Kultur

Kim Schmitz, selbsternannter Freiheitskämpfer im Internet, will Berichterstattung gerichtlich unterdrücken

Kim Schmitz, Mitbegründer von Megaupload, präsentiert sich gerade mal wieder als Freiheitskämpfer im Internet. Gleichzeitig versuchte er, unliebsame Berichterstattung zu unterdrücken. Der Journalist Torsten Kleinz erhielt drei einstweilige Verfügungen, Gerichte wiesen alle drei jedoch ab.

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Torsten Kleinz, freier Journalist unter anderem für heise online und die taz (und Freund des Hauses), berichtet schon lange über den umstrittenen Internetunternehmer, unter anderem mit seinem Kimble-Report:

Diese Dokumentation über das Treiben der Medienfigur war mein erstes eigenes Internet-Projekt. Dort hatte ich vor über 10 Jahren dargelegt, wie Medien über die Person Kim Schmitz und seine öffentliche persona Kimble berichteten und ständig versagten. Die Medien behandelten Schmitz immer wieder als Super-Hacker, der — so schrieben einige ernsthaft — das Kreditlimit von Kanzler Kohl gehackt und Greenpeace Millionenspenden zukommen gelassen habe. Kurz gesagt: Es gab ein Haufen bullshit und ich nahm mein kleines Schäufelchen, um ihn wegzubringen. Ich machte es schlichtweg, weil es sonst niemand getan hatte.

In einem Beitrag bei ZDF Hyperland resümiert Kleinz Schmitz‘ aktuelle Kampagne als Heiße Luft 2.0:

Zwischen Witzen und ernst gemeinten Plänen war bei Kim Schmitz noch nie einfach zu unterscheiden: So bot er einst auf seiner Webseite sein Sperma zum Kauf an und kündigte an, dass er auf den Mond fliegen werde – witzig gemeinter Größenwahn. Auf der anderen Seite suchte er ernsthafte Anleger für seine Firma “Trendax”, die versprach mit Hilfe von künstlicher Intelligenz an der Börse Millionengewinne zu erzielen. Dieser und viele andere Pläne lösten sich freilich in Luft auf, wie zum Beispiel eine Luxus-Rallye, die über mehrere Kontinente führen sollte.

Megalomanie und Schamlosigkeit gehört zur Medien-Figur Schmitz, Dotcom, oder wie er sich auch nannte: “Kimble”. So setzte er im Jahr 2001 eine Belohnung von 10 Millionen US-Dollar auf Osama Bin Laden aus – Geld, dass er aller Wahrscheinlichkeit gar nicht hatte. Auch die von ihm angeführte Hacker-Truppe YIHAT, mit der er großspurig die Finanzquellen des Terrorismus lahmlegen wollte, erwies sich eher als Witz: Die Webseite der Möchtegern-Kämpfer wurde von einem Hacker lahmgelegt. Als Schmitz behauptete, der Hack sei eine Art Bewerbungsschreiben gewesen, überschrieb der unbekannte Angreifer die Webseite des angeblichen Super-Hackers erneut.

Kim Schmitz ist gerichtlich gegen Kleinz vorgegangen:

Ende letzten Jahres habe ich nochmal für heise und die taz Berichte über Kim Schmitz und Megaupload verfasst. Wenig später bekam ich ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei, in dem mir so ziemlich alles verboten werden sollte. Selbst dass die Pleite von Dataprotect für den Gründer und Anteilseigner Kim Schmitz vorläufiges Ende einer geschäftlichen Glückssträhne war, wurde mir als unzulässige Äußerung angerechnet. Gar von Vorstrafen zu schreiben sollte absolut verboten sein.

In der Folge erhielt ich persönlich und die beteiligten Verlage drei einstweilige Verfügungen von drei verschiedenen Landgerichten, die mir auf Verlangen von Kim Schmitz (nicht:Dotcom) und Megaupload jeweils eine einzelne Äußerung verboten. Warum dafür drei verschiedene Gerichte bemüht wurden? Die einzige Erklärung, die mir plausibel erscheint: Ich sollte mit möglichst vielen Kosten und Prozessrisiken konfrontiert werden. Solche Rechtstreitigkeiten können schnell fünfstellige Beträge verschlingen. Selbst im Siegesfall waren die Aussichten, meine Anwaltskosten erstattet zu bekommen, gering.

Dankenswerterweise hielten die Verlage von heise online und taz zu mir und hielten mich von dem finanziellen Risiko der Streitigkeiten frei. Dank der hervorragenden und engagierten Arbeit meiner Anwälte wurden die einstweiligen Verfügungen eine nach dem anderen erst außer Kraft gesetzt und schließlich gerichtlich abgewiesen. Das dauerte mehrere Monate und kostete einige Nerven.

