das, was man an Informationen aus so was raus kriegt, die Sache nicht wert ist, wenn man dafür soviel abhört und da gibt es gravierende Unterschiede zwischen uns und den Vereinigten Staaten von Amerika.“

oder

„Und ich sag nochmal: Die Bundesrepublik ist auch ein großes Land. Und ich glaube, dass wir mit unseren Freunden gut verhandeln können, ohne dass wir vorher haufenweise Informationen abhören.“

Es gab einen kurzen Moment, wo eine Frage mal etwas intelligenter gestellt war und man die Antwort vielleicht nochmal irgendwann verwenden kann:

LeFloid: „Spielt es in ihren Augen eine Rolle, wo ein Whistleblower her kommt? Hatte Edward Snowden jetzt Pech, dass er ausgerechnet mit den USA angelegt hat. Wäre der Umgang vielleicht etwas anders gewesen, wenn es ein russischer Whistleblower gewesen wäre?“

Angela Merkel: „Nö, von unserer Sicht aus nicht. Nee. Scheint schwieriger zu sein, in Russland, ein richtiger Whistlewbloer zu sein. Weiß nicht, wie viel Sie kennen?“

Zum Schluss ging es noch kurz um eine alte Debatte um einen Google-Hangout und medienrechtliche Fragestellungen, ob Angela Merkel mit solchen Formaten einen Fernsehsender betreiben würde. Sie schloss diesen Punkt mit den Worten:

„Wird auch nicht gerne gesehen. Da fehlt der kritische Frager.“

Der kritische Frager fehlte in diesem Youtube-Interview leider auch. Das war der klassische Angela Merkel-Podcast, nur dass diesmal die Fragen einfach LeFloid stellte und selbst für den Dreh und seine Zeit bezahlen musste, anstatt dass das von unseren Steuergeldern gezahlt wird. Dafür schauen das in diesem Fall sicher auch mehr Menschen.

Sehr cool für Angela Merkel. Im Kanzleramt dürften die Korken knallen.

57 Kommentare
  1. Sehr guter Beitrag. Ich sehe mir LeFloid regelmäßig an und mag ihn grade wegen seiner doch manchmal frechen Art. Aber diese Seite hat in dem Interview komplett gefehlt. Ich glaube da war er einfach sehr eingeschüchtert. Schade. Da ist eine große Chance verpufft.

  2. Sich an seinem wahrscheinlich unbewussten „sehr cool“ aufzuhängen, finde ich wiederum auch nicht die feine englische Art – und irgend wie auch unsachlich.

    Es war auch logisch das sie jemanden aussuchen der keine „Gefahr“ darstellt – alles andere wäre wohl politischer Selbstmord gewesen…

  3. Spätestens jetzt sollte klar sein, was für eine Nullnummer dieser LeFloid ist. Ich finde es schlimm, dass er von Vielen immer noch als Videomacher mit Niveau hingestellt wird und auch immer wieder Auftritte im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekommt. Mit Videoüberschriften wie „Vormittag Schülerin – Abends Hure“ und „SUPERNANNY TÖTET HUND!“ gehört er höchstens in die BILD Zeitung.

    1. Da spricht wohl jemand der nur die Videotitel ließt, anstatt sich die Videos auch mal anzuschauen.

      Ich mochte LeFloid erst auch nicht leiden, aber wenn man sich mal mehr als ein Video gibt und auch schaut wie er selbst mit der riesigen Anzahl an Rückmeldungen interagiert und Themen anspricht, mit denen sich 90% seiner Zuschauer nichtmal im Traum freiwillig befassen würden – dann ist LeFloid einer der wenigen der gleichzeitig eine große Reichweite hat und UND sich nicht nur mit kuriosen oder lustigen Themen sondern auch mit dem Tagesgeschehen befasst und seine Reichweite vernünftig einsetzt.

  4. Fragen:

    1. Stehen sie 100% hinter den Forderungen von Wolfgang Schäuble an Griechenland, etwa die Öffnung von Läden am Sonntag oder die Einschrängkung des Gewerkschaftsrechts?

    2. Sowohl Sie als auch Herr Schäuble sagten in den vergangenen 3 Wochen, vor dem Zahlungsausfall Griechenlands an den IWF, mehrmals, dass es keine konkreten Vorlagen aus Griechenland gäbe. Die Konkreten Vorlagen existierten aber und wurden sowohl von Y. Varoufakis, als auch von C. Juncker veröffentlicht. Was sagen Sie dazu?

    3. Ein von den USA mitgeschnittenes Telefonat zwischen Ihnen und dem Kanzleramt aus dem Spätherbst 2011 zeigt, dass Sie damals der Ansicht waren, dass selbst ein Schuldenschnitt nicht ausreichen würde, um Griechenland zu retten. Zwei Fragen hierzu: a) Warum haben Sie diese Position zum Thema Schuldenschnitt nie nach außen vertreten und b) was für ein Verhältnis haben wir zu den USA, wenn dies de facto die komplette Bundesregierung vollüberwachen.

    4. Würde die Bundesregierung versuchen, Edward Snowden, sollte dieser auf irgendeinem Wege nach Deutschland gelangen, rechtlich zu belangen oder an die USA auszuliefern?

    5. Wie unterscheiden sich CDU und SPD? Daran anknüpfend: Können Sie sich vorstellen, die SPD dauerhaft als Juniorpartner zu behalten?

