Generell

„Fuck off Google“ vom Unsichtbaren Komitee nun auch auf deutsch

Auf Indymedia ist die deutsche Version des Vortrags „Fuck off Google“ jetzt auch auf deutsch erschienen. Der Text wurde vom „Unsichtbaren Kommitee“ auf dem 31C3 in Hamburg vorgetragen, damals aber auf englisch. Untertitelt war die Veranstaltung mit „Cybernetics, Anti-Terrorism, and the ongoing case against the Tarnac 10“.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Die „Tarnac 10“ wurden 2008 in einer spektakulären Polizeirazzia verhaftet, weil sie angeblich Oberleitungen von Hochgeschwindigkeitszügen sabotiert hätten (zunächst firmierten sie „Tarnac 9“, weil eine Verwandte, die mit verhaftet wurde und bald wieder freikam, nicht mitgezählt wurde). Nach den Verhaftungen setzten sich zahlreiche bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten für die Freilassung ein.

Während die meisten kurz darauf aus der Untersuchungshaft entlassen wurden, musste einzig Julien Coupat unter dem Vorwurf der intellektuellen „Rädelsführerschaft“ mehrere Monate im Gefängnis verbringen. Mittlerweile kam heraus, dass die französischen Ermittlungen auf den Aussagen des dubiosen britischen Polizeispitzels Mark Kennedy beruhen. Der Hinweis kam jedoch vermutlich vom FBI, für das Kennedy offensichtlich ebenfalls gearbeitet hatte.

Einen Mitschnitt der Veranstaltung in Hamburg gibt es hier (allerdings weist die Kamera ins Leere).

Hier ein Auszug:

Die großen runtergekühlten Datenspeicher bilden die Vorratskammer der derzeitigen Regierung. Die durch den Alltag der vernetzten Menschen permanent erzeugten und aktualisierten Datenbanken durchstöbernd, sucht sie nach Korrelationen, mit deren Hilfe nicht universelle Gesetze aufgestellt werden und auch nicht nach dem „Warum“ gefragt wird, sondern nach dem „Wann“ und „Was“, nach punktuellen, situierten Voraussagen, Orakeln. Das Unvorhersehbare managen, das Unregierbare regieren und nicht mehr versuchen, es abzuschaffen, das ist der erklärte Ehrgeiz der Kybernetik. Die kybernetische Regierung will nicht nur, wie zu Zeiten der politischen Ökonomie, Handlungen voraussehen, um sie zu steuern, sie will direkt auf das Virtuelle Einfluss nehmen, die Vielfalt des Möglichen strukturieren. Die Polizei von Los Angeles hat vor einigen Jahren eine neue Informatiksoftware namens „Prepol“ angeschafft. Sie berechnet für jeden Stadtteil, jede Straße anhand einer Foulitude [Anm. d. Ü.: Wortschöpfung aus Menge (la foule) + Multitude] von Statistiken über das Verbrechen, mit welcher Wahrscheinlichkeit irgendein Verbrechen begangen werden könnte. Aufgrund dieser in Echtzeit permanent aktualisierten Wahrscheinlichkeiten ordnet die Software selbst die Polizeipatrouillen in der Stadt an. Ein Kybernetiker-Pater schrieb 1948 in Le Monde: „Wir können von der Zeit träumen, in der die machine à gouverner die gegenwärtige offensichtliche Unzulänglichkeit des mit der herkömmlichen politischen Maschinerie befassten Gehirns aus dem Weg räumen wird – zum Guten oder zum Bösen.“ Jede Zeit träumt von der nächsten, auf die Gefahr hin, dass der Traum der einen zum täglichen Albtraum der anderen wird.

Im April soll der Text in einer Langfassung als Buch bei Nautilus erscheinen.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.