FTOJ: Journalismus aus Nutzersicht

Heute findet der Frankfurter Tag des Onlinejournalismus statt. Ich bin eingeladen worden, unter dem Titel „Alles offen – Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kennen“ darüber zu sprechen, wie Nutzer sich Journalismus wünschen. Nun ist das natürlich etwas, was man nur subjektiv beschreiben kann, da meine Wünsche an den Journalismus, bzw. die Medien wahrscheinlich ganz anders aussehen als die von vielen anderen.


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Ich hab eine Menge Punkte schon in meiner Präsentation, die aber in 30 Minuten inklusive Fragen und Antworten auch nicht Alles abdecken wird. Daher hier die Frage: Was wünscht Ihr Euch als Nutzer vom Journalismus bzw. den Medien? Abschaffung der Depublikationspflicht ist selbstverständlich schon drin, Ladenöffnungszeiten bei Nutzerangeboten natürlich auch.

Es gibt übrigens einen Livestream: Kathrin Passig, Dirk von Gehlen, Richard Gutjahr und andere erzählen auch was zu anderen Aspekten des Onlinejournalismus.

12 Kommentare
  1. Kritisches Hinterfragen von Politiker- / Firmenpressemeldungen. Nicht nur einfaches kopieren.

    Ein Beispiel von gestern abend: Roetgen tritt zurueck und nimmt alle Schuld auf sich. Warum muessen dann alle sagen, was fuer ein toller Kerl das ist, weil er das macht, anstatt darauf hinzuweisen, dass
    – er bei der oertlichen CDU nicht so angesehen war
    – er nur das gemacht hat, was man von ihm erwartet hat
    – die CDU ohne ihn wahrscheinlich besser abgeschnitten haette.

  2. Mehr Kreativität! Langer Text ist von vorgestern, aufgeteilt auf verschiedene Seiten (damit man möglichst viel klickt) ist ebenso von gestern. Eine Kombination aus interaktiven Grafiken, kurzen Videos und Bildern, angepasst auf den Nutzer und sein Endgerät (und nicht darauf, viele Klicks zu erzeugen) wären schonmal super.

    Dann eine stärkere Einbindung des Lesers, Reaktionen und Kommentare vereinfachen (und nicht an die Registrierung eines Useraccounts binden), Reaktionen, Antworten, Re-Tweets und Shares besser einbinden, sodass sich dem User ein Informationsnetzwerk zu einem bestimmten Thema bietet. Besonders gute Reaktionen können hochgevoted werden. Auf jeden Fall darf ein Artikel nicht mehr so stark von den Reaktionen abgegrenzt werden, immerhin gehört beides zusammen.

    Eine derartige Zeitung darf dann auch Geld kosten.

  3. – Online-Inhalte auch mal unter CC-Lizenz veröffentlichen. AlJazeera zB macht’s schon längst.
    – Wenn es Feedback-Möglichkeiten gibt, sollten die nicht „Übermoderiert“ werden.
    – Die B-für-Blog-Jugendschutzregel. Könnte man gleich mal mitnehmen

  4. was in (1) eh schon gesagt wurde, i.e. Meldungen nicht einfach wiedergeben, wenn man weiss dass es Bullshit ist. Sondern kommentieren.

    Ausserdem, bei uns noch nicht so sehr das Thema aber in den USA echt schlimm (i.e. die Hoffnung dass das bei uns nicht in die Richtung weitergeht), dass man alles, aber auch ALLES so darstellen muss, als wär das nicht entscheidbar und gäbe halt 2 Meinungen zum Thema, wo man halt erstmal einen Wissenschaftler zitiert, der sagt, das ist soundso, und dann „but critics say that“ und irgendso einen wild-eyed Verschwörungtheroretiker, der einen kompletten Wahnsinn daherfaselt, und seitens des jeweiligen Nachrichtenmediums wird das so als zwei gleichwertige Standpunkte dargestellt. Natürlich noch viel gefährlicher, wenn der wild-eyed verschwörungstheoretiker nicht wild-eyed ist und somit nicht einfach als solcher zu erkennen.

    Ausserdem, zusammenhängend mit Punkt 1, dass auch in Interviews mal erstens auf Antworten, die keine sind, mit „das ist jetzt keine Antwort auf meine Frage, bitte beantworten Sie meine Frage“ reagiert wird, und, dass Aussagen die faktisch falsch sind auch kommentiert werden mit „das stimmt aber nicht“. Gibts hin und wieder Lichtblicke, aber viel zu selten. Das müsste der Normalfall sein.

  5. Ich würde gerne einen Anhaltspunkt dafür haben, dass ich dem Inhalt eines Artikel glauben schenken darf – aktuell ignoriere ich Presseartikel, sofern mir die Autoren nicht was sagen: Ich weiß nicht, inwiefern sich das realisieren ließe, doch Quellenangaben könnten hilfreich sein. In diesem Sinne wäre das beinahe inflationär verwendete Schlagwort „Transparenz“ nicht fehl am Platze. Ich möchte wissen wer den Artikel geschrieben hat (Kürzel der Autoren sind nicht bei jedem Format so leicht zu recherchieren wie bei SPON) und auf welche Quellen sich dieser stützt (Hören und Sagen, PR-Pressemitteilung, …). Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn falsche Informationen im Nachhinein korrigiert werden würden. Stichwort wäre hier Verantwortung. Es mag sein, dass es früher niemanden gestört hat, dass Journalisten Falsches schreiben. Aber in Zeiten von Wikipedia, in denen man innerhalb von Sekunden herausfinden kann, dass in einem Artikel Murks steht (Ich weiß, dass Wikipedia keine echte Recherche ersetzt), schadet man sich so selbst.