    6. Schließen Sie eine Koalition mit der AFD kategorisch aus?

    7. Wie stehen Sie dazu, dass Deutschland in Europa auf absehbare Zeit beim Internetausbau zurück bleibt? Wenn selbst arme Länder wie Rumänien oder dünn besiedelte Flächenländer wie Schweden einen Glasfaseranschluss an jede Haustür bekommen, warum nicht auch Deutschland?

    8. Warum, spionieren sich Mitgliedsstaten der Europäischen Union untereinander aus?

    9 Hat die Europäische Union nach Ihrer Ansicht eine soziale Komponente?

    10. Warum spricht sich die Bundesregierung so wenig gegen die zunehmenden autoritären Auswüchse der ungarischen Regierung aus? Wie kann die EPP im Europäischen Parlament sowohl eine CDU als auch eine Fidesz enthalten und dennoch mit einer Stimme sprechen?

    1. 11. Sie haben als Umweltministerin den Betrieb der Atom-Müllhalde Asse genehmigt, Jahre später erfahren wir, dass dieses Projekt in einem kriminellen Umfang verantwortungslos betrieben wurde und Hundert-Tausende von Bürger gefährdet, weil eine radioaktive Verseuchung der wichtigsten Ressource Grundwasser nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Zu früheren Zeiten wurden Brunnenvergifter zur Rechenschaft gezogen, warum wird eigentlich nicht gegen Sie ermittelt als verantwortliche Ministerin dieser deutschen Atomkatastrophe? Wäre es nicht angemessen für das Amt des Kanzlers, wenn Menschen mit so einer kriminellen Vergangenheit freiwillig zurücktreten, anstatt das Amt zu beschädigen?
      12. Erklären Sie doch mal bitte, wie Sie es geschafft haben, mit Ihrer überaus erfolgreichen Karriere in der DDR es bis zur Bundeskanzlerin der BRD zu schaffen, während Personen wie Gregor Gysi, denen bis heute keine aktive Mitarbeit im Verbrecherstaat DDR nachgewiesen konnte, vom Verfassungsschutz überwacht wird? Denken Sie auch, dass dies ein eindeutiger Beweis für die Dummheit des Volkes ist?

      1. Sie haben die Sturzbefüllung der Asse erlaubt, obwohl Sie als Physikerin doch sicher abschätzen können sollten, was mit Fässern passiert, die aus mehreren Metern Höhe aufeinander gedonnert werden. Wie stehen Sie heute dazu?

    2. Klasse Fragen, super Beitrag; eine Ergänzung:
      Wie kam es zur Raute?
      Hatten Sie einen Schauspieler gefragt, wie Sie ihrem Auftritt mehr Nachdruck verleihen?
      Würden Sie einem Mann die Tür aufhalten?
      – nur mal so, Ergänzungen sind nicht unerwünscht!

  5. Er wird sich auf das eingelassen haben, auf das sich in dieser Liga alle „kritischen“ Frager einlassen müssen, um die Dame vor die Kamera zu bekommen: Alle Fragen (wirklich alle) werden vorher „abgestimmt“, möglichst so, dass es nicht auffällt.
    Friss, Vogel oder stirb. Basta!

  6. Das ständige „absolut!“ hätte LeFloid sich sparen sollen. Das Klang zu sehr nach Zustimmung.
    Merkels schöne Worte zum Grundgesetz hätte er zum Beispiel mit einem lockeren „und wann halten sie sich dran?“ abrunden können.
    Bei dem Thema „Whistleblower“ fehlte mir die Feststellung, dass eine Positionierung in der Frage mit der gewollten Einführung des Straftatbestandes der Datenhehlerei längst statt gefunden hat.
    Und wo waren eigentlich konkrete Fragen zur Vorratsdatenspeicherung und zum Geheimdienstuntersuchungsausschuss?

    Mir dünkt ja, dass selbst wenn ihm keine Fragen vorgegeben wurden, dafür aber gewisse Fragenkomplexe verboten wurden. Wie gesagt, eine reine Spekulation in den blauen Dunst hinein.

    So ist es wirklich nur ein schönes Werbevideo für die CDU/Merkel geworden.

  7. Ich stimme zwar – mal bis auf das cool abgesehen, ich find das sympatisch, weil es doch in den jeweiligen Situationen genug Aussagekraft besitzt – mit dem Artikel hier überein. Aber trotz allem darf man einige Dinge hier nicht vergessen:

    1.) Er hat eine relativ junge Zielgruppe/Fanbase. Einfache Fragen bzw. „Basic“ Fragen, wie er sie gestellt hat, treffen einfach viel eher das Interesse der politisch weniger Interessierten Jugend.
    2.) Instrumentalisierung: Ich schätze, Merkel hatte dies zwar als Gegenseitige Instrumentalisierung gedacht, aber der Schuss geht nach Hinten los. Ich bezweifle, dass aufgrund des Interviews und vorallem wegen dessen Inhalt jemand, der Lefloids Format schaut, auch CDU/CSU wählen wird. Zu wenig Inhalt seitens Merkel, zu wenig Neues. Und ich vermute, Lefloid sieht das ähnlich. Dazu wettert er subtil zu sehr gegen die CDU. Daher wird Lefloid davon profieren und Merkel sich doch denn falschen Youtuber herausgesucht. Bei ihren eigentlichen Wählern wird sie dennoch dadurch Punkten
    3.) Kritisches Hinterfragen: Ich glaube an einigen Punkten war Lefloid einfach überrannt von der Rhetorik Merkels. Vor allem bei dem Ausweichen der Fragen. Denn hier war er als Interviewer in die Ecke getrennt. Hat die Bundeskanzlerin seine Fragen nicht verstanden oder hat sie seine Fragen bewusst ausgespielt.

