Was ist Netzneutralität? Oder: Warum das freie und offene Internet in Gefahr ist

Bisher wurden im Internet alle Daten gleich behandelt – egal welcher Inhalt, woher sie kommen und wohin sie gesendet werden. Immer mehr Provider verletzen diese Netzneutralität und greifen in die Internet-Inhalte ihrer Kunden ein. Das hilft nur dem Geldbeutel weniger Firmen, birgt aber immense gesellschaftliche Gefahren. Wir brauchen ein echtes Netz!


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Auf eine bestimmte Art und Weise funktioniert das Internet gar nicht viel anders als die herkömmliche Post. Jeder Inhalt, egal ob Webseite oder E-Mail, wird in ähnlich große Pakete verpackt. Außen drauf schreibt der Absender seine (IP-)Adresse und die des Empfängers. Das fertige Paket wird bei der Post abgegeben, und die liefert es an die Adresse, die draufsteht. In Deutschland waren Post und Telekom bis 1994 sogar die selbe Institution: die Deutsche Bundespost.

Doch diese Gemeinsamkeiten werden zunehmend unterlaufen. Statt Pakete nur zu transportieren, wollen Internet-Anbieter sie erst einmal öffnen, inspizieren und je nach Inhalt anders behandeln. Lustiges Katzenvideo? Kostet Aufpreis. Video-Telefonie mit der Familie? Nicht erlaubt, Anruf wird nicht zugestellt. Schon das dreiundzwanzigste Paket in diesem Monat? Das bekommt Schneckentempo und wird erst nächste Woche ausgeliefert. Gar nicht ihr Paket, sondern im Auftrag der kranken Freundin? Nicht erlaubt, sie muss schon selbst bei der Postfiliale erscheinen. Uih, ein erotischer Inhalt für den Liebhaber? Da müssen wir aber die expliziten Passagen schwärzen.

Was absurd klingt, wird leider immer mehr Realität. Bis vor ein paar Jahren waren Provider – genau wie die Post – einfach nur Zusteller von Paketen. Dieses Prinzip nennt man Netzneutralität – die Gleichbehandlung von Datenpaketen im Internet, unabhängig von Absender, Empfänger oder Inhalt. Diese Neutralität wollen Internet-Firmen zunehmend aufgeben und direkten Einfluss auf die verschickten Inhalte nehmen. Weil sie mehr Geld verdienen wollen.

Im Internet steht, es wurde erfunden, um einen Atomkrieg zu überstehen. Zu diesem Zweck haben die Erbauer das Netzwerk dezentral designt, jeder Rechner konnte sich anschließen, mit jedem anderen Rechner verbinden und jeden beliebigen Inhalt austauschen. Diese Offenheit war eine Voraussetzung für den Erfolg des weltweiten Netzes. Weil Router und Provider Inhalte einfach nur blind weitergeleitet haben, entstand die eigentliche Intelligenz an den Enden der Leitung. Man brauchte keine Erlaubnis für neue Ideen, man setzte sie einfach um, und sofort konnte jeder Internet-Teilnehmer darauf zugreifen. Alle Internet-Giganten von heute sind als kleine Projekte entstanden, die Offenheit des Netzes sorgte für die Chance, dass jeder zum „nächsten großen Ding“ werden konnte.

Die Neutralität des Netzes war auch Ursache für die vielen positiven gesellschaftlichen Auswirkungen. Auf einmal ist das gesamte Wissen der Menschheit nur einen Mausklick entfernt. Menschen können staatliche Zensurmaßnahmen umgehen und ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen. Wir können einfacher miteinander kommunizieren, Wissen generieren, Neues erlernen sowie an sozialen, kulturellen und politischen Debatten teilnehmen. Und viele Unternehmen sind mit neuen Geschäftsmodellen reich geworden.

