Schriftliche Anhörung zu Open Educational Ressources: Noch einmal 24 Fragen und Antworten

500px-Global_Open_Educational_Resources_Logo.svgIm November 2012 habe ich bereits einmal an dieser Stelle meine Antworten auf 35 Fragen von Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Kultusministerkonferenz (KMK) im Vorfeld einer mündlichen Anhörung verbloggt. Im Nachgang dazu (vgl. mein Protokoll des Anhörung) wurden nicht nur Studien erstellt sondern auch eine „Arbeitsgruppe KMK/BMBF zu ‚Open Educational Ressources‘ (OER)“ gebildet. Diese Arbeitsgruppe hat jetzt Anfang des Monats neuerlich einen Fragenkatalog zum Thema im Rahmen einer „schriftlichen Anhörung“ ausgeschickt. Die erfreuliche Nachricht für AdressatInnen wie mich: statt 35 sind es mittlerweile nur noch 24 Fragen. Im folgenden wieder meine Antworten. Da sich einige Fragen mit jenen des OER-Fragebogens des BMBF aus dem Jahr 2012 decken, habe ich an manchen Stellen, wo keine Aktualisierung erforderlich war, auf die damaligen Antworten zurückgegriffen.

1. Ausgangslage

1a. Welche Definition von OER legen Sie zugrunde?

Meinem Verständnis von OER am nächsten kommt die Definition der Pariser Erklärung im Rahmen der UNESCO OER-Konferenz 2012: Open Educational Resources sind demnach „Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang, sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlauben.“

1b. Inwieweit sammelt, erstellt oder distribuiert Ihre Institution OER?

An meiner Institution, der Freien Universität Berlin, gibt es zum derzeitigen Zeitpunkt kein institutionelles bzw. offizielles OER-Programm. Die Erstellung und Distribution von OER sowie diesbezügliche Informationsangebote gehen deshalb bislang ausschließlich auf Eigeninitiative von Lehrenden und sonstigen Bediensteten der FU zurück. Eine derartige Initiative ist der CeDis OER Workshop. Ich selbst habe im Wintersemester die Unterlagen meiner Lehrveranstaltung „Management, Marketing und Informationssystem“ im Rahmen des Masterstudiengangs Wirtschaftsinformatik als OER in Form eines Lehrveranstaltungswikis publiziert.

1c. Welche Maßnahmen zur Qualitätssicherung führen Sie dabei durch?

Wie aus obiger Antwort bereits hervorgeht, gibt es auch keine institutionalisierte Qualitätssicherung für OER an der FU Berlin. Diese gibt es aber auch für sonstige Lehr- und Lernmaterialien, die von Lehrenden an der FU Berlin selbst erstellt werden, nicht.

2. Recht

2a. Welche rechtlichen Kriterien bzw. Vorgaben sind bei der Erstellung und der Lizensierung von OER Ihrer Meinung nach von Bedeutung?

Neben der schon definitionsgemäß erforderlichen offenen Lizenzierung ist die Nutzung von Standardlizenzen entscheidend. Das wichtigste bei der Lizenzwahl im Bereich OER sind in diesem Zusammenhang zwei Punkte: Erstens sollte die Lizenz so offen wie möglich sein, um eine Rekombination von Inhalten zu erleichtern. Zweitens sollte auf Standardlizenzen oder damit kompatible Lizenzen (z.B. Creative Commons) zurückgegriffen werden (siehe auch unten, zu 2d).

2b. Hindern bestehende rechtliche Vorgaben die Erstellung und Lizensierung von OER in Deutschland?

Die bestehenden rechtlichen Vorgaben im Bereiche des Bildungs- und Wissenschaftsurheberrecht stellen eine der größten Hürden für die Erstellung und Verbreitung von OER überhaupt dar. Das ist nicht nur Ergebnis meiner eigenen Forschung zu dem Thema, wo dieser Umstand sowohl von Lehrenden als auch von Bildungsmedienverlagen in Interviews unisono bestätigt wurde, sondern folgt beispielsweise auch aus der kürzlich veröffentlichten Studie Katharina de la Durantayes, die detailliert nachweist, dass die bestehenden Schrankenregelungen im Bereich des Urheberrechts Erstellung, Austausch und Nutzung von Bildungsmaterialien erschweren.

2c. Wo sind ggf. rechtliche Modifikationen erforderlich?