    Alles in allem : Zwar Ein Basic Fragen Interview, dennoch sehr gut geführt und ich denke, Lefloid hat einen guten Job gemacht. Gerade für Junge und politisch Desinteressierte. Und ich finde, durch seine Art, den gewählten Fragen und dem gesamten Bild des Youtubers hilft er Frau Merkel nicht wirklich als Wahlkampfhelfer. Vielleicht das Gegenteil, aber nur meine Einschätzung. Dennoch teile ich auch die Kritik, dass bessere Fragen und viel mehr kritisches Hinterfragen sicher sicher nicht geschadet hätten.

    1. zu 2.)
      Wenn du dich da mal nicht täscht bei den durch das Interview hinzugewonnen Neuwählern.
      Man braucht schon einiges an politischem und vor allem rhetorisch-taktischem Vorwissen um die Inhaltsleere zu erkennen.
      Als polit-desinteressierter, durch LeFloid’s BILD-Style Nachrichtenformat abgestumpfter Zuschauer bleibt am Ende des Tages diese Tatsache hängen:

      Das Idol LeFloid hat ein Interview mit der Bundeskanzlerin gedreht. Und er fands absolut sehr cool.

      Wenn er nicht in den nächsten Tagen noch ein selbstkritisches und vor allem merkelkritisches Kommentar-Video hinterherschiebt, sehe ich nicht, wie dieses Interview nicht als beste CDU-Wahlwerbung in die Geschichte eingehen sollte.

  8. jo, der Reply Boy und die Kanzlerin, die furchtbar gerne Kanzlerin ist, aber sich gar nicht für Politik interessiert (Pispers) – die passen zueinander.

  9. Hallo,
    ehrlich gesagt finde ich das hier Neid und Unwissenheit zu einem schlechten Artikel verleitet haben. LeFloid hat das Interview sauber gemeistert und uns, die Netzgemeinde, gut vertreten. Hätte er Frau Merkel angegriffen oder beleidigt wäre dies für lange Zeit das letzte Interview dieser Art gewesen. Sie hat ihre Meinung gesagt und er hat sie akzeptiert. Manchmal wurde hinterfragt oder spezifiziert, so etwas nennt man guten Journalismus.
    Natürlich muss er Frau Merkel mit Respekt behandeln und natürlich kann er da nicht mit dummen Sprüchen kommen. So konnte unsere Kanzlerin mal das „Neuland“ erkunden und musste feststellen das es im Netz nicht nur Anonyme Meckerziegen und möchtegern Experten gibt.

    Das natürlich jetzt wieder dutzende Leute mit anderen Fragen aus den Löchern kommen ist klar. Aber scheinbar interessieren diese Fragen die YouTube Community nicht, denn sonst wären sie rechtzeitig und in größerer Anzahl gestellt worden.

    1. Dem Kommentar stimme ich zu. Wenn LeFloid jung und unerfahren ist, und dennoch so ein Interview führt, liegt das daran, daß die Generation 40+ also die mit Lebenserfahrung, offensichtlich meist Scheu hat, YouTube, WhatsApp &Co zu nutzen, und sich daher nicht zur „Netzgemeinde“ zählen kann. Da ist es klar, daß von denen keiner zu Merkel eingeladen wird – die kennen sich im Netz schlicht nicht aus.

      1. Also hier muss man ja doch mal eingreifen. Dieser Kommentar ist ja wohl die Unlogik pur. Die Begründung, dass leFloid da gesessen hätte, weil 40+ kein Whats app benutzen würde. Was soll das eine mit dem anderen zu tun haben?

        Was viel eher wahrscheinlich ist: Leute, die als Interviewer in frage kommen und 40+ sind, sind meist kritischer und weniger oberflächlich.

        LeFloid hat das Interview nicht TROTZ seiner Unerfahrendheit machen können, sondern gerade WEGEN seiner Unerfahrenheit. Und wegen der Unerfahrenheit seiner Zuschauer. Die mit Abstand am leichtesten zu manipulierende Gruppe, die er da vertritt und mit Videos „versorgt“.

    2. “ und uns, die Netzgemeinde, gut vertreten“ ok, jetzt muss ich doch mal Kommentieren.

      Was mich absolut abnervt ist dieses „uns, die Netzgemeinde“. Als wenn es ein „die da draußen“ und „wir hier drinnen online“ gäbe. Quatsch. Unfug und auch ein Hauptgrund für viele Probleme. Jeder, der online geht, gehört zu „uns“. Und hat dennoch keinen Grund, sich als „wir die Netzgemeinde“ zu bezeichnen, ebenso wie jeder der Auto fährt gleich „uns Autofahrer“. Und „DIE Netzgemeinde“, brrrr.