Darauf sind die Internet-Anbieter neidisch. Die Presseverlage haben sich jüngst mit dem Leistungsschutzrecht ein Gesetz erstritten, um unverhohlen ein Stück von Googles Kuchen abzubekommen. Geld von Google will auch die Telekom, wie Chef René Obermann unumwunden zugibt. Und wenn der Internet-Riese aus Kalifornien nicht von sich aus der Deutschen Telekom etwas Geld schenkt, könne die eben nicht garantieren, dass Googles Dienste auch flüssig in Deutschland funktionieren. Dann könnten die YouTube-Videos eben ruckeln. Erpressung? Geschäftsmodell.

Das ist keineswegs ein absurdes Horror-Szenario, sondern bittere Realität. Vor allem im mobilen Internet, welches zunehmend wichtiger wird als Festnetz-Anschlüsse, sind Verletzungen der Netzneutralität an der Tagesordnung. Fast alle Netzbetreiber verbieten das populäre Programm Skype, mit dem man weltweit kostenlos telefonieren kann. Weil die Kunden lieber die teuren hauseigenen Telefonie-Tarife bezahlen sollen, werden Datenpakete von Skype technisch abgefangen und weggeworfen. Das selbe passiert bei Instant-Messaging-Diensten, sollen die Kunden doch lieber ein dutzend Cent für eine SMS bezahlen.

Doch auch bei Internet-Anschlüssen per Kabel oder DSL greifen die Anbieter immer mehr in die Inhalte ihrer Kunden ein. Tauscht man zu viele Dateien per Filesharing, egal ob Kinofilme oder Forschungsdaten, verlangsamen manche Kabel-Anbieter einfach den Internet-Anschluss ihrer Kunden. Auch die Telekom hat jetzt Pläne dafür angekündigt, andere Anbieter werden sicherlich nachziehen. Statt den Netzausbau voranzutreiben und mit schnellen Internet-Anschlüssen in die Zukunft zu investieren, gehen die Provider den umgekehrten Weg und machen bestehende Internet-Anschlüsse langsamer.

Verletzungen der Netzneutralität können aber auch als vermeintlicher Bonus erscheinen. Weltweit gibt es Tarife, mit denen man trotz abgelaufenem Datenvolumen kostenlos auf Facebook surfen kann. Die Telekom zählt in manchen Tarifen das Datenvolumen des Musik-Streaming-Dienstes Spotify oder der eigenen Internet-TV-Angebote nicht mit. Die Bevorzugung eines Anbieters bedeutet jedoch zwangsläufig die Diskriminierung aller anderen. Damit ist das Netz nicht mehr neutral, sondern bevorzugt manche Inhalte und benachteiligt andere. Zudem führt diese Praxis die oft vorgebrachten Netz-Engpässe ad absurdum, da man ja eigentlich genug Kapazitäten hat, sie nur nicht allen geben will.

Eine nicht zu vernachlässigende Form der Netzneutralitäts-Verletzung ist die Kontrolle und Unterdrückung unerwünschter Inhalte. Provider in Deutschland und den USA haben schon Webseiten für ihre Kunden gesperrt, die sich kritisch gegenüber den Unternehmen äußern oder auf denen sich die hauseigene Gewerkschaft im Arbeitskampf organisiert hat. Sehr verbreitet ist die Unterdrückung von vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen oder zum Jugendschutz. Einmal etabliert, wird jedoch jede Zensur-Möglichkeit auch auf andere Inhalte ausgeweitet, wie jedes Beispiel zeigt.

Grundproblem bei jeder Bewertung von Datenströmen anhand ihrer Inhalte ist, dass die Provider die Inhalte erst einmal kennen müssen. Dafür kommt Deep Packet Inspection-Technologie zum Einsatz, mit der jede aufgerufene Webseite oder E-Mail untersucht wird, ob sich darin unerwünschte Inhalte finden. Das ist teilweise identische Hardware wie in den Internet-Schurkenstaaten China, Iran oder Syrien, die diese Technik für Überwachung und Zensur einsetzen. Der Unterschied zwischen Internet in Deutschland und China ist dabei nur eine Konfigurationsdatei.

