Kultur

Deutsche Bahn Fahrpläne jetzt in Google-Maps

Update von wetter: Ich hab mal eine Petition eingerichtet, die die Freigabe der Daten gegenüber der Öffentlichkeit fordert: Bahn: Fahrplan als OpenData veröffentlichen.

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Die Deutsche Bahn und Google veranstalten gerade um 13:30 eine Pressekonferenz zur Vorstellung einer Kooperation. Dort wird, wenig überraschend, die Integration der Deutsche Bahn – Fahrpläne in Google-Maps verkündet, was Androidnext.de schon in praktischer Anwendung gefunden hat.

Bevor jetzt großes Lob kommt: Warum bekommt eigentlich nur Google Zugriff auf die offiziellen Fahrpläne? Was ist mit freien Alternativen wie OpenStreetMap? Warum veröffentlicht die Deutsche Bahn nicht endlich mal ihre Fahrplandaten als Opendata, damit alle, und nicht nur der Beinahe-Monopolist Google tolle Anwendungen mit den Daten des Beinahe-Monopolisten Deutsche Bahn machen können?!

Bevor jetzt jemand jubelt, dass Google-Maps auch den Öffentlichen Nahverkehr in Berlin abbilden könne: Dem ist nicht so. Das geht nur mit der S-Bahn. Ich hab mal aus Spaß gerade die Strecke vom Büro zum Bundestag eingegeben. Da bietet mir Google-Maps nur eine Laufstrecke an, weil Büro an einem U-Bahnbahnhof sitzt.

Apropos Google und Deutsche Bahn: Man sollte vorsichtig sein beim Bestellen von eTickets mit Tablets: Nexus7 ist für die Deutsche Bahn nicht mobil genug.

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15 Kommentare
  1. Für mich ist die Frage, ob und wann OpenStreetMap nachzieht nicht so spannend. Die können ja auch eine Pressekonferenz zu ihrem Stand der Dinge machen. Oder sind die eo ipso zu bedienen, weil da vorne Open dran steht?

    Schade finde ich, dass die Bahn nicht die Eier hatte, auch die anderen Fern- und Regionalverkehrer einzubinden, wie sie das in ihrem eigenen Hafas macht. So fehlt zum Beispiel die Nordwestbahn, die viele Strecken im Regionalbereich fährt, wo die Bahn nicht wettbewerbsfähig anbieten konnte.

    Die Routen selbst sind schön und übersichtlich. Was fehlt sind die Echtzeitinformationen, wie man sie mit dem QR-Reader für die BVG bekommt, so dass man sieht, dass ein Fahrzeug nicht nur nach Plan kommen könnte, sondern wann es tatsächlich an einer bestimmten Haltestelle inkl. Verspätung ankommt. Bei Online-Fahrkartenverkäufen mach die Bahn das ja auch schon, dass man sich einen Verspätungsalarm per E-Mail zuschicken lassen kann, so dass man schon im Zug nach Alternativen suchen kann, wenn ein Anschluss nicht klappen kann.

    Wie ich gesehen habe, sind jetzt auch die Radwege eingemalt. Google Maps wird immer besser.

    Ich finde, dass das Preisen der ehrenamtlichen Selbstausbeutung wie bei OpenStreetMap kein Selbstläufer ist. (Am Rande: bin ich zu blöd? Ich finde auf http://www.openstreetmap.org/ kein Routing?)

    Wenn Google geilen Service mit einer seriösen Finanzierung für die Mitarbeiter und kostenlos für den Nutzer hin bekommt, dann sollen sie das machen. Wenn sie unangenehmes machen, kann man sie gesetzlich ermuntern, angenehm zu bleiben. Zum Beispiel kann man auch Verkehrsbetreiber gesetzlich bitten, wenn sie öffentliche Zuschüsse bekommen, wie Bahn, BVG, Nord-West-Bahn, dass sie dann auch mindestens ihre statischen Fahrpläne in definiertem Format als amtliche Werke nach §5 UrhG veröffentlichen müssen (also urheberrechtsfrei).

    Hier kriegt doch sonst jeder ein Gesetz, der auf Kosten des Steuerzahlers mit Merkel Kaffee trinken geht anlässlich der Geburtstages des Herrn Ackermann, Deutsche Bank. Wie zum Beispiel die Axel Springer AG ihr unsinniges Leistungsschutzrecht, das das Internet töten soll, um zurück zum Papier zu kommen.

  2. Die Frage ist, wo man die GTFS-Dateien runterladen kann. Es gibt schon Openstreetmap-Anwendungen, die dieses interpretieren können.

    Rückt die Files raus und wir haben im nu das Angebot „frei“.

  3. @Wolfgang:
    Beim Verweis auf OSM ging es doch gar nicht darum, die „ehrenamtliche Selbstausbeutung“ zu preisen. Das war lediglich ein Hinweis darauf, dass andere Dienste mit weniger (Markt-)Macht oder kleinerer Lobby aktuell keine Chance haben, an die Daten zu kommen. Und das ist bei zumindest zu Teilen aus öffentlichen Steuergeldern finanzierten Diensten durchaus kritikwürdig. Wenn wir alle (aus guten Gründen!) Geld ins ÖPV-System stecken müssen, dann dürfen wir auch verlangen, dass zumidnest Informationen frei verfügbar sind.

    Die Integration von Echtzeitinformationen wird vermutlich noch etwas dauern, da die General Transit Feed Specification (https://developers.google.com/transit/gtfs/reference), die Google nutzt, dies noch nicht vorsieht.