Konkret verhindern beispielsweise eine viel zu enge Zitatschranke sowie das erst 2008 nach Lobbying der Bildungsmedienverlage ins Urheberrechtsgesetz eingefügte Verbot des §53 Abs. 3 UrhG auch nur „kleinste Teile“ von Unterrichtsmaterialien elektronisch zugänglich zu machen. Beides zusammen erschwert auch die Integration kleinster Teile in OER-Lernmittel und ist dringend reformbedürftig. Weitere rechtliche Anpassungen zur Förderung von OER sind im Bereich der Regulierung hinsichtlich Erstellung und Finanzierung von Lernunterlagen (Zuwendungsrecht), insbesondere im Schulbuchbereich, erforderlich, um die Entstehung von OER-basierten Geschäftsmodellen auf Anbieterseite zu unterstützen.

2d. Wäre eine Lizenzierung nach dem Creative-Commons-Standard für OER in Deutschland sinnvoll? Wenn ja, in welcher Modulkombination?

Eine Nutzung von Creative Commons ist äußerst empfehlenswert. Der Vorteil von Standardlizenzen wie Creative Commons ist, dass dafür auch an das deutsche Recht angepasste Lizenzversionen vorliegen und diese auch in Deutschland bereits hinsichtlich ihrer gerichtlichen Durchsetzbarkeit erprobt sind. Hinzu kommt, dass Creative-Commons-Lizenzen auf Besonderheiten des Europäischen Urheberrechts wie weitreichende Urheberpersönlichkeitsrechte Rücksicht nehmen. Bei der Wahl konkreter Lizenzmodule geht der Trend inzwischen klar in Richtung offenere Lizenzen, also CC-BY oder CC-BY-SA, die auch mit Inhalten der Wikipedia und deren Schwesterprojekten (z.B. Wikibooks) kompatibel und damit kombinierbar sind.

Vor allem die Verwendung des Lizenzmoduls, das kommerzielle Nutzung ausschließt („NonCommercial“ bzw. NC), wird in der Debatte um OER vermehrt kritisch diskutiert, weil sie Kombinierbarkeit und damit einen zentralen Vorteil von OER erschwert (vgl. zu diesem Themenbereich eine von Creative Commons Deutschland, Wikimedia Deutschland e.V. und irights.info herausgegebene Broschüre: „Freies Wissen Dank Creative-Commons-Lizenzen“, PDF) . Gegen die Verwendung des NC-Moduls spricht nicht zuletzt, dass dieses vor allem für jene Einsatzbereiche gedacht ist, in denen die Möglichkeit selektiv-marktlicher Verwertung von Inhalten vorbehalten bleiben soll. Im Bereich öffentlich finanzierter Bildungsunterlagen ist die Verwendung dieses Lizenzmoduls aber größtenteils eher kontraproduktiv, weil kreative Nutzungsweisen erschwert werden ohne dadurch substantielle Erlösquellen zu erschließen.

3. Technik

3a. Welche technischen Anforderungen sind Ihrer Meinung nach Grundvor- aussetzung für die Bereitstellung, Verwaltung, Weiterverarbeitung/ -verwendung und Nutzung eines wachsenden OER-Bestandes?

Die Hauptherausforderungen für den erfolgreichen Einsatz von OER sind organisatorischer, finanzieller und rechtlicher Natur. Die technischen Anforderungen für OER sind verglichen damit gering und betreffen vor allem den Bereich der Vernetzung und Erfassung von OER-Beständen. Zentral aus technischer Sicht ist, dass OER definitionsgemäß in offenen Formaten zugänglich gemacht werden müssen und demnach auch auf verschiedensten Endgeräten zum Einsatz kommen können. Diese Formate existieren, sie müssen nur genutzt werden.

3b. Welche dieser Voraussetzungen sehen Sie als bereits erfüllt an und in welchen Bereichen sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Ganz allgemein gibt es noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf im Bereich von Metadaten-Erfassung, Einbettung von Lizenzinformationen sowie Vernetzung verteilter Repositorien. Forschung findet hier im Bereich von Semantic-Web-Technologien statt. Das ist aber keine Voraussetzung für die Einführung von OER, sondern kann eher deren Effektivität und Potentiale in der Zukunft noch weiter steigern. In diesem Zusammenhang liegt mit der im Nachgang zur letzten OER-Anhörung des BMBF erstellten Studie von Frauke Ziedorn, Elena Derr und Janna Neumann zu Metadaten für OER auch bereits eine erste Untersuchung vor (PDF).