Die Netzneutralität ist ein hohes Gut und ermöglicht erst das Internet, das wir kennen und so viele Möglichkeiten bietet. Provider dürfen den Kundinnen nicht vorschreiben, wer unter welchen Bedingungen Zugriff auf Informationen erhält. Die Nutzer müssen souverän bestimmen können, wie sie das Netz nutzen. Statt Blockaden, Drosselungen, Diskriminierung und Sperren brauchen wir ein offenes, ein echtes Netz.

Dieser Einführungs-Artikel ist aus dem Newthinking Magazin, das am 6. Mai erscheint. Die leicht gekürzte Audio-Version wurde eingesprochen von Karina Fissguss in Kooperation mit bln.fm und steht ebenfalls unter CC BY-NC-SA 3.0, sonstige Nutzungen bitte unter redaktion@bln.fm anfragen.

30 Kommentare
  1. Der Artikel ist ziemlich allgemein gehalten und er soll vermutlich die Leser in Stimmung für staatliche Regulierungen bringen.

    Die Praxis zeigt, dass Branchenregulierungen so gut wie immer zulasten der kleinen bzw. unabhängigen Anbietern durchgeführt werden, sodass ihnen der Markteintritt erschwert wird.

    Diese Beobachtung lässt sich leider nicht wegdiskutieren und aus diesem Grund sehe ich Forderungen nach Regulierung als Kontraproduktiv an.

    Die Telekom kann den neuen gedrosselten Vertrag nur deshalb durchsetzen, weil die Bevölkerung es zulässt, dass der Staat dort ständig subventioniert.

    Zu der Analogie mit der Post:
    Es gibt Postkarten ohne Datenschutz, Briefe mit Datenschutz, Päckchen, Packete, Auslandssendungen, etc, etc… Firmen können auch in dieser Hinsicht eine Preisdifferenzierung vornehmen. Die Alternative zur Preisdifferenzierung ist, dass es nur Netzneutralität im Sinne von Netzpolitik.org gibt und die Preise steigen müssen. Man bedenke, dass die Internetzugänge in den letzten Jahren trotz immenser Inflation nicht teurer wurden. Es könnte sein, dass dort noch eine Spannung aufzulösen ist.

    Es soll jeder den Anbieter nutzen, den er für richtig erachtet. Leute mit anderen Meinungen zu Geschäftsmodellen sind zu respektieren. Alternativen müssen aufgebaut werden. Wo dies nicht möglich ist, ist nachzuforschen, warum dies nicht möglich ist. Oft genug ist hier wieder eine staatliche Regulierung im Spiel. Und so schafft der Staat selbst Probleme, um sie dann in Zukunft wieder durch neue Regulierung zu „lösen“.

      1. Bei der verlinkten Broschüre steht auf Seite 9 und im Inhaltsverzeichnis „Exurs: Die Enquete-Kommission“ ich denke mal dass soll Exkurs heißen.

    1. Ein gewisses Maß an staatlicher Regulierung muss aber schon sein, Bei der Post ist das übrigens ähnlich: Da wird jedes Paket gleich behandelt. Die Post öffnet keine Pakete und ändert die Inhalte, das darf sie auch nicht.

      Sie entscheidet auch nicht, ob sie ein Paket von Tante Erna länger liegen lässt als das eines großen Versandhauses. Das Porto ist zwar nach Entfernung gestaffelt, aber Du zahlst keinen anderen Preis als ich, wenn du ein Paket in die USA schicken willst.
      Auch verlangt die Post nicht vom Empfänger des US-Päckchens ein Zusatzgebühr, damit sie es herausrücken. Das ist aber genau das, was die Telekom einführen will. Es geht hier nicht um den Preis für den Internetanschluss. Wenn es das allein wäre, könnte die Telekom auch einfach die Preise ein bisschen erhöhen, und das Geld für den Netzausbau wäre da.

