Kultur

Bokhylla: Norwegen digitalisiert 250.000 Bücher

Als Folge der immer längeren urheberrechtlichen Schutzfristen nimmt kontinuierlich die Zahl jener Werke zu, die noch urheberrechtlich geschützt aber nicht mehr kommerziell verwertbar und deshalb nur noch sehr schlecht zugänglich sind. Archivare sprechen in diesem Zusammenhang von der „Lücke des 20. Jahrhunderts„, weil gerade Werke davon betroffen sind, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden.

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In Norwegen hat sich nun die Nationalbibliothek dieses Problems angenommen und bereits 2009 „Bokhylla“ („Bücherregal“) gestartet, um Bücher in norwegischer Sprache zu digitalisieren und zumindest online verfügbar zu machen (vgl. dradio-Kultur). Die dort bereits verfügbaren 50.000 Werke sollen bis 2017 kontinuierlich auf insgesamt 250.000 Bücher ausgebaut werden, womit praktisch alle im 20. Jahrhundert auf Norwegisch erschienenen Bücher erfasst sein werden. Bereits bis Ende diesen Jahres werden 60.000 weitere Bücher via Bokhylla verfügbar sein.

Möglich wurde diese Digitalisierung von urheberrechtlich größtenteils noch geschützten Werken durch eine Einigung mit der Organisation Kopinor, die als Dachorganisation für Verwertungsgesellschaften fungiert und Rechte von Autoren, Verlagen und sonstigen Rechtinhabern vertritt. Kopinor erhält für jedes digitalisierte Buch eine Vergütung durch die Nationalbibliothek (vgl. Pressemeldung von Kopinor). Rechteinhaber haben aber die Möglichkeit, für einzelne Werke die Digitalisierung zu untersagen („opt-out“).

Voraussetzung für den Zugang wird allerdings eine norwegische IP-Adresse sein und ein Download sowie Ausdruck von urheberrechtlich geschützten Büchern wird nicht erlaubt sein. Wieso norwegisch sprechende Personen außerhalb Norwegens von dem Angebot ausgeschlossen werden, leuchtet nicht wirklich ein – noch dazu, wo sich IP-Sperren über Proxy-Server ohnehin vergleichsweise leicht umgehen lassen. Auch das Download- und Druckverbot erscheint sehr restriktiv – vor allem angesichts der Tatsache, dass eine Vergütung bezahlt wird und die Möglichkeit zum opt-out besteht.

Jedenfalls aber beweist das norwegische Beispiel, dass öffentlich finanzierte Digitalisierungsintiativen jenseits von Google Books durchaus möglich sind.

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2 Kommentare
  1. Naja gerade durch die Zahlung einer Vergütung taugt Norwegen doch nur sehr bedingt als Beispiel für die öffentliche Finanzierbarkeit solcher Projekte. Man darf nicht vergessen, dass Norwegen durch große Öl- und Gasvorkommen über einen der solidesten Staatshaushalte der Welt verfügt.

  2. Positiv zu sehen ist ja schon die Tatsache, dass sich dort die Nationalbibliothek überhaupt darum kümmert, hunderttausende Werke zu digitalisieren und damit für die Nachwelt zu retten. Über die Zugriffsmöglichkeiten darauf und die Urheberrechts- und Lizenz-Fragen kann man ja mit Verwertungsgesellschaften, Urhebern und der Öffentlichkeit immer noch detailliert diskutieren. Wenn die Werke erstmal digital öffentlich zugänglich gemacht werden, wird wohl auch der Wunsch nach einfacherem und umfangreicherem Zugang aufkommen.

    Hauptsache, dass nicht schon die Digitalisierung selbst durch Verwertungsgesellschaften und Verlage im Vorfeld torpediert und unmöglich gemacht wird.

    Ob so etwas z. B. bei der DNB überhaupt in einem solchen Umfang möglich wäre? Von der weit höheren Zahl der Werke und entsprechend höheren Kosten mal abgesehen.

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