    Als Beispiele – der Presserat scheint auch nicht immer eine Hilfe zu sein:
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/2012/03/03/presserat-%E2%80%9Etaz-fail-als-meinungsauserung-zulassig/
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/2011/05/29/presserat-verbreitung-von-verschworungstheorie-zulassig/

    Beim Spiegel kann sich der Leser sogar seine eigene Wahrheit aussuchen: Es werden verschiedene Realitäten angeboten:
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/2011/11/18/perpetuiertes-stigma/

    Ich würde mir also schlicht eine transparente und verantwortungsvolle Berichterstattung wünschen, die die zutreffende Information der Leser zum Ziel hat.

  6. -konvergieren unterschiedlicher medien, also text, bilder, videos etc

    -informationseinreichungen von whistleblowern unterstützen

    -einen artikel nicht als fertiges produkt ansehen, sondern jeweils als aktuelle version, die jederzeit wieder verändert werden kann (zB als verbesserung nach der diskussion mit der community)

  7. – nicht nur nachplappern, sondern erklären. Artikel, die nur aus umformulierten Ticker-Meldungen oder Pressemitteilungen bestehen finde ich auch auf hundert anderen Seiten.

    – lieber auf drei Dutzend nachgeplapperte Alltagsmeldungen verzichten und dafür eine lange, richtig gut recherchierte Story mit Detail- und Hintergrundinformationen.

    – Quellen angeben und – soweit möglich – auch direkt verlinken. Nicht nur „laut eines Artikels auf xyz.“ schreiben, so dass man sich die fragliche Seite selbst suchen muss. Leider bei vielen Online-Medien noch immer keine Selbstverständlichkeit.

    – Hinweise auf Verbindungen des Autors zum Artikelgegenstand (persönliche Bekanntschaften/Freundschaften, Arbeitsverhältnis, gesponsorte Reisen und andere finanzielle „Anreize“) offenlegen

    – Leserkommentare beachten. schlimm, wenn in den Kommentaren dutzendfach auf offensichtliche Fehler hingewiesen wird und der Artikel trotzdem unverändert stehenbleibt.

  8. Es steht alles geschrieben

    Wo? Im Pressecodex, in den Statuten des Deutschen Presserates, im Lehrplan jedweder publizistischen Ausbildung aber auch im Presse- und Medienrecht. Journalistische Ethik, so prominent stets in Szene gesetzt. Es würde völlig genügen, wenn heutige Journalisten das, was sie zu tun vorgeben, auch tun.

  9. Ich hab mir den Livestream ansehen können und, bin froh das es den gab. Besonders Frau Passigs Vortrag hat mir gefallen. Der Punkt zur Unterscheidung zwischen „persönlicher Öffentlichkeit“ und „publizistische Öffentlichkeit“ im Web 2.0 ist mir noch neu aber hat sie sehr einleuchtend dargestellt.

    Dein Hinweis das öffentlich-rechtliche Sendeanstallten ihre Inhalte häufiger als CC rauszugeben ist hat vielen Leuten vor Ort wohl nicht gefallen, war aber gut das du den Finger in die Wunde gelegt hast.

    hier hervorragende Dokumentation über unsere Medienlandschaft, deren Drahtzieher und die verschiedenen Einflüsse, die zu dem führen, was wir Nachrichten nennen. Das ist ein Film von einem unabhängigen Journalisten, ergänzend zu dem blog http://www.kannnichtsein.com , den ich ebenfalls nur empfehlen kann, will man ein paar Hintergründe über unsere Medienwelt erfahren.
    http://youtu.be/fbG-W4rH5J0

  10. Dann eine stärkere Bindung des Lesers, Reaktionen und Kommentare vereinfachen sodass sich dem User ein Informationsnetzwerk zu einem bestimmten Thema bietet. Besonders gute Reaktionen können hochgevoted werden. Auf jeden Fall darf ein Artikel nicht mehr so stark von den Reaktionen abgegrenzt werden.

  11. Es kamm ja immer wieder die Frage auf, ob es eine deutsche Plattform gibt wo journalistische Inhalte mit Blogbeiträgen oder „User-Generated“-Content etwa auf augenhöhe stehen.

    Mir fällt das onlineangebot von http://freitag.de ein, wo es neben dem redaktionellen Teil auch einen durchaus ausgeprägten Communityteil gibt.

    Bei Kommentaren, stimmt es wohl sehr der Ton macht die Musik.
    „Mut zur Meinung“ sagte jemand aus der Runde.

  12. Ich fände es toll, wenn die Journalisten aufhören würde, uns vorschreiben zu wollen, wie unsere Meinung auszusehen hat. Fakten auf Tisch, auch die unangenehmen, und stopp.

    Meinungen, Denkvorgaben und Ansichten gehören getrennt in entsprechend getrennte Artikel.

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