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Realsatire-Alarm: Die CopyPolice kommt!

Bislang unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit versteckt sich im Internet eine Perle der Urheberrechtsdebatte. Auf www.copypolice.de begrüßt die „CopyPolice®-Initiative zur Bekämpfung der Internet-Piraterie“ ihre Besucher. Und auf jeder der zahlreichen Unterseiten finden sich ebensoviele Brüller. Auf der Seite „Über uns“ wird gleich einmal mit Falschinformationen vor Unwissenheit und Gefängnisstrafen geschützt, die zumindest in Deutschland für Downloads noch keineswegs drohen:

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Das Downloaden wird häufig als Kavaliersdelikt gesehen. Dabei verliert man aus den Augen, dass es sich hier um ein Strafdelikt handelt, welches mit Geld und Gefängnisstrafen geahndet werden kann. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Deshalb möchten wir Ihnen einige Informationen vermitteln und Sie vor Strafen schützen.

Über die vermeintliche Rechtslage informiert aber auch noch ein Vortrag aus dem Jahr 2005 des laut Impressum für die Seite verantwortlichen Horst Soltysiak – der Fußzeile zu Folge wurde die Homepage jedoch zuletzt 2012 aktualisiert. Zum Förderkreis der CopyPolice zählen laut Homepage die deutschen Niederlassungen der großen Filmstudios ebenso wie eine illustre Runde größtenteils unbekannter Prominenter. Unter diesen in doppelter Hinsicht herausragend Oliver Kalkofe, der sich in Regener’scher Manier wie folgt äußert:

Ich wünsche allen verlogenen Raubkopierern dicke juckende Furunkel an Stellen, wo sie sich nicht kratzen können, denn das haben sie verdient.

Der Pressedienst wiederum liefert tolle Kampagnensujets, die unter Angabe der Quelle weiter verwendet werden dürfen. Im Sujet der „aktuellen Posteraktion“ (PDF), laut Datum am oberen Rand des Dokuments vom 27.05.2003, weist ein netter Polizist den Weg in die Zelle:

 

Und da sag noch jemand, die Urheberrechtsdebatte hätte nicht auch ihre unterhaltsamen (Web-)Seiten.

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34 Kommentare
  1. Frank Völkert, Stellv. Vorstand, Head of blabla Filmförderungsanstalt sagt dort: Rund 100 Millionen Raubkopien pro Jahr, allein in Deutschland

    und er hat sie selber gezählt… menno

  2. Hey, Herr Soltysiak. Falls Sie hier reinschauen: Ich kaufe ziemlich viele DVDs. Von Universum DVDs lasse ich seit zwei Jahren aber die Finger, seit (u.a. bei „Chroniken von Erdsee“) der von Universum eingesetzte „Kopierschutz“ verhindert, dass ich meine legal erworbenen Filme auf meinem DVD-Spieler ansehen kann. Nur mal so nebenbei zum Thema Umsatzeinbrüche.

  3. Das Zitat von Kalkofe ist uralt… das war schon auf der Mattscheibe-DVD zur 2004er-Staffel im Vorspann. Ich weiss allerdings nicht ob er es noch in jüngerer Zeit wiederholt hat.

      1. Nee ist keine Selbstanklage, eher eine Feststellung. Ich hatte damals noch einen Fernseher und hab nicht alle Folgen gesehen. Da mir aber der „Humor“ bzw. die Satire zusagte, hab ich mir die DVD gekauft.
        Im selben Jahr hab ich meinen Fernseher verkloppt und lebe seitdem sehr gut ohne.

  4. Zur Ehrenrettung von Kalkofe (mir ist bewusst, dass seine brachiale und teilweise extrem vulgäre Art der Kritik nicht jedermanns Geschmack ist):

    Er kam auch schon mit dem Urheberrecht in Konflikt, Zitat Wikipedia:


    Das Unternehmen hatte Klage eingereicht, da in „Kalkofes Mattscheibe“ ohne Genehmigung Originalmaterial aus der Sendung „Der Preis ist heiß“ gezeigt wurde, wobei die Satire – so die Sichtweise von Fremantle – geltendes Urheberrecht und Wettbewerbsrecht verletzte. In einer Pressemitteilung vom 13. April 2000 verlautbarte der BGH, dass „Kalkofes Mattscheibe“ als urheberrechtlich neues und selbständiges Werk anzusehen ist und die durch die Rundfunkfreiheit (Art. 5 GG) geschützte Aufgabenstellung als nicht wettbewerbswidrig zu werten ist. Dieser Beschluss ist auch als „Kalkofe-Urteil“ bekannt.

    Im übrigen sollte man sich seine Rede auf den Medientagen 2007 in München zu Gemüte führen, wo er alle anwesenden Vertreter der großen Medienanstalten ziemlich angepisst hat.
    Einfach danach googlen…

  5. Hm, also ich denke die Seite ist echt.
    Hab nämlich dieses tolle Bild als Poster. :D
    Die Zeit stimmt auch so in etwa. Ich weis bloß nicht mehr woher ich dieses Poster hab. Glaub das lag mal in einer Videothek rum.
    Aber wurde von mir immer schon als Satire behandelt.

  6. Am besten finde ich die Unterstützerliste. So kann ich schonmal um die Firmen einen großen Bogen machen, die diesen Witzclub subventionieren.

    Und mal so nebenbei gefragt: Wann hat sich jemand zuletzt ein Leid, äh: Lied von Roland Kaiser, der auch zu dieser illustren Runde gehört, von Rapidshare gezogen…?

    1. Ah, der Entertainment Media Verlag, der die Community von kino.de abserviert hat, um die Seite in ein Sprachrohr für die Filmindustrie umzuwandeln. Wo kämen wir auch hin, wenn sich die Zuschauer über Nischenprodukte kleiner Verleiher intensiv austauschen anstatt sich die in die Kinos gedrückten Massenproduktionen schönreden zu lassen.

  7. Der Begriff „Polizei“ bzw „Police“ ist doch ein hoheitlicher. Es wird sich ja wohl nicht jeder Depp selbst als Polizei ausgeben dürfen. Da müsste man doch wohl also rechtliche Ansatzpunkte finden können um die Benutzung des Begriffes Polizei zu unterbinden, schließlich besteht ja die Gefahr das die Seite sonst mit anderen hoheitlichen Institutionen verwechselt werden könnte.

  8. DESWEGEN also die ganzen Hartz-IVler…deren Arbeitsplaetze in der Entertainment-Industrie wurden durch Raubkopierer vernichtet! Als historisches Dokument finde ich die Seite wichtig. Schon um 2004 war also argumentativ der Kampf gegen ‚Raubkopierer‘ verloren…

  9. na super bin auf diesen copypolicescheiss reingefallen
    dvd lässt sich unter debian nicht abspielen wegen der verschlüsselung…

    am bittersten ist folgende aufschrift auf der dvd:
    „DVD ist kopiergeschützt. Der Kopierschutz hat keine Auswirkungen auf die Abspielbarkeit der DVD!“

    steht dort wirklich drauf!

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