Überwachung

Washington Post bekommt NSA-Cache von Snowden mit konkreten Überwachungsdaten

Communication breakdown - The Washington Post 2014-07-06 09-19-08Die Waschington Post berichtet über NSA-Überwachungsdaten, die Edward Snowden kopiert und den Journalisten zur Verfügung gestellt hat. Erstmals geht es nicht um konkrete Überwachungsprogramme, sondern um die Datensätze, die damit gespeichert worden sind. Wie zu erwarten: Sehr viele Unschuldige fallen ins Raster. In NSA-intercepted data, those not targeted far outnumber the foreigners who are.


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Die Datensätze stammen aus einem FISA-Cache und sollten gesondert geschützt sein. Darunter fallen 160.000 überwachte eMail- und Instant-Messaging-Gespräche, eine davon hunderte Seite lang und 7900 Dokumente von ingsgesamt mehr als 11.000 Online-Accounts. Ein von neun Datensätzen soll was mit konkreten Verdächtigen zu tun haben, acht von neun Datensätze stammen von unschuldigen Bürgern, die einfach nur Pech hatten. Um diese alle zu ermitteln musste man auch erstmal alles überwachen, um diese rausrastern zu können. Wie man sich das vorstellen kann, funktionierte es auch nicht, US-Bürger händisch oder maschinell rauszufiltern. (Der BND soll ja .de-Mailadressen automatisch rausfiltern und damit die Verfassung achten).

Many other files, described as useless by the analysts but nonetheless retained, have a startlingly intimate, even voyeuristic quality. They tell stories of love and heartbreak, illicit sexual liaisons, mental-health crises, political and religious conversions, financial anxieties and disappointed hopes. The daily lives of more than 10,000 account holders who were not targeted are catalogued and recorded nevertheless.

Was man berücksichtigen sollte: Die Washington Post interessiert sich vor allem für die Frage, wieviele US-Bürger als Unschuldige überwacht wurden. Unschuldige Nicht-US-Bürger waren für die Frage weniger relevant.

Die offiziellen Überwachungszahlen wird man wohl korrigieren müssen:

In a June 26 “transparency report,” the Office of the Director of National Intelligence disclosed that 89,138 people were targets of last year’s collection under FISA Section 702. At the 9-to-1 ratio of incidental collection in Snowden’s sample, the office’s figure would correspond to nearly 900,000 accounts, targeted or not, under surveillance.

Noch im Mai hatte der ehemalige NSA-Chef General Keith Alexander erklärt, dass Edward Snowden auf keinen Fall auf solche Überwachungsdaten haben zugreifen können und lügen würde, wenn er das behauptet. Jetzt wurde Keith Alexander erneut einer Lüge überführt.

Ein Problem der Snowden-Enthüllungen war bisher, dass es sich eher um Beschreibungen von Überwachungsprogrammen handelte, was vielen zu unkonkret und threoretisch war. Im vergangenen Herbst gab es eine Diskussion darüber, ob das in unserem Politikfeld mit Tschernobyl für die Umweltbewegung vergleichbar sei. Dafür spricht einiges, vor allem die riesige mediale Aufmerksamkeit, wenn auch die Öffentlichkeit an sich etwas zurückhaltend agiert. Mittlerweile bin ich eher überzeugt, dass es noch davor einzuordnen sei, ähnlich einem Atomwissenschaftler, der mit Bauplänen an die Öffentlichkeit geht und erklärt, was bei einem GAU passieren könnte. Mit anderen Worten: Hätten wir die Verbindungsdaten von Angela Merkels Handy über drei Ebenen oder gar die Transcripte der Telefonate, dann wäre es konkreter und fassbarer für viele, was es bedeutet, dass Angela Merkel abgehört wird. Insofern ist es zu begrüssen, dass es mittlerweile konkreter wird.

Apropos anlasslose Überwachung: Wie hat eigentlich unser Verfassungsschutz die Mail gefunden, die der mutmaßliche BND-Doppelagent der russischen Botschaft zwecks Angebots geschrieben haben soll?

13 Kommentare
  1. Klaro der Spitzel hat sich über die von der NSA u. Co. überwachten Google-Mail bei den Russen angeboten. Was ist den das für ne „Legende“? Da hätte ja der Spitzel auch gleich ne Ansichtskarte per bundesdeutscher Schleichpost nach Moskau senden können. Übrigens, die Post egal welcher Art, wird auch von den Diensten gelesen u. unterliegt den gleichen Beschränkungen wie die elektronische Kommunikation! (Das mal als allgemeiner Hinweis!).
    Die Märchenerzähler bei den deutschen Diensten scheinen grottenschlecht zu sein. Warum sollte es überhaupt solche Spitzel geben? Das Endeckungsrisiko ist doch viel zu groß. Über die all ungesicherten PC’s, Handys,Tabletts, Smartphones u. den ungesicherten Datenleitungen dürften die Amis u. übrigens auch der Rest der Welt, alle Infos von den Abgeordneten u. den sonstigen deutschen Amtsstuben wie auf dem Präsentierteller automatisch zugesendet bekommen. Die deutsche IT-Sicherheit ist doch gerade zu lächerlich. Die US-Botschaft legt in Reichweite des Bundestages. Wer so was zulässt der will gar keine Sicherheit schaffen. Die ganze Geschichte stinkt gewaltig nach einer Ablenkung von einer anderen Sauerei!!!

