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Rückzieher von Yahoo bei CC-lizenzierten Flickr-Fotos: Kein Verkauf mehr ohne Vergütung

Screenshot von flickr.com/creativecommons

Vor knapp einem Monat wurde bekannt, dass Yahoo Ausdrucke („Wall Art“) von Creative-Commons-lizenzierten Fotos auf der Plattform Flickr ohne Vergütung für die Urheber zum Verkauf anbot. Obwohl die Vorgehensweise rein rechtlich korrekt war, gab es dennoch heftige Kritik daran: Nicht nur hatten offensichtlich viele Nutzer die Tragweite ihrer Lizenzierungsentscheidung unterschätzt, der Verkauf ohne Beteiligung der Urheber an den Erlösen verletzte Reziprozitätsnormen und wurde vielfach als unfair empfunden.


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Nach reiflicher Überlegung macht Yahoo jetzt einen umfassenden Rückzieher. In einem Blogeintrag gab Flickr-Vizevorstand Bernardo Hernandez bekannt, dass Creative-Commons-Bilder vorerst vom Wall-Art-Programm ausgenommen sind und bisherige Einnahmen refundiert werden (meine Übersetzung):

Angesichts der vielfältigen Reaktionen haben wir uns, in einem ersten Schritt, dazu entschlossen den Pool an Creative-Commons-lizenzierten Bildern aus Flickr Wall Art zu entfernen, und zwar ab sofort. Wir werden auch sämtliche bislang erzielten Einnahmen vom Verkauf Creative-Commons-lizenzierter Bilder im Rahmen dieses Dienstes rückerstatten.

Desweiteren soll gemeinsam mit Creative Commons an einer Neuauflage gearbeitet werden, die besser mit den Werten der Community übereinstimmt. Für eigene Bilder sowie für Bilder ohne CC-Lizenz bleibt der Wall-Art-Service unverändert verfügbar – wer den Erwerb seiner Bilder durch Dritte erlauben möchte, muss sich dafür beim Flickr-Marketplace anmelden.

Creative Commons CEO Ryan Merkely wiederum betont in seinem Blogeintrag noch einmal, dass die Vergehensweise Yahoos durchaus lizenzkonform war und spricht sich dafür aus, dass Unternehmen mit Monetarisierung von CC-Inhalten experimentieren können sollen. Gleichzeitig bericht Merkely aber auch von unterschiedlichen Positionen innerhalb von Creative Commons was den konkreten Fall Flickr betrifft (meine Übersetzung):

Dieser Fall war ein strittiges Theme hier bei Creative Commons – auf allen Ebenen der Organisation wie in unserer Community. Manche fanden, dass es vor dem Start des Programms eine Diskussion mit der Community hätte geben sollen, oder das Flickr-Nutzer die Wahl haben sollten, ob sie Flickr die Monetarisierung ihrer CC-lizenzierten Fotos erlauben. Anderen finden, dass die Einhaltung der Bestimmungen von CC-BY nicht genug ist und dass es eine moralische Verpflichtung zum Teilen von Profiten gibt. Wieder anderen denken, dass das genau das ist, was die Bewegung für freie Kultur intendiert hat – freizügige Verwendung auf jede Art bei jedermann (selbst große Unternehmen), so lange die Lizenzbedingungen eingehalten werden.

Eine Lektion für zukünftige Monetarisierung frei lizenzierter Inhalte ist jedenfalls, dass auch freie Lizenzen kein Freibrief für Praktiken darstellen, die von relevanten Teilen der Community als unangemessen empfunden werden – mögen sie auch lizenzrechtlich in Ordnung sein. Denn selbst wenn ohne Beteilungsangebot kurzfristig etwas mehr Geld verdient werden kann, ein fairer Umgang mit der Community ist im Bereich nutzergenerierter Inhalte letztlich nachhaltiger.

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11 Kommentare
  1. Ich weiß nicht, ob ich mich dem Fazit einfach so anschließen will. Die Nutzer müssen auch lernen, die Tragweite der Erteilung einer Lizenz einzuschätzen. Schließlich kann auch jetzt noch irgendjemand anderes die Bilder abgreifen und verkaufen.

  2. Da die Lizenz schon erteilt wurde macht jetzt nicht Yahoo/Flickr das Geschäft sondern halt jemand anderes. Ich finde es schade das Flickr hier aufgrund einer kleinen Minderheit welche Lizenztexte nicht verstehen einen Rückzieher macht.

  3. Sehe das ähnlich wie meine Vorkommentatoren: Wir müssen aufpassen, durch solchen Aktivismus CC nicht zu gefährden: Wenn ich als Nutzer mit einer wutschnaubenden Community rechnen muss, wenn ich das tue, was die Lizenz mir explizit erlaubt, nutze ich einfach keine CC-Inhalte mehr. Hier geht es vor allem um Rechtssicherheit. Und mit dieser Reaktion zerstört CC genau diese. Wenn CC einen Vorteil hat, ist es aber genau, dass ich mit einem Blick weiss, was ich mit einem Werk tun kann. Geht das verloren, geht CC vor die Hunde.

  4. Eine Lektion für zukünftige Monetarisierung frei lizenzierter Inhalte ist jedenfalls, dass auch freie Lizenzen kein Freibrief für Praktiken darstellen, die von relevanten Teilen der Community als unangemessen empfunden werden

    Es ist interesssant zu sehen, welche Folgen ein Kommunikationsproblem haben kann.

