Wurde auch Zeit: Glenn Greenwald will Snowden-Dokumente anderen Journalisten zur Verfügung stellen

Im Interview mit dem Münchener Merkur erklärt Glenn Greenwald, dass er die Snowden-Dokumente in einem Datenraum in New York anderen Journalisten zur Auswertung zur Verfügung stellen will. Das klingt etwas merkwürdig, denn auf die konkrete Realisierung unter den Augen der NSA sind wir gespannt.


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[…]Das Material von Snowden ist ziemlich kompliziert, ich beschäftige mich jetzt seit eineinhalb Jahren damit. Und trotzdem werde ich nie alle Geschichten finden, die sich darin verstecken. Wir werden deshalb einen Datenraum in New York einrichten, wo wir die Dokumente anderen Journalisten zugänglich machen.[…] Ich komme langsam an den Punkt, an dem ich sage: Ich habe meinen Teil der Arbeit erledigt. Es wird Zeit, dass sich andere Leute mit einem unverbrauchten Blick daran machen. Wenn man in Besitz eines solchen Datenschatzes ist, fühlt man sich nicht nur der Quelle verpflichtet, sondern der ganzen Welt. Immer wenn ich mich mit etwas anderem beschäftige oder mir einen freien Tag nehme, fühle ich mich ein bisschen schuldig. Diese Last trage ich seit langem mit mir herum, ich bin jetzt bereit, sie zu teilen. Es ist Zeit loszulassen.

Wir hätten gerne noch einen weiteren Datenraum in Berlin, um uns auch mal die Deutschland-relevanten Dokumente genauer anzuschauen.

8 Kommentare
  1. Schreibt ihn halt an und sagt bescheid, das ihr ’nen zweiten Raum braucht in Berlin. Zumal die Bereitschaft und die Fähigkeit, auf Grundlage seines Materials rechtliche Schritte einzuladen hier am größten sein dürfte – Snowden hat hier einen Bekanntheitsgrad von 94% ( http://is.gd/YyFvh0 ).

  2. „Diese Last trage ich seit langem mit mir herum, ich bin jetzt bereit, sie zu teilen. Es ist Zeit loszulassen.“
    Un-fass-bar! Jetzt erst? Offensichtlich leben auch die „guten“ Amerikaner in einer Parallelwelt! Der zaghafte und durchaus konforme Umgang mit den Snowden Unterlagen ist meiner Ansicht nach mit der Grund dafür das Snowdens selbstloser Einsatz praktisch keinerlei Veränderungen in der Politik und den Herzen der Menschen bewirkt hat. Das wird Snowden inzwischen selbst klar geworden sein und zum Glück nun auch Greenwald. Aber gut zu machen ist dieser Fehler nicht mehr: Die Geheimdienste haben reichlich Zeit gehabt Medien und Politik entsprechend ihren Wünschen wirksam in Stellung zu bringen. Greenwald muss das gewusst haben, es sei denn er ist schlichtweg naiv oder selten dämlich.

    1. Nicht unbedingt: Kommt alles auf einmal raus, ist wenig Zeit, sich mit einzelnen Sachverhalten ausreichend auseinander zu setzen. Die Verweildauer des Skandals in den Medien wäre zudem kürzer. Es ist schon gekonnt, die Enthüllungen dauern jetzt 1,5 Jahre an, und dennoch gibt es wöchentliche Berichte. Unsere Regierung hat sich außerdem schon mehrfach verplappert, weil sie dachte, da kämen keine Infos mehr – und dann wurde das Gegenteil der Behauptungen bewiesen.

  3. @Markus Beckedahl

    Fragt doch mal Jacob Appelbaum. Er scheint Zugriff auf das Material zu haben und ist zufällig in Berlin wohnhaft. Dank Jacob’s 24/7 Observation durch diverse „Dienste“ dürft Ihr Euch über ein paar Schaulustige freuen.

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