Linkschleuder

Politikwissenschaften für Analyse des Umgangs mit Snowden-Enthüllungen gesucht

Der Spiegel-Journalist Marcel Rosenbach fragt auf Twitter:

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13 Kommentare
  1. Die Politik“wissenschaft“ (ich habs 8 Semester studiert) ist in erster Linie eine Legitimations“wissenschaft“ made in USA. Sieht man z.B. daran dass die „renommierteste akademische Zeitschrift“ (Foreign Affairs) vom CFR rausgegeben wird. Methodisch wie theoretisch sind die größtenteils (gibt überall auch gute Leute) einfach nur ein Witz. Wer den „wissenschaftlichen Gehalt“ der Politologie überprüfen will kann sich ja mal Samuel Huntingtons „Clash of Civilisation“ ansehen, oder die besagte Zeitschrift durchlesen, oder Einführungen in „Internationale Beziehungen“ oder „Vergleichende Regierungslehre“ (im Ernst, das sind zwei der drei Säulen der PolWi) anschauen.

    1. Das ist ja ein hartes Urteil. Kannst du vielleicht auf ein paar wissenschaftliche Artikel verweisen, die den Zustand der Politikwissenschaft im deinem Sinne kritisieren?

      1. Was braucht man da für Bsp. Alleine schon von dem Thema ist doch offensichtlich, das wissenschaftlich schon ein leichter Euphemismus ist. Die „echten“ Wissenschaften werden ja nicht ohne Grund durch den Vorsatz „Natur“ abgegrenzt.
        Damit möchte ich jetzt nicht ausschließen, dass da irgendwelche fundierten sinnvollen Erkenntnisse gewonnen werden. Aber ein Großteil sind am Ende doch nur statistische Aussagen, wo leider viel zu oft der Fehler gemacht wird, sie als universell zu betrachten. Um nur mal ein Problem zu benennen.

      2. Nein, ich fürchte da müssten Sie sich selbst eine Meinung bilden. Ich kann Ihnen auch erklären warum: Wenn Sie die Meinung gewinnen die ich vertrete dann hören Sie mit dem Studium spätestens nach dem Master auf, und dann sind Sie (weil Sie keinen Dr.-Wisch und keine Stelle an der Uni haben) kein „Wissenschaftler“ der dazu legitimerweise was sagen könnte. Wer weitermacht ist zwangsläufig (oder er muss sich wirklich hart verstellen was ich mir psychologisch auf Dauer schwer vorstellen kann, man redet ja auch mit den Leuten und will noch in den Spiegel schauen können) mehr oder weniger „auf Linie“. (Wobei ich in letzter Zeit auch einige Politikwissenschaftler kennengelernt habe denen auffällt worum’s da eigentlich geht, aber innerhalb der bestehenden Theorien und aufbauend auf den bestehenden Prämissen können Sie meine Kritik schlichtweg überhaupt nicht formulieren; das ist „nicht wissenschaftlich“). Darüber hinaus gilt dass (zumindest in den Sozialwissenschaften) eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Entgegen dem Märchen das man Außenstehenden gerne erzählt (z.B. dass man sich wie in der Popper’schen Vorstellung gegenseitig Theorien „falsifiziert“) sucht man sich einfach nen Prof der was interessantes sagt, dann labert man sein Vokabular nach, kriegt irgendwann ne (Promotions-)Stelle und Geld, und dann macht man halt irgendwas (ob das für irgendwen von Nutzen ist ist tatsächlich überhaupt kein Kriterium, bzw. Sie müssen halt später (und das nimmt immer krasser zu) Geld vom BMBF, der EU etc. ranschaffen). Sagen Sie mir, warum sollte man seinen Kollegen an’s Bein pinkeln? Das bringt doch nur Ärger.. selbst wenn Sie z.B. Soziologe oder Historiker sind: Sie sitzen mit den Politikwissenschaftlern gemeinsam am Fakultätsrat usw., da will man es sich nicht verscherzen. Glauben Sie mir, (deutsche) Unis (habe zwei besucht, insgesamt sinds jetzt 8 Jahre) sind Krähennester, da gehts um Karriere, Arbeitsplatzsicherheit, (Forschungs)gelder, Ansehen usw. …. und ganz, ganz, ganz am Schluss bei einigen wenigen die sich das überhaupt erlauben können um „die Wahrheit“. (Und es ist im übrigen auch einfach überhaupt nicht möglich sozialwissenschaftliche Theorien wie den Marxismus zu „falsifizieren“, der existiert solange wie Leute an ihn glauben bzw. Geld dafür bekommen sich mit ihm zu beschäftigen… und das gilt auch für den Rest.) Wenn Sie dazu was lesen wollen empfehle ich Paul Feyerabend, ein Schüler von Popper, oder auch den philosophischen Klassiker William James.