      LeFloid ist nicht „UNS“, er ist nicht „MEINS“. Er ist einer, der das Netz benutzt. Ebenso wie ich. Wie Du. Und dieses Interview ist eine gelackte, langweilige und sorry, sehr sehr hohle Veranstaltung. Wollte das eigentlich nicht so ranten, aber jetzt ist es raus. Gerade beim Thema „Netzneutralität“ oder auch „Whistleblower“ muss (!) LeFloid ein ureigenstes Interesse haben, kritisch und „hart“ nachzufragen. Scheinbar allerdings fehlt ihm da auch die Kompetenz – und das ist echt schwach. Mega-Schwach! Nur vor ner Kamera zu stehen, hippe Schnitte zu setzen und alles cool zu finden ist KEIN Journalismus. Keine Information. Das ist einfach nur Amateurhaft. Es ist sehr traurig, dass er keinen Mut gefunden hat, einfach mal eine unbequeme Frage zu stellen…

      Wenn ich im Interview bemerke, dass der Interviewer so sehr mit dem Interviewten gemein geht, dass nach einer Beantwortung erstmal peinliche Stille herrscht, weil man schlicht nicht nachfassen kann, dann weiss ich: Da ist was schief gelaufen. Ich habe Promi-Interviews über gerade anlaufende Kinofilme gesehen („das ist der beste Film den ich je“, „die Arbeit mit dem Regisseur war das schönste, was…“) die waren gehaltvoller.

      Sorry LeFloid – wenn Du die Zukunft der Information bist, dann Tschau „UNS Netzgemeinde“ und willkommen bei den alles konsumierenden, niemals nachfragenden Hirntoten. Sorry, aber echt jetzt…

    3. „Aber scheinbar interessieren diese Fragen die YouTube Community nicht, denn sonst wären sie rechtzeitig und in größerer Anzahl gestellt worden.“

      Das sagt leider sehr viel über LeFloids Zuschauer aus.

    4. @Xevion

      1. Du sprichst da nur von dir und keinesfalls von meinen Ansichten!
      2. Guter Journalismus ist ganz sicher nicht, sich ohne ausreichende Kenntnisse politischer Themen devot für Merkels PR instrumentalisieren zu lassen.
      3. Kritisches Nachfragen und rhetorisches Entlarven von Lügen, Ausweichmanövern und Nebelkerzen sind keine Beleidigungen. Rhetorisch gekonnte Angriffe brauchen keine Beleidigungen und sind auch nicht Respektlos.
      4. „Manchmal wurde hinterfragt…“ ,was wie gewohnt mit weiteren Phrasen und Ablenkungsmanövern abgebügelt wurde. An der Stelle hätte man z.B. klar die Diskrepanz zwischen „Ich vertrete das Volk und bin gegen Diskriminierung“ und die Tatsache, dass eben eine große Mehrheit für die gleichgeschlechtliche Ehe ist und nur die CDU/CSU + ein paar Ewiggestrige dagegen mauern, ansprechen müssen. Da wird eben nicht das Volk vertreten! Ich nenne es Diskriminierung, wenn man den homosexuellen einen gelben Stern an die Brust nagelt auf dem „eingetragene Lebenspartnerschaft“ steht, damit jeder gleich seine sexuelle Orientierung sehen kann. Schonungslos ehrliches hinterfragen mit einer Spur Provokation hätte ich mir gewünscht.

    5. Schlecht finde ich den Artikel nicht, nur vielleicht ein bisschen überkritisch.

      > Hätte er Frau Merkel angegriffen oder beleidigt wäre dies für lange Zeit das letzte Interview dieser Art gewesen.

      Dito.

      Und deswegen ist es vielleicht auch gut, dass kein Tilo Jung das erste „Youtube-Interview“ mit der Kanzlerin geführt hat. Auch, und hier stimme ich dem Artikel zu, wenn das für uns wahrscheinlich wesentlich interessanter für uns gewesen wäre.

      PS: Das Bundespresseamt würde nach den Erfahrungen der BPK wahrscheinlich auch niemals Tilo Jung für ein Interview mit der Kanzlerin einladen. ;)

      1. Und deswegen kuschen alle, sind mit dem Privileg zufrieden, Merkel eine Buehne zur Selbstdarstellung zu liefern, und wundern sich dann, als Presse nicht mehr ernst genommen zu werden. Wenn sie Glueck haben, sonst ordnet man sie gleich als Propaganda-Organ ein.

        Ok, fuer weite Teile der Mainstreammedien ist „Propaganda-Organ“ offensichtlich das Selbstverstaendnis 8)

  10. Es ist klar, dass das einfach eine Imitation dieser drei Youtuber-Interviews ist, die Barack Obama im Januar gegeben hat? Naja egal, ich schaue mir das nicht an. Manche Dinge sind schon in der Vorstellung zu schrecklich.

  11. Kritische Fragen sind ja nun keine Beeleidungen, allerdings finde ich das Interview auch nicht all zu schlecht. Das ist ein relativ junger Typ, der kein mit allen Wassern gewaschener Journalist ist, der schon dutzende solcher Interviews geführt hat. Natürlich wirkt er da etwas unsicher. Da ist unsere Presse der bessere Adressat. Menschen wie Jauch, die die Kanzlerin hoffieren oder einschläge Blätter.

    1. Das ist schlicht kein Interview.

      Das ist die Inszenierung einer Gespraechssimulation nach Vorgabe, vulgo ein Schauspiel fuer die Zuschauer. Wie die ganzen sogenannten Buergerdialoge aus dem Hause Merkel.

      Kann man moegen oder nicht, man sollte sich nur nicht in die Tasche luegen.