    In anderen Communities (z.B. Demokratien) wird eine „unerwartete Auslegung“ eines Regelwerks allerdings üblicherweise durch Gesetzesnachbesserungen erledigt, was ja hier eher wohl nicht angedacht ist, da die Auslegung ja eigentlich nur einem Teil „unerwartet“ erschien. Oder gibt es demnächst einen Beisatz wie „modulo dessen was relevante Teile der CC Community sagen“?

    Als Rechtsgelehrter für eine Interpretation eines Regelwerks zu werben, die fast genau das Gegenteil besagt, als das Regelwerk selbst (so interpretiere zumindest ich den Satz oben), erscheint mir nicht ganz unproblematisch.

    1. Das sehe ich anders. In jeder Gesellschaft bzw. Rechtsordnung gibt es vieles, das zwar legal aber deshalb noch nicht als legitim angesehen wird. Wer versucht bis ins letzte Detail hinein jede Eventualität genau zu Regeln wird am Ende noch viel weniger gut regulieren. Ein guter Text in diesem Zusammenhang von John Braithwaite: „Rules and Principles

      1. In jeder Gesellschaft bzw. Rechtsordnung gibt es vieles, das zwar legal aber deshalb noch nicht als legitim angesehen wird. Wer versucht bis ins letzte Detail hinein jede Eventualität genau zu Regeln wird am Ende noch viel weniger gut regulieren.

        Ja klar. Dafür gibts ja Richter. D.h. viele Gesetze werden absichtlich „fuzzy“ formuliert, damit man noch Navigationsspielraum hat. Also
        was Rechtswissenschaftler wohl, wenn ich mir die ersten Zeilen in dem verlinkten Text anschaue (Danke für den Literaturhinweis), Prinzipien („Principles“) im Gegensatz zu Regeln („rules“), die eher „nichtfuzzy“ sind, nennen.
        Aber die Creative Commons Regelungen scheinen mir eher „rules“ zu sein, also volldurchgeregelt. D.h. durch die Vergabe der Lizenz CC-By gibt der Urheber vorhergehende Copyrightrechte im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte (und „wissentlich“?) ganz klar auf. Die obenbeschriebenen Probleme kommen doch daher, dass das „wissentlich“ offensichtlich nicht überall ganz gegeben ist/war. Ich finde das durchaus ein wichtiger Diskussionspunkt in der Anwendung von Rechtsspechung, aber da sind ja die Rechtsgelehrten doch eher anderer Meinung, so wie ich das als Laie verstehe:
        Ignorantia_legis_excusat.
        Denn z.B. die Ausnahme (ich nehme mal nonchalant eine Parallele aus dem Strafrecht), die Wikipedia als

        Dafür wird vom Täter verlangt, dass er trotz gehöriger Gewissensanspannung die Verbotenheit seines Verhaltens nicht erkennen konnte.

        beschreibt ,scheint hier eher nicht gegeben, denn die unglücklichen Lizenzgeber hätten durch weitere „Gewissensanspannung“ (?!?! ist das ein offizielles Wort in der Rechtsprechung, klingt leider sehr witzig) erkennen können, welcher Regel sie da folgen.

  5. Aus genau solchen Gründen verstehe ich diese „Nutzt keine CC-BY-NC-…-Lizenzen, denn sie sind nicht wirklich frei!“-Aufrufe nicht.
    „Non-commercial“ mag strittig sein, weil „commercial“ möglicherweise sehr breit interpretierbar ist, aber für genau solche Fälle wie diese Flickr-Print-Geschichte ist eine nicht-kommerzielle CC-Lizenzierung eben entscheidend.
    Deshalb empfehle ich anderen grundsätzlich, dass wenn sie etwas ins Internet stellen, dafür eine CC-BY-NC-…-Lizenz zu verwenden, damit eben nicht z.B. irgendein Großkonzern mühelos und ungefragt Geld mit ihren Erzeugnissen erwirtschaften kann.
    (Wenn in einem Fall strittig ist, ob denn nun kommerzielle Nutzung vorliegt oder nicht, kann so etwas immer noch ein Gericht klären.)

  6. Find‘ ich super, die Geste von Yahoo. Wenn jemand eine Lizenz ohne NC-Klausel benutzt, heißt das ja nicht, dass man sich nicht über eine Wertschätzung der Leistung freuen würde. Das findet bei nicht NC-Lizenzen zwischen Menschen üblicherweise über liebe Kommentare oder das Zurückgeben von Änderungen/Verbesserungen des Werkes statt. Für eine nicht-persönliche Entität wie ein Unternehmen ist der Modus der Wertschätzung üblicherweise der monetäre.

    Außerdem heißt das Benutzen einer Lizenz ohne NC-Klausel ja nicht, dass Geld ablehnen würde. Ich benutze nicht-NC-Lizenzen in der Regel aus Kompatibilitätsgründen, damit sie in freien Kompilationen wie z.B. einer Linux-Distribution erscheinen können.

    NC- und nicht-NC-Werke gleich zu Vergüten ist meiner Meinung nach eine gute Geste um als Unternehmen zu zeigen, dass Werke mit nicht-NC-Lizenzen kein Content zweiter Klasse sind. Macht das CC-Musik-Portal jamendo.com übrigens schon seit Jahren so.

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