      1. Ich kann die Gründe für die Regulierung natürlich verstehen. Aber ich verstehe nicht, warum keiner die Gefahren dieser Regulierung sehen will.

        Regulierungen haben meistens den großen Firmen genützt und den kleinen Firmen geschadet. Ich kann es nur widerholen.

        Und selbst wenn eine Regulierung augenscheinlich Gutes bewirkt, so bleibt es doch Unrecht. Ich meine damit nicht das Recht im staatlichem Sinne. Ich spreche von Moral. Und ich halte es nicht für legitim, wenn Menschen oder ein Zusammenschluss von Menschen zu etwas mit Gewalt gezwungen werden.

        Würdest du selbständig zur Telekom gehen und ihnen mit vorgehaltener Waffe dazu zwingen, dir einen neutralen Tarif anzubieten? Nein? Der Staat würde letztendlich über die Polizei nichts anderes tun. Der Staat ist nur eine Indirektionsschicht zwischen dir und der Telekom. Die Tatsache, dass du nicht selber dieses Verbrechen ausübst, sondern mit anderen gemeinsam (Die Bürger des Staates) befreit dich nicht(!) von deiner moralischen Verantwortung.

      2. @markus
        Wo du ja ernsthaft mit Moral (!) kommst, würdest du für das gleiche Bit mehr verlagen, nur weil es von YT kommt statt von der Telekom?

      3. Ob diejenigen, die Vergleiche zwischen Post und Telekom zu ihrem Vorteil nutzen versuchen, wohl für jedes Datenpaket einzeln zahlen möchten, wie das ja heute bei der Post üblich ist? Ich vermute nein. Aber dann erweist man seiner Sache mit dem Vergleich Briefdienst vs. ISP einen Bärendienst.

    2. Ich bin mir nicht sicher ob es hier genau das ist was du beschreibt. Da die Telekom ein Monopol bei Kabeln unter der Erde hat was nicht so leicht einzuholen ist zwingt ihre Änderung andere provider zu änderungen .

    3. Ein teureres Internet ist o.k. Es ist aber nicht o.k., wenn die Telekom entscheidet, was ich schnell und was langsam sehen darf. Lies dazu den aktuellen Fefe-Kommentar.
      Es ist auch nicht ok, wenn ich für den Internetzugang zahle und Google etc. ebenfalls zahlen muß. Google/Youtube bietet Inhalt an, und ich zahle für den Zugang. Etwas anderes will ich nicht.
      Und warum soll es eni Hindernis für kleine Anbieter sein, wenn sie das Internet ungefiltert anbieten müssen?

    4. Sie beschreiben hier gut den „Kasus Knacksus“ der ganzen Situation. Denn wie bei jeder Frage um die Freiheit steht auch hier das Dilemma im Vordergrund, dass jemandes Freiheit eingeschränkt werden muss, um jemand anderes Freiheit zu vergrößern.

      Doch wessen Freiheit müssen wir in diesem Falle beschneiden?

      Zudem: Sollte das Modell der Telekom Erfolg haben, werden sie beileibe nicht die Einzigen bleiben, die ein derartiges Kommunikationsmodell benutzen…

    5. Das gute alte „der Staat schafft Probleme“ und „zulasten der kleinen bzw. unabhängigen Anbieter“. Das sind, wenn ich mich recht entsinne zwei Floskeln die bei Regulierung immer wieder fallen. Hier werden sie auch, wie so oft, nicht durch gute Argumente unterfüttert.

      Dazu kommt noch der immer funktionierende Vorwurf: „Man bedenke, dass die Internetzugänge in den letzten Jahren trotz immenser Inflation nicht teurer wurden. Es könnte sein, dass dort noch eine Spannung aufzulösen ist.“ = Wenn das Netz neutral bleibt wird alles teurer. Deep packet inspection ist quasi alternativlos… Und Angst um unseren Geldbeutel haben wir alle.