  12. Lächerlich! Typen wie LeFloid braucht wirklich niemand! Kein Wunder, dass das Niveau im Netz bei solchen Pfeifen ständig sinkt.
    Er hält sich wahrscheinlich für einen tollen coolen Typen – nur ist er es nicht.

  13. An alle die meinen LeFloid wäre nicht der richtige.

    Macht es doch mal selbst !
    Wir würdet Ihr reagieren mit einer Person zu sprechen die regewandt und auch noch Politiker ist? Da kann man sehr schnell ins Abseits gelangen wenn man da nicht höllisch aufpasst was man sagt.

    Ich finde es eine sehr gute Leistung die er da geliefert hat. Und jeder der sich daran beschwert, dass schwierige Fragen fehlen, der hat keine Ahnung wie solche „Interviews“ ablaufen. Unvorbereitete Interviews findet man ja nicht mal mehr bei einem Vorstand eines Unternehmens.

    /Me

    1. Da ich selbst im Journalismus tätig war (und auch, nicht als Interview wohlgemerkt, Angela Merkel live und sehr nah erleben durfte), nehme ich das „macht ihr das doch erstmal“ gerne auf.

      Korrekt! Es kann nicht jeder. Aber dann darf und muss (!) man auch das Recht haben, demjenigen der es eben nicht kann, zu kritisieren. Und ihm zu sagen: Du kannst es nicht. Und LeFloid hat das, was als Interview angekündigt war, vergeigt. Schlicht und einfach. Wenn er das „lockeres Gespräch mit der Bundeskanzlerin“ genannt hätte, na gut. Kein Ding. Aber er hats als Interview angekündigt. Journalistische Form. Verständlicherweise darf und muss ich dann auch erwarten, dass bei einem Interview auch ein derartiges geführt wird.

      „jeder der sich daran beschwert, dass schwierige Fragen fehlen“ – nein, ich beschwere mich nicht, dass schwierige Fragen fehlen. Ist eh eine Definition, was „schwierig“ ist. Whistleblower, Home-Ehe – da sind schon Fragen drin, die für Diskussionen sorgen … könnten. Aber dann unreflektiert eine Antwort hinzunehmen, das ist KEIN Interview. Ist keins. Wird keins. Das ist ein Gespräch unter Leuten am Kaffeetisch. Aber selbst da wird nachgefragt … wo hat LeFloid mal nachgefragt, warum Snowden kein Asyl erhält? Das ist sein Recht, da wird kein Interview abgebrochen und so gottverdammt naiv kann der Junge nicht sein!

      „der hat keine Ahnung wie solche ‚Interviews‘ ablaufen“ – stimmt, wie „solche Interviews“ ablaufen, da hatte ich echt keine Ahnung. Hätte LeFloid einfach nur die Stichpunkte von ner Karte abgelesen und immer brav: „Danke liebe Frau Bundeskanzlerin, nächster Stichpunkt“ gesagt, wäre das ganze Ding kürzer aber inhaltlich exakt identisch.

      Hätte ich es besser gemacht? Hmm, ich behaupte mal: Ja. Viel besser? Nein. Merkel ist Profi. Merkel weicht aus. Das ist bekannt. Das nennt sich Vorbereitung. Aber ich lehne mich weit aus dem Fenster und sage, ich hätte wenigstens (!) mal nachgefasst. Wenigstens gesagt: „aber Frau Merkel, kommen wir zur Frage zurück“ und wenigstens… bitte bitte, wenigstens das sollte der YT-Generation logisch erscheinen, wenigsten hätte ich nicht meine Meinung samt vorgefertigtem Antwortblock als Frage verpackt gestellt. Sondern einfach nur bspw. „Ehe zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern, Ja oder Nein?“ Und dann einfach nochmal: „Ist es noch zeitgemäß? Warum sind Sie dieser Meinung?“

      Das ist nicht schwer. Das schafft man bei nem Lehrer, an der Kaffeetafel und sogar bei der Bundeskanzlerin. Wirklich. Das kann man … also wenn man das will.

      „Unvorbereitete Interviews findet man ja nicht mal mehr bei einem Vorstand eines Unternehmens“ – stimmt… aber das ist ja der „Witz“. LeFloid habe ja alles fragen dürfen (so zumindest die offizielle Version). Und wenn er das nicht gekonnt hätte, DANN hätte es seine Pflicht als cooler, offener und so digital-nativ-investigativer Mensch sein müssen (!) das „Interview“ abzubrechen. Einfach zu sagen: „Ich darf ein diesem Land, das freie Meinungsäußerung als Banner hochhält nicht frei fragen, daher ist das Interview abgesagt“. Das hätte was gegeben. Aber es wird eben nicht so gewesen sein, die Verschwörungstheoretiker können wieder einpacken (wie war das mit seiner Mütze. Tja, kein Zeichen von coolem Hintersinn und vielleicht Whistleblower-Symphatie … sondern schlicht n angesagtes Modelabel, oh Mann).

      „An alle die meinen LeFloid wäre nicht der richtige. “ – ja, genau das meine ich. Er ist nicht der „Richtige“ für ein „Interview“. Lass ihn schnippeln, hektisch mit den Armen rudern und aufgezeichnete Dinge besprechen. Wir können nicht alle Alles, aber wir sollten ehrlich sein und sagen, wenn wir was nicht können…

      LeFloid kann keine Interviews.