4. Ökonomie

4a. Wer könnte den mit OER jeweils verbundenen Aufwand – aufgeschlüsselt nach Erstellung, Sammlung, Aufbereitung und Vertrieb – Ihrer Meinung nach finanzieren?

Prinzipiell sollte die Finanzierung von OER auf dieselbe Weise erfolgen, mit der schon heute Lehr- und Lernmittel finanziert werden – im Idealfall aus öffentlichen (Steuer-)Mitteln, ggf. ergänzt um Elternbeiträge.

  • Erstellung: Die bloße Erstellung von OER sollte auch nicht zu Mehraufwänden führen. Im Schulbereich ist es beispielsweise in Berlin so, dass Schulen Mittel pro Schüler erhalten, die sie autonom für die Anschaffung von Lernmitteln einsetzen können. Hier gilt Modelle zu entwickeln, wie diese Mittel auch für OER-Erstellung verwendet werden können (siehe auch c). Eine von mir verantwortete Studie, die u.a. auch diese Frage für den Fall Berlin adressiert, wird derzeit gerade gemeinsam mit der Technologiestiftung Berlin finalisiert und voraussichtlich Mitte Mai 2014 präsentiert werden.
  • Sammlung/Aufbereitung: Schon heute gibt es Einrichtungen wie z.B. den Bildungsserver Berlin-Brandenburg und Bildungsportale der Länder (z.B. in das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen). Hier geht es darum, in vorhandenen Strukturen quasi OER-Mainstreaming zu betreiben, ohne dass es zu großen Mehrkosten kommen muss. Vor allem aber erlauben die offenen Lizenzen von OER auch den Aufbau von OER-Portalen durch Dritte.
  • Vertrieb: Professionell erstellte OER kann wie bisher durch kommerzielle Anbieter von Lernmitteln (z.B. Verlagen) oder gemeinnützigen Anbietern erfolgen.

Zwischenfazit: Kurzfristig sind mit einem verstärkten Engagement im Bereich von OER Mehrinvestitionen für den Aufbau von Infrastruktur und Kompetenzen erforderlich. Mittelfristig könnte ein verstärkter Wettbewerb aber leicht kostendämpfende Folgen haben.

4b. Wie hoch schätzen Sie das Finanzierungsvolumen?

Für eine seriöse Schätzung des Finanzierungsvolumens von Umstellungskosten sowie die Finanzierung von Pilotprojekten sind, auf Grund unterschiedlicher Rahmenbedingungen, länder- und bereichsspezifische Machbarkeitsstudien erforderlich. Hinzu kommen Anschubfinanzierungen in Form von Wettbewerben zur OER-Erstellung.

4c. Welche neuen Geschäftsmodelle sind in Bezug auf OER aus Ihrer Sicht denkbar?

Ein denkbares Geschäftsmodell ist die wettbewerbliche Ausschreibung von OER-Lernmitteln. Ein weiteres denkbares neues Geschäftsmodell ist die (Vor-)Finanzierung von OER-Lernmitteln mittels einer Crowdfunding-Logik: auf Basis detaillierter Angebote und Konzepte für OER-Lernmittel entscheiden sich Bildungseinrichtungen wie bisher für oder gegen eine Anschaffung; nur wenn sich genügend Bildungsträger zur Kostenbeteiligung verpflichten, werden die Lernmittel überhaupt erstellt. Zur Erkundung und Erprobung von OER-Geschäftsmodellen gilt es länderspezifische Pilotprojekte durchzuführen.

4d. Sind diese neuen Geschäftsmodelle zivilgesellschaftlich wünschenswert? Alternativ: Wie sollte mit Bezug zu OER das Verhältnis „Öffentliche Hand -Privatwirtschaft – Zivilgesellschaft“ austariert werden?

Finanzierungsmodelle für OER-Lernmittel sollen prinzipiell derart offen gestaltet werden, dass sich auch nicht-profitorientierte OER-Anbieter an diesbezüglichen Vergabeverfahren beteiligen können.

5. Potential

 5a. Wie schätzen Sie die Nachfrage für OER in Deutschland ein?

Die Nachfrage nach OER ist stark abhängig vom Angebot. Je größer, vielfältiger und qualitativ hochwertiger das Angebot, desto größer wird auch die Nachfrage sein.

5b. Worin sehen Sie die Chancen von OER, vor allem für die Bereiche Schule, Universität und „Lebenslanges Lernen“?