    PS: OpenStreetMap selbst bietet kein Routing (vermutlich aus Serverkapazitätsgründen); ein auf OSM basierendes Routing gibts z.B. unter http://openrouteservice.org.

  4. Wir sind doch schon dankbar für kleine Schritte, also freuen wir uns doch erstmal, dass sich bei der Bahn tatsächlich mal etwas bewegt. Nach google geht es dann sicher weiter, denn kein öffentliches Unternehmen wie die Bahn wird sich auf lange Sicht Einseitigkeit und Bevorzugung vorwerfen lassen wollen.

  5. Versteh ich nicht. Die App „Öffi“ kann für jede Menge Nahverkehr die Fahrpläne (auch Berlin) ausspucken, irgendwo muss es also solche Daten geben, oder?

      1. Keine Daten ist falsch. Der „Öffi“-Entwickler hat die Daten bei den betreffenden Städten erfragt. Zumindest die Haltestellendaten. Ich hab das auch mal gemacht: Man bekommt von der Bahn erst ein Sample-Dataset zum „spielen“ und man muss seine Absichten darlegen („Ich mache ne Fahrplanapp!“).

        Ob die dann irgendwann Geld verlangen oder so weiß ich aber nicht, mehr als das Test-Datenset hab ich nie angefordert.

  6. Warum die das nicht als OpenData anbieten? Ich finde die Frage naiv. Da könnte man auch fragen, warum Apple seine IPhone5s nicht verschenkt.

    Weil sie Geld verdienen, wenn sie Google die Daten verkaufen. Als OpenData verdienen sie kein Geld. Logisch, oder?

  7. @laZee
    Verschwörungstheorien finde ich auch schön. Sie wirken aber besser, wenn nicht andere das Gegenteil behaupten. Gut ist daher, wenn man ins mystische flüchtet. Bei Deinen Geldflüssen zwischen Bahn und Google sagt der SPIEGEL anders als Du:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-kooperation-mit-deutscher-bahn-wirft-fragen-auf-a-856215.html

    Ich finde aber interessant, dass es ein erhebliche sMaß an blödem Gemaule gibt, wenn zwei Unternehmen ihren Nutzern kostenlos was zur Verfügung stellen. Statt Danke zu sagen, ist ablehnende Klugscheisserei auf Dauer kein tragfähiges Konzept.

    Im Spiegel steht übrigens auch, das die Bahn die Daten der anderen nicht weitergeben durfte ob ihrer Nutzungslizenzen. Aber Bahn-Bashing macht natürlich mehr Spaß als darüber nachzudenken, wie man Fahrplandaten öffentlich finanzierter Leistungen als Amtliche Werke urheberrechtsfrei zu bekommen.

    Für die OpenStreetMap-Fangemeinde: Google gibt es auch als Infrastruktur, wo man eigene Maps mit eigenen Anwendungen veredeln kann. Aber es gibt halt auch offene Anwendungen, die man sofort durch kostenloses Interface mit dabei hat, ohne auf Insider-Tipps fürs Routing angewiesen zu sein. Wie sagt der Grieche: Your Milage may vary :-)

    1. „Google gibt es auch als Infrastruktur, wo man eigene Maps mit eigenen Anwendungen veredeln kann.“

      Konsumiere oder stirb. Es ist schon abstoßend, welchen Zeitgeist Apple geschaffen hat mit seiner Haltung, dass User dankbar dafür sein sollen, dass man ihnen das „perfekte Produkt[tm]“ entwickelt, das mit Sicherheit auch das benutzerfreundlichste ist. Selbst wenn das stimmen sollte, Innovation und Kreativität im Technologiesektor leben immer davon, Raum für Freiheit und offene Werkzeuge zur Verfügung zu haben. Wer dagegen wettert, wenn vehemente Forderungen danach aufkommen, dass öffentlich geförderte Institutionen eben solche Werkzeuge nicht hinter verschlossene Türen packen und nur den „coolen Jungs“ zur Verfügung stellen sondern allen, dann läuft nach meiner Vorstellung von Freiheit, Kreativität, Wettbewerb und vor allem demokratischer Teilhabe irgendetwas ziemlich falsch in diesem Land.

      1. Wenn Du der Meinung bist, dass alle Verkehrsunternehmen und nicht nur die Deutsche Bahn ihre Fahrplandaten elektronisch als offene Daten zur Verfügung stellen sollen, wenn sie öffentliches Geld erhalten für den Betrieb, dann würde sich der §5 UrhG „Amtliche Werke“ anbieten. Dan hätte man einen Ansprechpartner: den Bundestag.

        Wenn Du aber lieber ineffizient über jedes Verkehrsunternehmen herziehen willst, um denen vorzuplärren, wie schlecht die Byos jenseits des großen Wassers sind, dann hast du a) viel zu tun und man wird b) dich nicht ernst nehmen.

        Wenn man heute Leading-Edge Anwendungen bauen will, dann kann man heute zwischen Google-Maps, BingMaps und OpeneStreetMaps wählen. Jenseits aller Romantik von Freiheit und Abenteuer steht dann Google ganz vorn: technisch, ökonomisch, Volumen der Inhalte. Warum sollte aber die Bahn auf Leading Edge verzichten und drittklassig starten?

        Wenn Du nur die Daten willst, dass solltest Du die von allen Verkehrsunternehmen fordern und wenn es geht auch global. Das Geplärre über Bahn und Apple und Google ist wenig hilfreich.

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