    2. – Wenn ich ein Interview ankündige und aber nur zu einem Kaffeeplausch in der Lage bin, dann würde ich es wenigstens als solchen benennen oder es sein lassen.
      – Wenn ich mich als Laie mit einem Profifussballer auf dem Platz messe, dann steht das Ergebnis von Anfang an fest.
      – Wenn man tatsächlich ein Interview führen möchte und der Interviewte nimmt vorher Einfluss auf meine Fragen oder zensiert hinterher sogar, dann ist es kein Interview mehr, sondern PR. In einem solchen Fall hätte man sich verweigern und dieses Verhalten öffentlich verurteilen müssen.
      – Es hätte viele Möglichkeiten gegeben es besser zu machen und ja, es hätten viele mit Sachverstand und guter Vorbereitung besser gemacht. In der Form war es gerade gut genug für den KiKa und schade um die verpasste Gelegenheit, die PR Masche dieser Person ins Gegenteil zu verkehren. Wie gerne hätte ich z.B. folgende Schlagzeilen gelesen:
      „YouTuber stellt unbequeme Fragen, Merkel bricht Interview ab“ oder „Youtuber wirft Merkel auf ausweichende Antworten Phrasendrescherei vor!“ Ein Traum wäre das!

      1. Gerne, aber leider werden nur Leute zu Interviews geladen, die 1. unkritisch genug sind und 2. einen gewissen Wirkungsradius auf bestimmte Zielgruppen haben. Mit anderen Worten, ich habe keine Chance eine Audienz bei Ihrer Majestät zu bekommen.

  14. „Warum gerade jetzt?“ – Also das ist doch die ultimative Frage eines jeden systemisch arbeitenden Psychotherapeuten… zum Einstieg in ein Gespräch. Altbewährt und immer wieder gut und hilfreich.

    Wie sich verhindern läßt, das ein Gespräch sich danach in nebulösen Worthülsen um sich selbst zu kreisen beginnt? Die Arbeit mit Symbolisierungen hilft – aber ob es jetzt ein toter Vogel sein muß? Doch warum nicht.

    Ich bin ja vor einiger Zeit von einem jungen Mann aus Dresden gefragt worden, ob ich glaube, daß wir Deutschen in zehn Jahren immer noch ins Ausland reisen dürfen. Da war ich erst einmal sprachlos. Er auch, weil er noch nicht einmal im Traum zu reisen in der Lage war. Sehr uncool.

  15. Exploiter trifft Exploiterin.
    Denkt der Exploiter still und leise: „Ich werde dich benutzen.“
    Denkt Angela Merkel: „Denkste!“

  16. Was für eine vergebene Gelegenheit diese Frau zu entzaubern!

    Ich gebe zu, LeFloid ist kein geübter Polit-Talker und Rhetorikprofi. Beides muss man allerdings sein um Merkel mit ihren hohlen Phrasen und Scheinheiligkeit gegen die Wand fahren zu lassen. Vor allem aber muss man inhaltlich sehr gut vorbereitet sein um nicht wie gesehen total in die Defensive zu geraten. Für seine Zielgruppe reicht es aber augenscheinlich, sich im Jugendgewand mit spastischen Bewegungen vor eine Kamera zu stellen und oberflächlich ein paar wichtige Themen anzuschneiden. Aber wen interessieren heutzutage schon differenzierte und komplexe Inhalte, wenn man für ein wenig hohles Gewäsch ganz viele Klicks, Likes oder Wählerstimmen bekommen kann? Alles andere kostet nur Zeit und Nerven.

    Naja, diese Audienz hätte es nie gegeben, wenn von LeFloid etwas Anspruchsvolles zu erwarten gewesen wäre. Von daher vergebe ich heute lediglich den großen Goebbels-Gedenkorden an Merkels PR-Berater!

  17. Die direkten Kommentare in Youtu*e (dieser Datenkrake) sagen etwas anderes als die Presse: Merkel hat ganz offensichtlich an der Zielgruppe vorbei geredet und das Video ist allerhöchstens ein Erfolg für den Blogger!

    In seinem Kanal gibt es Kommentare wie „und ihr stolzes Gesicht, als sie von den google hangout erzählt“ *totlach*

    Tja, als ob das die Generation unter 30 interessieren würde! – Google Hangouts! Wie kann man sich mehr täuschen?
    Wie wäre es statt einem Podcast mit einem TED Konferenz? Da könnte sie mal ganz locker erzählen, wie es ihr so geht. – Ach, das geht ja nicht.

    Vielleicht ist der einzige Artikel eben der Spiegelartikel der durch die Perspektive der Zielgruppe erzählt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lefloid-interviewt-angela-merkel-youtube-star-trifft-kanzlerin-a-1043496.html
    Besonders dreist ist der FAZ Artikel zu Video. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/youtuber-le-floid-interview-merkel-13701378.html zum apodiktischen „Absolut“ und der konsternierten Merkel – als ob die Faz die Zielgruppe so erreichen würde!

  18. So viel Selbstgerechtigkeit … soviel #neuland (selbst hier im Thread)

    Es war doch schon vorher klar, dass dies kein investigatives Interview werden wird. Hat das wirklich jemand erwartet? Seine Zuschauer glaube ich nicht. Wenn ich die Kommentare auf Youtube oder Reddit dazu lese, hat seine Zielgruppe einen ganz anderen Eindruck vom Video als er bei SPON, FAZ und Konsorten kolportiert wird … zumindest wird dort sehr kontroves diskutiert. Und geht es letztendlich nicht genau darum? Eine Diskussion anzustossen? Jungen Menschen die Politik näher zu bringen? Die klassischen Medien schaffen das ja kaum mehr.

