Heute hat die Deutsche Post einen neuen Service angekündigt - SIMSme. Der soll „Texte, Bilder, Videos, Standorte oder Kontaktdaten sofort und absolut sicher Ende-zu-Ende verschlüsselt“ an den Gesprächspartner versenden. Und dabei neue Datenschutz-Standards setzen, denn der „Serverstandort Deutschland garantiert Einhaltung deutscher Datenschutzgesetze“. Nachdem De-Mail ein Rohrkrepierer war und man mit seiner „Verschlüsselung ja – echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung lieber nicht“-Nummer auf die Nase gefallen ist, versucht man es nun also bei der Smartphone-Generation und springt auf die Verunsicherung über von ausländischen Geheimdiensten abgehörte Kommunikation auf. Mit Datenspeicherung zu Hause:
Das Besondere an SIMSme ist der hohe und verlässliche Schutz der Daten. Alle Nachrichten werden automatisch beim Absender verschlüsselt und können nur beim Empfänger wieder entschlüsselt werden. Diese sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung macht das Mitlesen durch Dritte unmöglich. Alle Daten werden ausschließlich auf Servern in Deutschland abgelegt und die Nachrichten nach der Zustellung beim Empfänger von den Servern gelöscht.
So behalte der Nutzer volle Kontrolle über seine Daten. Und da man ja bei Servern in Deutschland immer auf der sicheren Seite ist und die Post sich das zu Herzen nimmt, lautet die Domain des Services: www.sims.me - Datenschutz made in Germany Montenegro. Und das beim Aufruf der Seite ins Auge springende Hintergrundbild von New York suggeriert auch nicht gerade Sicherheit made in Schland.
SIMSme wird kostenlos im Apple AppStore und bei GooglePlay zum Download angeboten und um sich anzumelden muss man nur die eigene Mobilfunknummer angeben, denn die …
[…] braucht die Deutsche Post, um den Account zu verifizieren und um sie verschlüsselt mit anderen Kontakten aus dem lokalen Telefonbuch abzugleichen. Denn so erfährt der Kunde, welcher Kontakt aus seinem Telefonbuch ebenfalls SIMSme nutzt und mit wem er somit sicher kommunizieren kann.
SIMSme will also doch das Telefonbuch? In den FAQs ist das erklärt, man speichere natürlich nicht, sondern gleiche nur die gehashten Werte mit der Nutzerliste ab. Heißt also: Das Telefonbuch im Klartext wird nicht gespeichert, die Hashes vermutlich schon. Hoffen wir mal, dass man bei der Post nicht mehr SHA‑1 oder MD5 benutzt, denn bei der begrenzten Anzahl an Nummern und Namen ist die Kollision sonst nicht mehr weit.
Zur zusätzlichen Sicherheit setzt SIMSme auf AES-256 und für die Ende-zu-Ende-Transportverschlüsselung auf SSL. Hoffentlich meinen sie in Wirklichkeit TLS, die Bezeichnung des SSL-Nachfolgers, und verwenden nicht weiterhin SSL 2.0 oder 3.0.
Falls doch mal etwas schief geht oder die Daten besonders sensibel sind, keine Panik: Die Selbstzerstörungsfunktion kann man für nur 0,89 Euro dazukaufen. Oder schnell sein:
Die erste Million Nutzer erhält die Selbstzerstörungsfunktion für Nachrichten kostenlos!
Wie das technisch funktioniert, weiß man nicht. Aber so eine Datenbombe würde ich schon gerne mal zünden. Man hat sogar die Wahl zwischen „Countdown“ – ab dem Öffnen der Nachricht durch den Empfänger – und „Zeitzünder“ – der Selbstzerstörung an einem bestimmten Zeitpunkt, egal ob gelesen oder nicht. Und wie lautet das Selbstzerstörungskonzept, wenn das Gegenüber die Nachricht bösartigerweise kopiert/speichert/weiterleitet? Oder in ein externes Programm abtippt? Vielleicht explodieren dann alle Datenträger, auf denen die Nachricht enthalten ist.
Wen das alles nicht überzeugt, es gibt viele gute Gründe, der Post zu vertrauen, denn wie heißt es in der Pressemitteilung:
Die Deutsche Post steht seit über 500 Jahren für einen sicheren und vertraulichen Transport von Informationen. Das gilt nun auch für beliebte Instant-Messages von Smartphone zu Smartphone. Wir sorgen für höchstmöglichen Datenschutz nach den strengen deutschen Gesetzen, und zwar ohne dass der Nutzer dabei einen Mehraufwand hat.
Wir empfehlen dazu die Lektüre von „Überwachtes Deutschland – Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik“, da bekommt man nochmal einen ganz anderen Blick auf den Transport von Informationen. Oder besser gesagt, dessen systematische Überwachung und die Kollaboration der Post in Vereinbarungen mit den ehemaligen Besatzungsmächten.
Unsere Prognose: SIMSme riecht nach De-Mail für Smartphones und dem Versuch, auf den Zug der sicheren Messenger-Apps aufzuspringen. Aber ohne offenen Quellcode kann und sollte man der Post nicht vertrauen. Und sich lieber an Alternativen halten, die etwas transparenter mit ihrer Funktionsweise umgehen. Wenn auch ohne Selbstzerstörungsfunktion.