  2. Und wo ist der Beweis, dass Keith Alexander gelogen hat? Lügt hier Beckedahl, oder kennt er den Unterschied zwischen Unwahrheit sagen und lügen nicht?

  3. @Klaus 6. Jul 2014 @ 12:51

    Was denn genau ist den deiner bescheidenen Meinung nach der Unterschied zwischen „die UNwahrheit sagen“ und „Lügen“?!

  4. Ist auch ein bisschen zu vergleichen mit dem offenen Brief, den Einstein und andere Atomforscher vergeblich formulierten um den Einsatz der Bombe zu verhindern. http://de.wikipedia.org/wiki/Einstein#Einsteins_Unterschrift_zur_Atombombe

    Was es braucht ist eine internationale Abrüstung der Geheimdienste, parallel zur nuklearen (START-Verträge) und atomaren Abrüstung. Strikte Budgetbegrenzungen und ein festes Datum, ab dem Geheimdienstarbeit im Ausland geächtet und nicht mehr betrieben wird.

    In einer Welt, die langsam erkennt, dass alle Menschen Menschen sind, ist das Hintergehen, Bespitzeln und Betrügen Anderer aufgrund ihrer geographischen Lage schlichtweg unmoralisch und gehört abgeschafft. Staatlich sanktionierter Rassismus und Diskriminierung haben in Ländern, die eine Achtung der Menschenrechte für sich in Anspruch nehmen, nichts zu suchen.

    Staaten dürfen keine Geheimnisse gegenüber ihren Bürgern haben. Nur so können sie sich im 21. Jahrhundert überhaupt noch rechtfertigen.

  5. die lügen alle nicht. die tun ihre dienstpflicht. und die wiegt so schwer, dass sich sogar die realität den erdrückenden notwendigkeiten des staatswohls fügt.

    .~.

  6. @JensE: Lügen bedingen die Absicht, eine Unwahrheit zu sagen. Die Unwahrheit kann man aber auch aus anderen Gründen sagen; bspw. aus Versehen (Versprecher, falsche Erinnerungen, Fehlinterpretationen etc.) oder aufgrund falscher Information.

    1. Also hat Keith Alexander emtweder aus Versehen die Unwahrheit gesagt, was bedeuten würde, er hätte davon selbst nicht gewusst. Oder er hat bewusst gelogen.

      Unter Strich also Inkompetenz vs. bewusste Täuschung … beides gute Aussichten …

  7. Ein Chef einer Behörde kann nicht alles wissen und muss sich gegebenenfalls auf seine Mitarbeiter verlassen. Sollte er angelogen worden sein, so war es weder „Inkompetenz“ noch „bewusste Täuschung“. Das mag zwar so sein, ohne genauere Informationen kann man das aber nicht beurteilen; auch wenn das hier sicherlich viele nicht stören wird.

    Was man beurteilen kann, ist das Beckedahl hier entweder verleumdet oder üble Nachrede betreibt und so etwas schadet seiner Glaubwürdigkeit.

    1. Ein Chef einer Behörde kann nicht alles wissen und muss sich gegebenenfalls auf seine Mitarbeiter verlassen.

      o.O. ja natürlich, aber das schützt ihn doch nicht in diesem Fall!

      Wir reden wir ja nicht davon, dass in der Jahresbilanz zwei Zahlen
      durcheinander gekommen sind. Wir reden hier von den grundlegenden
      Sicherheitsrichtlinien („wer darf was“) innerhalb des Geheimdienstes.

      Ich darf doch wohl von einem Geheimdienst-Chef erwarten, dass er sich innerhalb
      eines 13 monatigen Skandals darüber informieren kann, welche Daten so ein
      Analyst wie Snowden hätte abgreifen können und welche nicht. Okay, Alexander ist
      mittlerweile in Rente, dann halt sein Nachfolger…

      Und selbst wenn du davon ausgehst, dass Alexander „einfach“ falsch
      informiert worden ist. Dann wäre es spätestens jetzt an der Zeit,
      die verantwortlichen Untergebenen zu feuern. Mal ganz davon abgesehn, dass
      du als Chef schon für den Kram (mit)verantwortlich bist, den deine
      Untergebenen veranstalten.

      Drehe es wie du willst, jdm innerhalb der NSA hat rießigen Mist gebaut und
      muss dafür zur Verantwortung gezogen werden. Und Keith Alexander trägt dabei
      definitiv eine Teilschuld.

  8. 1:9-Verhältnis bedeutet doch, dass 9 von 10 unverdächtig sind und dennoch ausspioniert werden. Also noch schlimmer, als ihr schreibt.

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