    Mir ist es ehrlich gesagt lieber, ein solches „Interview“ OHNE Kommentare des Interviewers wird gezeigt, wo sich die Zuschauer selber mit den Merkel-Äusserungen auseinander setzten und ihre eigene Meinung bilden können, als die oft tendenziösen Informationen, die uns die klassischen Medien liefern.

    Ich kann LeFloid normal auch nicht ertragen … ja, seine Themen interessieren mich nicht mal groß. Aber ich bin ein alter Sack mit 50 und muss die (Bild-)Sprache der heutigen Jugendlichen gar nicht verstehen. Ich erlaube mir darum auch nicht meine Lebenserfahrung (wie so mancher hier und andernorts) auf einen, der mein Sohn sein könnte zu reflektieren. Gut, vielleicht hätte es Gronkh mit seinen 38 etwas besser gemacht, aber dem schau ich lieber beim Zocken zu.

  19. Wo war das „Netz“??
    Nicht nur, dass das Interview völlig unkritisch war, es hatte vor allem NICHTS mit „dem Netz“ zu tun. Warum macht man ein Interview im Internet, für das Internet, nennt es auch noch #NETZfragtMerkel und dann kommen keine echten Netz-spezifischen Fragen, sondern nur die immer gleichen Themen, die man in der Tagesschau schon tausendmal gehört hat!?
    Datenschutz war praktisch kein Thema, KEIN WORT ZUR VORRATSDATENSPEICHERUNG!

    Den korrekten Hashtag hat die taz gefunden, nämlich: #MerkelGrilltLeFloid
    http://www.taz.de/!5213065/

  20. Ich halte davon überhaupt nix. Wer da wen instrumentalisiert interessiert kein bisschen. Die angeblichen Diskussionen zu dem Interview sind auch nicht von Bedeutung wenn die Zielgruppen sowieso keine Ahnung von Politik und Volksverarsche sprich Medien haben. Der Horizont endet doch bereits abseits der Tastatur bzw. Touch Screen. Recherchen anstellen? Petitionen anstoßen? Solidarität bekunden (ja mit wem überhaupt)? Die Verstrickungen des Kanzleramts in die Geheimdienstaffären, die Anbiederung an die größten Kriegstreiber des Planeten und die pausenlose Alternativlosigkeit in politischen Entscheidungen, die das Zusammenleben in ganz Europa betreffen, zeigt mir ganz genau wie Merkel und Konsorten ticken. Da gibt es nichts mehr zu propagieren oder „aufzuklären“ wie man das seit neuestem nennt.

    Diese Leute haben seit langem schon keinen vor den Latz geballert bekommen. Woher sollten sie auch. Stammkunden sind allerorts vorhanden. Konsequenzen für Landesverrat kennen die nicht. Komplizen und Kollaborateure in der Staatsanwaltschaft und die Freunde im Rücken, bzw. Presse an der Seite um alles erdenkliche als legitim zu brandmarken. Eben, der Zweck heiligt die Mittel.

  21. Ich finde Andreas hat den Sachverhalt in seinem etwas längeren Kommentar sehr gut erläutert – sehr lesenswert. Was ich sehr symbolisch für die heutige Gesellschaft finde: die Reaktion der YouTuber in den Kommentaren. Es wird von „Neid der klassischen Medien“ gesprochen, von „Missgunst“ und solche Pro-Kommentare „Ich finde es gut, dass Merkel höftlich mit ihm umgeht, nicht so wie Stefan Raab YT wie Mist behandelt“. Es wird schlicht die, teils durchaus berechtigte, Kritik überblendet mit eigenen Vorwürfen, um nur nicht auf die Kernaussagen der Kritiker eingehen zu müssen.

    Was ich fast schon lächerlich finde, ist dieses persönlich Einsetzen für LeFloid – macht mal bitte halblang. Er steht per se schon in YT in der Öffentlichkeit, muss also zwangsläufig mit Kritik (berechtigter und unberechtigter) klar kommen. Jeder Journalist kann bestätigen, dass seine Arbeit sicherlich nicht kritiklos angenommen wird. Kontroversen gehören dazu, ebenso die öffentliche Bewertung der Arbeit.

    Mir persönlich war das „Interview“ ebenfalls zu wenig kontrovers. Hier haben zum einen einige härtere Fragen gefehlt und zum anderen hatte er nicht den Willen, die Erlaubnis oder die Wortgewandheit (im Angesicht der Fr. Merkel) die Antworten kritisch zu hinterfragen. Das ist bei Personen wie Merkel ohne entsprechende Übung für Laien imho beinahe unmöglich zu machen, da diese mit so etwas tagtäglich jonglieren. Dann muss man sich aber auch die entsprechende Kritik anhören können.

    PS: Mich erinnert das Verhalten in seinen YT Kommentaren fast etwas an die Technikdiskussionen mit Apple-Hardware Eigentümern – ist ähnlich interessant.

  22. Gratulation Frau Merkel!
    Leimrute ausgelegt, alle kleben daran. „Das Netz“ hat eh nix gefragt, und nun ist es sogar zerrissen. Gute Arbeit. Umfragewerte steigen weiter.
    Das junge Wahlvolk braucht Häppchen, nach denen es schnappen kann, sonst beschäftigt sich der Nachwux(!) noch mit relevanten Themen – und das gilt es doch zu verhindern, oder?