      Garniert wird das ganze durch: „so schafft der Staat selbst Probleme, um sie dann in Zukunft wieder durch neue Regulierung zu “lösen”“. Diffuse Angst vor dem Staat, als Grund eine ganz konkrete und immense Bedrohung des Internets zu ignorieren.

      Dazu noch Rabulistik à la „Diese Beobachtung lässt sich leider nicht wegdiskutieren“.

      So sieht für mich geschicktes Gegenmarketing aus. FUD at its best! Man wälzt alle diffusen, unausgesprochenen Ängste in den Weg ohne substantielle Argumente beizutragen.

      Noch kurz zum Thema „zulasten der kleinen bzw. unabhängigen Anbieter“: Ich hatte bisher gedacht das gerade durch die Marktmacht der Telekom (und möglicherweise Vodafone) das Problem entsteht und das die Leidtragenden die Kleinen sind. Die großen werden den Providern problemlos eine Gebühr zahlen können für die Durchleitung. Auf der Strecke bleiben eben gerade kleine innovative Unternehmen und nebenbei noch die ganzen kleinen Watchblogs.

      tl;dr
      Wer den ersten Kommentar gelesen hat: Denke bitte, bitte nochmal genau nach, was da an differenzierter und substantieller Argumentation durchscheint… In Zeiten von Meinungsbots und social engineering sollte man gerade solche wirtschaftsfreundlichen Stimmen mit großer Aufmerksamkeit lesen.

  2. Könntet ihr bitte damit aufhören Anderen zu erlären, wie das Internet funktioniert?

    Denn ganz offensichtlich habt oder benutzt ihr ein Internet, das mit meinen zwar den Namen gemeinsam, aber mit der Technik nicht viel zu tun, hat.

    Jeder, der will, kann sich vollständig neutrales Internet nach Haus legen lassen, zu einen nicht-mehr-ganz schönen Preis (es scheint wie der Kollege von Leitner schon mal schrieb, billigere Lösungen in Berlin zu geben) (wer will kann ja mal nachschlagen, was ein 1GB Port am DECIX kostet).

    Jeder andere, nimmt am Internet via Provider teil, und hat damit die Billig-Variante. Diese war noch nie neutral, nie vollständig funktional, bandbreitenbegrenzt, volumenbegrenzt und was weiss ich noch Alles.

    Ich find’s jetzt auch nicht besonders lustig das die klassischen Provider anfangen liebgewonnene Eigenschaft des Internetanschlusses sich extra bezahlen zu lassen, aber was ist nun der Ausweg?

    Gesetzesinitiative? Von wem? Regulierung? Verstaatlichung?

    Und btw: Der nächste, der behauptet, das Internet sei erfunden worden um einen Atomkrieg zu überstehen, bekommt mein (in Granittafeln gebundenes) Exemplar von „Where Wizards stay up late“ um die Ohren gehauen. Wenn’s sein muß, zweimal.

    1. das Interwebz wurde im kalten Krieg von den Amis entwickelt um die Kommunitation auch im Falle eines Atomkrieges aufrecht zu erhalten weswegen es auch ein dezentrales Design hat… also ist diese Aussage keineswegs falsch… und nun fickiere dich hinfort…

    2. / ironie /
      Nein nein, das siehst du völlig falsch. Die Verstaatlichung soll diesmal wirklich dem Allgemeinwohl dienen. Grundlegende Rechte wie „Recht auf Eigentum“ und „Allgemeine Handlungsfreiheit“ werden sowieso völlig überbewertet. Wir müssen alle Provider mit umfangreichen aber wichtigen Regeln versehen, weil es sonst morgen nur noch unneutrales Internet gibt. Und selbstverständlich muss das neutrale Netz ohne jegliche überbuchung zum endkunde kommen. Wie decix? das Internet darf selbstverständlich nicht mehr als 4,99 / Monat kosten. Es darf nicht verschiedene Diensteklassen geben. Nieder mit den verschiedenen Klassen. Alles muss gleich sein. Alles muss gleich kosten und den gleichen Leistungsumfang haben

