Der Youtuber LeFloid hat heute ein Videointerview mit Angela Merkel in seinen Kanal gestellt. LeFloid war vom Bundespresseamt eingeladen worden, Angela Merkel zu interviewen, weil die Bundesregierung ja jetzt einen „sehr coolen“ Bürgerdialog veranstaltet. Im Vorfeld hatte es zu dem Interview einige Debatten gegeben, wir haben uns da lieber vornehm zurückgehalten, um uns vom Ergebnis überraschen zu lassen.
Im Grunde genommen war es auch nicht das erste Mal, dass Angela Merkel von einem Videoblogger interviewt wurde, bereits vor bald zehn Jahren konnte die damalige Bloggerin (und jetzige Spiegel-Online-Geschäftsführerin) Katharina Borchert die damals frische Kanzlerin in Videoform interviewen.
Jetzt also LeFloid, einer der wenigen bekannten Youtuber mit gesellschaftspolitischem Anspruch und Zugang zu einer Zielgruppe, die über klassische Medien kaum noch erreicht werden kann. Und an die die CDU und das Bundeskanzleramt gerne ran kommen würde.
LeFloid hatte bereits im Vorfeld schon Erwartungen zurück gewiesen, dass er dort als Politikjournalist auftreten würde. Und gerade deswegen war er wohl auch ausgewählt worden, denn Interviews mit Politikjournalisten, vor allem auch noch mehr oder weniger ungeschnitten führt Angela Merkel sehr selten. Die könnten ja mal harte Fragen stellen.
In dem rund 30 Minuten Interview übernimmt LeFloid dann auch eine Rolle, die man aus den wöchentlichen Merkel-Podcasts kennt. Als leicht eingeschüchteter Fragensteller gibt er meist nur Stichpunkte in vollkommen verklausulierten Fragen vor, auf die Angela Merkel dann antwortet – oder auch nicht. Manchmal hakte er nach, aber die Rückfragen waren dann wiederum recht devot formuliert, dass Merkel wiederum nicht wirklich antwortete. Standard-Lückenfüller von LeFloid als Überleitung zur nächsten Frage war dann auch „Sehr cool“. Fand ich eher uncool, war aber wahrscheinlich nur Unsicherheit oder Überforderung.
Im Endeffekt haben sich beide gegenseitig instrumentalisiert
Das Bundeskanzleramt und das Bundespresseamt dürften sich freuen, dass hier Angela Merkel als sehr cool vom Platz gehen konnte, ohne jetzt viel sagen zu müssen. Endlich auch mal die Jugend erreicht, die die Merkel-Podcasts eher nicht sehen. LeFloid darf sich freuen, dass er als erster Youtuber die Bundeskanzlerin interviewen konnte. Und damit auch im Mainstream und in den alten Medien angekommen zu sein. Auch wenn er damit das Makel davon tragen könnte, als freiwilliger Wahlkämpfer für Angela Merkel agiert zu haben.
Drei Minuten lang ging es ab Minute zehn dann auch um Netzpolitik, hier vor allem um Whistlewblower und irgendwie um den NSA-Skandal. Das hörte sich dann so an:
„Ich finde im Übrigen, dass das, was man an Informationen aus so was raus kriegt, die Sache nicht wert ist, wenn man dafür soviel abhört und da gibt es gravierende Unterschiede zwischen uns und den Vereinigten Staaten von Amerika.“
oder
„Und ich sag nochmal: Die Bundesrepublik ist auch ein großes Land. Und ich glaube, dass wir mit unseren Freunden gut verhandeln können, ohne dass wir vorher haufenweise Informationen abhören.“
Es gab einen kurzen Moment, wo eine Frage mal etwas intelligenter gestellt war und man die Antwort vielleicht nochmal irgendwann verwenden kann:
LeFloid: „Spielt es in ihren Augen eine Rolle, wo ein Whistleblower her kommt? Hatte Edward Snowden jetzt Pech, dass er ausgerechnet mit den USA angelegt hat. Wäre der Umgang vielleicht etwas anders gewesen, wenn es ein russischer Whistleblower gewesen wäre?“
Angela Merkel: „Nö, von unserer Sicht aus nicht. Nee. Scheint schwieriger zu sein, in Russland, ein richtiger Whistlewbloer zu sein. Weiß nicht, wie viel Sie kennen?“
Zum Schluss ging es noch kurz um eine alte Debatte um einen Google-Hangout und medienrechtliche Fragestellungen, ob Angela Merkel mit solchen Formaten einen Fernsehsender betreiben würde. Sie schloss diesen Punkt mit den Worten:
„Wird auch nicht gerne gesehen. Da fehlt der kritische Frager.“
Der kritische Frager fehlte in diesem Youtube-Interview leider auch. Das war der klassische Angela Merkel-Podcast, nur dass diesmal die Fragen einfach LeFloid stellte und selbst für den Dreh und seine Zeit bezahlen musste, anstatt dass das von unseren Steuergeldern gezahlt wird. Dafür schauen das in diesem Fall sicher auch mehr Menschen.
Sehr cool für Angela Merkel. Im Kanzleramt dürften die Korken knallen.