Die mit OER verbundenen Potentiale sind groß, aber bislang ungenutzt. Zu den mit OER verbundenen Potentialen zählt u.a.:

Allgemein:

  • besserer Zugang zu digitalen Lernunterlagen für sämtliche Akteure, inklusive die Möglichkeit zum Selbststudium und neuen Lernformen wie großzahligen und zertifizierten Online-Lernangeboten (MOOC).
  • bessere digitale Nutzbarkeit von Lernunterlagen, weil die Klärung von Rechten durch die Verwendung von offenen Lizenzen (z.B. Creative Commons) radikal vereinfacht wird.
  • bessere Vergleichbarkeit digitaler Lernunterlagen für Lehrende, Lernende, Eltern und Politik.
  • Einfachere Kombinierbarkeit verschiedener Lernunterlagen und damit verbunden die Verbesserung der Lernerfahrung.
  • Verbesserung der Qualität von Lernunterlagen durch mehr Möglichkeiten zu Feedback und Remix verschiedener Lernunterlagen. Damit verbunden ist das Potential für vermehrte didaktische Innovation.

Schule:

  • OER könnte mit mehr qualitätsorientiertem Wettbewerb im derzeit oligopolistischen Markt für Schulbücher einhergehen.
  • Die Umstellung auf bzw. Öffnung für OER-Lernmittel bietet auch die Chance, innovative Lernmittel jenseits von Schulbüchern zu erproben.

Universität:

  • OER würden mit einer Reduktion „versteckter“ Studiengebühren in Form von teilweise sehr hohen Lehrbuchkosten bedeuten
  • Förderung von OER in Form von Wettbewerben würde mit einem höheren Stellenwert für universitäre Lehre einhergehen.

Lebenslanges Lernen: Derzeit ist es so, dass SchülerInnen und vor allem Studierende, solange sie sich an ihren jeweiligen Bildungseinrichtungen befinden, über Intranets relativ guten Zugang zu einer breiten Palette an digitalen Lernmitteln haben. Sobald sie jedoch die jeweilige Bildungseinrichtung verlassen haben, ist damit auch der diesbezügliche Zugang zu Lernmitteln beendet. OER sind im Gegensatz dazu dauerhaft und auch über die Ausbildungsphase hinaus zugänglich.

Zusammengenommen folgt aus diesen einzelnen Punkten das Potential, mittel- bis langfristig den Bildungserfolg ganz allgemein zu verbessern.

5c. Wo sehen Sie Risiken von OER, aufgegliedert nach den Bereichen Schule, Universität und „Lebenslanges Lernen“?

Allgemein:

  • Das größte Risiko im Kontext von OER ist, dass die mit OER verbundenen Chancen ungenutzt bleiben.
  • Ein weiteres Risiko besteht darin, dass politische EntscheidungsträgerInnen in OER weniger eine Chance für bessere Bildung als vielmehr eine Möglichkeit zu Kostensenkungen erblicken. Die eigentliche Stärke von Open Education liegt darin, dass sich kurzfristig Zugang und Kombinierbarkeit, mittel- bis langfristig aber Qualität von Lernunterlagen und damit Lernen verbessern. Diese Stärke kann aber nur dann eingelöst werden, wenn weiterhin ausreichend Mittel in Erstellung und Verbesserung von Lernunterlagen fließen.

Schule: Wenn es zu keiner Möglichkeit kommt, dass bisherige Gelder für die Anschaffung von Lernmitteln auch für OER verwendet werden können, besteht die Gefahr dass das Angebot kostenlos – und nicht unbedingt frei – verfügbarer Lernmitteln von Anbietern mit Eigeninteressen (z.B. kommerzieller oder politischer Natur) dominiert werden.

Im Bereich von Universität und lebenslangem Lernen sehe ich keine großen Risiken abgesehen von den oben genannten, allgemeinen Risiken.

5d. Welche Institutionen bzw. Personengruppen sollten Ihrer Meinung nach bei der Erstellung von OER in Zukunft unterstützt werden? Wie sehen Sie hierbei vor allem die Rolle von Verlagen und von lehrer- sowie schülergenerierten Inhalten?

Die entscheidende politische Aufgabe zur Förderung von OER ist die Öffnung bestehender Finanzierungs- und Vergabeverfahren auf eine Art und Weise, die diese mit OER-Ansätzen kompatibel macht. Abgesehen davon sollte sich die Unterstützung auf faire Wettbewerbe und die Finanzierung von Pilotprojekten beschränken.