      / ironie ende /

      Sorry, das musst sein :-)
      Tja, der Libertarismus der sich noch um die echten Bürgerrechte kümmert, der hat heute eine schwierige Zeit…

      Ich möchte mal sinnvolle Forderungen stellen:
      – Abschaffung sämtlicher evtl vorhandenen Subventionen für Telekommunikationsbetreiber.
      – Abschaffung der Störerhaftung auch für Privatpersonen (Dezentrale Internetversorgung, WLAN, Freifunk etc…)

      1. Und was wir unbedingt brauchen, ist eine saubere Definition von Netzneutralität. So können Unternehmen gezielt damit Werben und die Gerichte dann nach diesen Kriterien entscheiden, falls es bei einem als neutral beworbenem Zugang zu Konflikten kommt.

  3. Okay, putzen wir mal etwas diesem unerhört schlechten Text hinterher:

    Das Internet war niemals frei von Datengleichbehandlung, es ist es auch heute nicht. Im Gegensatz zu vielen Verfechtern der Netzneutralität wird jedoch relativ allgemein geroutet. Aber grundsätzlich ist jeder Carrier daran interessiert, möglichst effektiv und günstig seinen Datenverkehr durchs Internet zu bringen. Das führte schon in der Vergangenheit zu Versuchen einzelner Provider, das DNS so im eigenen Netz umzubiegen, dass z.B. der Verkehr zum FTP-Downloadserver von Netscape nicht nach Amiland ging, sondern zu einem gespiegelten Server im eigenen Netz. Das war lange Zeit eine völlig übliche Vorgehensweise.

    Das Internet bzw. dessen Vorläufer wurden nicht zum Schutze vor Atombombenangriffen entwickelt, sondern das ARPANet zum Verbinden von vier Großrechnern im Westen der USA. Die gehörten der ARPA, waren sündhaft teuer und die ARPA wollte nicht jeder Uni einen eigenen Großrechner spendieren. Die Geschichte mit der Atombombensicherheit kommt von einem Projekt der RAND Corporation, das in der Theorie das dezentrale Netzwerk entwickelte. Dieses Konzept floss dann später in das ARPANet bzw. dann dessen Kinder CSNet und Internet ein. Kleine, aber feine Unterschiede in der Rhetorik.

    Router und Provider haben niemals Datenverkehr blind weitergeleitet, der IP-Verkehr basiert auf Routingtabellen, die primär nach geschäftlichen Gesichtspunkten aufgebaut werden, sekundär dann nach Redundanzen für den Havariefall. Das muss man immer wieder sehr deutlich betonen, denn hinter den Kulissen des Internets geht es nicht um die schöne Demokratie und die Sicherstellung dieser Demokratie, sondern um den schnöden Mammon.

    Das frühe Internet war niemals eine Veranstaltung, in der man eben mal etwas machen konnte oder einen Zugang bekam. Ganz im Gegenteil: Das Internet basierte lange Zeit auf einfache Modemverbindungen, es wurden immer nur Großrechner verbunden und per Terminal konnte man mitunter einfach mal zuschauen, ob man eine Session auf der anderen Seite bekam oder nicht. Ebenso hatten Universitäten, die teilnehmen wollten, mitunter große Einstiegshürden in Form von Mitgliedschaften und Zaster zu bezahlen. Das „freie“ und „anarchische“ Internet „von früher“ ist eine ziemlich verklärte Welt aus der Dose.