  23. Hmmm … so viel Merkel wie heute habe ich mir echt schon lange nicht mehr angehört.
    Kann mir jemand den Unterschied zwischen LeFloid und den beiden Interviews hier erklären?
    Warum gibt es da keine so große Entrüstung?

    Die Fragen sind vllt. etwas feiner und tiefergehend ausformuliert, aber es wird genauso wenig kritisch nachgehakt. Die Profi-Journalisten platzieren zwar nach jeder Antwort EINE Nachfrage (macht man halt so), aber i.d.R. wiederholt unsere Raute das vorher gesagte … und dann fertig. Mehr als heiße Luft wird hier auch nicht aufgewirbelt.

    https://www.youtube.com/watch?v=AY9d4FCed4s (ARD Sommerinterview 2013)
    https://www.youtube.com/watch?v=PmDU_KCQ5oI (ARD Sommerinterview 2014)

    Ich sehe da nicht wirklich eine signifikanen Unterschied. Und dafür bezahlen wir auch noch!

    1. LeFloid ist erst recht kein Marc Maron, der am 19. Juni, zwei Tage nach dem Mord an neun Afroamerikanern in einer Kirche in Charleston durch den Rassisten Dylann R., niemand Geringeren als den POTUS, Barack Obama, im Rahmen der 613. Folge seines Podcasts „WTF with Marc Maron“ begrüßen durfte.

      In Highland Park, Los Angeles, California.
      In einem Stadtteil von L. A. mit 11,3 Prozent Weißen, 2,4 Prozent Schwarzen und 72,4 Prozent Latinos, mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von jährlich 45.000 Dollar (was in etwa der Durchschnitt auch für die City of Los Angeles ist).
      In seiner Garage.

      Nochmal deutlich: Barack Obama hat Marc Maron nicht ins Weiße Haus eingeladen, Maron musste keinen Flug bezahlen und keine Unterbringung – der amtierende 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der Commander In Chief, der aktuell möglicherweise gefährdetste Staatsmann der Welt, ist mit der Air Force One von Washington, D. C. nach Los Angeles geflogen, wurde vom Flughafen (wahrscheinlich dem Bob Hope Airport in Burbank) in einer gepanzerten Limousine in einen nordöstlichen Stadtteil gefahren, um dort im Haus des Interviewers in einem kleinen, wirklich kleinen Podcast-Studio (http://marcmeetsobama.com/) in dessen Garage mehr als eine Stunde lang Rede und Antwort zu stehen.

      http://www.wtfpod.com/podcast/episodes/episode_613_-_president_barack_obama

      Man merkt die Unterschiede. Unterschiede zwischen Marc Maron und LeFloid. Zwischen Barack Obama und Angela Merkel (vor allem hinsichtlich politischer Ziele und Visionen). Zwischen den Formaten. Vor allem aber im Verständnis des Begriffes „Politik“.

  24. Liebe Netzpolitik.org Mannschaft,

    bin sehr von Euch enttäuscht und mache mir jetzt Gedanken, wie ich weitere Artikel von Euch bewerten muss.

    Der Floidtyp ist ein netter Kerl, kein harzer Journalist. Das Interview zeigt, wie Volksfremd Merkel ist, wie abweisend und uninteressiert an den Leuten ist, die sie wählen.

    Warum hackt ihr auf dem Kerl rum, der für uns höflich Fragen stellt?

    Schade, sehr schade

    1. Das „harzer Journalist“ verleitet ja fast schon zum Bashing, aber wir sind ja lieb zueinander. ;-) Gibt dem Kommentar allerdings eine gewisse Note.

      Ich bin der Ansicht man muss schon etwas differenzieren. LeFloid stellt sich tagtäglich vor die Kamera und kommentiert dort, teils sogar ziemlich großspurig, das Tagesgeschehen. Er ist vor der Kamera also nicht unbedingt ein völliger Laie – auch wenn es zugegebenermaßen etwas anderes ist. Aber erst groß die Werbetrommel für das Gespräch rühren, auch kritische Fragen einfordern und dann dieser dargestellte Weichspülgang. Da kann er so nett sein wie er mag (was aber nun auch gar nichts mit Interview und Kritik zu tun hat, sondern nur wieder Befindlichkeiten der Fans abbildet) dafür wird er sich Kritik anhören müssen.

      Das Irrsinnige daran ist, dass jetzt – zum Großteil Fans – auf die Medien einschlagen, sie sollen doch den armen Jungen in Ruhe lassen. Nur so am Rande: LeFloid verdient Geld damit, das nicht so knapp und es ist ihm wahrscheinlich sehr wohl bewusst, dass man nicht nur Lobeshymnen auf ihn singt. Wer ein bisschen durch die Kommentare unter dem Video gestöbert hat, findet da selbst von Abonnenten Kritik an der Art des Interviews, der Fragenauswahl und v. a. der mangelnden Reaktion und Nachfassens seitens LeFloid. Diese Kommentare verschwinden aber schnell nach unten durch die schiere Masse an Likes der Fanbase an rein positiven Kommentaren. Kritik ist dazu da um zu reflektieren und sich selbst ggf. zu verbessern und nicht um weg-geliked zu werden. :-)

      MfG

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