      3. @Martin: Du meinst so wie Naturmedizin? Nicht, dass ich nicht auch schon mal im Spaß den Status von Geistes- oder Gesellschaftswissenschaften als „echte“ Wissenschaft in Frage gestellt hätte, aber das ist keine ernstzunehmende Haltung. Nehmen wir das Beispiel der Ökonomie, der vorgeworfen wird durch die Modellvereinfachungen, die eine Voraussetzung für die Anwendung analytischer/quantitativer Methoden waren, also eines der Erfolgsrezepte der Naturwissenschaften, eine völlig verzerrte Version der Wirklichkeit geschaffen zu haben. Damit will ich nicht sagen, dass es da methodisch nichts zu kritisieren gibt, aber man muss auch anerkennen, dass insbesondere Gesellschaftswissenschaften ein sehr komplexes System bearbeiten, von dem es, im Gegensatz zu den Untersuchungsobjekten der Naturwissenschaft, für viele praktische Zwecke nur eine wirkliche Instanz gibt, die zudem auch noch durch die Lehrinhalte der wissenschaftlichen Disziplin beeinflusst wird.

        @zensiert: Ich wollte gar nicht unbedingt Misstrauen gegen deine Einschätzung zum Ausdruck bringen, sondern tatsächlich nach weiterführendem Material fragen, gerade weil es eben doch ein recht hartes Urteil ist. Eine kritische Analyse der Politikwissenschaft müsste ja auch nicht aus der Disziplin selbst kommen, sondern könnte etwa von notfalls außeruniversitären Wissenschaftssoziologen oder -philosophen formuliert werden oder von Wissenschaftsjournalisten, die dem regulären Wissenschaftsbetrieb und seinen politischen Untiefen stärker entzogen sind, gerade im Bezug auf so Einschätzungen wie „Legitimationswissenschaft“.

      4. Ach ich hab da auch gar kein Misstrauen wahrgenommen, nur bei den meisten Menschen erleb ich eine gewisse Wissenschaftsgläubigkeit die ich dann auch bei Dir einfach mal erwartet hatte da ich ja keine Ahnung hatte wie du die Welt so siehst… aber nach dem @Martin seh ich ja dass ich da glücklicherweise ganz falsch lag. Will auch nicht alles verteufeln, ist wirklich schwierig… ja den Wissens(schafts)soziolgen sollte etwas mehr Gehör geschenkt werden find ich, wie oft gemeinhin sofort „Fakten“ geglaubt werden nur weil jemand sagt sie wären „wissenschaftlich belegt“ (die Formulierung an sich find ich schon ziemlich problematisch) find ich erschreckend (jetzt nicht bei Ihnen sondern generell)…. und wer mal ein bisschen über den Tellerrand schaut wird auch feststellen dass auch im Islam und im Juden- und Christentum viele (lebensnahe und hilfreiche) soziologische, ökonomische und psychologische Kenntnisse versammelt wurden lange bevor die ja noch recht jungen Wissenschaften sie formuliert haben. (Wollt ich generell mal loswerden.)

      5. @André Sehe nicht wo das keine ernstzunehmende Haltung ist. Ein großer Unterschied ist, bei den Naturwissenschaften macht es keinen Sinn (Gesellschaftlich und mittelfristig gesehen) Falsche Ergebnisse zu produzieren. Und auch das überprüfen bzw. widerlegen ist einfacher.
        Naturwissenschaften streben nach allgemeinen Erkenntnissen losgelöst vom Menschen. Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaften versucht im Prinzip vom Menschen (oder Tier) geschaffene Systeme mit wissenschaftlichen Methoden zu analysieren. Und diese Systeme ändern sich ständig bzw. werden ständig verändert, auch zum Bsp. aufgrund der Erkenntnisse die man gewonnen hat.

      6. Um das voranzustellen, ich beziehe mich auf die Idee, dass manche wissenschaftliche Disziplinen „echtere“ Wissenschaften sind als andere.