Hinsichtlich der Erstellung und Verbreitung von OER durch Lehrende und Lernende selbst ist es entscheidend, OER-Mainstreaming im Bereich bestehender Aus- und Weiterbildungsangebote zu betreiben, d.h. Informationen über OER in die entsprechenden Curricula zu integrieren.

5e. Welche Veränderungen werden bzw. sollten OER in der Zukunft bewirken?

Siehe die Antwort zu 5b.

6. Umsetzung

6a. Über welche Wege sollen OER an die Nutzer gebracht werden?

Wie bereits in der Antwort auf Frage 4a) angeführt, gibt es bereits heute Portale zur Sammlung und Aufbereitung von Lernunterlagen. Diese gilt es für OER zu sensibilisieren und entsprechend zu adaptieren. Im Universitätsbereich könnten die Universitätsbibliotheken spezielle OER-Ansprechpartner und -stellen schaffen.

6b. Welche Anforderungen müssten an einen (de)zentralen Zugang zu OER für ganz unterschiedliche Adressaten gestellt werden?

Schon heute gibt es fach- und ebenenspezifische Portale. Die größten OER-Suchmaschinen werden aber voraussichtlich auch in Zukunft kommerzielle Suchmaschinen wie Google oder Bing bleiben, weshalb vor allem eine möglichst einfache Integration von Metadaten entscheidend ist.

6c. Über welche Verfahren und Werkzeuge könnte die Qualität der Materialien sichergestellt werden?
6d. Nach welchem Verfahren sollte eine Redaktion erfolgen?

Hier gilt es zwei Dinge zu unterscheiden:

  1. Veröffentlichung von klassischen Lernunterlagen unter freien Lizenzen: in diesen Fällen gibt es etablierte Verfahren zur Qualitätssicherung (z.B. Zulassung von Schulbüchern durch Kultusministerien oder Pauschalzertifizierung von Lernmittelanbietern, wie das in Berlin der Fall ist), die auch für OER weiterhin Anwendung finden sollten.
  2. Neue Formen der Aggregation dezentral von Lehrkräften erstellter oder weiterentwickelter Lernunterlagen unter freien Lizenzen: Bis zu einem gewissen Grad ist es schon heute so, dass Lehrende untereinander Lernunterlagen (z.B. Arbeitsblätter) austauschen. Durch die Verwendung freier Lizenzen wird nur die Aggregation und Aufbereitung derartiger Inhalte erleichtert. Inwieweit es sich lohnt, hier in Peer-Review und Zertifizierungsprozesse zu investieren, sollte im Rahmen von Pilotprojekten genauer untersucht werden. Diese Frage ist aber keineswegs OER-spezifisch sondern stellt sich für sämtliche im Internet kostenfrei verfügbaren Lernmittel.

Prinzipiell gilt deshalb, dass bei OER die Notwendigkeit von Qualitätssicherung durch Verlage, Kultusministerien und Lehrende selbst gleich bleibt. Von Interesse in diesem Bereich sind die Ergebnisse des EU-Forschungsprojekts OPAL, das sich mit der Frage von Qualitätssicherung im OER-Bereich auseinandergesetzt hat.

6e. Wie beurteilen Sie Maßnahmen zu Qualitätssicherung durch die sog. Schwarmintelligenz?

„Schwarmintelligenz“ kann die kritische Prüfung von Lernunterlagen im Einzelfall durch den jeweiligen Lehrenden nicht ersetzen. Wo „Schwarmintelligenz“ aber hilfreich sein kann, ist bei der Sammlung, Verschlagwortung und Fehlerkorrektur.

6f. Wäre die Einführung eines Qualitätssiegels für deutschsprachige OER ein praktikabler Ansatz? Wenn ja, wer sollte Ihrer Meinung nach dieses Qualitätssiegel vergeben und wer für die Finanzierung aufkommen?

Eine Zertifizierung für OER-Unterlagen und -Anbieter könnte im Rahmen eines OER-Kompetenzzentrums, angesiedelt beim BMBF erfolgen und sollte gegen eine geringe Gebühr erfolgen sowie über Abordnungsstunden von Fachlehrkräften finanziert werden. Diesbezüglich könnten Abordnungsstunden länderübergreifend gepoolt werden, um die Aufwände bundesweit zu verteilen.

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