Dass Schmitz in der Hacker-Szene nicht gerade beliebt ist, kann man auch im Handelsblatt nachlesen:

Der Chaos Computer Club verhängt in den 90er Jahren ein Hausverbot für Schmitz, zu den Kongressen darf der selbsternannte Hacker nicht mehr erscheinen. „Der CCC hatte als Ideal schon immer die Verbreitung von Wissen gehabt“, so CCC-Sprecher Andreas Bogk. „Kim Schmitz hat sich dadurch hervorgetan, dass er als einer der ersten, aus dem Tausch von Dateien ein Geschäft machen wollte. Er hat gegen alles, was es damals an Werten gab in der Szene, verstoßen.“

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13 Kommentare
      1. ich erinnere mich an alles und verdanke kimble eine gewichtszunahme von rund fünf kilo. nur durch ungesüßtes popcorn.

        mein crawler wird übrigens nicht der einzige sein, den er nie ausgesperrt hat.

        .~.

  1. Ich finde noch interessant, dass Torsten Kleinz seinen deutschen Akzent kritisiert. Das ist nun wirklich typisch deutsch. Alle Nationen haben Akzent in einer Fremdsprache und niemanden stört das. Es ist eine Art tief verwurzeltes deutsches Spießertum sich über Färbungen der Mundart lustig zu machen und eine gut tradierte deutsche Tradition die eigene Sprache gering zu schätzen (immerhin die meist gesprochene Sprache Europas).

    Kim Schmitz, Dieter Bohlen, Rudi Dutschke, Karl-Theodor zu Guttenberg, alle wären sie nichts ohne BILD. Das tut vielleicht weh, wenn man einen aufklärerischen Optimismus anlegt , aber ab einem gewissen Level gibt es keine schlechte Publicity mehr, Hauptsache es ist kontrovers und erzählbar.

    Seine Kampagne ist erfolgreicher als es uns gefallen möchte, weil wir an den aufklärerischen Effekt der sozialen Medien glauben. Wir haben es ja schon im Fall Kony gesehen wie eine – professionell betrachtet – zynisch kalkulierte Narration mit heisskaltem Schauer aufgeht. Vielleicht ist das Projekt Aufklärung Unsinn und es wäre besser neue Geschichten zu erfinden.

  2. kann mich in den letzten monaten des eindrucks nicht erwehren, dass kimble so einiges über den kopf wächst und mehr eingebrockte suppen ausgelöffelt werden wollen, als eine person selbst mit enormem kleingeld wuppen kann.

    falls ich mitleid finde, sage ich bescheid. als mitstreiter in sachen netzpolitik halte ich ihn für komplett ungeeignet.

    .~.

  3. Ein wie ich finde exzellenter Artikel, den sich meiner Meinung nach einmal alle Fans des Filesharing-Gottes Schmitz durchlesen sollten, damit dieser All-for-free-Generation einmal die Augen geöffnet werden, welche Gesichter die hochgepriesenen Helden wirklich haben.

    1. eine blinde generation sieht kimble als filesharing-gott? nun machen sie mal aus einer mücke keinen elefanten. wenn sie herrn schmitz als einen repräsentanten einer politisch-kulturellen bewegung oder eines zeitgeistes bezeichnen, legen sie nahe, über vieles nicht im bilde zu sein.

      kimble ist genau so wenig sachwalter der kunst im zeitalter ihrer digitalen reproduzierbarkeit wie tom cruise vor aufgeklärten christen moderner zeit das banner der religionsfreiheit herträgt.

      bitte informieren sie sich über den diskurs an dem sie sich beteiligen. sie ersparen sich dadurch womöglich manch peinliche polemik.

      .~.

  4. Kim Schmitz? Hatte mal Kontakt mit ihm in den späten 90ern. Der hat nur die Leute angelogen und irgendwelchen Blödsinn erzählt. Dann ist seine ach so tolle GmbH in Insolvenz gegangen und er ist abgehauen.

    Das miese Schwein hat sich sogar noch durch finanziellen Betrug ne Yacht und viele teure Autos gekauft, um so die Aufmerksamkeit zu bekommen. (Wer’s mir nicht glaubt, kann einfach mal Kim Schmitz cars bei Youtube eingeben)

    Dieser Kerl ist kein Held, nur wieder einer von denen die Aufmerksamkeitssüchtig sind. Denn seid mal ehrlich:
    Wenn er es geschafft hat, zu betrügen und noch davon gekommen ist, dann kann ich auch mal ganz schnell mich für ein Uploading-Hoster einsetzen und kann dann sonst nen Quatsch behaupten. Der perfekte Plan, weil er jetzt sehr viele Menschen auf seiner Seite hat.
    -> Letzendlich bleibt er aber nur ein Idiot und es wird nicht lange dauern, dann werden auch die Leute die derzeit auf seiner Seite sind merken, dass er nur die Leute betrügt. Lasst euch auf diesen Spinner nicht ein!

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