        Wir sind uns doch wahrscheinlich einig, dass unser gesamtgesellschaftliches Erkenntnisinteresse am Untersuchungsobjekt der Gesellschaftwissenschaften nicht geringer ist als an dem der Naturwissenschaften. Möglicherweise muss man die Erwartungen, an das, was die Disziplinen leisten können, korrigieren, aber auch du gehst davon aus, dass sie prinzipiell Erkenntnisse erzeugen können. In dem Sinne können Gesellschaftswissenschaften also nicht weniger „echte“ Wissenschaften sein als Naturwissenschaften.

        Was die Korrumpierbarkeit angeht würde ich mich für die Naturwissenschaft nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Klar, die Grundlagenforschung kann man leichter eng an der Wirklichkeit halten, wobei du richtig einschränkst „mittelfristig gesehen“, denn Skandale um Datenfälschung oder „optimistische Interpretation“ gab es in den Naturwissenschaften ja nun auch genug. Aber sobald man in den Anwendungsbereich hineingeht, sieht das schon anders aus. Wissenschaftliche Forschung zur Sicherheit oder Wirksamkeit von Produkten, Verfahren und Methoden hat nicht selten Probleme mit dem „Finden“ erwünschter Forschungsergebnisse, weil hier ebenfalls eine gewisse Ambiguität in der Problemstellung auf ein hohes wirtschaftliches oder politisches Interesse an dem Erzielen ganz bestimmter Resultate trifft. Das heißt eigentlich nur, da wo einflussreiche gesellschaftliche Gruppen ein höheres Interesse an einer gefälligen Forschung als an der Annäherung an die Wahrheit haben, muss man wissenschaftliche Aktivitäten besonders genau und kritisch beobachten.

        Auf das Problem der Rückkopplung der durch die Gesellschaftswissenschaften aufgestellten Welterklärungsmodelle auf das Untersuchungsobjekt habe ich ja auch hingewiesen. Ein weiteres Problem ist, dass wir emotional aufgeladene, starke Überzeugungen darüber haben, wie Menschen sind und wie die Gesellschaft funktioniert. Auch diese Probleme bedeuten für mich erstmal nur, dass es herausfordernder ist, genau zu bestimmen, welche Erkenntnisse man überhaupt gewinnen kann, und etwa die grundlegenden Annahmen sehr präzise zu verstehen.

        Die Einschätzung, dass die Politikwissenschaft gegenwärtig diese Anforderungen nicht oder in Teilen nicht erfüllen soll, hat uns ja in diese Diskussion gebracht. Wenn man nun aber meint, dass liegt daran, dass man in diesem Feld keine „echte“ Wissenschaft betrieben wird, greift das meines Erachtens zu kurz. Der wissenschaftliche Erkenntnisprozess wird durch seine Fehlannahmen- und falschen Interpretationen genauso kennzeichnet, wie durch (partielles) Erkennen der Wirklichkeit. Wenn man mit nicht/weniger „echt“ wissenschaftliches Fehlverhalten meint, gut, aber wenn mangelnde Methodik und Analyseschärfe gemeint ist, fällt das für mich in den Bereich des Erkenntnisprozesses. Und dann ist das nicht/weniger „echt“ eine Moralisierung eines zu langsamen bzw. ausbleibenden wissenschaftlichen Fortschritts.

    2. Die Politikwissenschaft stellt Theorien auf, die erwartungsgemäss nicht allen gefallen. Eine entsprechende Theorie zum Beispiel könnte versuchen zu erklären, warum die Bundesregierung Snowden die Einreise erschwert. Politiker können nicht immer alle Beweggründe offenbaren, nicht zuletzt weil ihnen die Beweggründe nicht immer bewusst sind, oder genehm. Dürfte Kanzlerin Merkel die Beziehungen Deutschlands zu den USA wirklich restlos erklären? Oder gibt es andere Gründe als die öffentlich angegebenen? Dazu hat der Freiburger Historiker Josef Foschepoth folgende Grundlage geliefert, http://www.sueddeutsche.de/politik/historiker-foschepoth-ueber-us-ueberwachung-die-nsa-darf-in-deutschland-alles-machen-1.1717216

      Übrigens es liegt auf der Hand, dass seit dem 2. Weltkrieg die politische Wissenschaft in Deutschland einen schweren Stand hat, Ansehen zurückzugewinnen.

  2. Es wird sich schon ein Prof. XY finden, der dann einen leicht kritisch angehauchten, aber keinesfalls allzu aufwühlenden und extremen Bericht verfasst. Der wird dann feierlich der Regierung übergeben und Mutti betont, wie wichtig solche Berichte doch sind und dass man das ja alles sehr ernst nehme.

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