    Die hier dargelegte Theorie, dass Provider ihren Netzausbau verlangsamen würden und stattdessen lieber die Bandbreite der Kunden beschränken, ist kaum zu halten. Die Datenmengen im Internet vervielfachen sich im Internet unabhängig davon, ob Otto Normalverbraucher zu Hause eine Flatrate hat oder nicht. Vielmehr ist es immer noch so, dass nur ein kleiner Prozentsatz von Nutzern tatsächlich die allgemeine Durchschnittsmenge an Datenverkehr signifikant nach oben schrauben. Tatsächlich bleibt die Mehrheit aller Nutzer unter dem Durchschnitt, teilweise extrem darunter. Fairerweise muss man auch solchen Menschen die Möglichkeit bieten, einen günstigeren Zugang zum Internet bekommen, als andere. Das ist die Kehrseite des Flatratedenkens.

    Netzneutralität und Zensur darf man niemals im gleichen Zusammenhang verwenden, weil diese zwei grundverschiedenen Ansätze zum Verhindern von Datenverkehr auch zwei unterschiedliche Interessensgruppen anspricht und deren Wünsche zusammenlegt, obwohl sie nichts damit zu tun haben. Netzneutralität und Zensur haben nur insofern eine echte Gemeinsamkeit, dass es den gleichen Datenverkehr betrifft, der da geblockt oder gefiltert werden soll. Beim einen Thema geht es aber nur um den reinen Zaster, beim anderen Thema um Politik. Do not mix it.

    Deep Packet Inspection ist vom Prinzip her eine Sache, die jeder machen kann, der will. Per se sind in unverschlüsselten Protokollstapeln alle Layer offen und zugänglich und mit entsprechender Rechenpower kann man als Man-in-the-middle alles mögliche damit anfangen – zum Beispiel auch einen hidden Proxy betreiben.

    Aber auch hier spielt die Frage eine Rolle, was mit Deep Packet Inspection gemacht werden soll. Für reines Datenverkehrsmanagement ist sicherlich kein so hoher Aufwand notwendig, wie für tiefere Paketinspektionen wie z.B. Zensurmaßnahmen auf höheren Protokollebenen. Richtig effektive Hardware könnte sich also ein Provider auch kaufen, wenn er es nur zum Datenverkehrsmanagement bräuchte, aber es ist schlicht nicht notwendig. Einfach also zu sagen, Deep Packet Inspection macht ja eh jeder, es unterscheidet lediglich die Konfigurationsdatei, ist unseriös und pauschal.

    Ich bin sicherlich auch kein Freund von Verletzungen der Netzneutralität, aber zum einen darf man Netzneutralität nicht mit Zensur gleichsetzen und zum anderen müssen wir uns alle tatsächlich die Frage stellen, wer die Zeche im Netz bezahlt. Ich meine, dass muss der Provider für sein Netzwerk immer selbst, aber der muss letztendlich dieses Geld auch irgendwo bekommen. Und das bin ich oder du. Hart aber wahr.

    1. *putz*

      Ein Wink mit dem Zaunspfahl, wie ernst ich die Atomkrieg-Theorie nehme, steht im Satz:

      Im Internet steht, es wurde erfunden, um einen Atomkrieg zu überstehen.

      Wie lange es welche NN-Verletzungen schon gibt, ist mir egal. Ich will, dass es keine gibt.

      Ein zensiertes Netz ist kein neutrales Netz. Und andersrum:

      Die Abschaffung der Netzneutralität entspricht einer wirtschaftlichen Form der Zensur.

      Die selbe Hardware, die in Russland politische Inhalte zensiert und das Netz überwacht, steht auch bei Providern in Deutschland – um BitTorrent zu shapen.

    2. Im Gegensatz zu vielen Verfechtern der Netzneutralität wird jedoch relativ allgemein geroutet

      Besser vor dem Putzen des „unerhört schlechten Textes“ selbst noch mal üben.

  4. Ich hab mal ne Frage, wenn ihr die totale Netzneutralität wollt, wollt ihr dann auch, dass Notrufe über IP Anschlüsse warten müssen, wenn der DSLAM wg. massiver Downloads anderer User überlastet ist?

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